Lettre d'information

Das französische UNO-Bataillon in Korea

Sous-titre
1950 - 1953

70. Jahrestag des Koreakrieges

Corps 1

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Geschichtlicher Artikel Sechzig Jahre nach dem Koreakrieg: zwischen Geschichte und Erinnerung -  © Ecpad: Fotogalerie - Video - Broschüre - Neuigkeiten: Website über den Gedenkfriedhof der Vereinten Nationen in Korea - Interaktive Karte des Koreakrieges


 

Nach einer kurzen Vorbereitung der Artillerie setzt die nordkoreanische Armee den jahrelangen Spannungen zwischen den beiden Teilen Koreas ein Ende und überschreitet den 38. Breitengrad: der Koreakrieg beginnt. Kim Il Sung, der nordkoreanische Führer, der den Konflikt ausgelöst hat, hofft, die schlecht ausgerüstete und wenig ausgebildete südkoreanische Armee schnell bezwingen zu können, jedoch rechnet er nicht mit der Reaktion von Teilen der internationalen Gemeinschaft. Auf Initiative der Vereinigten Staaten wird die UNO befasst und ihr Generalsekretär, Trygve Lie, fordert die Mitgliedsstaaten auf, das internationale Recht durchzusetzen. In der Folge wird eine multinationale Truppe unter der Ägide der UNO gebildet und mit der gewaltsamen Wiederherstellung der Souveränität Südkoreas beauftragt.

 

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Einschiffung Freiwilliger auf der „Athos II“ im Hafen von Marseille.
Oktober 1950, Fotograf François de Castries. © Ecpad

 

Das in Indochina eingesetzte Frankreich willigt nur in ein eingeschränktes Engagement für Korea ein und lehnt anfänglich die Entsendung von Bodentruppen ab, da es seinen Verpflichtungen auf dem europäischen Schauplatz nachkommen und die Sicherheit seiner Gebiete in Nordafrika sicherstellen muss. Aus politischen Gründen (Frankreich ist ständiges Mitglied des Sicherheitsrates und versteht es trotz allem, sich in international bedeutenden Fragen Gehör zu verschaffen) stimmen die französischen Behörden schließlich am 25. August 1950 zu, ein Bataillon von Freiwilligen auf die Füße zu stellen, die zum Großteil aus der Reserve stammen. Denn die Landstreitkräfte, die mit einem großen Mangel an Soldaten konfrontiert sind, weigern sich anfangs, aktive Führungskräfte und Truppen für den koreanischen Kriegsschauplatz bereitzustellen.

Das französische UNO-Bataillon (FB/UNO) ist geboren. Es bereitet sich in den Monaten September und Oktober 1950 in Auvours bei Le Mans mit Reservisten aller Waffengattungen vor: Infanteristen, Kavalleristen, Artilleristen, Pioniere usw. Es ist geplant, Verluste durch Verstärkungsabordnungen (détachements de renforts, DR) auszugleichen, von denen zwischen 1951 und 1953 insgesamt 16 gebildet werden sollten. Um der bescheidenen französischen Beteiligung mehr Bedeutung und besonderes Gewicht zu verleihen, gibt Generalleutnant Monclar einstweilen seine vier Sterne zugunsten der fünf Kordeln des Oberstleutnants auf und wird an die Spitze eines Generalstabs der französischen Landstreitkräfte (EMFTF) berufen, welcher dem FB/UNO übergeordnet ist. Als diese beiden Organisationen Ende Oktober 1950 Marseille verlassen, verfügen sie insgesamt über 1.050 Soldaten. 


 

Alles Freiwillige?

