Eine Geschichte, die den Studenten vermittelt wird

Jean de Préneuf leitet einen Masterstudiengang über Krieg und Sicherheit mit historischer Ausrichtung. Er unterrichtet auch Bachelor-Studenten in der Geschichte der Auslandsoperationen. Als Reservist arbeitet er außerdem regelmäßig mit dem Team im historischen Dienst der Verteidigung des Verteidigungsministeriums zusammen.

Welche Motivation haben die jungen Studenten, die ihren Lehrgang über die Politik der Verteidigung und Auslandsoperationen besuchen?

 

Jene, die sich auf die Prüfungen an den Instituts d’études politiques (Instituten für Politikwissenschaft) vorbereiten, sind besonders interessiert, um zu verstehen, wie sich der Militärapparat in das staatliche Handeln einfügt. Die Auslandsoperationen sind ein relevantes Thema, um die interministeriellen und alliierten Dimensionen sowie die Entscheidungsprozesse in Krisenzeiten zu erfassen.

 

Manche Studenten im 3. Jahr des Bachelorstudiums besuchen ein Freifach über Krieg und Frieden. Viele sind anfangs auf die soziokulturelle Dimension der Konflikte konzentriert. Denn die meisten haben nur oberflächliche Kenntnisse über die Auslandsoperationen. Sie begründen ihre Entscheidung zum Besuch dieses Unterrichts damit, dass sie ihre Entscheidungen als Bürger klarer sehen möchten. Schließlich weisen die Studenten unseres berufsqualifzierenden Masterstudiums „Études sur la guerre et la sécurité“ („Studium zu Krieg und Sicherheit“) und die Doktoranden eine gewisse Motivation auf, je nach dem, wo sie in diesem Bereich arbeiten wollen.

 

Schlussendlich zeigen sich alle Jugendlichen, unabhängig von ihrem Profil, am ethischen und rechtlichen Umfeld der Militäraktion interessiert.

 

Sehen Sie Ihren Lehrgang in einer historischen Perspektive, da die Zeit der Auslandsoperationen vor mehr als 50 Jahren begann?

 

Im Rahmen einer Geschichtsfakultät ist dies natürlich eine zentrale Dimension. Angesichts des zwanghaften Zeitdrucks stellen wir die moderne Ära der Auslandsoperationen in Zusammenhang mit der langen Dauer der Auslandsinterventionen ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Bei Bedarf kehren wir in das moderne Zeitalter zurück, da sich dadurch die zeitgenössischen Operationen erklären lassen.

 

Hinsichtlich der aktuellen Zeit behandelt der Unterricht vor allem die Jahre 1980, 1990 und 2000. Die 1970er-Jahre werden weniger untersucht. Im Rahmen eines berufsqualifzierenden Masterstudiums soll eine Idee von der Realität der Planung und Durchführung der Auslandsoperationen vermittelt werden. Dann versuchen wir zu zeigen, wie die Institution sie im Nachhinein analysiert. Zwei Mittel werden bevorzugt. Zuerst, die Studenten in die Lage versetzen. Dann ihnen den Austausch mit Praktikern ermöglichen.

 

Die historische Methode (relevante Daten sammeln, ihre Quellen zueinander in Beziehung setzen und diese zusammenfassen, um ein Problem zu lösen) kommt den Anforderungen der Arbeit des Generalstabs nahe. Anschließend macht es Sinn, die Möglichkeit anzubieten, in den Archiven der Operationen zu arbeiten. Wir organisieren daher zusammen mit dem historischen Dienst der Verteidigung (SHD) einen Tag über die jüngsten Auslandsoperationen. Im Laufe dieser Übung, die durch jene in der Kriegsschule inspiriert wurde, erstellen die Studenten aus den freigegebenen Archiven eine Kartei für den Generalstabschef. Sie befasst sich mit einem Aspekt des Einsatzes der nationalen Marine im Golf- oder Kosovo-Krieg, sei es der Einsatz der Flugzeugträger, die Zusammenarbeit mit den Alliierten oder die Durchhaltefähigkeit.

  • Simulation der Übernahme eines COM-Teams in Afghanistan mit Journalismusstudenten, Camp de Canjuers, 2014. © JJ. Chatard/DICOD

  • Simulation der Übernahme eines COM-Teams in Afghanistan mit Journalismusstudenten, Camp de Canjuers, 2014. © JJ. Chatard/DICOD

Glauben Sie, dass die Auslandsoperationen an der Universität ausreichend gelehrt werden?

