Befreiung Korsikas, 9. September bis 4. Oktober 1943

Am 4. Dezember 1938, in Bastia, die Antwort auf die Forderungen Mussolinis: "Corsica, Savoia, Tunisia a noi !" (Korsika, Savoyen, Tunesien gehören uns). Tausende Korsen legen vor dem Ehrenmal ein Gelübde ab: "Vor der Welt schwören wir aus ganzer Seele, auf unseren Ruhm, auf unsere Gräber, auf unsere Wiegen, dass wir als Franzosen leben und sterben“.

 

Am 8. November 1942 gehen die Alliierten in die Offensive und landen in Nordafrika (Operation Torch). Hitler fällt in der freien Zone ein (Operation Attila). Am 11. November besetzen 80.000 Italiener Korsika, ab Juni 1943 schließen sich ihnen 14.000 Deutsche der SS Brigade Reichsführer an. Bei ungefähr 200.000 Einwohnern auf der Insel bedeutet das also fast einen Besetzer für zwei Einheimische. Der November 1942 stellt einen bedeutenden Wendepunkt für den Mittelmeerraum dar. Ohne Zweifel erhebt Deutschland keine territorialen Ansprüche auf die Inseln im westlichen Mittelmeer. Nichtsdestotrotz sind Korsika, Sizilien und Sardinien ab November zu strategischen Posten geworden, die es zu verteidigen gilt. In Korsika fürchtet Deutschland außerdem, dass die Bevölkerung gegebenenfalls eine Landung der Amerikaner und Engländer wünscht und bevorzugt.


 

Ab Dezember 1942 entsendet General Giraud, welcher zusammen mit General de Gaulle Präsident des Französischen Komitees zur Nationalen Befreiung ist, die Mission Pearl Harbour an Bord des U-Boots Casabianca nach Korsika, um ein Widerstandsnetzwerk aufzubauen.

 

Fred Scamaroni. Quelle: Museum des Ordre de la Libération

 

 

Fred Scamaroni, der 1941 die gaullistische Widerstandsbewegung R2 Korsika gegründet hat, wird von General de Gaulle im Januar 1941 beauftragt, einen Zusammenschluss der Widerstandsgruppen zu forcieren. Trotz guter Fortschritte scheitert der Versuch, da Scamaroni von der italienischen Geheimpolizei OVRA verhaftet und gefoltert wird und schließlich am 19. März 1943 in Ajaccio Selbstmord begeht, um das Schweigen zu bewahren. Sein Netzwerk wird daraufhin aufgelöst.


 

Am 4. April 1943 entsendet General Giraud Paul Colonna d’Istria mit dem Auftrag, „alle Elemente des Widerstands zusammenzuführen […], Gebiete für Fallschirmlandungen zu suchen, die militärischen Ziele festzulegen, die im Zuge eines gleichzeitigen Angriffs am festgelegten Stichtag die Verteidigung lahm legen und die Landung eines Expeditionskorps ermöglichen sollen, welche der Generalstab des Oberkommandierenden heimlich in Algier vorbereitet“. Diese Aktion trägt entscheidend dazu bei, die Widerständler, in Zusammenarbeit mit der französischen Armee, zum endgültigen Sieg zu führen.

In der Zwischenzeit bringt das U-Boot Casabianca im Zuge mehrerer Missionen Agenten und Munition zur Bewaffnung der Widerstandsbewegung auf die Insel. Dem Versenken der Flotte bei Toulon entkommen, gilt dieses Schiff als Symbol für die Verbindung zwischen Algier, der Widerstandsbewegung und der französischen Armee.


 

Im Juni nimmt die OVRA zahlreiche Patrioten fest. Einige werden hingerichtet (Pierre Griffi, Jean Nicoli, Michel Bozzi), andere nach Italien deportiert.


 

Am 10. Juli 1943 landen die Alliierten in Sizilien (Operation Husky). Mussolini wird seines Amtes enthoben. Im August 1943 zwingt die Verschlechterung der militärischen Lage der Achsenmächte in Italien die Deutschen dazu, eine neue Strategie zu überlegen. Der deutsche Plan sieht vor, Sardinien zu verlassen und die deutschen Truppen auf Korsika und Elba zu konzentrieren, um die eroberten Positionen in Nord- und Mittelitalien zu schützen. Die SS-Brigade wird also verstärkt, während sich die 90. Panzergrenadier-Division auf eine Überstellung von Sardinien nach Korsika vorbereitet.


