Die Schlacht um den Mont Mouchet

Die Schlacht um den Mont Mouchet zählt neben Vercors zweifelsohne zu den wichtigsten Erfolgen der Widerstandskämpfer, die auf nationalem Boden erzielt wurden.

Diese grandiose Landschaft im Herzen der in 1.400 m Höhe gelegenen Margeride-Berge verbindet die Departements Cantal, Lozère und Haute-Loire, die allesamt während der Schlacht um den Mont Mouchet eine entscheidende Rolle spielten.  Diese Region stand unter der Befehlsgewalt von Leutnant Gaspard (Emile Coulandon), regionaler Leiter der FFI-Kräfte (Forces Françaises de l'Intérieur) der Zone R.6 und war Schauplatz der fünf größten Schlachten Frankreichs.

Im Juni 1940 sind die alliierten Armeen geschlagen und die Bevölkerung flüchtet in Panik Richtung Süden. Frankreich wird infolgedessen in das Dritte Reich eingebunden: Die Bevölkerung untersteht dem strengen Vichy-Regime, das mit dem Feind kooperiert und für Deportationen mitverantwortlich zeichnet. Viele Bürger jedoch folgen dem Aufruf von General de Gaulle. Für sie bleibt die Niederlage inakzeptabel und sie beginnen, sich in Widerstandsgruppen neu zu organisieren.

 

Carte du maquis du Mont Mouchet. Cliquez sur l'image pour voir le PDF

 

 

Die Schlacht um den Mont Mouchet

Wie auch schon in Glières und Vercors führt diese Schlacht zum Rückzug. Der Zugang ist deutlich erschwert und die deutschen Kräfte greifen energisch durch, um dieses Terrain zu sichern. Gleichzeitig laufen viele Widerstandskämpfer von der STO über. Der Plan sah vor, dass die Schlacht um den Mont Mouchet während der Landung als Ablenkungsmanöver dienen sollte. Durch die Bündelung sämtlicher verfügbaren Kräfte sollte der Zusammenschluss der verschiedenen deutschen Truppen, aus dem Süden bzw. aus der Normandie kommend, verhindert werden, damit die alliierten Truppen ungehindert landen konnten. Die 2.700 Männer, die für die Schlacht um den Mont Mouchet bereitstanden, setzten sich wie folgt zusammen: 1.300 kamen aus dem Departement Puy de Dôme, 400 aus dem Departement Cantal, 400 aus Allier, 300 aus dem Departement Haute-Loire und weitere 300 aus verschiedenen anderen Regionen Frankreichs sowie anderen europäischen Ländern (alliierte Flieger, verfolgte Israeliten, antifaschistische Widerstandskämpfer).

Diese Männer waren nahezu militärisch organisiert und in nummerierte Kompanien von 1 bis 15 sowie 3 weitere Kompanien und theoretische Gruppen von 4 Bataillonen unterteilt.



Vorbereitung der Schlacht um den Mont Mouchet

Im Jahr 1943 schließen sich die Widerstandskämpfer und die Flüchtlinge der STO zusammen und verstecken sich in Vorbereitung der Schlacht in der näheren Umgebung. Schon bald entsteht eine neue Gruppe, die bekannt ist als die so genannten Erstürmer. Dieser Sturm nimmt im Winter 1943 bis 1944 an deutlicher Bedeutung zu: Die von den Nazis und den Vichy-Milizen vertriebenen Widerstandskämpfer sind gezwungen, ihre Standorte aufzugeben. Zahlreiche Flüchtlinge der STO entscheiden sich für den Kampf im Untergrund. Sie sind insbesondere in drei Widerstandsgruppen organisiert: M.U.R. (Mouvements Unis de Résistance), F.T.P. (Francs-Tireurs et Partisans) und O.R.A. (Organisation de Résistance de l'Armée).

Im Frühjahr 1944 erhalten die Kämpfer Unterstützung durch die Geheimarmee A.S. der M.U.R. Diese neue Verbindung ist besser bekannt als F.F.I. (Forces Françaises de l'Intérieur). Die Befehlsgewalt über diese Truppen liegt bei dem in London stationierten General Koenig. Der nationale Generalstab untersteht Leutnant Pontcarral (de Jussieu). Leiter der F.F.I. in der Auvergne ist Leutnant Gaspard (Emile Coulaudon), unterstützt durch Prince (Muguet) und Monique (Montpied).

