Jean-Marie de Lattre de Tassigny (1889-1952)

1889-1952

Jean-Marie de Lattre de Tassigny wird am 2. Februar 1889 in Mouilleron-en-Pareds in der Vendée in einer alten Adelsfamilie französischer Flandern geboren und erhält eine qualitativ hochstehende Erziehung im Collège Saint Joseph von Poitiers.

Militärische Laufbahn
Von 1898 bis 1904 bereitet er sich auf die Marineschule und Saint-Cyr vor, wo er 1908 aufgenommen wird. Er wird im 29. Dragonerregiment in Provins unterrichtet. Von 1909 bis 1911 ist er Schüler von Saint-Cyr und schließt diese im Jahrgang „Maurétanie“ als Viertbester ab. 1911 tritt er in die Kavallerieschule in Saumur ein. 1912 wird er zum 12. Dragonerregiment nach Pont-à-Mousson und dann an die Front abkommandiert. Im Ersten Weltkrieg ist er Hauptmann des 93. Infanterieregiments und beendet den Krieg mit 4 Verletzungen und 8 Belobigungen. Anschließend wird er von 1919 bis 1921 zum 49. Infanterieregiment nach Bayonne abkommandiert. 1921 wird er zur dritten Abteilung und zum Generalstab der Region Taza nach Marokko bis 1926 entsandt. Von 1927 bis 1929 belegt er Kurse der Kriegsschule mit dem 49. Jahrgang. 1927 heiratet er Simone de Lamazière und bekommt 1928 einen Sohn mit ihr. 1929 wird er Bataillonskommandant des 5. Infanterieregiments in Coulommiers.
    
1932 wird er in den Generalstab der Armee befördert, dann unter dem Titel des Oberstleutnants in jenen von General Maxime Weygand, dem Vizepräsidenten des Obersten Kriegsrats. 1935 wird er Oberst und Kommandant des 151. Infanterieregiments in Metz. In den Jahren 1937 und 1938 belegt er Kurse im Zentrum der Hohen Militärschule und wird 1938 Generalstabschef des Gouverneurs von Straßburg.

Zweiter Weltkrieg
Nachdem er am 23. März 1939 zum Brigadegeneral befördert wurde, wird er am 2. September 1939 Generalstabschef der 5. Armee. Am 1. Januar 1940 übernimmt er das Kommando der 14. Infanteriedivision, die er während der Auseinandersetzungen mit der Wehrmacht in Rethel befehligt, in denen seine Division bis in die Champagne und zur Yonne heldenhaft Widerstand leistet und wie durch ein Wunder ihren militärischen Zusammenhalt inmitten des Chaos des Debakels bewahrt. Von Juli 1940 bis September 1941 ist er Stellvertreter des kommandierenden Generals der 13. Militärregion in Clermont-Ferrand und wird dann kommandierender Divisionsgeneral der tunesischen Truppen bis Ende 1941. In der Folge befehligt er die 16. Division in Montpellier und wird zum General des Armeekorps befördert. Als die freie Zone von den deutschen Truppen eingenommen wird, verweigert er den Befehl, nicht zu kämpfen, und wird verhaftet. Er wird vom staatlichen Gericht der Abteilung von Lyon zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Es gelingt ihm, am 3. September 1943 aus dem Gefängnis von Riom zu fliehen und über London nach Algier zu gelangen, wo er am 20. Dezember 1943 ankommt, nachdem er von General de Gaulle am 11. November 1943 in den Rang eines Armeegenerals befördert worden war. Im Dezember 1943 befehligt er die Armee B, die zur ersten französischen Armee wird. Er landet am 16. August 1944 in der Provence, nimmt Toulon und Marseille ein, marschiert das Rhônetal und dann den Rhein hinauf, befreit das Elsass und dringt in Deutschland bis zur Donau vor. Er vertritt Frankreich bei der Unterzeichnung des Waffenstillstandes vom 8. Mai 1945 in Berlin im Hauptquartier von Marschall Schukow.

Nachkriegszeit
Zwischen 1945 und März 1947 ist er Generalinspektor und Generalstabschef der Armee. Im März 1947 wird er Generalinspektor der Armee, dann Generalinspektor der Streitkräfte. Von Oktober 1948 bis Dezember 1950 ist er Oberbefehlshaber der westeuropäischen Streitkräfte in Fontainebleau.
Er wird Hochkommissar und Oberbefehlshaber in Indochina und Oberbefehlshaber im Fernen Osten (1950-1952), wo er eine nationale vietnamesische Armee auf die Beine stellt. Durch die Überbeanspruchung, zu der er sich während seiner gesamten Laufbahn zwang, erschöpft, seine Verletzung aus dem Jahr 1914 nicht ausgeheilt, tief getroffen vom Tod seines Sohnes Bernard, der im Zuge des Indochinakriegs starb, und an Krebs erkrankt, stirbt er am 11. Januar 1952 an den Folgen einer Operation. Er wird bei den Begräbnisfeierlichkeiten am 15. Januar 1952 posthum zum Marschall von Frankreich erhoben. Er wird in seinem Geburtsort Mouilleron-en-Pareds beigesetzt.