Für die Geschichte bleibt das französische Bataillon der UNO jenes der Freiwilligen, die sich spontan für den Kampf in Korea gemeldet haben. Dieser Begriff des „Freiwilligen“ verdient jedoch eine Verdeutlichung und Differenzierung. Wenn es auch stimmt, dass der Generalstabschef der Landstreitkräfte, General Blanc, zum Zeitpunkt der Bildung des FB/UNO gegen die Entsendung aktiver Soldaten ist, von denen nur einige im Herbst 1950 in die Einheit aufgenommen werden, so ändert sich die Lage im Laufe des Jahres 1951. Denn trotz mehrerer Rekrutierungskampagnen ist in Frankreich der Mangel an jungen freiwilligen Reservisten, die dem Bataillon beitreten könnten, so groß, dass der damalige Staatssekretär im Kriegsministerium, Pierre de Chevigné, nach der Zulassung der Bewerbung von aktivem Personal im Oktober 1951 anordnet, von Amts wegen Ernennungen unter den Militärangehörigen vorzunehmen, die gerade nach Indochina aufbrechen. 

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Beobachter des FB/UNO an der Frontlinie, 1953 (ECPAD, D54-12-331)

 

Bei seiner Ankunft in Korea, das sich gerade mitten in der Krise befindet, da seit kurzem chinesische „Freiwillige“ in den Konflikt eingreifen, wird das französische Bataillon an eine amerikanische Einheit angegliedert: es wird zum vierten Bataillon des 23. Regimental Combat Teams der 2. Amerikanischen Infanteriedivision mit dem Beinamen Indianhead, den es wegen seines Abzeichens, dem Kopf eines Indianerhäuptlings, trägt. Bald schon stellen die französischen Kämpfer im Zuge der Schlacht von Wonju (Januar 1951), der Schlacht der Zwillingstunnel und jener von Chipyong-Ni (Februar 1951) ihren ganzen Gefechtswert unter Beweis und ernten Anerkennung bei den amerikanischen Truppen. Im Frühling 1951 zeichnet sich das FB/UNO neuerlich in der Gegenoffensive der Vereinten Nationen aus, insbesondere in Inje (Mai 1951). Dieser zu Recht verdiente Ruhm überstrahlt jedoch die weithin unbekannte moralische Krise, welche die Männer des Bataillons nach einem halben Jahr an der Front durchmachen. Die enormen Verluste, die körperliche Erschöpfung durch die Strapazen der mehrmonatigen, ununterbrochenen Kämpfe, das Warten auf den Hügeln unter extremen klimatischen Bedingungen und die Entfernung führen im Frühjahr 1951 zu einer deutlich sinkenden Moral unter den Soldaten des Bataillons. 
 
Es wurden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um diese Situation zu beheben und eine Verbesserung der Lebensbedingungen für die französischen Kämpfer herbeizuführen. Die wichtigste ist wahrscheinlich die Änderung der Aufenthaltsdauer in Korea, die von zwei Jahren, wie es der Vertrag ursprünglich vorsieht, auf ein Jahr verkürzt wird, übrigens nach dem Vorbild der anderen in Korea eingesetzten Truppen der Vereinten Nationen. Eine andere Maßnahme mit unmittelbarer Wirkung, die in der Lage ist, den Soldaten schnell zu helfen, ist die Einführung eines Fronturlaubssystems und damit der ersten Fronturlaube seit Ankunft des FB/UNO Ende November 1950. So können die französischen Freiwilligen im Juni 1951 ihrerseits das berühmte System „Rest and rehabilitation“ (R&R) nutzen, das man mit „Ruhe und Rehabilitation“ übersetzen könnte. Im Sommer 1951 kommen die französischen Kämpfer durch die Eröffnung der Friedensgespräche in Kaesong und die Einstellung der großen Offensiven in den Genuss einiger Wochen Ruhe. Diese ist jedoch nur von kurzer Dauer und das französische Bataillon wird bald zur Teilnahme an einem der heftigsten Kämpfe des Krieges angefordert: der Schlacht von Crèvecœur.

