Rückkehr zur Republik

Das jahrhundertealte Herz des souveränen Staates, Paris war bereits seit dem 14. Juni 1940 von den Deutschen besetzt, ist für de Gaulle „das schlechte Gewissen der freien Welt“. Seit der Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 ist die Hauptstadt zentraler Punkt der Strategie und Politik.

Les Parisiens ovationnant le général de Gaulle sur les Champs Elysées, 26 août.
Les Parisiens ovationnant le général de Gaulle sur les Champs Elysées, 26 août. - © Coll. NARA. US Musée du général Leclerc et de la Libération de Paris/Musée Jean Moulin (Paris Musées)

Zusammenfassung

    Chronologie Cartes Fotogalerie

    Paris, das „Herz des gefangen genommenen Landes“ hat in der letzten Schlacht eine außergewöhnliche Bedeutung. Die Rückeroberung der Hauptstadt ist ein entscheidender Schritt, sowohl im Inland wie auch im Ausland, um die nationale Souveränität wiederzuerlangen. 

    Am 3. Juni 1944 übernimmt das Französische Komitee für die nationale Befreiung (CFLN) die provisorische Regierung der Republik und macht den Alliierten dadurch deutlich, dass es eine Kriegsregierung unter der Leitung von General de Gaulle gibt. „Die nationale Befreiung kann nicht vom nationalen Aufstand getrennt werden“, hatte dieser im April 1942 bekräftigt. Daran erinnert er auch in den Jahren 1943 und 1944, wobei er dann jedoch unterstreicht, dass dies nicht ohne entsprechende Ordnung und Kontrolle möglich ist. Dieser Ansatz spiegelt die Maßnahmen von Algier wieder, die im Rahmen der Organisation der zivilen und militärischen Machtverhältnisse und zur Wiederherstellung der republikanischen Legalität in der Metropole während der Befreiung ergriffen wurden. Der Befehl vom 21. April, abgesehen von der Wiederherstellung des republikanischen Staates, erinnert an die Aktionen des militärischen Komitees in Frankreich (COMIDAC) unter der Leitung von de Gaulle, die die „Durchführung von Operationen in besetzten Gebieten“ regelten, wie z. B. die militärische Vertretung in London durch General Koenig, Leiter der Forces françaises de l’Intérieur. Einen Monat zuvor hatte er daran erinnert, dass das COMIDAC das Kommando übernommen hatte, angeführt vom nationalen militärischen Delegierten der Untergrundbewegung, General Chaban-Delmas, der im April ernannt wurde.

    Paris, Einsatz für Souveränität

    Auf Drängen von Jean Moulin, der eine Gegenregierung des Untergrunds durch die Zusammenführung der Widerstandsgruppen und die Gründung des Nationalen Widerstandsrats unter Beteiligung verschiedener Gruppen, Syndikate und politischer Parteien durchsetzt, erhält Paris 1943 wieder den Status der politischen Hauptstadt. Die nach dem Verschwinden von Jean Moulin geschwächte Delegation bestätigt in der Stunde der Befreiung ihre Stellung als Einrichtung des Staats. Alexandre Parodi, der im April 1944 zum Berater des Staats ernannt worden war, wird am 14. August als „Mitglied der GPRF, Abgeordneter des Staats für die besetzten Gebiete“ vorgeschlagen. Als direkter Repräsentant von de Gaulle ist er verantwortlich für die Bildung einer provisorischen Regierung in der Hauptstadt. Der CNR, die seit September 1943 von Georges Bidault angeführt wurde, gegenüber bekräftigte er die repräsentative Autorität des Widerstands und erhebt den Anspruch auf Autonomie. Er wendet sich dem von Kommunisten dominierten Militärischen Komitee (COMAC) zu, um die militärischen Aktionen in Frankreich zu leiten. Trotz der seit April anhaltenden Beteiligung der GPRF ist der kommunistischen Partei daran gelegen, in der Hauptstadt eine entscheidende Rolle zu übernehmen, was seitens der GPRF entsprechende Befürchtungen wachruft. Weder Chaban-Delmas noch Parodi befürchteten eine Machtübernahme durch die Kommunisten.

