September 1943, die Befreiung Korsikas

Eine Gruppe von Widerstandskämpfern der Region Sartene während der Befreiung Korsikas im Jahr 1943
Eine Gruppe von Widerstandskämpfern der Region Sartene während der Befreiung Korsikas im Jahr 1943. Quelle: Britische Presse

September 1943, die Befreiung Korsikas.

Corps 1

Das vom 11. November 1942 bis zum 4. Oktober 1943 besetzte Korsika war Kriegsschauplatz der Kämpfe von Nordafrika, der italienischen Halbinsel und der Insel. Das Schicksal der Insel steht in direktem Zusammenhang mit der politischen Entwicklung des vom Faschismus geprägten Italien und der entscheidenden Wendung des Militärs.

Corps 2


Am Abend des 8. September 1943 verkündet das BBC den Waffenstillstand zwischen Italien und den Angloamerikanern. Die Unterzeichnung fand bereits fünf Tage zuvor in Cassibile, Sizilien statt, wurde jedoch geheim gehalten, da Italien davon ausging, dass die Veröffentlichung den Strom der deutschen Truppen nicht beschleunigen würde, der sich seit August durch ihr Land bewegte. In dem seit dem 11. November 1942 von Italien besetzten Korsika rufen die Widerstandskämpfer zum Aufstand auf. Dieser wird unterstützt durch das Komitee des Departements der Nationalen Front, einer Widerstandsbewegung, die 1941 von den Kommunisten gegründet wurde. Diese Entscheidung fiel keinesfalls spontan. Die nationale Befreiungsfront Korsikas, der es im Laufe des Jahres 1943 gelang, die regionalen Widerstandsgruppen zu vereinen, verfügte über ungefähr 12.000 Männer, die jederzeit bereit waren zu kämpfen. Nachdem Italien kapituliert hatte, richteten sich die nächsten Kämpfe gegen die Deutschen.

Nach der Landung der Alliierten am 8. November 1942 in Nordafrika, folgten über 80.000 Italiener, die sich ab dem 11. November in Richtung Korsika bewegten. Eine Rekordzahl wenn man bedenkt, dass die Insel nur 8.800 km2 groß ist und nur 200.000 Einwohner hat (1). Die Präsenz Deutschlands hingegen war rückläufig: Im Juni 1943 wurde eine SS-Brigade eingerichtet und die Deutschen überließen die Verwaltung der Insel den Italienern. In Korsika dominierte die Angst, die französische Identität zu verlieren, was zu unzähligen Befreiungskämpfen führte. Die verhängten Gefängnisstrafen wurden in Italien für rechtskräftig erklärt und die vom Militärgericht verhängten Todesstrafen unmittelbar vollstreckt. 110 Personen, insbesondere hochangesehene Personen, werden ohne Verurteilung auf der Insel Elba verhaftet. Korsika wird seiner Elite beraubt. Der Einfluss und die Stärke des Widerstands nehmen zu, insbesondere durch die ab dem 15. Dezember 1942 aus London und Algier eingetroffenen Unterstützer. Widerstandskämpfer, die sich im Hinterland und in den Wäldern versteckt halten, warten auf Waffennachschub, der über U-Boote oder Fallschirmabwürfe geliefert wird. Das französische U-Boot Casabianca, unter Führung des Fregattenkapitäns L'Herminier, der sich der Versenkung widersetzt hatte, macht sich am 27. November 1942 auf von Toulon, um sechs Widerstandsaktionen in Korsika zu unterstützen.

Durch die isolierte Stellung der Insel und die durch die Niederschlagung erlittenen Verluste rücken die Widerstandskämpfer im Juli 1943 in der stärksten Bewegung, der Nationalen Korsischen Befreiungsfront erneut zusammen. General Giraud, mittlerweile Zivil- und Militärkommandant in Algier, beauftragt im April Paul Colonna von Istrien damit, die Korsen auf den Kampf vorzubereiten. Er ist sich darüber bewusst, dass die Mehrheit der Bewegung kommunistisch geprägt ist, dennoch bleibt ihm keine andere Wahl, als sich mit dieser Tatsache abzufinden. Dass das Ziel der Befreiung nah scheint, liegt an der politischen Situation und der militärischen Entwicklung in Italien: Am 25. Juli, nach der Landung der Alliierten in Sizilien, hat Mussolini die Macht verloren. Im August finden in allen Großstädten Italiens Friedensdemonstrationen statt. Die Deutschen marschieren in Italien ein und stärken ihre Position in Korsika, indem sie die strategische Lage der Insel im Westen erkannten. Die SS-Brigade wird im Süden eingesetzt und ist verantwortlich für die Vereinigung der 90. Panzergrenadierdivision, die den Befehl erhalten hatte, Sardinien an Korsika zu übergeben, sobald die Kapitulation Italiens bestätigt wurde.


