Produire pour la Victoire

FÜR DEN SIEG PRODUZIEREN DIE INDUSTRIELLE MOBILMACHUNG
  • Albert Thomas

    Albert Thomas. Quelle: ECPAD

  • Lyon, Werke der alten Ausstellung, die elektrische Beleuchtung Gesellschaft Grosse Halle Granaten von 155

    Lyon, Werke der alten Ausstellung, die elektrische Beleuchtung Gesellschaft Grosse Halle Granaten von 155. Fotografen : Gabriel Boussuge

  • Paris, Werk und Panhard Levassor, 19 Avenue d'Ivry, Werkstatt Montage von Motoren (Februar 1917))

    Paris, Werk und Panhard Levassor, 19 Avenue d'Ivry, Werkstatt Montage von Motoren (Februar 1917))
    Fotograf : Gabriel Boussuge

  • Toulouse, Arsenal, Werkstatt zur Herstellung von Bällen (April 1917)

    Toulouse, Arsenal, Werkstatt zur Herstellung von Bällen (April 1917), fotograf : Gabriel Boussuge



Seit der Schlacht an der Marne erweist es sich als notwendig, die Mobilmachung der Männer durch die Mobilmachung der Industrie zu ergänzen. Im September 1914 stellte die Landesverteidigung täglich 10000 75mm-Granaten her, während eine Batterie mit 4 Geschützen 1000 davon an einem Kampftag verbrauchte. Das Oberkommando fordert die Lieferung von 100 000 Granaten pro Tag, eine Zahl, die seit dem Frühjahr 1915 erreicht wird. Vor allem zwei Entscheidungen kurbeln diese Planung der Rüstungsindustrie an : der Rückgriff auf private Unternehmen (Citroën, Schneider, Saint-Chamond) mit einem Kapitalvorschuss zur Gründung von Fabriken, die für den Neustart und vor allem die Ausweitung der Produktion unerlässlich sind. So werden bis Ende 1915 500 000 Arbeiter von der Front abgezogen, um in Betrieben und Pulverfabriken zu arbeiten.

Insgesamt belief sich Anfang 1918 die Anzahl dieser zu Sondereinsätzen herangezogenen Arbeitskräfte auf etwa 518 000, nicht mit eingerechnet 300 000 weitere, die in die Landwirtschaft abgeordnet wurden (Zahl aus dem Sommer 1917), auf eine Gesamtstärke der Streitkräfte in Höhe von 5,2 Millionen. Dies reichte noch nicht aus, aber die Armee opponierte schon bald gegen das Verlegen zu vieler Soldaten in die Etappe. Sie fürchtete die Schwächung der kämpfenden Truppe einerseits und hatte andererseits selbst Bedarf an diesen Spezialisten für ihre eigenen Dienste: Eisenbahn, Reparaturwerkstätten, Artillerie und Pioniere usw. Also musste man auf andere Quellen an Arbeitskräften zurückgreifen, und zwar zunächst auf die Frauen. Dies verlief nicht immer ohne Widerstand der Betroffenen. In der Gegend von Bar-le-Duc weigern sich Flüchtlingsfrauen aus dem Norden des besetzten Departements, in die Fabrik zu gehen, um ihr Schicksal zu verbessern. Sie hatten Angst vor dem engen Zusammenleben in der Fabrik, vor den giftigen Ausdünstungen, die "krank machen", und ziehen die kümmerliche Existenz mit 1,50 F täglicher Beihilfe vor. Aber im Ganzen erreichte diese Rekrutierung genug Menschen, um im Land eine neue weibliche Mentalität zu schaffen.

1918 arbeiten 425 000 zivile Arbeiter in der Waffenproduktion, 430 000 davon Frauen, 330000 Jugendliche unter 18 Jahren, 13 000 Versehrte, 108 000 Ausländer, 61 000 Personen aus den Kolonien, 40 000 Kriegsgefangene und 497 000 in die Industrie versetzte Soldaten. Trotz des großen Problems der Rohstoffe (die großen Kohle- und Eisenbecken im Norden und Osten sind besetzt) macht die Industrie eine Modernisierung durch. Bis zum Ende des Krieges war Frankreich der wichtigste Waffenproduzent der Alliierten, zum Teil dank des Imports von Koks, Steinkohle und Eisen.

Zitiert von Gerd Hardach, L'autre front, 1914-1918 Hefte des "Mouvement social", Nr. 2, 1977, S. 87

In Bezug auf die Luftwaffe wird eine ebensolche Anstrengung unternommen, und im Jahr 1918 hat sich die Produktion von 1917 fast verdoppelt. Zitiert von J.M. Laux, L'autre front (...), S. 182