 

Am 3. September unterzeichnet Italien im Geheimen ein Waffenstillstandsabkommen mit den Alliierten. Dieses Abkommen, das am 8. bekanntgegeben wird, bestimmt, dass Korsika an die Alliierten zurückgegeben werden muss. Am 9. landen die Alliierten in Salerno, südlich von Neapel.


 


 

Die Befreiungskämpfe



A – Der italienische Waffenstillstand vom 8. September: der Aufstand in Korsika und die neuen Verhältnisse zwischen Deutschland und Italien


 

Am 4. September wird die korsische Widerstandsbewegung durch eine Radiomeldung, die über eine unmittelbar bevorstehende Landung berichtet, alarmiert.

 

                                                             Korsische Widerständler inspizieren deutsche Waffen (ein Maschinengewehr MG 34 und sein Magazin, eine Repetierbüchse Mauser 98), die im Zuge der Befreiung der Insel in Beschlag genommen wurden. Quelle: ECPAD

 

 

Am Abend des 8. Mai erhält der General Magli zwei Ultimata: eines von den deutschen Befehlshabern, die die Entwaffnung der italienischen Truppen fordert, das andere von Paul Colonna d’Istria, der eine eindeutige Stellungnahme für oder gegen den korsischen Widerstand verlangt. Die erste Forderung wird zurückgewiesen, die zweite mit Vorbehalten akzeptiert, was erklärt, dass die italienischen Truppen erst ungefähr zwei Wochen später gegen die Deutschen Stellung beziehen. Die Lage ist sehr verworren. Die positive Antwort von General Magli an Colonna d’Istria löst nicht alles und nicht alle in der italienischen Armee erkennen die Autorität des italienischen Regierungschefs, Marschall Badoglio, an.


 

Die Situation gegenüber den Deutschen wird immer angespannter: schon im Morgengrauen des nächsten Tages finden schwere Zusammenstösse im Hafen von Bastia statt. Die italienische Luftabwehr schießt auf deutsche Flugzeuge, ein italienisches Schiff, das gerade ausläuft, wird von den Deutschen angegriffen und in Brand gesteckt. Am frühen Morgen des 9. September werden mehrere deutsche Schiffe von italienischen Batterien beschädigt und die Gefangenen werden unter die Autorität des italienischen Militärs gestellt. Am selben Tag erobern Patrioten und italienische Soldaten in der Stadt die Zitadelle, den Bahnhof und die wichtigsten Verbindungswege; das Büro der Légion des Combattants wird zum Stützpunkt der Widerständler der Nationalen Front.


 

Andere Fälle von unmittelbarer Zusammenarbeit zwischen den Italienern und dem korsischen Widerstand werden gemeldet (z. B. in Sartène). 

 

Die Volkserhebung in Ajaccio am 9. September 1943. Quelle: Service historique de la défense (zentrales Archiv des französischen Verteidigungsministeriums)

 

 

Ajaccio erhebt sich am 9. September. Am 10. September werden an der Parata stationierte Deutsche an der Stadtgrenze von einer Gruppe Widerständler aufgehalten. Sie ziehen sich auf dem Seeweg zurück, da ihre zahlenmäßige Unterlegenheit jeden Versuch, das Straßennetz zu nutzen, vom Zufall abhängig macht. Der Hafen von Ajaccio steht somit für die Landung der alliierten Truppen zur Verfügung.


 

In Abänderung der Pläne des Generalstabs befiehlt Hitler am 12. September die Evakuierung der beiden großen Inseln Sardinien und Korsika, aber nicht ohne eine Übergangsphase vorzusehen, die es ermöglichen soll, die deutschen Truppen zu versammeln und das Material abzutransportieren. Dieser Plan setzt die Wiedererlangung der Kontrolle über das korsische Straßennetz voraus.


 

Doch darf man die geografischen Bedingungen der Insel und das Kräfteverhältnis nicht unterschätzen. General von Senger versucht einen Vormarsch auf die Westseite der Insel, aber er wird sich rasch der Entschlossenheit der Partisanen bewusst und weigert sich, eine tödliche Guerilla mit ungewissem Ausgang zu führen.