     

    Paris mit seiner besorgniserregenden revolutionären Geschichte wird Gegenstand einer speziellen Befehlsgewalt, die sich auf kommunale und auf Department-Ebene ausgeübte Administration stützt. Die Präfekten der Seine und der Polizei werden auf dem Prinzip des inneren Widerstands und eines freien Frankreichs ernannt, ebenso wie die Kommissare der Republik. Der Widerstandskämpfer Marcel Flouret (1892-1971) wird am 28. April 1944 zum Präfekten der Seine ernannt. Während das Rathaus besetzt wird, übernimmt er zeitgleich am 20. August seinen Posten im Rathaus, um die Weiterführung der kommunalen Angelegenheit zu gewährleisten. Am 17. Juni ernennt de Gaulle den Vertreter des Freien Frankreich, Charles Luizet, zum Polizeipräfekten, der sein Amt am 18. Juni 1940 übernimmt und der seine Fähigkeiten bereits als Präfekt des befreiten Korsika unter Beweis gestellt hatte.

     

    Außenpolitisch betrachtet legt de Gaulle insbesondere Wert darauf, dass die Armeen Frankreichs vor denen der Alliierten in Paris zum Einsatz kommen. Er befürchtet, dass die Amerikaner eine militärische Verwaltung für die besetzten Gebiete einsetzen, wie dies bereits in Italien geschehen war. Im Dezember 1943 erteilt er General Leclerc und der 2. Panzerdivision den Befehl zur Befreiung von Paris und zur Einsetzung einer politischen Führung. Der begeisterte Empfang in Bayeux, der de Gaulle am 14. Juni 1944 seitens der Bevölkerung entgegengebracht wird, sowie die Bestätigung ziviler Behörden erweitert das Spektrum der militärischen Verwaltung für die besetzten Gebiete. Mitte August führen der Durchbruch am Kessel von Falaise und die Landung in der Provence zur späteren Befreiung von Paris durch Eisenhower. Die Priorität lag hierbei auf der Ostfront und der Einkesselung der großen Stadt. Die Versorgung der Bevölkerung war logistisch betrachtet ein großes Problem und man wollte mit allen Mitteln ein „neues Stalingrad“ in Paris verhindern.

    Der Verlauf des Aufstands (14. Juli bis 18. August 1944) 

     

    Obwohl die Schlacht um die Normandie bis Mitte August oberste Priorität hat, bleibt auf der deutschen Seite die Stadt Lumière symbolträchtig für Hitler, der General von Choltitz zum Befehlshaber über den Großraum Paris gemacht hatte, mit dem Ziel, die Stadt bis zum letzten Mann zu verteidigen. Die Streitkräfte (20.000 Männer und ca. 20 Panzer) bestehen aus Verwaltungskräften, alten und wenig motivierten Soldaten, jedoch auch aus SS-Kräften, die den Feind terrorisieren. Zeugnis dieser Massaker sind die vielen Massengräber (Kampfhandlungen in Bois de Boulogne, Mont Valérien). Trotz der beschränkten logistischen Mittel setzt die Besatzungsmacht die Deportationen fort: Die letzten Konvois verlassen die Region Paris am 31. Juli, 15. und 17. August, um 3.451 Juden und Widerstandskämpfer in die Konzentrationslager zu deportieren. Der Konsul von Schweden, Raoul Nordling, ist besorgt um die politischen Gefangenen in Paris. Nach harten Verhandlungen mit von Choltitz und der SS gelingt ihm die Befreiung von 2.000 Menschen im Austausch gegen deutsche Gefangene. Mitte Juli kommt in der kommunistischen Partei, der COMAC und dem Pariser Befreiungskomitee, gegründet im Oktober 1943 vom kommunistischen Widerstandskämpfer und Gewerkschaftler André Tollet, der Wunsch auf, am 14. Juli zu Demonstrationen aufzurufen, um damit den Aufstand einzuleiten. Die Spannungen zwischen den Aktivisten und den eher Abwartenden steigen. Auf die Demonstrationen folgen aufständische Streiks, initiiert durch die Bahnarbeiter am 10. August, gefolgt am 15. August von den Polizeikräften sowie am 18. August von den Stadtfunktionären, den Postbeamten und den Sanitätern. Sie alle folgen dem Aufruf von General de Gaulle vom 7. August „Franzosen, steht auf und kämpft [..]“ „Alle Arbeiten, die dem Feind nützen könnten, müssen verweigert werden.“ Am 18. August geraten die Ereignisse in Paris außer Kontrolle. Trotz dem Rat von Koenig, der von Chaban-Delmas aus London zurückbeordert wurde, um die Aktionen zu beenden, ist der Aufstand in vollem Gange, was auch von Alexandre Parodi bestätigt wird. „Paris war reif für den Großaufstand“. In Paris wird die Befehlskette vereinfacht: Oberst Rol-Tanguy (Kommunist, FTPF), Kommandant der FFI in Ile-de-France und anerkannter Kriegschef, sichert der militärischen Leitung zu, dass sämtliche Kräfte des Widerstands, der FPTF unter Charles Tillon, nationaler Leiter, sowie alle Regierungskräfte, Polizisten, Feuerwehrleute, die Parodi unterstanden, einheitlich und effizient zusammenarbeiten werden.

