La Paix

1919 Der erste Waffenstillstand vom 11. November 1918, der 36 Tage dauerte, wird von den Alliierten am 13. Dezember 1918, am 16. Januar und am 16. Februar 1919 verlängert. So erneuert Marschall Foch am 16. Januar auf dem Bahnhof von Trier (Rheinland) den Waffenstillstand gegenüber den Vertretern der Deutschen, während in Paris die Vorbereitungen für die Unterzeichnung eines Friedensvertrages getroffen werden.
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Man hatte entschieden, dass die Friedenskonferenz in Frankreich stattfinden sollte, in dem Land, das am meisten unter dem Krieg gelitten hatte. Wenn es auch als Sieger aus dem Konflikt hervorgeht, so ist Frankreich in der Tat ausgeblutet: 1,4 Millionen Tote, 6,5 Millionen Hektar Land verwüstet, 750 000 zerstörte Häuser, über 6 000 Brücken beschädigt. Außerdem hat es 87 % seines Kapitals von 1913 verloren, und der Franc ist gegenüber dem Dollar um 75 % abgewertet worden. Der Sieg hat der Regierung zu Ansehen verholfen, aber bald darauf kommt es zu einem gespannten sozialen Klima: Streiks und Aufstände brechen aus, die durch die Inflation der Preise und das Stagnieren der Löhne gefördert werden. Am 19. Januar verletzt ein Anarchist Clemenceau. Die Nachricht von der Gründung der Dritten Internationale am 2. März in Moskau hat Einfluss auf die Arbeiterbewegung: am 1. Mai werden bei gewalttätigen Demonstrationen in Paris mehr als 500 Ordnungskräfte verletzt. Dieses Klima findet sich auch in der Haltung der französischen Abgeordneten gegenüber dem Inhalt des zukünftigen Vertrages wieder: "Revanche - Vertrag" oder "Frieden unter den Völkern". Am 18. Januar 1919 beginnt am Quai d'Orsay die Konferenz, an der die Vertreter von 27 verbündeten Nationen teilnehmen. Clemenceau leitet die französische Delegation, Premierminister Lloyd George die britische, Präsident Wilson vertritt die Vereinigten Staaten und Premierminister Orlando Italien. Das bolschewistische Russland und die besiegten Länder werden nicht eingeladen. Auf Vorschlag der Staatschefs der großen Länder wird Clemenceau zum Präsidenten der Konferenz ernannt.

Ein Zehnerrat wird gebildet - jedes Land ist dort durch seinen Regierungschef und seinen Außenminister vertreten -, assistiert von 52 Sonderkommissionen. Wegen seiner Schwerfälligkeit wird ein Viererrat gegründet, bzw. ein Dreierrat, als der Italiener Orlando aus Protest gegen die Opposition Wilsons gegen die Annektierung von Fiume durch Italien die Konferenz für eine Woche verlässt. Verschiedene Strategien rivalisieren miteinander. Clemenceau hat zwei Prioritäten: im Verhältnis des von Frankreich erlittenen Unheils Reparationszahlungen von Deutschland zu erhalten und dieses Land in eine Lage zu versetzen, in der es nie wieder einen Krieg beginnen kann. Für Wilson ist es wichtig, das Recht der Völker zu respektieren, über sich selbst zu bestimmen. Was Lloyd George betrifft, so ist das europäische Gleichgewicht das Wichtigste, wobei Deutschland geschont werden muss, um keine Hegemonie Frankreichs zu riskieren und um den Bolschewismus zu bekämpfen.