 

Um den Rückzug der unter seiner Verantwortung stehenden Einheiten zu gewährleisten, konzentriert er seine Aktion ab dem 17. September auf das Straßennetz der Ostseite und auf den Hafen von Bastia: außer der Brigade Reichsführer muss auch die aus Sardinien eingelangte 90. Panzerdivision, bestehend aus 32.000 Männern und schwerem Gerät (Panzer, Artillerie, Material und verschiedene Fahrzeuge), evakuiert werden. Ein italienisches Fallschirmjäger-Bataillon folgt den Deutschen auf ihrem Rückzug. Nach dem Verlassen Korsikas müssen alle Männer in Italien kämpfen.


 


 

B—Die Hilfe Algiers nach dem Aufstand vom 9. September



Der von der Nationalen Front angeordnete Aufstand, bei dem alle Widerstandsbewegungen dank der Intervention von Paul Colonna d’Istria vereint wurden, ist keine unüberlegte Aktion. Sie ist das Ergebnis einer logischen Analyse der Situation: ohne Zweifel ist die Mehrheit der Italiener zur Kapitulation bereit, aber in vielen Gebieten Europas und Afrikas folgen rasche und brutale Angriffe der Deutschen dem Abzug der Italiener. In Korsika würde ein zu langes Zögern die Gefahr einer Beschlagnahme durch die Deutschen mit sich bringen. Die Patrioten sind überzeugt, sich disziplinierten und gut ausgebildeten Gegnern stellen zu müssen.


 

Am 8. September trifft Giovoni, ein führendes Mitlied der Nationalen Front, in Algier General Giraud, der im seine Hilfe verspricht, aber General de Gaulle nicht verständigt. Am selben Abend beginnt auf der Insel der Aufstand, was die Behörden in Algier überrumpelt.


 

General Giraud, der sich des Risikos für die Widerständler bewusst ist, trifft die laut General de Gaulle „mutige und riskante“ Entscheidung, das 1. Armeekorps unter General Henri Martin zu entsenden, um die Widerstandsbewegung zu unterstützen.

Die logistischen Probleme sind jedoch enorm. Das alliierte Kommando kann seine grundlegende Strategie nicht ändern und auf Distanz in Korsika eine Operation mit Amphibienfahrzeugen starten, da ein Teil der Mittel für Salerno bestimmt ist.

Zumindest können die Franzosen zwei U-Boote nützen: die Casabianca und die Aréthuse, sowie zwei Panzerkreuzer und zwei Torpedoschiffe. Der Hafen von Ajaccio ist frei, ebenso wie das Gebiet von Campo dell’Oro, welches allerdings am 12. September von der deutschen Luftwaffe angegriffen wird. Dennoch kann eine Flugzeugjägerstaffel der Alliierten dort landen.

Die Ersten, die an Land gehen, sind die Männer des von General Giraud im April 1943 erstellten 1. Kommandobataillons. Sie setzen, zusammengepfercht im U-Boot Casabianca, über. Unter dem Befehl des Kommandanten Gambiez sind die Männer besonders gut auf die Art von Kampf, der sie auf der Insel erwartet, vorbereitet. Vom 14. bis 17. September erwarten sie ihren Marschbefehl und erhalten in Ajaccio Unterstützung vom 1. Regiment der marokkanischen Infanterie, den Spahi, den Goumier, und vom Artillerie- und Geniecorps. Insgesamt 6.000 Männer, 400 Tonnen Waffen, Jeeps, Fliegerabwehrgeschütze, Treibstoff und Verpflegung werden innerhalb von zehn Tagen ausgeladen. Ajaccio stellt somit einen Brückenkopf dar. Die Truppen aus Algerien unterstützen die Patrioten, die alleine begonnen haben, die Verbindungen zwischen den beiden Seiten der Insel zu verteidigen.

 

Der 1. Stoßtrupp, der in Algier aufgestellt wurde, ist die erste Einheit, die in Frankreich an Land geht, und zwar in Ajaccio, am 13. und 14. September 1943. Quelle: ECPAD France

 

 

Es ist für die Deutschen bereits unmöglich, auf eine komplette Besetzung Korsikas zu hoffen, zumindest nicht ohne Verstärkung. Am 11. September erhalten die italienischen Behörden den Befehl, die Deutschen als Feinde zu betrachten.