    Allgemeine Mobilisierung! (19. August – 23. August 1944)

    Die spontane Besetzung der Polizeipräfektur am 19. August, ausgeführt von 2.000 Agenten unter der Leitung von Rol-Tanguy führt kurze Zeit später zum allgemeinen Befehl zur Mobilisierung, die von seiner Frau Cécile abgetippt wurde und an die Mission jedes Einzelnen erinnerte: Patrouillen, Besetzung von öffentlichen Gebäuden, Fabriken… und schließlich „den Weg für die siegreichen alliierten Armeen in Richtung Paris freizumachen und sie zu unterstützen“. Das Fehlen von Waffen, um sich gegen die deutschen Angriffe zu wehren, führt zu Verhandlungen über eine Waffenruhe zwischen dem Konsul von Schweden und von Choltitz. Diese gilt zunächst nur für die Polizeipräfektur, später dann jedoch für die gesamte Stadt. Trotz der Unterstützung von Parodi, Chaban-Delmas, Hamon der CPL, der hier die Chance sah, auf die Alliierten zu warten, wird sie von Rol, der COMAC und der CNR abgelehnt, die die Demobilisierung anprangern und hinter der Aktion eine List des Feindes befürchten, um Nachschub in die Normandie transportieren zu können. Die niemals respektierte Waffenruhe wird am 21. gebrochen. Am Sonntag den 20. August drängen Polizei, Widerstandskämpfer und junge Menschen der nationalen Truppen im Namen der provisorischen Regierung in das Rathaus ein. Die Mobilisierung wird fortgesetzt, indem nahezu 500 Barrikaden errichtet werden, ein außergewöhnliches Beispiel in Frankreich im Sommer 1944. Die Bewohner von Paris knüpfen erneut an ihre jahrhundertealte Rolle an. Da die Aufständischen aufgrund der schwierigen Kommunikation mit London und Algier isoliert werden, kehren am 21. August der Rundfunk der französischen Nation sowie das Zeitungswesen aus dem Untergrund zurück, ausgestattet mit den Depeschen der neu gegründeten Französischen Pressestelle, und auch sie treiben die Mobilisierung voran.

    Trotz seiner Guerillamethoden ordnet der Generalstab der FFI von seinem Stützpunkt in Denfert-Rochereau die Überwachung der Trinkwasservorräte an, um sämtliche Gefahren zu vermeiden, die es dem Feind erlauben könnten, Wasser zu vergiften, nachdem auch bereits mehrere Orte vermint worden waren: Die Telefonanlagen in der rue des Archives (3e) und Saint-Amand (15e), der Senat, die Brücken in Saint-Cloud, Alexandre III oder Neuilly, der militärische Kreis in Saint-Augustin und auch auf den Ausweichrouten, sowie das Fort Charenton und die Festung Vincennes. Der vom Feind am 23. August in Brand gesteckte Grand Palais gilt als Vergeltungsmaßnahme für den Angriff von Polizei und FFI auf eine deutsche Kolonne, deren Ziel die Zerstörung historischer Bauwerke war. Die deutschen Einheiten und Panzer, die sich daraufhin zurückzogen, dienten weiterhin als temporäre Unterstützung, die die Angst weiter schürrte.