DIE STREIKS In der ersten Jahreshälfte 1918 schwankt die Stimmung der Franzosen, und in den Industriegebieten beginnen die sozialen Unruhen erneut. (In 29 Departements arbeiten mehr als 10 000 Arbeiter in der Rüstungsindustrie; im Departement Loire sind es 108 000, im Departement Rhône 76 000, usw.). Das Schicksal des Krieges liegt ebenso sehr in den Händen des Arbeiters wie in denen des Frontsoldaten, des "poilu". Albert Thomas, sozialistischer Unterstaatssekretär für Artillerie und Munition, hatte 1916 in Le Creusot darauf hingewiesen : " Der Sieg hängt dort am Himmel, in dem Rauch, der dieses Tal erfüllt. Wir zählen auf euch, Kameraden, ihn zu ergreifen." 1917 waren die Behörden wegen der Arbeiterunruhen besorgt. Dienststellen für die Erkundung der Stimmung stellen jetzt eine Liste der großen Industriezentren zusammen, in denen die Unruhen vor allem deshalb zu befürchten sind, da die ursprüngliche Bevölkerung durch neue, "entwurzelte" Einwohner angewachsen ist. In einigen dieser Zentren brechen die Proteste im Frühjahr 1918 erneut aus. Am 14. Mai wird in den 28 Fabriken, die in Grenoble für die Rüstung arbeiten, die Arbeit unterbrochen. In Vienne wird am 21. der Generalstreik ausgerufen, und alle Textil und Metall verarbeitenden Fabriken schließen sich der Bewegung an, die eine "revolutionäre und pazifistische" Tendenz zeigt. Im Gard treten in der Hütte von Tamaris am 21. Mai 2 076 von den 2 430 Arbeitern in den Streik (von denen 1 362 einberufene Soldaten sind), und der Streik greift auf die Hütte von Bessèges über. Im Kohle- und Metallbecken der Loire gibt es am 1. Mai Unruhen : 30 000 Streikende in Saint-Étienne. Auch die Bewegungen in Firminy und Chambon-Feugerolle sind ernst zu nehmen.

Am 18. Mai bricht der Generalstreik aus und gewinnt schnell an Boden. Am 21. Mai erfasst er die wichtigsten Industriezentren der Loire. Mehr als 10 000 Personen beschließen, die Arbeit erst wieder aufzunehmen, wenn Waffenstillstandsverhandlungen aufgenommen werden. Trotz Zusammenstößen mit der Polizei und der Kavallerie (Frauen versuchen am Bahnhof, die Abfahrt der Eingezogenen der Jahrgänge 1911, 1912 und 1913 zu verhindern), erschöpft sich die Bewegung ab dem 25., und am 28. kehrt wieder Ruhe ein. In der Hauptstadt flammten am 13. Mai auch Arbeiterunruhen auf.

Am 14. greift die Bewegung, die vor allem von Renault ausgeht (Streik zu 100 %), auf die ganze Region von Paris über. In den 57 Fabriken, in denen für die Rüstung gearbeitet wird, treten 105 130 Arbeiter von 127 700 in den Streik. Aber zur gleichen Zeit, in der sich der Streik an der Peripherie ausdehnt, schwächt er sich im Zentrum seines Entstehens ab. Seit dem 16. Mai nehmen 50 % der Streikenden von Renault die Arbeit wieder auf. Am 21. ist die Bewegung beendet. Tatsächlich machen die deutschen Offensiven die Streiks unpopulär. Viele Arbeiter meinen, dies sei nicht der Moment, den Kriegseinsatz zu schwächen. "Sowohl in Paris, im Isère als auch im Gard, überall gleichen sich die Streiks des Frühjahrs 1918 weitgehend. Zweifellos geben sie den Pazifismus eines großen Teils der Arbeitermasse wieder, aber ihr Ablauf zeigt ebenso deutlich die Unsicherheit der Pazifisten, die den Frieden wollen, aber nicht wissen, wie sie ihn erhalten können. Daher die Sackgasse, in der die Streiks sehr schnell ersticken, da sie zu nichts führen. Eine Tatsache stellte sich den Arbeitern entgegen: in einem Land im Kriegszustand kann man, wenn es nicht bei dem bloßen Wort bleiben soll, kein Pazifist sein, ohne ein Revolutionär zu sein und extreme Konsequenzen zu ziehen, d.h. die Niederlage des eigenen Landes in Kauf zu nehmen, wenn der Gegner nicht bereit ist, Frieden zu schließen. Es scheint aber, dass die Masse der französischen Arbeiter keine Defätisten waren" J-J Becker, Les Français dans la Grande Guerre, Lafont, 1980, S. 249.

Streikende aus Saint-Étienne werden eingezogen und dem 149. Infanterieregiment in Épinal zugeteilt. Sie scheinen guter Stimmung zu sein und sich vor allem rechtfertigen zu wollen. "Was meine Gedanken im Augenblick und für die Zukunft betrifft, so habe ich nur den einen, meine Pflicht als Franzose zu tun, denn ich bin ein Franzose, und ich habe mich noch nie verkauft ; die Kollegen aus der Fabrik, die sich beschweren, können in Zukunft ihre Ideen selbst verteidigen, so wie ich in diesem Moment meine Pflicht als Franzose tue." CH... 149. R.I. Épinal, in Saint-Étienne, 9. Juni 1918. Postkontrolle Epinal, 9. Juni 1918. S.H.A.T. 16N1460. J-B Duroselle, hat nach der Untersuchung des plötzlichen Aufflammens dieser Streikwelle und ihres ebenso schnellen Erlöschens folgenden Schluss gezogen : "Es scheint auch, als ob viele Arbeiter, vielleicht die Mehrheit, 1918 mit der Art einverstanden waren, in der Clemenceau, Foch und Pétain den Krieg führten." J B. Duroselle, Histoire de la Grande Guerre, Editions Richelieu, 1972, S. 288.

Der nationale Konsens hatte seit Beginn der Feindseligkeiten die größten Spannungen erlebt. Aber die überwiegende Mehrheit der Arbeiter, wie auch die ganze Nation, glaubte weiter, dass es nicht in ihrem Interesse lag, diesen Krieg zu verlieren. So endeten die großen Streiks im Frühjahr 1918 mit der deutschen Offensive vom Mai 1918. Sie war die schwerste und schien Erfolg zu haben. Es ist klar, dass die Streikenden zwar "Pazifisten" doch keine "Defätisten" waren.
Quelle : MINDEF/SGA/DMPA