General Henri Martin hat gleich nach seiner Ankunft Kontakt mit General Magli aufgenommen. Als Verantwortlicher für die Koordination der gelandeten Truppen möchte er die Bedingungen für eine französisch-italienische Zusammenarbeit festlegen. Das am 21. September getroffene Abkommen sieht eine gemeinsame Aktion im Süden der Insel und einen zusammenlaufenden Angriff auf Bastia vor: die Division „Cremona“ wird an den Kämpfen von Porto Vecchio, Sotta und Bonifacio am 23. und 24. September teilnehmen, die Division „Friuli“ an denen auf dem Pass Col de Teghime am Ende des Monats.


 

Am 21. September begibt sich General Giraud vor Ort, um die Operationen zu überwachen und General Magli zu treffen. Die Italiener kämpfen offiziell an der Seite der französischen Streitmacht und stellen eine wertvolle Unterstützung dar.

Die so genannte Operation Vésuve, die überstürzt in Algier beschlossen wurde, ist also gestartet, und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Einheiten, wie den korsischen Partisanen, den Truppen der afrikanischen Armee und den italienischen Streitkräften erweist sich, gegen alle Erwartungen, als zufriedenstellend.

 

 

C – Die korsischen Patrioten in den Befreiungskämpfen

 

 

Korsische Patrioten, die im Maquis kämpfen Quelle: Service historique de la défense (zentrales Archiv des französischen Verteidigungsministeriums)

 

 

Die Kampfphase wird nicht von allen auf die gleiche Weise erlebt:

- In Ajaccio, Sitz der korsischen Präfektur, findet die Befreiung schon am 9. September statt. Die Bevölkerung wird Zeuge der Landung der Truppen und bringt ihre Freude ungehindert zum Ausdruck. Am Vortag werden die Büros der Miliz, des Parti Populaire Français und der von Kollaborateuren veröffentlichten Zeitungen gestürmt und geplündert. Le Patriote, die Zeitung der Nationalen Front, verlässt den Untergrund und erscheint im Verlag Jeune Corse. In den Straßen wird die Marseillaise gesungen.


 

- In Sartène stößt der Volksaufstand auf einen deutschen Angriff, der auf der Place Porta die Zivilbevölkerung anvisiert.


 

- In Bastia finden Straßenkämpfe statt, vor allem zwischen Italienern und Deutschen. Am 14. September drohen die Deutschen, die die Situation erneut im Griff haben, mit der Zerstörung der Stadt und verbieten der Bevölkerung, außerhalb des Zeitraums zwischen 11 und 12 Uhr außer Haus zu gehen. Die Patrioten, die in der Überzeugung, dass ihre Stadt befreit ist, das Rathaus und die Unterpräfektur besetzt haben, kehren nach dem Eingreifen einer deutschen Kolonne auf der Avenue de Casamozza und einem Stuka-Angriff in den Untergrund zurück.


 

- In Ajaccio sind die Bedingungen besser, und administrative Veränderungen werden rasch durchgeführt: die Führungskräfte des Vichy-Regimes verzichten ohne Widerstand auf ihre Ämter.


 

Am 9. September wird eine neue Kommunalbehörde unter dem Vorsitz von E. Macchini ernannt, und die Nationale Front schafft einen Präfekturrat, der Präfekt Pelletier tritt daraufhin völlig in den Hintergrund. Der Präfekturrat unternimmt die ersten Schritte zur Auflösung der Parteien und Bewegungen, die mit den Deutschen kollaboriert haben. Anweisungen an alle Kreisräte der Nationalen Front ordnen die Übernahme der Rathäuser und bereits den Beginn einer Säuberung an.



Mit unterschiedlichen Waffen ausgestattet, und oft ohne Erfahrung, da sie im September mittlerweile über 10.000 sind, haben die meisten Patrioten keine militärische Ausbildung und kämpfen ohne Hilfe während der ersten acht oder zehn Tage. Während dieser Zeit versuchen die Deutschen immer noch, sich eine Bresche nach Westen in die Gebiete von L’Ospedale, Ghisoni, Barchetta und Folleli zu schlagen. Im Süden muss man mit der Brigade SS Reichsführer, die in Sartène einquartiert ist, rechnen.