     

    Die 2. Panzerdivision im Aufmarsch (23. – 24. August)

    Mit der Ankündigung des Aufstands am 18. wächst die Sorge von Leclerc, die dann noch größer wird, als die Amerikaner die Stadt einkesseln. Bereits seit Mitte August ist er von Paris besessen und er wendet sich zunächst an General Patton (Leiter der 3. Armee) und dann an de Hodges (1. Armee), während seine Division dem 5. Amerikanischen Armeekorps unter der Befehlsgewalt von General Gerow zugewiesen wird. Ohne auf eine Bestätigung des Befehls zu warten, führt er seine Einheit wieder zusammen und schickt am 21. ein Leichtkommando (Panzer, Radpanzer, Infanterie) unter der Leitung des Freien Frankreich des Tschad und dem Kommando von Guillebon in Richtung Versailles, mit dem Befehl zum Einmarsch in Paris, falls sich der Feind ihnen widersetzen sollte. Die Entsendung von Abgesandten des Widerstands zu den Alliierten und die Beharrlichkeit von de Gaulle, der damit droht, der 2. Panzerdivision den Befehl zum Einmarsch in Paris zu geben, führen dazu, dass Eisenhower die 2. Amerikanische Panzerdivision und die 4. Infanteriedivision unter General Barton in Richtung Paris befiehlt. Den Amerikanern ist viel daran gelegen, Paris zu retten.

    Trotz des schnellen Voranschreitens am 23. August wird der Erfolg am 24. gebremst, da die 2. Panzerdivision auf die deutsche Verteidigung trifft. Parodi, Chaban-Delmas und Luizet drängen darauf, dass Leclerc mit seiner Division in Paris einmarschiert. Als Antwort schickt Leclerc unter Missachtung der deutschen Flak (deutsche Flugabwehrkanone) eine Piper-Cub (kleines Aufklärungsflugzeug) in Richtung Polizeipräfektur los, um zu verkünden: „Haltet durch, wir kommen“. Am Abend in Antony nimmt seine Anspannung immer mehr zu und er hofft nach wie vor, dass es seinen Truppen gelingen wird, noch am selben Abend in Paris einzutreffen, während der deutsche Nachschub aus Nordfrankreich bereits unterwegs war. Als er einen seiner ersten Weggefährten trifft, Hauptmann Dronne, befiehlt er ihm „Paris klar zu machen“. Um 21.20 Uhr treffen die Panzer und Halftracks „La Nueve“, hauptsächlich besetzt mit spanischen Republikanern, unter stürmischem Beifall auf dem Rathausplatz ein. Die Kirchturmglocken werden geläutet. Kurz darauf, befiehlt der General: „Einmarsch in Paris über die Hauptwege, Vordringen bis ins Herz der Hauptstadt, Einnahme der Brücken […] und direkte Aufforderung an VON CHOLTITZ zur Kapitulation“.

    „Das befreite Paris“ (25. August 1944)

