Internationale Gedenkstätte in Notre-Dame-de-Lorette

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Die Gedenkstätte wurde in Zusammenarbeit der Region Nord-Pas de Calais und dem Verteidigungsministerium errichtet. - Eröffnung am Dienstag, 11. November 2014.

Internationale Gedenkstätte in Notre-Dame-de-Lorette. Philippe Prost, Architekt/AAPP©adagp, 2014 ©Aitor ORTIZ

 

 

Mit nahezu 580.000 getöteten Soldaten und mehr als 300 ausgelöschten Dörfern und Städten verzeichnen die Departements Nord und Pas-de-Calais die höchsten Verluste während des Ersten Weltkrieges. Arras, Reims und Verdun wurden zu Städten der Märtyrer ernannt.

 

Nord-Pas de Calais zählte am Folgetag nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu den Gebieten mit den schwersten Schäden. Die damaligen Reporter berichteten von der „Hölle des Nordens“.

Im Rahmen des 100. Jahrestags des Ersten Weltkrieges wurde die internationale Gedenkstätte Notre-Dame-de-Lorette am 11. November 2014 in der Nähe von Arras eröffnet. Die auf dem Plateau errichtete Gedenkstätte befindet sich südöstlich der nationalen Kriegsgräberstätte, dem größten Militärfriedhof Frankreichs und sie wurde vom Architekten Philippe Prost errichtet: Auf einem Ring mit 345 m Umfang sind die Namen von 580.000 Soldaten sämtlicher Nationalitäten alphabetisch und ohne Unterscheidung nach Rang, Nationalität oder Religion vermerkt, die zwischen 1914 und 1918 im französischen Flandern und Artois gestorben sind.

Die an Belgien grenzende Region Nord-Pas de Calais war einer der Hauptschauplätze der Westfront während des Ersten Weltkrieges. Hier spielten sich zunächst zwischen Franzosen und Deutschen schreckliche Kampfszenen ab (1914- 1915), bis dann im Frühjahr 1915 die Truppen des deutschen Kaiserreichs auf die Truppen des britischen Kaiserreichs trafen. Letztere verbündeten sich mit den aus Großbritannien kommenden Männern (Engländer, Schotten, Waliser, Iren), jedoch auch mit den Kolonien, die unter der Herrschaft der Krone standen: Kanada, Südafrika, Australien, Neuseeland, Indien. Männer aus der ganzen Welt kämpften in Flandern und Artois und sehr viele von ihnen mussten dort ihr Leben lassen.

 

 

 

Eine noch nie dagewesene Initiative der Region Nord-Pas de Calais mit Unterstützung des Verteidigungsministeriums

 

Der Regionalrat Nord-Pas de Calais unterzeichnete 2011 eine Vereinbarung mit der französischen Regierung (Verteidigungsministerium)

mit dem Ziel der gemeinsamen Umsetzung eines Großprojekts zu Ehren der Gedenkfeier des Ersten Weltkrieges: Die Errichtung einer internationalen Gedenkstätte zu Ehren der Soldaten verschiedener Nationalitäten, die auf französischem Boden zwischen 1914 und 1918 gestorben sind. Diese einzigartige Aktion unterstreicht die neue Dimension des Gedenkens. Sie geht weit darüber hinaus, wer Sieger oder wer Opfer war. Es geht einzig und allein um das Gedächtnis aller Verstorbenen. Es geht um das geteilte Leid aller Soldaten, den für den Ersten Weltkrieg charakteristischen Massenmord, der zwischen 1914 und 1918 eine ganze Generation von Männern dahingerafft und Millionen von Familien zerstört hat. Die internationale Gedenkstätte von Notre-Dame-de-Lorette ist aber auch ein Zeichen des Friedens, der auf dem europäischen Kontinent erstmals für lange Zeit anhält.

 

 

 

Eine außergewöhnliche Gedenkstätte, errichtet von Philippe Prost

 

Internationale Gedenkstätte in Notre-Dame-de-Lorette. Philippe Prost, Architekt/AAPP©adagp, 2014 - Pierre di Sciullo, Grafiker©Aitor ORTIZ

 

 

Die Gedenkstätte in Notre-Dame-de-Lorette ist in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnliches Bauwerk:

 

• Ein einzigartiger Schritt in der heutigen Zeit, wo verschiedene Nationen gemeinsam ein Denkmal errichten und die Männer ehren, die in diesem schrecklichen Krieg gestorben sind. Die Namen der 580.000 Gefallenen sind in alphabetischer Reihenfolge eingraviert, ohne Unterscheidung nach Nationalität, Dienstgrad oder Religion. Es handelt sich hierbei um einen Akt größter Würde und Respekt.

• Eine Gedenkstätte mit hoher ästhetischer und symbolischer Kraft, in einer Zeit, die immer immaterieller ist und elektronische Datenbanken nutzt. • Ein wichtiger Ort für einen Besuch im Rahmen des „Gedächtnisweges“ über den Ersten Weltkrieg, für die Männer und Frauen von heute, denen ein Leben in Frieden vergönnt ist.