 

 

Karte der Militäroperationen Quelle: SGA/DMPA

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Die Deutschen wollen ihre Material- und Treibstofflager retten, wie jenes in Quenza, das am 15. September von der Nationalen Front und den Männern unter Kommandant Pietri angegriffen wird. Der Bereich um Levie ist abgesperrt. Am 17. trägt eine Kompanie des Stoßtrupps wesentlich zur Unterstützung der Widerständler bei: trotz des Eingreifens ihrer Luftwaffe werden die Deutschen besiegt. General von Senger ist von den exzessiven Kosten einer Aktion gegen den Westen überzeugt und schenkt in Folge seine ganze Aufmerksamkeit der Evakuation seiner Streitkräfte nach Bastia. Nun beginnt die zweite Phase der Kämpfe: am 18. auf der Straße von Bonifacio nach Porto Vecchio, dann am 22. im Gebiet von Conca, dienen die Anhöhen neben der Straße als Basis für die Angriffe; aber die 90. deutsche Division ist eine Panzerdivision, sie kann Verluste erleiden, gebremst, aber nicht aufgehalten werden.


 

Die Mitglieder des Maquis werden entsprechend im Zuge des langsamen Vorwärtskommens der Deutschen in Richtung Norden nach und nach in die Kämpfe einbezogen. Die Gruppen von Vezzani und Prunelli di Fiumorbo schreiten am 23. und 24. September ein. Die Deutschen verlieren die Kontrolle über die Flugplätze von Ghisonaccia und Borgo, die sie für ihre Evakuation und die unterstützenden Luftoperationen benutzt hatten. Ende September finden Kämpfe in Casinca statt. Unter den Patrioten findet der Stoßtrupp Führer, die, da keine Generalstabskarten der Region zur Verfügung stehen, unerlässlich sind. Außerdem konnte eine 4. Kompanie aus vor Ort rekrutierten Freiwilligen aufgestellt werden. Die Bevölkerung verpflegt und informiert die Kämpfer, aber den Verletzten fehlt es an medizinischer Versorgung: die Truppen werden in dieser Zone von keinem Sanitätsdienst begleitet. 

 

 

Im Zuge der Militäroperationen zur Befreiung Korsikas startet die französische Armee am 30. September 1943 einen Angriff auf den Hafen von Bastia, um die Wiedereinschiffung der Deutschen zu verhindern. Die Goumier der 2. GTM (Groupe de Tabors Marocains, marokkanische Kolonialinfanterie), die an dem Sturm auf die Stadt teilnehmen, was ihnen schließlich am 2. Oktober gelingt. Quelle: ECPAD

 

 

Ende September und während der drei ersten Tage im Oktober versuchen die Deutschen nur mehr ihren Abzug zu sichern und ziehen sich nach Bastia zurück. Ihre Artillerie verlangsamt den Zugang. Die Patrioten und die Stoßtrupps kommen aus dem Süden, während die Tabor, die Spahi und die italienischen Truppen gemeinsam mit den Widerständlern aus Cortenais und Balagne aus dem Westen vordringen. Bei diesen Kämpfen spielen die Marokkaner eine entscheidende Rolle. Der Pass San Stefano wird am 30. September erobert, der Pass Teghime am 3. Oktober. Der Stoßtrupp übernimmt die Kontrolle von Cap Corse, nicht ohne eine Auseinandersetzung mit den Deutschen bei Pietracorbara. Am 4. Oktober ist Bastia befreit, aber von den Kämpfen und amerikanischen Bombenangriffen völlig zerstört.

 

 

Goumier und italienische Soldaten, September 1943. Quelle: ECPAD

 


 

Geschwächt durch den Verlust von ungefähr hundert Panzern, 600 Artilleriegeschützen und 5.000 Fahrzeugen verlässt die 90. Panzergrenadierdivision die Insel. Daraufhin gesteht Marschall Kesselring selbst, dass er die Landung von General Clark in Salerno nicht verhindern kann. Viele Patrioten fallen im Kampf an der Seite der französischen und italienischen Soldaten, während andere, die von den bewaffneten Deutschen überrascht werden, sofort hingerichtet werden: man zählt mindestens 25 willkürliche Hinrichtungen. Insgesamt wird die Zahl der Opfer wie folgt geschätzt: die deutschen Truppen verlieren ungefähr 1.600 Männer, von denen 1.000 getötet und 400 gefangen genommen werden; die Italiener zählen 673 Tote und 557 Verletzte; auf französischer Seite beklagt der Widerstand 170 Gefallene und ungefähr 300 Verletzte; die reguläre Armee zählt 75 Tote (darunter auch der Offiziersanwärter Michelin, der erste französische Offizier, der auf französischem Boden gefallen ist) und 239 Verletzte. Die Materialschäden an den Kampfschauplätzen sind beträchtlich: zahlreiche Brücken wurden gesprengt und Häuser zerstört. Zwischen dem 13. September und dem 4. Oktober wird Bastia Opfer von fünf Bombenangriffen und von zahlreichen Artilleriebeschüssen.