    Während am 25. August die drei Gruppierungen in Paris einmarschieren, fährt Leclerc gemeinsam mit Chaban-Delmas in seinem „Kommandofahrzeug“ über die Porte d'Orléans durch die völlig wild gewordenen Massen bis zum Stützpunkt am Gare Montparnasse. Dort trifft er auf General Gerow, seinen amerikanischen Vorgesetzten, und unterbreitet ihm seinen Schlachtplan. Nachdem er sich mit den Worten „ihr habt hervorragende Arbeit geleistet“ bei den Bahnarbeitern bedankt hat, kehrt er zur Polizeipräfektur und Barton zurück. Im Billardraum des Präfekten, Stützpunkt seines Stellvertreters Oberst Billote, trifft er gegen 15 Uhr auf den mittlerweile verhafteten Choltitz, um die Vereinbarung über die Kapitulation der deutschen Truppen zu unterzeichnen. Unterstützt wird er hierbei von Luizet, Chaban-Delmas, Kriegel-Valrimont der COMAC und von Rol-Tanguy. Der im Kommandofahrzeug von Leclerc zum Generalstab in Montparnasse zurückgebrachte Choltitz unterzeichnet ca. 20 Befehle für die Kapitulation seiner Einheiten, die nach wie vor kämpften. Auf Bitten von Chaban-Delmas und Kriegel-Valrimont akzeptiert Leclerc, dass Rol-Tanguy ein Exemplar der Vereinbarung in der Rolle des „Widerstandskämpfers“ unterzeichnet. Im persönlichen Beisein von von Choltitz setzt Leclerc durch, dass alles Mögliche getan werden musste, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, bis die Hilfe seitens der Alliierten eingetroffen ist. Den Männern von Leclerc gelingt es gemeinsam mit der FFI, die deutsche Verteidigung zu brechen. Die 4. Division hingegen operiert im Osten der Stadt. Am Abend des 25. August folgen weitere Kämpfe in den Vororten.

    Kurz vor 17 Uhr empfangen Leclerc und Rol den Chef der provisorischen Regierung in einem intakten und befreiten Paris. De Gaulle hatte den Ablauf dieses Tages bereits im Vorfeld festgelegt: „Jede einzelne Seele muss mit dem einheitlichen nationalen Geist getränkt werden, und dennoch muss unverzüglich die Autorität des Staats demonstriert werden“. Leclerc führt dies befehlsgerecht aus. Es bleibt ihm keine Zeit zum Ausruhen. De Gaulle, der bereits am Morgen erbost war über die CNR, die die einzige Autorität für sich beanspruchen wollte, erhebt wegen der Unterschrift von Roi schwere Vorwürfe gegenüber dem Leiter der 2. Panzerdivision. Dennoch anerkennt er die Rolle der FFI und macht Rol-Tanguy am 18. Juni 1945 zum Kameraden der Befreiung.

    Er nimmt sein Büro im Staatssekretariat des Krieges ein, das er bereits während der letzten Regierungszeit während der 3. Republik nutzte, das sich im Ministerium in der rue Saint-Dominique befand und demonstriert dadurch den Fortbestand des Staates. Obwohl der Krieg noch nicht beendet ist, hat der Präsident der provisorischen Regierung nicht vergessen, dass er gleichzeitig auch Oberbefehlshaber der Armeen ist. Er begibt sich sodann zur Polizeipräfektur, wo er bereits von Vertretern der provisorischen Regierung erwartet wird: Die Präfekten Flouret und Luizet sowie der abgeordnete General Parodi. Er beharrt auf ein sofortiges Treffen mit Luizet im Rathaus, wo bereits Mitglieder der CPL und CNR warteten. Nach Marrane und Bidault, verliest er seine Rede als Regierungschef ohne Amtseinführung. „Gekränktes Paris, zerstörtes Paris, gequältes Paris und dennoch befreites Paris, Paris, das sich selbst befreit hat mit Unterstützung seiner Einwohner und der Armeen Frankreichs.“

    Die republikanische Regierung (26. August – 13. Oktober 1944)

    Er widersetzt sich Bidault, der von ihm verlangt, die Republik auszurufen, indem er auf seiner Meinung beharrt, dass die Republik nie aufgehört hätte zu existieren. Der seit dem 18. Juni 1940 geführte Kampf erfolgt während gleichzeitig die Republik fortgeführt wird. Der Befehl vom 9. August 1944 erinnert an Artikel 1 „Die Regierungsform Frankreichs ist und bleibt eine Republik. Dieses Recht hat nie aufgehört zu bestehen“. Erst der Erfolg des Manifests vom 27. Oktober 1940, erlassen in Brazzaville, bestätigt die Nichtigkeit der Gesetzgebung der Vichy-Regierung. Erst später wird de Gaulle bewusst, dass die CNR und CPL die Absicht hatten, diese Republik mit oder ohne ihn auszurufen.