Die Geheimarmee unterhält kleine Gruppen, die im entscheidenden Moment verantwortlich sind für Sabotageakte und Guerillamethoden, mit dem Ziel, sämtliche Durchgangswege der Deutschen zu blockieren. In London finden 1943 die entscheidenden Planungen für die weiteren Zusammenschlüsse statt. In der Kommandozentrale der alliierten Kräfte wird eine solide Bastion im Massif Central erörtert, um dort die aus dem Süden kommenden feindlichen Divisionen aufzuhalten. Dieser ehrgeizige, so genannte Plan Billotte wird später jedoch wieder verworfen.

Am 15. April 1944 findet in Montluçon ein Treffen statt zwischen Leutnant Gaspard und Major Philippe (Maurice Southga'te), Leiter des Buckmaster-Netzwerks (zum englischen Buckmaster-Netzwerk zählt die französische Sektion der S.O.E.: Direktion für Sonderoperationen). Die Idee, sämtliche Widerstandskämpfer und Fallschirmjäger mit Schwerwaffen auszustatten und entsprechend zu platzieren, wird umgehend von London genehmigt.


Am 15. Mai 1944 treffen in Paulhaguet (Haute-Loire) die Verantwortlichen der Widerstandsbewegungen der Auvergne, unter dem Vorsitz von Rouvres (Henri Ingrand) zusammen und beschließen gemeinsam den Zusammenschluss sämtlicher Unterstützer. Am 20. Mai befiehlt der regionale Generalstab die Mobilisierung sämtlicher Freiwilliger verschiedenster Widerstandsbewegungen. Alle Erstürmer und französischen Kämpfer, die insbesondere aus Puy-de-Dôme kamen, treffen am Mont-Mouchet zusammen. Innerhalb von 15 Tagen treffen Tausende Freiwillige zu Fuß, per Fahrrad, in Lkws oder per Zug in Margeride ein. 2.700 gehen am Mont-Mouchet in Stellung, 1.500 in Chaudes-Algues (Hinterland von Truyère) sowie 5.000 in Saint-Genest. In Clavières, einem der Zugänge zum Hinterland des Mont-Mouchet, befindet sich ein Schild mit der Aufschrift: „Hier beginnt das Freie Frankreich!“

Der Generalstab nimmt in einem Forsthaus am Fuße des Mont-Mouchet Stellung. Die Zeitschrift „Le Mur d'Auvergne“, deren Erstausgabe von der Untergrundpresse im Februar 1944 erscheint, erhält drucktechnische Unterstützung durch den Generalstab und trägt durch ihre Veröffentlichung erheblich dazu bei, die Moral der freiwilligen Kämpfer zu stärken.
Es werden 15 Kompanien gebildet, unter ihnen das so genannte Corps-Francs, die Pioniere, das C.H.R. sowie eine Transportkompanie mit einem Fuhrpark aus mehreren Dutzend Fahrzeugen. Jeder Kämpfer wird mit einem Gewehr, einem Luftgewehr oder einer Maschinenpistole ausgestattet. Jede Kompanie erhält 9 Maschinengewehre sowie einige Hundert Granaten zur Verteidigung. Fünf Kompanien werden mit 2 Panzerfäusten und zwei Leichtmaschinengewehren ausgestattet (12. Kompanie: 4 Panzerfäuste und 4 Leichtmaschinengewehre).

Jeder Freiwillige erhält als Uniform khakifarbene Shorts, ein braunes oder schwarzes Hemd, ein paar englische Schuhe sowie eine rote Armbinde mit einer dreistelligen Nummer in schwarz sowie dem blauen Lothringer Kreuz auf weißem Hintergrund. Die Widerstandskämpfer der Haute-Loire werden im Sektor Saugues-Venteuges zusammengeführt und kommen auf 1.200 Männer. Es werden sechs Kompanien mit den Nummern 31 bis 36 gebildet, die allesamt mit leichten Waffen ausgestattet werden. Hinzu kommt eine weitere Kompanie bestehend aus 400 unbewaffneten Männern.

 

Die Kämpfe

Am 2. Juni 1944 dringt ein deutsches Bataillon aus Mende kommend in Richtung Saint-Chély-d'Apcher, Le Malzieu und Paulhac vor. Die 2. Kompanie von Mont-Mouchet bietet den deutschen Truppen drei Stunden lang die Stirn, die dann den Anschein machen, ihre Position aufzugeben. In diesen Kampf steigen dann die 3. Kompanie sowie das Corps-Franc ein. Die aus Chamblard herbei geeilte 12. Kompanie startet einen Gegenangriff auf die feindlichen Flanken. Dem deutschen Bataillon bleibt nur der Rückzug und es verzeichnet hohe Verluste. Auf Seiten der Widerstandskämpfer gibt es nur drei Leichtverletzte.

Hier die Mitteilung an die Truppen durch Leutnant Garcie, am Folgetag, dem 3. Juni 1944.

