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KOUFRA, Beginn einer Serie - 26 Januar-1. März 1941

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Corps 1

Während in Europa die von Frankreich mit Deutschland und Italien geschlossenen Waffenstillstände den Kämpfen vorläufig wenigstens auf dem Kontinent ein Ende setzten, eröffnen die Italiener eine neue Front in Afrika. Ab September 1940 beginnen sie eine Offensive in Ägypten, das von den Engländern kontrolliert wird. Ihre Präsenz in Libyen bedeutet eine Bedrohung sowohl für das Freie Frankreich und die mit ihm verbündeten französisch - äquatorialafrikanischen Territorien als auch für die Alliierten. Tatsächlich besitzt Französisch - Äquatorialafrika im Norden des Tschad eine lange gemeinsame Grenze mit dem italienischen Libyen. Durch diesen direkten Kontakt mit dem Feind hat das Freie Frankreich aber auch die Möglichkeit, Offensiven in nördlicher Richtung zu unternehmen, die sich mit den Operationen vereinigen können, die die britischen Alliierten von Ägypten aus unternehmen.

Corps 2

Leclerc, der das Kommando der Truppen im Tschad am 2. Dezember 1940 übernimmt, macht sich sofort daran, alle vorhandenen Kräfte zu aktivieren. Er beginnt sofort mit offensiven Aufklärungsaktionen im Fezzan, in Richtung Murzuk und Tedjere. Mit Unterstützung der Neuseeländer und der Schotten vom Long Range Desert Group (LRDG) fügen die Männer von Hauptmann Massu dem Feind bei dem Angriff auf den Flugplatz von Murzuk schwere materielle Verluste zu. Am nächsten Tag greifen die Kamelreiter "Meharistes" von Hauptmann Sarazac Tedjere an, ohne Erfolg.

Aber Leclerc will einen entscheidenden Schlag unternehmen und die Oase von Kufra einnehmen. Die Unbezwingbarkeit dieser Festung sichert ihrem Besitzer in der Tat die faktische Herrschaft über den Südosten von Libyen. Als Landeplatz mitten in der Wüste zwischen den von Italien beherrschten Ländern Libyen und Äthiopien wird Kufra von dem Fort El Tag und der "Sahariana di Cufra", einer motorisierten Saharakompanie, d.h. von insgesamt etwa vierhundert Soldaten verteidigt. Die Italiener, die besser bewaffnet und ausgerüstet sind, verfügen darüber hinaus über eine nicht zu unterschätzende Luftwaffe: mindestens sechs Flugzeuge sind ständig kampfbereit.

Diesem Aufgebot kann Leclerc nur wenig entgegen setzen. Vollständig versammelt zählt seine Kolonne: eine mobile Einheit (Hauptleute Renneport und Geoffroy), die Nomadengruppe von Ennedi (Hauptmann Barboteu), eine Artillerieabteilung (Leutnant Ceccaldi) und zwei Abteilungen der 7. Kompanie (Hauptleute Florentin und Fabre), d.h. etwa vierhundert Mann - davon zweihundertfünfzig Mann Kampftruppen - auf etwa sechzig Fahrzeugen. Die Bewaffnung beschränkt sich auf eine 75mm - Kanone, einen Mörser von 81 mm, vier schwere MGs und sechsundzwanzig leichte Maschinengewehre. Die Luftwaffe beschränkt sich auf zwölf Blenheim - Bomber und einige Verbindungsflugzeuge.

Die ersten, wenig ermutigenden Konfrontationen

Die französische Kolonne bricht am 26. Januar 1941 von Faya-Largeau auf, 1000 km nördlich von Fort-Lamy. Das Vorankommen wird durch den Wind, den Durst, die Kälte in der Nacht, den Sand und die unüberwindlichen Felsen erschwert. Leclerc schlägt sein Lager in Unianga auf, bevor er weiter nach Norden vorrückt. Da er sich über die Schwäche seiner Truppen im Klaren ist, plant er drei Luftangriffe auf Kufra, um den Flugplatz zu zerstören. Nur ein Flugzeug am Boden wird getroffen. Inzwischen wird das britische Kommando von Major Clayton, das als Vorhut aufgebrochen war, von den Italienern völlig zerschlagen. Die Briten, die die Erfolgschancen sehr gering einschätzen, ziehen sich zurück und begeben sich über El Awinat nach Kairo. Leclerc kann nicht mehr mit einem Überraschungseffekt rechnen, beschließt aber weiter zu machen. Er macht sich mit einer kleinen Gruppe von sechzig Mann zur Aufklärung nach Kufra auf und beginnt sofort nach seiner Rückkehr mit der Offensive. Er teilt seine Truppen in zwei Gruppen auf; die erste, bestehend aus zwei motorisierten Zügen mit kaum hundert Mann, schlägt den Weg nach Kufra ein, ihr folgt nach einem Tagesmarsch die Infanterie und die Artillerie.