 

 

Bombardierung Bastias, Oktober 1943. Quelle: Service historique de la défense (zentrales Archiv des französischen Verteidigungsministeriums)

 

 

Die Viertel um den Hafen, den Bahnhof und selbst der Friedhof sind zerstört, die Bahnlinie an der Ostküste kann nicht mehr benutzt werden.


 

Während seines Besuchs in Korsika vom 8. bis 10. Oktober würdigt General de Gaulle die erbrachten Leistungen und Opfer. Seine Ansprachen spiegeln ein ehrliches Empfinden wider. Die Korsen jubeln dem Ko-Präsidenten des Französischen Komitees zur Nationalen Befreiung zu. Die vom Rest Frankreichs abgeschnittene Insel untersteht nunmehr Algier. Für die Bewohner bedeutet die Befreiung nicht den Frieden, sondern, ganz im Gegenteil, die Fortsetzung der Gefechte an der Seite der Alliierten. Auch in dieser Hinsicht ist die Situation dieser französischen Region eine Ausnahme: im Laufe des Jahres 1944 werden 12.000 Korsen im Alter von 20 bis 28 Jahren eingezogen. Zudem dient die Region als Stützpunkt für die Luftwaffe der französischen Marine, um die Seeverbindungen zu kontrollieren, als Basis für die Angriffe gegen Nord- und Mittelitalien, die noch in der Hand der Deutschen sind und als Ausgangspunkt für die Landung in der Provence im August 1944.

 

 

Die französische Flagge, die vom Kapitän Thene, Kommandant des 73. Goum gehisst wurde, weht an der Fassade des Rathauses in Bastia, welches am 2. Oktober 1943 von den französischen Streitkräften befreit wurde (Infanterie, Goumiers und Stoßtrupp). Quelle: ECPAD

 

 

Am 6. Juni 1944 landen die Alliierten in der Normandie. Nach Korsika ist Calvados das zweite befreite französische Departement. Die FFI von Caen nehmen den Namen von Fred Scamaroni, dem Helden und Märtyrer der korsischen Résistance, an; am 8. Juli 1944 hissen die Männer der Kompanie Scamaroni die französische Flagge vor der Männerabtei von Caen. Korsika nimmt in der Geschichte des Widerstands und der Befreiung einen wichtigen Platz ein. Korsika ist das erste Gebiet, das von seinen Bewohnern und von den französischen Soldaten ohne Mithilfe der angloamerikanischen Streitkräfte befreit wurde. Die Kämpfer und die strategische Zone, die dadurch den Alliierten zur Verfügung standen, kamen zum richtigen Zeitpunkt, in einem entscheidenden Moment des Kriegs im Mittelmeerraum, was entscheidend zum Rückzug der Nazis in Italien und in Südfrankreich beitrug.

 

Denkmal zu Ehren der Soldaten der 2. GTM, Barbaggio, Pass von Teghime Quelle: Foto JF. Paccosi

 

 

Résumé :

Le 9 septembre 1943, les patriotes corses se soulèvent contre les forces d'occupation de l'Axe. Ils luttent d'abord seuls, puis sont renforcés par les troupes françaises d'Afrique. Non seulement la Corse est le premier territoire libéré par ses habitants et des soldats français sans aide alliée mais les pertes allemandes vont compromettre la résistance ennemie à Salerne.

 

 

"Résistance et Libération de la Corse"

 

Exposition virtuelle inédite à découvrir sur le site Internet de l'AERI. MUSÉE VIRTUEL DE LA RÉSISTANCE

 

 

Quelle: MINDEF/SGA/DMPA - Collection "Mémoire et Citoyenneté" n° 35