Am 7. Juni wird eine Gruppe von Widerstandskämpfern, die sich aus der Region von Puy und Rossignol, Gemeinde von Saint-Jean-Lachalm, annäherten, von einer aus Puy kommenden deutschen Kolonne eingekesselt. Es gelingt ihnen, die Sperre zu durchbrechen, jedoch nicht ohne Verluste. Sie überqueren bei Alleyras den Fluss Allier und treffen nachts mit einigen Verletzten in Venteuges ein. Am Vorabend vor dem deutschen Angriff sind die Kämpfer im Sektor von Venteuges in Bereitschaft und sämtliche Straßen, die ins Hinterland führen, werden überwacht. Der Mont-Mouchet ist auf der Ostseite vollständig mit Kämpfern besetzt.

Am 10. Juni beträgt die Truppenstärke der Deutschen 2.800 bis 3.000 Mann: Weitere 2.000 Soldaten rücken aus Saint-Flour, Brioude und Puy zur Verstärkung an. Zu diesen Verstärkungstruppen gehören auch 6 Kompanien der Volga-Tataren: 3 Kompanien der Azéri aus Saint Flour sowie 3 Kompanien der Ukraino-Tatars aus Puy, d. h. insgesamt 900 Männer. Der 10. Juni ist den ganzen Tag lang von heftigen Kämpfen geprägt. In Clavières werden die Deutschen von der 3., 4. und 9. Kompanie aufgehalten. Ihre Panzer, insbesondere die Leichtpanzer und Radpanzer, kommen nur langsam voran, die Infanterie verliert den Anschluss. Einige der Fahrzeuge werden von unseren Panzerfäusten und automatischen Waffen zerstört. An der Kreuzung von Pinols wird der Angriff von den Corps-Francs aus Truands sowie der 10., 11. und 14. Kompanie gestoppt, denen es gelingt, mehrere Lkws mit feindlichen Soldaten zu zerstören. In La Vachellerie (Sektor Saugues) werden ungefähr hundert Fahrzeuge von der Gendarmerie aufgehalten. Diese wiederum wird unterstützt von der 33. und 34. Kompanie sowie vereinzelten Elementen der 12. Kompanie. Die heftigen Kämpfe werden den ganzen Tag lang fortgesetzt, bis am Abend ein Gegenangriff auf die beiden Sektionen der 31. Kompanie erfolgt, der den Feind seitlich trifft und ihn ans rechte Flussufer des Allier zurückdrängt. Bei diesen Kämpfen werden einige feindliche Fahrzeuge zerstört, darunter auch ein Panzer. Der FFI gelingt die Eroberung zweier Kanonen sowie die Gefangennahme feindlicher Soldaten. Am späten Abend haben sich die deutschen Truppen vollständig zurückgezogen. Der Generalstab der FFI geht davon aus, dass es am nächsten Morgen zu einem weiteren, noch heftigeren Angriff kommen wird. Aus diesem Grund wird unverzüglich mit der Evakuierung des verbleibenden Materials begonnen, die über die noch freie Straße von Paulhac und Le Malzieu, in Richtung Hinterland von La Truyère führen soll.


Der neue Angriff der deutschen Truppen erfolgt am 11. Juni gegen 9 Uhr und er gestaltet sich wie erwartet so heftig, wie bereits die Kämpfe am Vorabend. Es wird auf beiden Seiten bitterlich gekämpft. Der Artillerie gelingt es, die beteiligten Kompanien auszulöschen. Am Abend folgen das Forsthaus sowie der Generalstab. Die Widerstandskämpfer setzten sich erbittert zur Wehr, insbesondere in Clavières, Pinols und Saugues. Dennoch können sie es schlussendlich nicht verhindern, dass der Feind weiter vordringt. Die Munition geht zur Neige und die Reserveeinheiten bringen den notwendigen Nachschub. Die 26. Kompanie erleidet schwere Verluste, insbesondere im Kanton Laroquebrou: nahezu ein Drittel der Kompanie ist verloren. Die Kompanien erhalten den Befehl, bis zum Einbruch der Dunkelheit ihre Stellungen zu halten. Die Einheiten des Mont-Mouchet ziehen sich ins Hinterland von La Truyère zurück. Die in Saugues stationierten Männer der 31. und 32. Kompanie ziehen sich in die Wälder von Berbezit (La Chaise-Dieu) sowie den Wald von Mercoire (Haute-Lozère) zurück, wo sie auf die 33., 34. und 35. Kompanie sowie die Durchgangskompanie stoßen. Als die Deutschen kurze Zeit später im Forsthaus eintreffen, ist dieses komplett verlassen. Sie finden weder Soldaten noch Ausstattung vor. Während der erbitterten Kämpfe setzen die Deutschen die Städte Clavières, Lorcières, Paulhac sowie einen Teil der Kleinstadt Ruynes-en-Margeride in Flammen. Von diesem Ausmaß betroffen sind auch kleine Bauernhöfe in einem Umkreis von 10 km rings um den Mont-Mouchet. In der gesamten Region kommt es zu Erschießungen unbeteiligter Bewohner, insbesondere 26 Personen in Ruynes, 13 in Clavières und 11 in Pinols. Auf dem Rückzug werden die willkürlichen Exekutionen fortgesetzt. Diesem Massaker fallen am 14. Juni 25 Menschen an der Brücke zwischen Soubizergues und Saint-Flour zum Opfer. Weitere 120 Personen werden zwischen dem 12. und 24. Juni deportiert.