    Die Einladung an die Widerstandskämpfer, sich an der Parade am 26. August zu beteiligen, gewünscht von de Gaulle aufgrund einer jahrhundertealten Tradition, sollte nach Triumphen und Siegen die Gemüter beruhigen. Nichts wird dem Zufall überlassen. Der Mann des 18. Juni schreitet das Sonderkommando des Marschregiments des Tschad, Einheiten des Freien Frankreich der 2. Panzerdivision ab, die im Sommer 1940 für Frankreich gekämpft haben. Dann legt der vorübergehende Regierungschef am Grab des unbekannten Soldaten einen Kranz nieder und setzt seinen Triumphzug von der Champs-Élysées bis Notre-Dame fort, indem er das Volk begrüßt und ihnen Sicherheit verspricht. Begleitet wird er von Parodi und Mitgliedern der provisorischen Regierung, Bidault und den Widerstandskämpfern der CNR und der CPL, den Präfekten Luizet und Flouret, den Generälen Leclerc, Koenig, Juin und Chaban-Delmas, Admiral Thierry d’Argenlieu, während er die letzten beiden Kilometer vom Place de l’Etoile bis zum Place de la Concorde unter Beifallsrufen zu Fuß schreitet. Dies ist einer der wenigen Momente der nationalen Einigkeit. Der Mann des 18. Juni war eine Stimme, er bekam ein Gesicht und wurde zum wahrhaften Ritter. Dies ist die triumphale Wiedereinführung in der Hauptstadt des republikanischen Staates.

    Am 31. August nimmt die provisorische Regierung ihre Arbeit auf. Die Wiederherstellung der Ordnung hat oberste Priorität. Die Parade der beiden amerikanischen Divisionen am 29. ist eine Machtdemonstration, ausgeführt als Antwort auf die Besorgnis, die de Gaulle gegenüber Eisenhower zum Ausdruck gebracht hatte. Am Vorabend unterzeichnet de Gaulle einen Befehl zur Auflösung der Generalstäbe der FFI in den befreiten Regionen. Koenig wird zum Militärgouverneur von Paris ernannt, General Revers (Leiter der ORA) übernimmt die Region Paris und Oberst Rol-Tanguy wird mit der Eingliederung der FFI in die Befreiungsarmee beauftragt. Ende Oktober werden die unter kommunistischer Befehlsgewalt stehenden patriotischen Milizen aufgelöst und de Gaulle setzt die Staatsmacht durch.

    Nachdem die GPRF von den Alliierten am 23. Oktober 1944 anerkannt waren, gab es keinen Grund mehr, die Legitimität von de Gaulle anzuzweifeln, weder im Inland noch im Ausland. Trotz der Anpassung eines Programms zur wirtschaftlichen Entwicklung durch die Regierung, hält die provisorische beratende Versammlung am 9. November eine feierliche Sitzung im Senat ab, wo sie bis zur Verabschiedung der Verfassung am 21. Oktober 1945 ihren Platz einnimmt. Infolge der Beratung wird das Wahlrecht der Franzosen auf Frauen und Soldaten erweitert. Dieser Beschluss wird erstmals für die Kommunalwahlen im April 1945 umgesetzt und später dann auch für die Kantonswahlen und die Wahl der Legislative im November 1945.

    Zwischen dem 18. und 30. August (Datum der letzten Kämpfe im Norden von Paris) verloren 5.000 Menschen im Kampf das Leben: 1.800 Gefallene (156 Männer des 2. Panzerbataillons, ca. 1.000 Kämpfer der FFI, darunter 177 Polizisten, ca. 600 Zivilisten und 3.200 Deutsche) sowie 12.800 Gefangene. Die Befreiung von Paris durch deren Einwohner, unterstützt durch die 2. Panzerdivision und die Alliierten, ist ein wichtiger historischer Eckstein, selbst wenn der Krieg dadurch nicht zu Ende war.

