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Die fünf Studenten des Lycée Buffon

Cover des Heftes Nr. 31 - Sammlung 'Gedenken und Bürgerschaft'.<br/>Quelle: SHD
Cover des Heftes Nr. 31 - Sammlung "Gedenken und Bürgerschaft".
Quelle: SHD
Corps 1

( 1943 erschossen) Gymnasialschüler gegen Nazi-Deutschland Nach der Niederlage Frankreichs und der Unterzeichnung des Waffenstillstandes am 22. Juni 1940 engagiert sich ein Lycée im 15. Arrondissement von Paris im Kampf gegen Nazi-Deutschland. Lehrer und Schüler wagen es zu demonstrieren und fordern den Besatzer heraus. Unter ihnen fünf Schüler im Alter von fünfzehn bis achtzehn Jahren, die für eine Vervielfältigung der Widerstandsaktionen verantwortlich zeichnen. Die fünf von der Gestapo als gefährliche Terroristen gesuchten Schüler des Lycée Buffon werden schließlich verhaftet und im Februar 1943 exekutiert. I - 1940-1941: Das Lycée Buffon tritt in den Widerstand ein Juni 1940 - Paris und ein Teil Frankreichs sind in deutscher Hand

Corps 2

Der Waffenstillstand wird am 22. Juni unterzeichnet. Doch nicht alle Franzosen ergeben sich ihrem Schicksal. Einige schaffen es als Reaktion auf den "Aufruf vom 18. Juni" von General de Gaulle diesen in England zu erreichen, während andere beschließen, den Kampf im Inneren fortzusetzen. Widerstandszellen bilden sich und es kommt immer mehr zu einzelnen und kollektiven Widerstandsaktionen. In den Pariser Fakultäten und Gymnasien beginnt das Schuljahr in einer Atmosphäre stimmloser Opposition. Flugblätter, die zum Kampf aufrufen, kommen in Umlauf, antideutsche Schlachtrufe erscheinen auf den Mauern der Stadt. Im Lycée Buffon, ebenso wie in anderen Schulen, zeichnet sich eine Widerstandsbewegung ab, sowohl unter Schülern als auch unter Lehrkräften.

Das gleiche Bestreben zu Handeln und mit allen Mitteln gegen den Nazi-Besatzer zu kämpfen, bewegt vor allem fünf Gymnasialschüler dieser Schule: Jean-Marie Arthus, 15 Jahre 1940 Jacques Baudry, 18 Jahre 1940 Pierre Benoît, 15 Jahre 1940 Pierre Grelot, 17 Jahre 1940 Lucien Legros, 16 Jahre 1940 Diese fünf Schüler verteilen Flugzettel, kleben Handzettel an und appellieren vermehrt an ihre Kameraden. Sie setzen alles daran, ihnen zu verstehen zu geben, dass der Krieg nicht zu Ende ist und dass man gegen die Besatzungsarmee kämpfen muss. Sie nehmen Pseudonyme an: Marchand, André, Francis, Paul und Jeannot und richten bei einem von ihnen eine kleine Druckerei ein, mit der sie ihre Appelle vervielfältigen und wo sie ihre ersten Waffen verstecken können. Die Polizeidienste sind wegen der Aktivitäten dieser jungen Leute, deren Identität sie noch nicht herausgefunden haben, verunsichert.