Italien interessiert sich in erster Linie für die Adria und Japan für die deutschen Besitztümer im Pazifik. Vier Schwierigkeiten tauchen auf: - der Rhein: Frankreich wünscht eine feste militärische Grenze am Rhein und die Autonomie der deutschen Staaten westlich des Rheins, zumindest aber eine internationale Präsenz im Rheinland. Es erreicht nur die Entmilitarisierung des linken Rheinufers und die Garantie einer angloamerikanischen Intervention im Fall eines Konflikts zwischen Frankreich und Deutschland. - die Saar: Frankreich will das Gebiet annektieren. Es erhält aber nur das Eigentum an den Kohlenbergwerken für 15 Jahre. - die Adria: Italien will die adriatischen Inseln in Besitz nehmen. Wilson ist dagegen. - die finanziellen Probleme: die Bildung einer Kommission zur Festsetzung der deutschen Schulden wird für 1921 beschlossen. Am 7. Mai hält man den Vertrag für genügend vorbereitet, um ihn dem deutschen Außenminister von Brockdorff-Rantzau vorzulegen, der sofort Einspruch gegen die Bedingungen erhebt. Lloyd George, der befürchtet, dass die Unterzeichnung verweigert wird, lässt zum 16. Juni einen Text mit Zugeständnissen verfassen. Dieser Anschein eines Rückziehers bewirkt antideutsche Demonstrationen in Versailles. Von Brockdorff-Rantzau kehrt nach Deutschland zurück und hat fünf Tage Zeit, in denen das Projekt akzeptiert werden muss.

Während dieser Zeit stabilisiert sich die politische Lage in Deutschland kaum: die Aufstände der extremen Linken werden niedergeschlagen, aber die Unruhe bleibt bestehen. Wahlen bringen Weimar ein neues Parlament, das am 11. Februar Ebert zum Präsidenten der Republik ernennt. Als der Text der Konferenz bekannt wird, entfacht er einen Sturm der Entrüstung in der Regierung: während Ebert sich nicht dagegen stellt, protestiert Kanzler Scheidemann und tritt am 20. Juni zurück. Er wird sofort durch Bauer ersetzt. Am 22. Juni deutet die Weimarer Regierung ihr Einverständnis an, und am nächsten Tag stimmen die Abgeordneten mit 237 Stimmen für den Text, bei 138 Gegenstimmen. Da Deutschland von der Konferenz ausgeschlossen wurde, wird der Text von der Mehrheit als "Diktat" empfunden. In Berlin werden die französischen Fahnen verbrannt, die im Krieg von 1870-1871 erbeutet worden waren; in dem Flottenstützpunkt Scapa Flow lässt Admiral von Reuter die deutsche Flotte versenken, die darauf wartete, der englischen Marine übergeben zu werden: 5 Schlachtkreuzer, 11 Panzerkreuzer und 50 Zerstörer versinken im Meer. Die 435 Artikel des Vertrages umfassen territoriale, wirtschaftliche, militärische und finanzielle Klauseln. So verliert Deutschland in Europa 70 000 km2 (Elsass-Lothringen kommt wieder zu Frankreich, Schleswig zu Dänemark, der polnische Staat wird gegründet usw.), und seine Kolonien werden unter den Siegern aufgeteilt.

DER 28. JUNI 1919 Da es für alle Kriegsschäden verantwortlich gemacht wird, muss Deutschland 269 Milliarden Goldmark (d.h. 400 Milliarden Francs in Gold) zahlen, davon 52% an Frankreich, seine Handelsflotte, Eisenbahnmaterial, Kohle usw. ausliefern. Der Besitz im Ausland wird beschlagnahmt. Die Streitkräfte, deren Führung aufgelöst ist, besitzen weder Panzer noch Flugzeuge noch Unterseeboote und dürfen aus nicht mehr als 100 000 Mann bestehen. Überführte Kriegsverbrecher werden verfolgt. Im Schloss von Versailles wird der Spiegelsaal für die Zeremonie der Unterzeichnung des Vertrages hergerichtet. Alle Delegationen der verbündeten und feindlichen Staaten sind zugegen, abgesehen von der Delegation von China, das eine der Klauseln ablehnt, in der die Kontrolle über die deutschen Gebiete in China Japan zugesprochen wird. In den anschließenden Sälen, den Höfen und Gärten drängen sich die Masse der Journalisten aus aller Welt und die Zuschauer, die dieses einzigartige Schauspiel miterleben wollen, das den Abschluss eines Weltkrieges bedeutet.