    Christine Levisse-Touzé, Forschungsleiterin in Paris 4, Direktorin des Museums über General Leclerc und die Befreiung von Paris sowie des Museums über Jean Moulin (Museen Paris), Chefkonservatorin

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    Fotogalerie:

    Die Befreiung von Paris durch die Widerstandskämpfer, die Einwohner von Paris und die 2. Panzerdivision

     

     

    Bibliografie:

    Libérer Paris, unter der Leitung von Christine Levisse-Touzé, mit Unterstützung von Dominique Veillon, Thomas Fontaine, Vincent Giraudier und Vladimir Trouplin, Westfrankreich, 2014.

    De Gaulle, la République et la France libre 1940-1945, Jean-Louis Crémieux-Brilhac, Perrin, 2014 (erschienen im Carrefours Verlag).

    Andere Artikeln

    Zusammenfassung

    DATUM : 10 – 31. August 1944
    ORT: Paris
    ZIEL: Befreiung von Paris

     
    BETEILIGTE STREITKRÄFTE:
    5. Amerikanisches Armeekorps unter der Leitung von General Gerow
    2. Panzerdivision unter Befehlsgewalt von General Leclerc
    Forces françaises de l'intérieur (FFI)
    Deutsche Garnison unter der Leitung von General von Choltitz
    Leclerc avec Rol-Tanguy accueillant le général de Gaulle à la gare Montparnasse, 25 août 1944.

    Leclerc avec Rol-Tanguy accueillant le général de Gaulle à la gare Montparnasse, 25 août 1944.

    © coll. privée
    FFI à l’affut derrière une barricade, Paris, août 1944.

    FFI à l’affut derrière une barricade, Paris, août 1944.

    © DR
    Amené à la Préfecture de police, un canon antichar pris aux Allemands par les FFI – policiers ;  certains d’entre eux portent le brassard  réglementaire.

    Amené à la Préfecture de police, un canon antichar pris aux Allemands par les FFI – policiers ; certains d’entre eux portent le brassard réglementaire.

    © Gandner Musée du général Leclerc et de la Libération de Paris/Musée Jean Moulin (Paris Musées)
    Leclerc examinant le plan de Paris avec son supérieur le général Gerow, 25 août 1944.

    Leclerc examinant le plan de Paris avec son supérieur le général Gerow, 25 août 1944.

    © coll. NARA, Musée du général Leclerc et de la Libération de Paris/Musée Jean Moulin (Paris Musées)
    Le général de Gaulle est accueilli par les représentants de l’État installés à la Préfecture de police. (de g. à dr.) Charles Luizet, Achille Peretti, commissaire de police et Alexandre Parodi, ministre des territoires occupés.

    Le général de Gaulle est accueilli par les représentants de l’État installés à la Préfecture de police. (de g. à dr.) Charles Luizet, Achille Peretti, commissaire de police et Alexandre Parodi, ministre des territoires occupés.

    © Service de la mémoire et des affaires culturelles - SMAC- de la Préfecture de police.
    De Gaulle sur les Champs-Élysées  (à gauche) Le Troquer Georges Bidault,  Alexandre Parodi, Achille Perretti, colonel de Chevigné, (à l’arrière) les généraux Koenig, Leclerc et Juin, (à droite) le FFI Georges Dikson.

    De Gaulle sur les Champs-Élysées (à gauche) Le Troquer Georges Bidault, Alexandre Parodi, Achille Perretti, colonel de Chevigné, (à l’arrière) les généraux Koenig, Leclerc et Juin, (à droite) le FFI Georges Dikson.

    © Serge de Sazo. Musée du général Leclerc et de la Libération de Paris/Musée Jean Moulin (Paris Musées)

    Chronologie

    Juni 1944

    6 juin : débarquement allié en Normandie.
    8 juin : libération de Bayeux.
    9 juin : massacres de Tulle.
    10 juin : massacres d'Oradour-sur-Glane.
    14 juin : débarquement du général de Gaulle à Courseulles-sur-mer, dans le Calvados ; discours de Bayeux.

    Juli 1944

    19 juillet : libération de Caen.
    20 juillet : massacres de Vassieux-en-Vercors.