11. November 1940 - Die Schüler wagen es, den Nazi-Besatzer herauszufordern Seit 1922 feiert die französische Republik offiziell den 11. November, um der Unterzeichnung des Waffenstillstandes vom 11. November 1918 zu gedenken, das heißt dem Ende der Kämpfe des Ersten Weltkrieges (1914-1918). Im Vorfeld des 11. November 1940 findet eine patriotische Demonstration am Arc de Triomphe trotz des Verbotes der deutschen Behörden und der Polizeipräfektur statt. Die Schüler des Lycée Buffon sind unter dem Tross der Schüler, die gekommen sind, um Blumenschmuck am Grab des Unbekannten Soldaten niederzulegen (das heißt der anonyme Repräsentant der "Feldsoldaten" des Ersten Weltkrieges). 1941 - Studenten organisieren immer mehr Widerstandsaktionen Im Laufe des Jahres 1941 entwickeln sich die Gruppen und Netzwerke der Résistance. Es kommt vermehrt zu Attentaten und Sabotagen gegen den Nazi-Besatzer, der wiederum zu immer neuen Unterdrückungsmaßnahmen greift. Am 11. Mai 1941 befinden sich die Schüler des Lycée Buffon in der Menschenmenge, die vor der Statue von Jeanne d'Arc am Place des Pyramides aufläuft. Im Winter 1941 beschließen die fünf Mitschüler, sich mehr an der Front des bewaffneten Widerstandes zu engagieren. Sie werden Mitglied in der Bewegung der Résistance, aus der die "Francs-Tireurs et Partisans Français" entstehen. III - 1942-1943: die Repression gegen die Schüler des Lycée Buffon April 1942 - Die Schüler gehen in den Untergrund Im April 1942 wird eine Lehrkraft des Lycée Buffon, der Lehrer Burgard als Chef der Widerstandsbewegung "Valmy" in seinem Zuhause von der Gestapo verhaftet. Seine Schüler reagieren sofort. Sie beschließen, öffentlich zu protestieren. Während der Osterferien organisieren sie eine Demonstration, die am Donnerstag, den 16. April 1942, dem ersten Schultag, stattfindet. An jenem Tag während der morgendlichen Pause durchbrechen rund fünfzig Schüler anderer Schulen, angeführt von Lucien Legros, den Eingang des Lycées und schließen sich der Gruppe von Buffon unter Führung von Pierre Benoît an. Jean-Marie Arthus, Jacques Baudry und Pierre Grelot sind zuständig für die Überwachung und sollen bei Gefahr Alarm schlagen.

Zehn Minuten lang werden Flugzettel und Appelle ausgegeben. Die Schüler beginnen sich aufzulösen, als die Glocke läutet, doch ein Vertreter der Schule hat die Ausgänge schließen und die Polizei verständigen lassen. Den fünf Anführern gelingt die Flucht. Lucien Legros und Pierre Benoit, die als "sehr gefährliche junge Männer" bezeichnet werden, werden fortan gesucht und sind gezwungen, im Untergrund zu leben. Die Aktionen der fünf Freunde zeigen keine Spur von Nachlassen, sie werden vielmehr immer aktiver. Sie beteiligen sich an Attentaten gegen deutsche Offiziere, werfen Handgranaten auf einen deutschen Admiral und seine Gäste während eines Empfangs an Bord eines Schnellboots auf der Seine. Sie schieben Flugzettel unter Türen, kleben Plakate usw. Sie führen all diese "kleinen" oder "großen" Aktionen durch, die dazu beitragen, die Moral des Besatzers zu unterwandern und ein Klima der Unsicherheit aufrechtzuerhalten. Juni 1942 - Schüler werden verhaftet und der Gestapo übergeben Am 3. und 4. Juni 1942 werden vier von ihnen verraten und verhaftet. Nur Pierre Benoît gelingt es zu entkommen. Am 17. Juni 1942 erscheinen Lucien Legros, Jean-Marie Arthus und Pierre Grelot vor dem Sondergericht von Paris wegen Beteiligung an einer Demonstration, die im 6. Arrondissement, in der Rue de Buci organisiert worden war. Die Strafe ist unwiderruflich: lebenslängliche Zwangsarbeit für die drei jungen Leute. Anschließend werden sie der Gestapo übergeben, ebenso wie Jacques Baudry, der im Übrigen bei Attentaten gegen die Besatzungstruppen gefasst wurde. Der sich auf der Flucht befindliche Pierre Benoît wird in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Als Kopf einer FTP-Gruppe setzt er den Kampf unter dem Pseudonym "L'Étudiant" (Der Schüler) fort. In Fontainebleau leitet er mit seiner Mannschaft Sabotage-Aktionen gegen die Eisenbahn und gegen Flugplätze. Als er bei einer Aktion von einer Kugel verletzt wurde, erreicht er Paris zu Fuß, um sich dort verarzten zu lassen. Als äußerst gefährlicher Terroristenanführer wird er in ganz Frankreich aktiv gesucht. August 1942 - Der fünfte Schüler Pierre Benoît wird verhaftet Am 28. August 1942 wird Pierre Benoît in der Nähe des Bahnhofs Saint-Lazare verhaftet und kommt zu seinen Kameraden in das Gefängnis Prison de la Santé.