Kontakte der Widerstandskämpfer mit Italien


Ende Juli beginnen die Debatten über die Richtung der Nationalen Front: Kann der Aufstand ohne die gleichzeitige Landung der Alliierten gelingen? Ist es denkbar, unter den Besatzern nicht faschistisch eingestellte Elemente zu finden, eine Allianz mit ihnen einzugehen und gleichzeitig auf die Unterstützung der schweren Artillerie und Transportmittel zu zählen? Ende August war die Entscheidung dann gefällt: Der Befehl lautete, die Deutschen anzugreifen, sobald der Waffenstillstand mit Italien verkündet wurde. Die Widerstandsbewegung, unter Führung der Nationalen Front war bereits seit Anfang August in Kontakt mit dem Oberstkommandant der Schwarzhemden (2), Gianni Cagnoni und General Stivala, der die italienische Garnison in Bastia anführte. Cagnoni liefert Informationen über die Aktivitäten der Polizei und unterstützt dadurch die Redaktionen, die Flugblätter für italienische Soldaten drucken. Im Falle einer Landung der Alliierten wären es sie, die ihnen in Bastia einen Brückenkopf errichten würden.


In Salerne, südlich von Neapel, treffen die Alliierten schließlich am 9. September ein. Am Abend des 8. September wird der Aufstand beschlossen. Colonna d'Istria setzt Algier in Kenntnis und fordert den italienischen General Magli, Kommandant des 7. Armeekorps auf, sich zu entscheiden: Er könne sich entweder neutral verhalten, zum Feind werden oder mit den Widerstandskämpfern kooperieren. Erstes Paradoxon: Der General, der das Volk seit April einem strengen Militärregime unterworfen hatte, gab zur Antwort: ” ... Ich bin auf eurer Seite”. Der in Bedrängnis Geratene führte seine Truppen an. Es kam zu Desertionen. In der Nacht vom 8. auf den 9. September standen sich die italienischen und deutschen Seeleute gegenüber. Die Stadt verblieb provisorisch in den Händen der Italienern. Die paradoxe Allianz ist jedoch nicht sicher: Am 9. September empfängt Magli den deutschen General von Senger, Anführer der auf der Insel befindlichen deutschen Streitkräfte. Er versichert ihm seine Neutralität und sein Wohlwollen und befiehlt die Freilassung der deutschen Gefangenen. Nur zwei Tage später, am 11. September erhält er den Befehl des Comando Supremo, ”die Deutschen als Feinde zu behandeln”.

General Magli befiehlt die Freilassung der auf Korsika gefangen gehaltenen Widerstandskämpfer. Was noch aussteht, ist die Freilassung der korsischen Deportierten, die in Gefängnissen Italiens oder der Insel Elba gefangen gehalten wurden. Die in Kalabrien einsitzenden Korsen werden von den Alliierten freigelassen, die am 3. September gelandet waren. Ungefähr 15 der auf Elba Inhaftierten konnten vor dem Eintreffen der Deutschen am 16. September über den Seeweg flüchten. Andere, die nach Kärnten verlegt wurden, eine österreichische Provinz, annektiert von Deutschland, konnten erst nach Kriegsende nach Hause zurückkehren.

Tief gekränkt vom Verhalten der Italiener, kämpften die Deutschen ohne Gnade. Die 90. Panzerdivision rückte aus Sardinien vor und folgte der orientalischen Seite in Richtung Bastia, das am 13. September erneut eingenommen wird. Der einzige zugängliche Hafen für die Hilfstruppen ist Ajaccio. Den Widerstandskämpfern gelingt es, die Deutschen aufzuhalten, indem sie diese schwächten und zwangen, den beschwerlichen Weg über den Gebirgsrücken zu nehmen, der die beiden Berghänge der Insel trennt. Den Patrioten und italienischen Soldaten (ungefähr 20% der italienischen Kräfte in Korsika hatten sich entschieden, gegen die Deutschen zu kämpfen) gelang am 17. September in Levie ein entscheidender Erfolg.