    August 1944

    1er août : débarquement de la 2e DB (division blindée) du général Leclerc à Utah Beach.
    4 août : libération de Rennes.
    5 août : libération de Vannes.
    8 août : libération du Mans.
    12 août : libération d'Angers et Nantes.
    15 août : débarquement de la 1re armée de De Lattre et de la 1re DFL (division française libre) en Provence.
    16 août : exécution de 35 résistants par les Allemands près de la grande cascade du bois de Boulogne ; libération d'Orléans et Tulle.
    17 août : départ de Drancy du dernier convoi de déportés juifs ; libération de Cahors. 
    20 août : libération de Pau et d'Albi.
    21 août : libération de la poche de Falaise.
    22 août : libération de Grenoble.
    25 août : libération de Paris, entrée du général de Gaulle dans la capitale.
    26 août : Descente des Champs-Élysées par le général de Gaulles et des personnalités de la France Libre et de la Résistance.
    27 août : libération de Toulon.
    28 août : libération de Marseille.
    31 août : transfert du siège du Gouvernement provisoire de la République française d'Alger à Paris.

    September 1944

    3 septembre : libération de Lyon.
    7 septembre : départ de Philippe Pétain et de Pierre Laval pour l'Allemagne.
    12 septembre : jonction des armées de l'ouest (2e DB) et du sud (1re DFL et 1re Armée française) à Monbard, dans la Côte-d'Or ; début de la campagne des Vosges ; libération du Havre.
    19 septembre : intégration des FFI (forces françaises de l'intérieur) dans l'armée régulière.
    30 septembre : création de l'Agence France-Presse (AFP)

    Oktober 1944

    23 octobre : reconnaissance du GPRF par les Alliés.
    28 octobre : dissolution des milices patriotiques.

    November 1944

    2 novembre : début de la campagne d'Alsace.
    20 novembre : libération de Mulhouse.
    23 novembre : libération de Strasbourg.

    Cartes

    Carte des barricades et des combats, Paris, août 1944.
    Carte des barricades et des combats, Paris, août 1944. - © carte réalisée par Grand Ensemble, Musée du général Leclerc et de la Libération de Paris/Musée Jean Moulin (Paris Musées)
    Axes de progression des Alliés
    Axes de progression des Alliés - © SGA/DMPA/Joëlle Rosello
    Carte des barricades et des combats, Paris, août 1944. Axes de progression des Alliés

    Galeries photos

    Cérémonie à l'Arc de Triomphe en présence du général de Gaulle, 26 août 1944.
    Cérémonie à l'Arc de Triomphe en présence du général de Gaulle, 26 août 1944. - © ECPAD
    La foule déambule sur les Champs-Elysées pendant que des spectateurs attendent pour assiter à une séance de cinéma présentant des actualités de la France Libre et des Alliés, septembre 1944
    La foule déambule sur les Champs-Elysées pendant que des spectateurs attendent pour assiter à une séance de cinéma présentant des actualités de la France Libre et des Alliés, septembre 1944 - © ECPAD
    La foule dans Paris libéré, septembre 1944
    La foule dans Paris libéré, septembre 1944 - © ECPAD
    Paris libéré : les journaux de la clandestinité peuvent enfin paraître au grand jour
    Paris libéré : les journaux de la clandestinité peuvent enfin paraître au grand jour - © SHD
    Dans une salle de classe, des repas sont distribués à des enfants réfugiés, 1er septembre-31 décembre 1944
    Dans une salle de classe, des repas sont distribués à des enfants réfugiés, 1er septembre-31 décembre 1944 - © ECPAD
    Cérémonie à l'Arc de Triomphe en présence du général de Gaulle, 26 août 1944. La foule déambule sur les Champs-Elysées pendant que des spectateurs attendent pour assiter à une séance de cinéma présentant des actualités de la France Libre et des Alliés, septembre 1944 La foule dans Paris libéré, septembre 1944 Paris libéré : les journaux de la clandestinité peuvent enfin paraître au grand jour Dans une salle de classe, des repas sont distribués à des enfants réfugiés, 1er septembre-31 décembre 1944