Im Hinterland von Truyère gruppieren sich 1.500 Männer unter der Befehlsgewalt von Leutnant Thomas (Mondange), der seinen Sitz in Fridefonds hat. Die am Mont-Mouchet zusammengeführten Kompanien treffen am 12. und 13. Juni ein und gehen im Hinterland in Stellung. Der Generalstab bezieht in Saint-Martial Stellung. Die Truppenstärke beträgt ungefähr 4.000 Männer. In der kommenden Woche gelingt es, die Kämpfer über Fallschirmabwürfe mit neuer Munition zu versorgen. Am Morgen des 20. Juni sind 15.000 bis 20.000 Männer versammelt (Wehrmacht, SS, Luftwaffe und Miliz). Auf der Straße nach Laguiole gelingt es der 8. Kompanie in Pont-Rouge sich zwei Stunden lang zur Wehr zu setzen. Die Sektion Brinat verliert ein Drittel ihrer Truppe. Etwas weiter entfernt unterstützen die verbleibenden Kräfte der 8. Kompanie im Wald von Védrines die Verteidigung. Sie werden unterstützt von der Kompanie Aubrac und dem Corps-Franc Laurent (Llorca). Einem Teil der deutschen Kolonne gelingt ein weiterer Vormarsch in Richtung Chaudes-Aiguës, das um 12.45 Uhr vollständig besetzt ist. In Anterrieux, der so genannten Eisenstange, halten die Kämpfe weitere 8 Stunden an. Die 7. Kompanie kämpft heldenhaft, erleidet jedoch erhebliche Verluste. Ausgehend vom Dorf Auriac prasseln die Bomben auf Fridefonds und das Tal Mallet ein. Die im Hinterland gelegenen Dörfer, insbesondere Saint-Martial und Anterrieux sowie weitere wichtige militärische Ziele werden von Tieffliegern und Jagdbombern bis zum späten Nachmittag bombardiert. Unter starkem Beschuss der Artillerie gibt Leutnant Gaspard bei Anbruch der Dunkelheit den Befehl zum sofortigen Rückzug. Nahezu alle Einheiten der FFI brechen den Kontakt ab und bewegen sich in den Norden von Truyère (Lavastrie). Anderen wiederum gelingt die Überquerung der Bès bei Albaret-le-Contal, unter ihnen der Sanitätstrupp unter der Befehlsgewalt von Bénévole (Max Menut). Neun Personen, darunter sechs Schwerverletzte, werden am 22. Juni in der Nähe von Saint-Just exekutiert. Der Mut und die Opfer der Widerstandskämpfer ist unbeschreiblich. Trotz der 260 Toten und 180 Verletzten und obwohl sie die deutschen Linien nahezu nie durchbrechen konnten, gelang es ihnen, zwei deutsche Divisionen aufzuhalten und sie in Richtung Normandie zurückzudrängen.


Die Befreiung

Von Ende Juni bis Anfang Juli werden die Kompanien der FFI neu gebildet und auf die vier Departements der Auvergne aufgeteilt. Sie setzen ihren Kampf bis zur endgültigen Befreiung der Region fort. Dank der Zusammenarbeit mit der FFI aus dem Limousin gelingt es ihnen, 22.000 deutsche Soldaten zurückzudrängen und sie südlich der Loire (Bec d'Allier) zur Kapitulation zu zwingen. Viele Widerstandskämpfer haben sich bis Kriegsende zum Dienst verpflichtet und setzten ihren Kampf innerhalb der französischen Armee bis Deutschland fort.

 

Monument zum Gedenken des Widerstands am Mont Mouchet (Haute Loire, Frankreich). Quelle: GNU Lizenzfrei

 

 

Monument im Westen des Mont Mouchet. Foto: Szeder László. Quelle: GNU Lizenzfrei

 

Quellen: SGA/DMPA - Mont-Mouchet. Hochburg des Widerstands (Touriste en Auvergne Nr. 24)