Sie erhalten Unterstützung durch die Männer des Stoßtrupps: 109 von ihnen kamen aus Casabianca. Dies waren die ersten französischen Soldaten, die über Ajaccio nach Algier kamen: Die Vorhut der Truppen der Operation “Vesuv” (3), vorbereitet in Algier durch General Giraud und unter den Befehl von General Henry Martin gestellt. Abgesehen vom amerikanischen Kommando unter Kapitän James Pitteri handelte es sich ausschließlich um französische Truppen, die sorgfältig ausgewählt wurden, d. h. sie waren erfahren im Kampf in den Bergen gegen einen Feind, der ihnen in Punkto Waffen und Ausrüstung überlegen ist.

Neben den Stoßtrupps unter Kommandant Gambiez kämpften die marokkanische Infanterie unter Oberst Butler, die marokkanischen Tabor (4) unter Oberstleutnant La Tour sowie Marokkaner aus Spahis, Artillerietruppen aus Afrika und Telegrafisten. Die so genannten Chocs waren Freiwillige, die dem Geist des Widerstands und der Patrioten begeistert folgten. Sie stammen aus verschiedenen Armeekorps aus Nordafrika oder aus dem besetzten Frankreich. Gemeinsam mit den korsischen Patrioten setzen sie die deutschen Konvois und Posten auf der orientalischen Seite unter Bedrängnis.

Aufgabe der anderen Truppen ist es, die Hügel zu besetzen, die Küstenseite zu befreien und Bastia einzunehmen. Ihre Aktionen konzentrieren sich im Süden Richtung Borgo, im Westen auf die Bergkette von Teghime, an der schwere Kämpfe stattfinden, und im Nordwesten gemeinsam mit Oberstleutnant de La Tour. Der Kampf um Bastia, der unter schwersten Wetterbedingungen stattfindet, dauert vom 27. September bis 4. Oktober. Das 73. Goum der 6. Tabor erreicht im Morgengrauen als erste Truppe die Stadt. Die deutschen Truppen verloren in Korsika sowie an Bord von Flugzeugen und Schiffen 3.000 Männer, von denen über 2.000 ums Leben kamen.


Korsika, eine strategische Operationsbasis


Die italienischen Einheiten, die im Kampfeinsatz waren, kämpften an der Seite der Alliierten. Sie verloren über 600 Männer. Im Oktober begann ihre Evakuierung. 13.000 Korsen sind an den Rückeroberungskämpfen beteiligt. Es handelte sich um Freiwillige oder durch ein einfaches Zeitungsinserat vom 30. November mobilisierte Kräfte, die in Richtung Algier aufbrachen, um dort rekrutiert zu werden. Während manche der 1. Division “Freies Frankreich” zugeteilt wurden, kamen andere in die 2. Panzerdivision. Aufgrund der geografischen Lage war Korsika strategisch stets wichtig, obwohl die ursprüngliche Infrastruktur sehr schwach war. Die Amerikaner bauten 17 Flughäfen. Dafür opferten sie das gesamte orientalische und malariainfizierte Flachland. Da der Hafen von Bastia vollkommen zerstört war, nutzten sie weitgehend den Hafen von Ajaccio. Über eine Art Zickzack-Seeweg von 800 km wird Korsika an Nordafrika angeschlossen, um Angriffen der Luftwaffe und der deutschen U-Boote entgegenzuwirken. Diese Linie wird von den Franzosen kontrolliert, über die sämtliches Material, Waffen, Munition und Fahrzeuge transportiert werden.


Korsika ist eine strategische Operationsbasis. Dies wird durch die beiden Terrains deutlich: einerseits am Tyrrhenischen Meer, durch die Rückeroberung im Juni 1944 des Archipels von Toscan (5) und dann im August in der Provence, während der zweiten Angriffswelle der Alliierten mit 2.000 Schiffen in Richtung der Varoise-Küste.


Anmerkungen

(1) INED, Kontrolle der Erfassung, April - Juni 1949, Nr. 2.

(2) 1923 in Italien entstandene Miliz zur Unterstützung des faschistischen Regimes und im März 1940 in die italienische Armee eingegliedert.

(3) Gewählter Codename zur Ablenkung.

(4) Bataillon der marokkanischen Infanteristen, bestehend aus der so genannten Goums-Gruppe.

(5) Insel Elba und die kleinen Inseln Pianosa, Monte Cristo und Capraja.