Maxime Weygand

1867-1965
(21. Januar 1867 : Brüssel - 28. Januar 1965 : Paris)
  • Maxime Weygand in seinem Büro

    Maxime Weygand in seinem Büro. Quelle: SHD

Maxime Weygand wird in Brüssel als Sohn unbekannter Eltern geboren. Seine Herkunft beschäftigt noch heute Journalisten und Historiker: uneheliches Kind der Gräfin Kosakowska, illegitimer Sohn von Leopold II. von Belgien, Frucht aus der Verbindung des Obersten Van der Smissen mit Kaiserin Charlotte von Mexiko oder dieser mit einem mexikanischen Indianer? Die Akte ist noch nicht geschlossen. Im Alter von sechs Jahren wird er einem jüdischen Pelzhändler in Marseille anvertraut, David Cohen de Léon. Er nimmt den Namen der Lebensgefährtin seines Vormunds an und wird nach einem sehr erfolgreichen Besuch der Gymnasien von Vanves, Louis-le-Grand und Henri-IV, 1885 in Saint-Cyr als ausländischer Schüler mit dem Namen Maxime de Nimal aufgenommen. Er besteht 1887 sein Diplom, tritt in die Kavallerie ein und wird in Saumur ausgebildet, um dann im 4. Regiment der Dragoner zu dienen. Mit zwanzig Jahren wird er von dem Buchhalter seines Vormunds, François Weygand, offiziell adoptiert und erhält die französische Staatsbürgerschaft. Er hält sich in vielen Garnisonsstädten auf (Chambéry, Saint-Étienne, Lunéville, Saumur, Niort, Nancy) und erhält 1896 seine Epauletten als Hauptmann. Nachdem er bestraft wurde, "weil er sich an einer Unterschriftenaktion, die einen politischen Charakter annehmen konnte" zugunsten von Oberst Henry anlässlich der Dreyfus - Affäre beteiligt hatte, heiratet er 1900 und setzt seine Karriere als Offizier im 9. Dragonerregiment fort. 1912 wird er Oberstleutnant , fällt durch seine Qualitäten als Ausbilder in der Schule für Kavallerie von Saumur auf und geht an die Militärhochschule. 1913 wird er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.
1914 nimmt er an der Spitze des 5. Husarenregiments an der Schlacht von Morhange teil. Am 28. August wird er, inzwischen zum Oberst befördert, zu Foch, dem Chef des Stabes, versetzt. 1916 wird er Brigadegeneral. Als Foch kalt gestellt wird, bleibt er ihm treu und spielt später an dessen Seite eine umso wichtigere Rolle, als 1917 Nivelle mit seinem Plan gescheitert ist. In der Konferenz von Rapallo (am 6. und 7. November) arbeitet er an der Bildung eines alliierten Oberkommandos, das seit dem Treffen von Doullens (am 26. März 1918) tätig wird. Foch erhält die Leitung und Weygand die Stellung eines Generalmajors. Die beiden Männer führen im November die Verhandlungen über den Waffenstillstand. 1920 wird er Generalleutnant und erhält eine Mission in Polen als Militärberater von Marschall Pilsudski in dessen Kampf gegen Sowjetrussland. 1923 wird er zum General befördert und löst Gouraud als Hochkommissar in Syrien ab. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich wird er in den Obersten Kriegsrat und dann an die Spitze der Militärhochschule berufen und schreibt die Biographien von Foch (1929) und Turenne (1930). 1931 löst Weygand Foch in der Académie Française ab, veröffentlicht eine Arbeit über den 11. November (1932) und widmet sich, nachdem er 1935 aus dem aktiven Dienst ausgeschieden ist, dem Schreiben der Militärgeschichte von Mehmet-Ali und seinen Söhnen (1936), Comment élever nos fils ? (Wie sollen wir unsere Kinder erziehen?) (1937), La France est-elle défendue ? )Wird Frankreich verteidigt?) (1937) und der Geschichte der französischen Armee (1938).