 

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Rettungsstation Crèvecœur (ECPAD, D54-01-73) - (Spende von Oberst Pierre Collard)

 

Crèvecœur

Im Laufe des Monats Juli 1951, als die Gespräche in Kaesong an einem toten Punkt angelangt waren, beschließt der Kommandant der Vereinten Nationen eine neue Offensive, um den Druck auf die chinesisch-koreanischen Kräfte einerseits aufrechtzuerhalten und andererseits die alliierten Positionen durch Änderung der Frontlinie aufeinander abzustimmen. Die Wiederaufnahme der Offensive führt zu heftigen Kämpfen, die für die Freiwilligen des französischen Bataillons durch den Angriff und die Einnahme von Hügel 931, besser bekannt unter dem Namen Crèvecœur, versinnbildlicht wird. Die ersten Angriffe auf Crèvecœur, der durch Napalm-Bombardierungen verwüstet wird, die mit Granaten der amerikanischen Artillerie beantwortet werden, beginnen am 15. September 1951. Die Verluste erweisen sich für die amerikanischen Bataillone, deren Stärke bei jedem Versuch dahinschwindet, gleich als verheerend. Das französische Bataillon wird ab 26. September eingesetzt. Aufgabe der 3. Kompanie ist es, die Nordkoreaner vom Gipfel und den Flanken des Hügels zu vertreiben: damit beginnt eine Schlacht, die zwei Wochen dauern sollte. Als das Bataillon am 21. Oktober abgelöst wird, hat es 60 seiner Soldaten verloren und fast 260 wurden verwundet, aber Crèvecœur ist dank der Opfer der französischen Freiwilligen und ihrer amerikanischen Waffenkameraden in den Händen der UNO-Truppen. Nach der Schlacht von Crèvecœur wird das FB/UNO auf Erholung geschickt. Diese Zeit wird von den Freiwilligen des ersten Bataillons für die Vorbereitung ihres Aufbruchs genutzt. Vom ursprünglichen Kontingent, Verluste und Rückholungen inbegriffen, bleiben gerade einmal 508 Männer übrig, die Korea schließlich am 2. Januar 1952 verlassen. 

 

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Der Gipfel des Hügels Arrow Head in Korea. Anfang Oktober 1952, Fotograf unbekannt

Arrowhead

Die beiden letzten Kriegsjahre sind im Wesentlichen durch Patrouillentätigkeiten und Handstreiche in den feindlichen Linien geprägt, um Gefangene zurückzuholen oder Aufklärung zu betreiben. Es gibt für die Soldaten des UNO-Bataillons keine größeren Offensiven mehr, abgesehen von den besonders schweren Kämpfen um Arrowhead. Die Einheiten des chinesisch-koreanischen Kampfkorps hatten im Sommer 1952 Zeit, sich zu verstärken und die von ihnen besetzten Positionen etwas nördlich des 38. Breitengrads zu verbessern. Die Zahl der Artilleriewaffen wurde durch sowjetisches Material ebenfalls deutlich verstärkt und die Chinesen starten regelmäßige Störfeuer, um die alliierten Truppenbewegungen zu stören. Die im Oktober 1951 wiederaufgenommenen Verhandlungen in Pan Mun Jon scheitern immer wieder an der Frage der chinesischen und nordkoreanischen Gefangenen, die nicht in ihr Herkunftsland zurückkehren wollen und deren Herausgabe die Amerikaner ablehnen. Ende September 1952 ist daher ein deutliches Wiederaufflackern der Aktivitäten im Abschnitt des eisernen Dreiecks (zwischen den Städten Chorwon, Kumwha und Pyonggang) zu beobachten, und mehrere Indizien sprechen für einen unmittelbar bevorstehenden Angriff Chinas. Dieser soll die Kontrolle der von der Koalition gehaltenen Anhöhen sicherstellen und den Weg nach Seoul öffnen, der von zwei White Horse-Positionen, die von den Südkoreanern gehalten werden, und Arrowhead (oder Hügel 281) in den Händen der Franzosen verteidigt wird. Zur Stärkung der Abwehr haben die Amerikaner auch mehrere Panzer und Luftabwehrkanonen entsandt. Der chinesische Angriff beginnt am 6. Oktober 1952 gegen Ende des Tages und erweist sich für das Bataillon sofort als mörderisch, denn es muss erleben, wie eine seiner Eliteeinheiten verschwindet, die Pionierabteilung. Die französischen Kämpfer halten die ganze Nacht dem chinesischen Artilleriebeschuss und den Angriffen der Infanteristen stand. Am Morgen des 7. Oktober 1952 fehlen jedoch 47 von ihnen beim Appell, die Verteidigung von Arrowhead hatte einen hohen Preis.