Clemenceau eröffnet die Sitzung, Um 15 Uhr werden die fünf Vertreter Deutschlands in den Saal geführt. Der Chef des Protokolls, Becq de Fouquières, bringt den in rotes Saffianleder gebundenen Vertrag. Eine kurze Ansprache von Clemenceau geht den Unterschriften voraus, die um 15 Uhr 12 beginnen. In eindrucksvoller Stille unterzeichnen Müller, der Außenminister, und Bell, der Minister für die Kolonien, gefolgt von Wilson, Lloyd George und Clemenceau und den übrigen Delegierten. Um 15 Uhr 50 ist alles vollendet. Der Vertrag soll am 11. Januar 1920 in Kraft treten. Clemenceau, der fünf schwer im Gesicht Verletzte zu der Zeremonie geladen hatte, begrüßt sie ostentativ. Draußen zeigt die Menge ihre Freude. Die deutsche Delegation, die aus 40 Personen besteht, besteigt in Noisy-le-Roi wieder ihren Sonderzug.

1919-1922 Am 20. Oktober 1920 verabschieden die französischen Abgeordneten den Text mit 372 Ja - Stimmen, 53 Gegenstimmen und 74 Enthaltungen.

Später werden weitere Verträge unterzeichnet: am 10. September 1919 im Schloss von Saint-Germain-en-Laye mit Österreich; am 27. September in Neuilly mit Bulgarien; im Schloss Grand Trianon in Versailles am 4. Juni 1920 mit Ungarn; am 10. August 1920 in Sèvres mit der Türkei. Nach dem Ende des griechisch - türkischen Krieges (1921-1922) wird letzterer Vertrag durch den Vertrag von Lausanne (1923) ersetzt, der für die Türken vorteilhafter ist. Diese Verträge verändern die Landkarten. Weltreiche (Österreich - Ungarn, Russland, die Türkei) werden zerstückelt, Länder werden gegründet (die Tschechoslowakei, das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, Polen..), und andere werden vergrößert (Frankreich, Rumänien, Dänemark, Belgien..). Um die Schrecken eines neuen Krieges zu vermeiden, wird auf Vorschlag der Amerikaner ein Organismus gegründet, vor den jeder internationale Streit gebracht werden soll: der Völkerbund.

In Wahrheit sind diese Umstände nur scheinbar förderlich für den Frieden. In den neuen Ländern bestehen viele nationale Minderheiten weiter, die den Anschluss an ihr Heimatland fordern; die zerschlagene deutsche Wirtschaft lässt die Zahlung der Schulden in der festgesetzten Höhe nicht zu; der amerikanische Senat weigert sich am 20. November 1919, den Vertrag zu ratifizieren und tritt dem Völkerbund nicht bei. Diese Entscheidung der U.S.A. macht die militärische Garantie hinfällig, die dieses Land Frankreich für den Fall eines deutschen Angriffs gegeben hatte. Im Übrigen sind auch noch nicht alle Kämpfe auf europäischem Boden vorbei. So schickt Polen, das den Vormarsch der Kommunisten fürchtet, 1920 Truppen nach Russland, das sie siegreich zurück schlägt. Mit der Hilfe französischer Offiziere unter dem Kommando von General Weygand gelingt es den Polen schließlich, die Russen zurück zu schlagen. Von 1920 bis 1922 wütet der Krieg zwischen Griechenland und der Türkei. Am 16. November 1919 geht in Frankreich aus den Wahlen eine Koalition mit rechter Mehrheit hervor. Am 17. Januar 1920 wird Deschanel mit 734 Stimmen zum Präsidenten der Republik gewählt. Clemenceau, der "Vater des Sieges", von der Linken attackiert, weil sie den Vertrag von Versailles für zu hart hält, und von der Rechten, die ihm vorwirft, gegenüber den angelsächsischen Forderungen Schwäche gezeigt zu haben, erhält nur 53 Stimmen.

