Jacques Stosskopf

1898 - 1944

Der am 27. November 1898 in Paris geborene Jacques Stosskopf tritt im Jahr 1917 als Artillerieanwärter in den Militärdienst und wird bei Beendigung des Ersten Weltkriegs mit dem Kriegskreuz ausgezeichnet. Im Jahr 1920 tritt er der Ecole Polytechnique bei und entscheidet sich dann im Jahr 1924 für eine Karriere bei der Marine. 1939 wird er zum Leiter der Abteilung Neukonstruktionen der Werft von Lorient ernannt und wird bereits im November, im Alter von 41 Jahren, zum Chefingenieur 1. Klasse des Marinegenies befördert. Während der ersten Kriegsmonate trägt er zu den bedeutenden Anstrengungen der Werft zugunsten der Marineoperationen bei und wirkt insbesondere an der Entwicklung eines Minenräumsystems für die magnetischen Minen der Deutschen mit. Bereits bei der Ankunft der deutschen U-Boote im Hafen im Jahr 1940 inspiziert der Chefingenieur ständig die Anlegeplätze und gibt hierzu vor, die Tätigkeit seiner Arbeiter genauestens zu überwachen. Da er aufgrund seiner Elsässer Abstammung fließend deutsch spricht, gelingt es ihm, das Vertrauen der Besatzungsmacht zu gewinnen.

  • Jacques Stosskopf nach seiner Übergabe in die Hände der Gestapo von Straßburg

    Jacques Stosskopf nach seiner Übergabe in die Hände der Gestapo von Straßburg. Foto: DMPA

Der autoritäre, streng und kalt wirkende Ingenieur gilt unter den Mitarbeitern der Werft bald schon als ein gewissenhafter Kollaborateur, der bis ins Innere der Werkstätten hinein die den französischen Arbeitern von den Deutschen auferlegten Aufgaben überprüft. Die Offiziere der Kriegsmarine gewöhnen sich an die Präsenz des Ingenieurs um die Baugruppenrahmen und Becken und als die U-Boot-Basis Lorient-Kéroman Ende 1941 fertig gestellt wird, ist er aufgrund seiner privilegierten Beziehungen zum feindlichen Generalstab einer der wenigen Franzosen, die hierzu Zutritt bekommen.
Jacques Stosskopf verfügt über ein hervorragendes Gedächtnis und beobachtet somit vier Jahre lang die Port-Louis durchquerenden U-Boote: Eisenkreuz, Pik As, Fische und Meerjungfrauen, lachende Rinder nach einer berühmten Käsemarke... kurz, er merkt sich alle Insignien und Siegesfahnen der U-Boote, an denen man diese furchtbaren Kriegsmaschinen erkennt. Dieser Kämpfer im Dunkeln hält Tag für Tag in seinem Gedächtnis eine genaue Aufstellung der U-Boot-Bewegungen fest und gibt diese bei seinen Treffen mit dem Netzwerk Alliance auswendig wider. Letzteres wiederum übermittelt diese wertvollen Informationen an die englische Admiralsschaft. Die Enttarnung dieses Netzwerks führt am 21. Februar 1944 zur Verhaftung von Jacques Stosskopf.
Nach einer ersten Internierung in einer Baracke des Lagers Schirmeck wird er in das Lager Struthof verlegt, wo er am 1. September 1944, kurz vor der Ankunft der Alliierten im Elsass mit einem Schuss in den Nacken getötet wird. Jacques Stosskopf, der seinen glorreichen Beitrag zum Widerstand mit dem Leben bezahlen musste, wird im Oktober 1945 posthum von General de Gaulle zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt. Am 6. Juli 1946 wird die U-Boot-Basis Kéroman nach ihm benannt.

Quelle: Geschichtliche Abteilung der Marine
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