 
Die Schlacht von Arrowhead aus der Sicht von Leutnant Barrès


In einem Brief an seinen Vater erwähnt Leutnant Barrès die Schlacht von Arrowhead: „Ich habe nie etwas Vergleichbares gesehen. Welch ungeheure Verwüstung. Fetzen eines Kerls, die einen treffen oder auf die man stößt, Gehirne, die auf dem Boden kleben. Zum ersten Mal habe ich gesehen, wie sich mutige Männer auf Knien dahinschleppen und um Gnade flehen. Die chinesischen Verluste müssen unvorstellbar gewesen sein. Diese Art zu kämpfen muss man gesehen haben, um es zu glauben. Meine Leute können nicht mehr, wir sind mit den Nerven am Ende, dabei bin ich jemand, der viel aushält.“

 

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Eine Patrouille französischer Soldaten bei einer Operation im Abschnitt Kumhwa. April 1952, Fotograf Appay. © Ecpad

 

Im Dezember 1952 übernimmt das dritte Kontingent des FB/UNO. Es liefert sich einen Stellungskrieg, der oft still verläuft, und verliert zahlreiche Soldaten durch chinesische Bombardierungen oder lokale Übergriffe. Nach der Unterzeichnung des Waffenstillstands am 27. Juli 1953 bleiben seine Männer noch einige Monate in Korea, bevor sie sich am 25. Oktober 1953 nach Indochina einschiffen, wo weitere sehr schwierige Kämpfe auf sie warten. Das FB/UNO kommt am 1. November 1953 in Saigon an und wird in die mobile Gruppe 100 eingegliedert, die in der zentralen Region Annam stationiert ist. Es erleidet in der ersten Phase des Indochinakrieges, im Juni 1954, beträchtliche Verluste.
 
Das französische Bataillon der UNO bildet eine separate Einheit in der Geschichte der französischen Streitkräfte, obwohl es mit etwa 3.500 Mann nur eine geringe Zahl an Soldaten umfasst, die an den Einsätzen zwischen 1950 und 1953 teilgenommen haben. Die Männer des Bataillons, das ursprünglich aus Freiwilligen gebildet wurde, machen schnell durch ihren Kampfwert auf sich aufmerksam und bewirken damit, dass das amerikanische Kommando, das anfänglich voller Vorbehalte war, seine Ansicht nach den ersten Einsätzen im Winter 1951 ändert. Die französischen Kämpfer sollten auch harte Schläge austeilen können, wie etwa 289 Gefallene beweisen, die auf Seiten des Feindes getötet wurden. Die Beteiligung Frankreichs an der Befreiung Südkoreas und das Opfer seiner Kämpfer sind Teil der Geschichte und der Erinnerung beider Nationen. Auch heute noch hat das FB/UNO eine Brückenfunktion für die Beziehungen zwischen den beiden Ländern.


 

Kommandant Ivan Cadeau

Lehr- und Schulungszentrum des Kommandos 

Bei der Abfahrt von Marseille besteht das Bataillon bei den Offizieren zu 45 %, bei den Unteroffizieren zu 75 % und bei den Soldaten der Truppe zu mehr als 90 % aus Reservisten.

 

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Denkmal für den Koreakrieg (Paris) - CC-BY-SA-4.0

 

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Schild am Triumphbogen am Étoile-Platz in Paris. Quellen: Souvenir Français