DER SIEG Am 13. Juli 1919 morgens ist der Präsident der Republik, Poincaré, in Amiens. Gemeinsam mit dem Finanzminister Klotz und dem Minister für die befreiten Gebiete, Lebrun, trifft er sich mit den Bürgermeistern der Somme und wird dann von dem Bischof, Se. Exz. de Villerabel, empfangen.

Am Nachmittag übergibt er im Rathaus von Paris den Marschällen Foch, Joffre und Pétain ihre Schwerter und zeichnet die Fahnen von Einheiten aus. In der Hauptstadt, wo Künstler wie z.B. André Mare, Louis Süe oder Gustave Jaulmes den Place de l'Etoile und bestimmte Hauptstraßen in der Umgebung geschmückt haben, herrscht große Begeisterung. Ein den Gefallenen des Krieges gewidmeter, 17m hoher Kenotaph, ein Werk von André Mare, erhebt sich in der Nähe des Arc-de-Triomphe. Clemenceau begibt sich am Abend zum stillen Gedenken dorthin. Am Rond-Point des Champs-Elysées erheben sich vier den Märtyrerstädten Arras, Reims, Soissons und Verdun gewidmete Altäre nicht weit von zwei Pyramiden, die aus aufgetürmten deutschen Kanonen bestehen. Am 14. Juli strömt ab 6 Uhr morgens eine riesige Menschenmenge zusammen, um die Strecke zu säumen, die der Zug nehmen wird, vom Etoile bis zum Place de la République. Um 8 Uhr legt der Präsident, Poincaré, in Begleitung des Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Deschanel, und Clemenceaus, einen Strauß Orchideen an dem Kenotaph nieder, bevor er die Tribüne betritt. Um 8 Uhr 35 beginnt der Aufmarsch. Eingeleitet von Trommel- und Hörnerklang, marschieren an der Spitze 1 000 Kriegsversehrten, auf die die Marschälle Foch und Joffre zu Pferd folgen, mit dem Marschallstab in der Hand, danach Generäle des interalliierten Generalstabs. Darauf folgen in alphabetischer Ordnung (an der Spitze die Amerikaner, am Schluss die Tschechoslowaken) alle alliierten Kontingente mit ihren Führern und Fahnen.

Hinter Marschall Pétain und General de Castelnau defiliert die französische Armee zu den Klängen von Sambre-et-Meuse, dem lothringischen Marsch und der Madelon. Die begeisterten Zuschauer umjubeln die Vertreter von zwanzig Armeekorps der Orientarmee, der Afrikaarmee, der Kolonialarmee usw., mit ihren Führern, darunter die Generäle Fayolle, Gouraud, Mangin, Guillaumat und Admiral Ronarc'h. Nach der Ankunft auf dem Place de la République stellt sich Foch, der Kommandant der alliierten Streitkräfte im Jahr 1918, in die Nähe der Statue der Marianne und grüßt alle diese Soldaten, die symbolischen Vertreter aller derer, die vier Kriegsjahre lang durchgehalten hatten. Die Zeremonie ist um 12 Uhr 15 beendet, aber das Fest wird bis spät in die Nacht fortgesetzt, als ein Feuerwerk die gigantische, jubelnde Menge in gleißendes Licht taucht. Der Sieg wird in allen Hauptstädten der Alliierten gefeiert, aber auch in Madrid, Genf und in Luxemburg, dem einzigen Land ohne Armee, das seit dem 2. August 1914 von den Deutschen besetzt war. Im Herzen aller dieser Menschen war dies wirklich der "der des der", der letzte aller Kriege.
Quelle : SGA/DMPA