 

Ich glaube nicht, dass es viele Ausbildungen gibt, die sich den Auslandsoperationen widmen. Ihre Vermittlung erfolgt zumeist im Rahmen des Studiums der Verteidigungs- und außenpolitischen Systeme. Spezielle Masterstudien bieten jedoch immer öfter Übungen zum Krisenmanagement, Wargames oder praktische Arbeiten an.

 

Dieser Unterricht wird häufig in Zusammenarbeit mit den Institutionen des Verteidigungsministeriums, insbesondere dem SHD, konzipiert und gefördert. Er wird von den Jugendlichen sehr geschätzt, ebenso wie der Kontakt mit Profis. Die Master-Studenten an der Paris IV-Sorbonne oder Lille-SHS stimmen daher mit großer Mehrheit dem Wargame zu, das zusammen mit dem SHS über den Falklandkrieg organisiert wurde. Ebenfalls ein großer Erfolg bei den Studenten des Magistère für internationale Beziehungen in Paris I-Panthéon Sorbonne war die Teilnahme an einer Übung für Krisenmanagement rund um die Unternehmung der „Ponant“ im Rahmen der Partnerschaft mit dem Centre d'études supérieures de la Marine.

 

Häufig halten die Akteure, die Auslandsoperationen zu managen hatten, Vorträge. Gleichermaßen wird ihnen der Unterricht anvertraut. So haben wir einen leitenden Offizier des Commandement des forces terrestres (CFT) (Kommando der Landstreitkräfte) in Lille mit einem Lehrgang beauftragt. Er berichtet den Studenten von seiner operativen Erfahrung, während Letztere abwechselnd eine der jüngsten Auslandsoperationen präsentieren.

 

Ich bin daher überzeugt, dass die Entwicklung von Partnerschaften zwischen spezialisierten Universitätsausbildungen und Verteidigungsinstitutionen mit Analyseaufgabe entscheidend ist, um voranzukommen.

 

Welche Sicht haben Ihre Studenten auf die Beteiligung Frankreichs an den Operationen, insbesondere bezüglich der Gründe für diese Einsätze und der Opfer unserer Soldaten?

 

Zuerst sind die Studenten überrascht, wenn sie das lange Bestehen, die Vielfalt und den Umfang der Auslandsoperationen entdecken. Dann sind sie über die starke Verflechtung politischer, diplomatischer, finanzieller und operativer Aspekte erstaunt. Schließlich wird häufig im Lehrgang über die Legitimität der Interventionen, die Motive, die von den Behörden zur Rechtfertigung vorgegeben werden und die Modalitäten für den Einsatz von Gewalt diskutiert. Eine Minderheit bleibt grundsätzlich voller Vorbehalte gegenüber der Anwendung von bewaffneter Gewalt außerhalb der Grenzen Frankreichs. Ich beobachte hingegen eine fast vollständige Übereinstimmung darüber, dass die Interventionen nur unter Einhaltung des internationalen Rechts erfolgen dürfen. Die amerikanischen Drohnenschläge rufen fast einhellig eine starke Missbilligung hervor. Eine immer wiederkehrende Frage ist, ob Frankreich sich in diese Richtung engagieren soll.

 

Diese Jugendlichen versuchen wirklich zu verstehen, warum und wie unser Land nicht zögert, seine Waffen außerhalb seiner Grenzen einzusetzen und dabei eventuelle Verluste in Kauf nimmt. Denn sie schätzen die Risiken ein, welche die Soldaten auf sich zu nehmen bereit sind. Ich beginne den Lehrgang des 3. Jahres des Bachelorstudiums mit dem erschütternden Augenzeugenbericht von Leutnant Héluin, der die Erstürmung der Vrbanja-Brücke in Sarajewo befehligte. Die Stille, die auf seinen Vortrag folgt, spricht Bände. Diese Beispiel macht ihnen bewusst, dass es über den Studiengegenstand hinaus Männer und Frauen gibt, die es auf sich genommen haben, mit Situationen konfrontiert zu werden, deren Dauer und Anforderungen sich die Studenten überhaupt nicht vorstellen können. Es ist definitiv dieser menschliche Aspekt, der die Jugendlichen am meisten beeindruckt. Jenen, die sich die Frage einer Militärkarriere stellen, hilft das Studium der Auslandsoperationen, ihre eventuelle Berufung besser zu erkennen.

 

Gespräch mit Hrn. Jean de Préneuf, Lehrbeauftragter an der Universität Lille-SHS