Präsident Daladier ruft ihn zurück, als der Zweite Weltkrieg ausbricht, und vertraut ihm das Kommando über die französischen Streitkräfte im Mittleren Osten mit dem Titel Chef des Kriegsschauplatzes im östlichen Mittelmeer und der Aufgabe an, den Einsatz der Truppen in der Levante und auf dem Balkan zu koordinieren. Im Mai 1940 ruft ihn Ratspräsident Reynaud nach Paris zurück, als Nachfolger von General Gamelin und Oberkommandierender der französischen Streitkräfte, auf Grund der Niederlage der französischen Armee im Osten. Er macht den Versuch einer Gegenoffensive mit der belgischen und englischen Armee, aber das Projekt wird fallen gelassen, als die französischen und britischen Truppen am 24. Mai bei Dünkirchen eingeschlossen werden. Am nächsten Tag wird auf einer außerordentlichen Konferenz im Elysée - Palast die Möglichkeit eines Waffenstillstands zur Diskussion gestellt. Am 11. Juni zeichnen sich auf der Konferenz von Briare und angesichts der Entscheidung Churchills, keine massiven Angriffe der Royal Air Force gegen die Frontlinie fliegen zu lassen, die Positionen innerhalb des französischen Führungsstabes ab: Fortsetzung des Kampfes im Weltreich oder Bitte um einen Waffenstillstand? Weygand und Pétain meinen, dass die Regierung das nationale Territorium nicht verlassen kann und dass ein Waffenstillstand die militärische Ehre bewahren würde. Die Ereignisse überschlagen sich, die Flut der Flüchtlinge, angewachsen durch die zurück weichende Armee tragen zu dem allgemeinen Durcheinander bei. Die nach Bordeaux verlegte Regierung zögert noch, welche Politik eingeschlagen werden soll. Am 17. Juni findet man zu einem Konsens um den Vizepräsidenten des Rates, Camille Chautemps, und man bittet bei den deutschen Behörden um den Waffenstillstand. Pétain löst Reynaud ab, und Weygand wird zum Verteidigungsminister ernannt. Wenn er auch dafür sorgt, die mit der amerikanischen Industrie abgeschlossenen Verträge für Waffenlieferungen an Frankreich zugunsten des englischen Verbündeten zu übertragen und die Lieferungen in britische Häfen umzudirigieren, so missbilligt er die Haltung von General de Gaulle, den er in den Rang eines Oberst degradiert und in Abwesenheit zum Tode verurteilen lässt. Als Minister und später allgemeiner Beauftragter der Regierung Vichy in Afrika, versucht Weygand, ein Gleichgewicht zwischen den Alliierten, den Forderungen des Reichs und seiner Treue zu der einzigen Regierung aufrecht zu erhalten, die er für legitim hält: er weigert sich, die nordafrikanischen Infrastrukturen an Deutschland auszuliefern (Juli 1940 und Mai 1941), wendet die Gesetzgebung von Vichy an, verhandelt über die Bedingungen des Nachschubs mit dem Amerikaner Murphy (Februar 1941) und verlangt, dass die Soldaten der Afrika - Armee nach der Schlacht von Syrien den Eid auf den Marschall ablegen. Sein Verhalten verwirrt Berlin, und die Regierung von Vichy ruft ihn im November 1941 nach Frankreich zurück. Im November 1942, nach der Landung der Engländer und Amerikaner in Nordafrika und der Besetzung von ganz Frankreich durch die deutschen und italienischen Truppen, wird Weygand von den Deutschen verhaftet und unter einen vom Lager Dachau verwalteten Hausarrest gestellt.
Er wird am 5. Mai 1945 befreit und zwei Tage später wieder verhaftet. Er ist bis zum Mai 1946 in Val-de-Grâce wegen Kollaboration inhaftiert, und sein Verfahren wird 1948 eingestellt. Seine letzten Lebensjahre widmet er als Präsident der Vereinigung Jeanne d'Arc dem Bemühen um die Rehabilitierung der Erinnerung an Philippe Pétain, publiziert Kommentare in Le Monde und verfolgt seine Schriftstellerkarriere, wobei er mit de Gaulle und Reynaud abrechnet: Foch (1947), Le général Frère (1949), Mémoires, 1950-1957, Forces de la France (1951), Et que vive la France ! (1953), En lisant les mémoires du général de Gaulle (Beim Lesen der Memoiren von General de Gaulle) (1955), L'Arc de Triomphe de l'Étoile (1960), Histoire de l'armée française (1961), Maxime Weygand, L'Armée à l'Académie (1962), Lettres inédites relatives aux testaments de Leurs Majestés le roi Louis XVI et la reine Marie-Antoinette (Unveröffentlichte Briefe zu den Testamenten Ihrer Majestäten König Ludwig 15. Und Königin Marie-Antoinette) (1965). Maxime Weygand stirbt am 27. Januar 1965 nach einem Oberschenkelhalsbruch. Er wird auf dem Friedhof Saint-Charles in Morlaix, Finistère beigesetzt.
Quelle : MINDEF/SGA/DMPA
< Zurück zur Liste der Persönlichkeiten