Desert Storm und die Operation Daguet, zwanzig Jahre danach

 Ob als letzter Konflikt des Kalten Krieges oder als erster postmoderner Krieg, die Operationen zur Befreiung Kuwaits im Februar 1991 kennzeichnen einen langen und komplexen diplomatischen Prozess, der zu Luftangriffen und einem anschließenden schnellen Bodeneinsatz führt. Für Frankreich, das am Einsatz mit fast 20.000 Mann teilnimmt - davon zwei Drittel Bodenstreitkräfte -, stellt sich mit dem ersten Golfkrieg die Frage der Anpassung seiner Verteidigungsmittel an die Bedingungen und Gegebenheiten einer sich verändernden Welt.

Als Saddam Hussein in Kuwait einmarschiert und das Emirat am 2. August 1990 faktisch annektiert, reagiert die internationale Gemeinschaft mit drei Resolutionen des Sicherheitsrates der UNO, die den Rückzug der irakischen Streitkräfte fordern. Die Situation entwickelt sich schnell: der saudiarabische König Fahd gestattet am 6. August den Amerikanern, angesichts der Bedrohung gegen seine Grenzen durch die irakischen Divisionen, die Stationierung von Landstreitkräften auf seinem Territorium: dies ist der Beginn der Operation Desert Shield (Wüstenschild), bei der sich bald eine Koalition westlicher, aber auch arabischer Länder um die Vereinigten Staaten bildet. Der August vergeht mit Vermittlungsversuchen, zwischen irakischen Provokationen (westliche Bürger dienen als Geiseln und „menschliche Schutzschilde“) und Versuchen der ONU, die die Hoffnung auf einen Kompromiss nicht aufgibt. Ein echter Einschnitt erfolgt Anfang September, als die UdSSR die Amerikaner unterstützen. Zwischen 14. und 23. September werden in Kuwait-Stadt mehrere Botschaften geplündert - besonders jene Frankreichs, was Präsident François Mitterrand veranlasst, die militärische Beteiligung Frankreichs an den Golfoperationen zu verstärken.

  • Vier mit Matra R 550 Magic II-Raketen bestückte Mirage 2000 der Luftstreitkräfte bereiten sich am Luftwaffenstützpunkt al-Hasa auf den Start vor, Saudi-Arabien, 25. - 31. Dezember 1990. ECPAD/Yann Le Jamtel

  • Deux engins blindés du Génie du 6e régiment étranger du Génie lancés à vive allure dans le désert d'Arabie saoudite, janvier-février 1991. ECPAD/Michel Riehl

  • Sur l'axe Texas, un camion américain tractant un obusier de 155 mm M-198 croise des soldats irakiens qui se rendent, Irak, février 1991. ECPAD/Michel Riehl

  • Le drapeau tricolore a été de nouveau hissé à l'ambassade de France le 28 février 1991, Koweït City, Koweït. ECPAD/Claude Savriacouty

Ab Anfang August wurde die französische Präsenz in der Region durch eine Verstärkung der See- (Operation Artimon) und Luftstreitkräfte erhöht. Bald schon nimmt die Option eines Bodeneinsatzes konkrete Formen an, wenn es um die Befreiung Kuwaits mit Waffengewalt gehen sollte. Die Operation Daguet wird unter dem Befehl von General Michel Roquejeoffre, dem Kommandanten der schnellen Eingreiftruppe (FAR) gestartet. Rund um die teilweise professionalisierten Einheiten der 6. leichten Panzerdivision, die bald durch die 9. Marine-Infanteriedivision verstärkt wird, werden 12.000 Mann, 500 Panzerfahrzeuge und 132 Helikopter nach Saudi-Arabien an die Grenze zum Irak entsandt. Die Anfänge sind jedoch schwierig; die anfängliche Entscheidung für ein unabhängiges französisches Kommando auf gleicher Ebene mit den Amerikanern und Saudis führt zu Problemen und die französischen Streitkräfte müssen akzeptieren, sich der operativen Kontrolle der Koalition zu unterstellen. So wird der linke Flügel des Einsatzes, rund um Hafar-El-Batin, den Franzosen anvertraut, die in das 18. amerikanische Luftkorps integriert werden.

 

Während sich die Koalition nach und nach bildet, werden die diplomatischen Initiativen fortgesetzt. Der Irak, der nach der Wechselbad-Taktik vorgeht, lässt einen Teil der westlichen Geiseln frei, weigert sich aber weiterhin, Kuwait zu verlassen. Die UNO verabschiedet daher die Resolution 678 (29. November 1990) und stellt dem Zweistromland ein Ultimatum, das die Mitgliedsstaaten ermächtigt, „alle notwendigen Mittel“ einzusetzen, falls die irakischen Streitkräfte Kuwait nicht bis zum 15. Januar 1991 verlassen haben.

 

Die ersten Luftschläge gegen Bagdad und wichtige irakische Stellungen erfolgen am 17. Januar. Die äußerst medienträchtigen Luftangriffe werfen die Frage des Schutzes der Zivilbevölkerung auf, zumal Saddam Hussein teilweise durch die Bombardierung israelischer Städte zurückschlägt. Die Spannung bleibt fast einen Monat auf dem Höhepunkt; auf Erklärungen der irakischen Verantwortlichen und ihren Gesinnungswandel bezüglich eines eventuellen, bedingten Rückzugs folgen Prahlereien und Siegesmeldungen des Diktators. Schließlich beginnt am 24. Februar die Bodenoffensive: in wenigen Stunden fegt Desert Storm die irakischen Divisionen hinweg, befreit Kuwait-Stadt und stößt auf irakisches Territorium vor. Die französischen Streitkräfte zeichnen sich durch die Zerstörung der 45. irakischen Infanteriedivision aus und nehmen ihr Ziel, den Knotenpunkt Al Salam, 150 km im Landesinneren ein. Dort hält sie der Waffenstillstand auf, da die irakischen Truppen den Kuwait verlassen, nicht ohne eine Umweltkatastrophe auszulösen, indem sie 732 Erdölquellen anzünden... Was soll man zwanzig Jahre später, nachdem auch ein zweiter Golfkrieg stattgefunden hat, aus der Operation Daguet schließen? Zu den wichtigsten Folgen zählen die Professionalisierung der Armeen und die Aufgabe der Wehrpflicht, um auf immer weiter entfernte, anspruchsvolle Einsätze mit kurzen Vorlaufzeiten und einem hohen Maß an Kompetenzen reagieren zu können. Paradoxerweise markiert der Irak auch das Ende eines Konflikttyps. So sind die 1990er-Jahre durch eine Abfolge von Konflikten gekennzeichnet, die aus dem Umbruch nach dem Ende des Kalten Krieges am Balkan, im Nahen und Mittleren Osten und in Afrika entstehen. Dagegen zeigt der Konflikt die großen Möglichkeiten für eine Integration Frankreichs in eine breite Koalition, wo es seinen Platz einzunehmen weiß, ohne Beiträge zum diplomatischen Dialog abzulehnen und manchmal die Waffen weichen zu lassen.

 

 Guillaume Lasconjarias - Studienbeauftragter des Instituts für strategische Forschungen der Militärakademie

 in Les Chemins de la Mémoire 211/Dez.-Jan. 2011

 

 Siehe auch auf Educadef Die Auslandsoperationen