 

 

Das Architektur-Projekt

 

 

Internationale Gedenkstätte in Notre-Dame-de-Lorette. Philippe Prost, Architekt/AAPP©adagp, 2014 - Pierre di Sciullo, Grafiker©Aitor ORTIZ

 

 

Die Gedenkstätte wurde errichtet auf einem Gebiet von 2,2 Hektar, das die Regierung dem Regionalrat von Nord–Pas-de-Calais für einen symbolischen Wert überlassen hat. Die Einbindung der Gedenkstätte in den „heiligen Rahmen“ der nationalen Kriegsgräberstätte von Notre-Dame-de-Lorette (als solche gemäß Gesetz von 1930 errichtet) barg in der Ausschreibungsphase hohe ästhetische und architektonische Herausforderungen: Respekt der nationalen Kriegsgräberstätte nebenan, Erfordernis bei Beibehaltung eines offenen Geländes auf artesischer Ebene, Vorschrift zur Errichtung eines mächtigen Bauwerks mit universellem Charakter.

Im Rahmen der Ausschreibung bewarben sich fünf französische und ausländische Teams und der Pariser Architekt Philippe Prost erhielt schließlich den Zuschlag. Es entstand ein außergewöhnliches Bauwerk, schlicht und doch beeindruckend, respektvoll und gleichzeitig mächtig, das ausgezeichnet den Anforderungen des Baumeisters entsprach. Die große Ellipse wird direkt am Rand der Ebene errichtet. Ein Drittel des Umfangs ist überhängend, wodurch die Zerbrechlichkeit des Friedens symbolisch dargestellt wird. Der Zutritt zum Bauwerk erfolgt über einen Graben, der in einen Durchgang führt, auf dem die Tafeln mit den Namen zu finden sind. Die Struktur des aus Faserbeton errichteten Bauwerks wird von einem unter Spannung stehenden Kabel gestützt. Der einfache und dennoch starke Ring symbolisiert die Einheit und die Ewigkeit.

 

 

Internationale Gedenkstätte in Notre-Dame-de-Lorette. Philippe Prost, Architekt/AAPP©adagp, 2014 - Pierre di Sciullo, Grafiker©Aitor ORTIZ

 

 

Notre-Dame-de-Lorette, eine der wichtigsten Gedenkstätten des Ersten Weltkrieges

 

Der Hügel von Notre-Dame-de-Lorette, ungefähr 10 km nordwestlich Arras war zwischen 1914 und 1915 Schauplatz für schwere Schlachten zwischen den französischen und deutschen Streitkräften. Am 16. Januar 1924 erlässt der Präsident der französischen Republik den Befehl zur Errichtung einer nationalen Kriegsgräberstätte auf dem Gipfel der „blutigen Hochebene“ von Notre-Dame-de-Lorette. Auf einer 27 Hektar großen Fläche werden 40.000 französische Soldaten bestattet, die während des Ersten Weltkrieges in Flandern und Artois gefallen sind. Der Friedhof entstand auf Basis eines kleinen provisorischen Friedhofs, der 1915 in die Nähe der Ruinen einer Kapelle aus dem 18. Jahrhundert umziehen musste und der während der Kämpfe zerstört worden war. In den Jahren um 1920 wurden an der neuen Stätte die Gräber von 150 provisorischen Friedhöfen zwischen Somme und Nordsee neu zusammengeführt. In sieben Beinhäusern finden sich die sterblichen Überreste von 19.998 nicht identifizierten Opfern. Die Leichname von 20.000 identifizierten Menschen wurden in einer separaten Grabstätte bestattet. Für die gefallenen Muslime und Juden wurde ein eigener Bereich geschaffen. In der Mitte des Friedhofs finden sich ein 52 m hoher Laternenturm mit einem Scheinwerfer an der Spitze sowie eine Basilika im neobyzantinischen Stil.

 

 

 

Nationaler Soldatenfriedhof. Quelle: MINDEF/SGA/DMPA-ONACVG

 

 

Die Stätte in Notre-Dame-de-Lorette ist seit Jahren Teil eines gemeinsamen Rehabilitierungsprogramms des Staates und regionalen Einrichtungen (Departement Pas-de-Calais und Gemeindeverband von Lens-Liévin) anlässlich des 100. Jahrestages. Sie wurde errichtet inmitten verschiedener Gedenkstätten und ist insbesondere beachtlich für die Westfront. Im Umkreis von 10 km finden sich drei wichtige Bauwerke: Die nationale Gedenkstätte Kanadas am Kamm von Vimy, ohne Zweifel eines der schönsten Bauwerke, das zwischen den beiden Weltkriegen errichtet wurde und jährlich über 500.000 Besucher aus aller Welt empfängt; der deutsche Friedhof in Maison-Blanche, Neuville-Saint-Vaast, der größte deutsche Soldatenfriedhof in Frankreich; und schließlich der britische Friedhof Cabaret Rouge, in Souchez, einer der schönsten Kriegsgräberstätten unter den hunderten Soldatenfriedhöfen, die von der Commonwealth War Graves Commission verwaltet werden.

 

 

Internationale Gedenkstätte in Notre-Dame-de-Lorette Philippe Prost, Architekt/AAPP©adagp – Yann Toma, „La Grande Veilleuse“©adagp, 2014©Aitor ORTIZ

 

 

Die internationale Gedenkstätte in Notre-Dame-de-Lorette wird finanziert aus Staatsmitteln (Ministerium für die Belange der Kriegsveteranen), sowie vom Generalrat Nord, und dem Generalrat und Gemeindeverband von Lens-Liévin. Das Bauland, auf dem die Gedenkstätte errichtet wurde, wurde vom Verteidigungsministerium an die Region Nord-Pas de Calais übertragen.

 

 

Internationale Gedenkstätte in Notre-Dame-de-Lorette. Philippe Prost, Architekt/AAPP©adagp, 2014 - Pierre di Sciullo, Grafiker©Aitor ORTIZ

 

 

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