Oktober 1942 - Die fünf Schüler werden zu Tode verurteilt Am 15. Oktober 1942 werden die fünf Widerständler nach einem erneuten Prozess vom Gericht der Luftwaffe zu Tode verurteilt und ins Gefängnis von Fresnes überwiesen. Sie setzen ihre Aktionen selbst hinter Gefängnismauern fort, wo sie sich bemühen, ihre Wächter auf ihre Seite zu bringen. Sie weigern sich, den Besuch des Militärpfarrers zu empfangen, da dieser die SS-Uniform trägt. Da sie als Sturköpfe gelten, dürfen sie keinerlei Post oder Besuche erhalten. Jacques Baudry und Lucien Legros versuchen zweimal zu entkommen; doch sie werden in letzter Minute an der letzten Gefängnismauer geschnappt und wieder hinter Schloss und Riegel gebracht. Februar 1943 - Die fünf Schüler des Lycée Buffon werden von den Nazis exekutiert Am 8. Februar 1943 werden die fünf Schüler am Schießstand von Issy-les-Moulineaux erschossen und am Friedhof von Ivry begraben. Die Nacht vor seinem Tod war die kürzeste seines Lebens Die Vorstellung, dass er noch lebte, trieb ihm das Blut in die Handgelenke Das Gewicht seines Körpers widerte ihn an Seine Kraft ließ ihn stöhnen Und ganz in der Tiefe dieses Schreckens begann er schließlich zu lächeln Er hatte nicht EINEN Kameraden sondern Millionen und Abermillionen um ihn zu rächen, er wusste es Und der Tag brach für ihn an. Gedicht von Paul Éluard, Freund der Familie Legros, zu Ehren von Lucien und seinen Kameraden, 1944.

AUSZEICHNUNGEN Die Dienste von Jean-Marie Arthus, Jacques Baudry, Pierre Benoît, Pierre Grelot und Lucien Legros wurden vom frz. Ministère des Armées mit dem Offiziersgrad offiziell anerkannt. Die fünf Schüler wurden posthum ausgezeichnet. Ehrenlegion Croix de Guerre Medaille der Résistance. Citation à l'Ordre de la Nation.

Citation à l'Ordre de la Nation: Jean ARTHUS, Jacques BAUDRY, Pierre BENOÎT, Pierre GRELOT, Lucien LEGROS Ruhmreiche Kinder Frankreichs, die während der Besatzung die Gruppe der Fünf Schüler des Lycée Buffon bildeten, zeigten sich unter allen Umständen vom reinsten und aktivsten patriotischen Glauben beseelt. GESTORBEN FÜR FRANKREICH erschossen am 8. Februar 1943

Mehr Wissenswertes darüber: list]Poiron Gérard, "Les cinq martyrs du lycée Buffon" (Die fünf Märtyrer des Lycée Buffon), im Bulletin der historischen und archäologischen Gesellschaft des 15. Arrondissement von Paris, Nr. 16 Herbst 2000. "Les cinq lycéens de Buffon et Buffon" (Die fünf Gymnasiasten von Buffon und Buffon), "un lycée de la Résistance" (ein Gymnasium der Résistance), Broschüren des Lycée, 1988.


Sources
Quelle: Sammlung "Gedenken und Bürgerschaft", Nr. 31, Publikation des frz. Verteidigungsministeriums/SGA/DMPA

  • Cover des Heftes Nr. 31 - Sammlung "Gedenken und Bürgerschaft".
    Quelle: SHD
  • Die fünf Schüler des Lycée Buffon. Quelle: SHD

  • Denkmal in Paris im Jardin du Luxembourg zu Ehren der Schüler des Widerstands. Quelle: SHD