Nach ihrem Aufbruch von dem Brunnen von Sarra trifft die Angriffskolonne, allen voran Leclerc, am 18. Februar auf die "Sahariana". Diese startet mit Unterstützung ihrer Luftwaffe am nächsten Tag einen Gegenangriff, aber die erschöpften Italiener glauben, dass sie von zahlreichen Verstärkungstruppen eingeschlossen sind. Abgeschnitten vom Fort geben sie den Kampf auf.

Sie werden 150 km weit verfolgt, aber nicht eingeholt. Jetzt beginnt die Belagerung des Forts. Um seine Unterlegenheit zu vertuschen, bedient sich Leclerc eines Täuschungsmanövers. Gedeckt durch motorisierte Patrouillen täuscht er "Volumen" vor. Das einzige 75er - Geschütz wird regelmäßig an andere Stellen transportiert, während der Mörser von 81 mm 1500 m nordwestlich des Forts aufgestellt wird. Nächtliche Patrouillen setzen dem Feind zu. Ein Stoßtruppunternehmen folgt auf das andere, so dass dem Feind keine Atempause bleibt. Nach einem Täuschungsmanöver zieht sich die italienische Luftwaffe, die zu Beginn den Kommandoposten von Leclerc bombardiert hatte, zurück. Die Piloten glaubten, in der Ferne Jäger entdeckt zu haben, die zur Verstärkung der französischen Truppen heran rückten. Nach zehn Tagen Kampf erklären sich die Belagerten, in der Überzeugung der Überlegenheit der französischen Truppen und ohne Unterstützung aus der Luft, zu Verhandlungen bereit. Am 1. März lässt sich Leclerc das Tor des Forts öffnen und diktiert nach kurzen Verhandlungen den italienischen Verteidigern die Bedingungen für eine ehrenvolle Übergabe. Die Franzosen machen über dreihundert Gefangene: elf Offiziere, achtzehn italienische Soldaten, zweihundertdreiundsiebzig libysche Soldaten. Bei den Italienern gibt es drei Gefallene und vier Verwundete. Von den freien französischen Truppen fallen bei der Operation vier Soldaten, und einundzwanzig werden verwundet. Sie erbeuten vier 20 mm - Kanonen, dreiundfünfzig Maschinengewehre, vierzehn Fahrzeuge und einen großen Bestand an Munition und Lebensmitteln vom Feind.

Am 2. März, als die französische Flagge zum ersten Mal über Kufra weht, lässt Leclerc seine Soldaten schwören, "den Kampf fortzusetzen, bis die französische Flagge wieder über Straßburg weht". Mit diesen Worten will Leclerc alle Energien für das Ziel frei setzen, das erreicht werden soll: das nationale Territorium zurück zu erobern. Es sollte noch vier Jahre ununterbrochener Anstrengungen kosten, aber dieser Schwur wird gehalten. Indem man, wie General de Gaulle sagte, "den Sieg in den Falten der Fahne" nach Hause trägt, zeigt die Einnahme von Kufra, dass Frankreich an der Seite seiner Verbündeten in diesem Krieg präsent bleibt. Leclerc kann nun sein nächstes Ziel anstreben: die Eroberung von Fezzan.

Die Schlüsseldaten

Die Festung Kufra

Kufra besteht aus einer Gruppe von Oasen in Libyen, isoliert, mitten in der Wüste gelegen, über 400 km von jeder besiedelten Gegend entfernt. Diese Region der Sahara gibt ein sehr unterschiedliches Bild, von dem großen Bergmassiv (Tibesti), über von Felsen bedeckte Ebenen bis zu den Dünen. Diese Wüste ist das Reich der Felsen, des Sandes und des Windes, eines Windes, der die Dünen formt und versetzt und regelmäßig die Landschaft neu gestaltet. In dieser öden Weite sind die Entfernungen groß, etwa 2000 km liegen zwischen Fort - Lamy und Kufra, und sie werden noch größer durch die Umwege, die die Natur des Bodens erfordert. Wasser ist hier eine Seltenheit; nur wenige Brunnen und Oasen tauchen von Zeit zu Zeit auf. Die Italiener, die seit 1912 in Libyen sind, haben das Territorium bis zum Jahr 1931 befriedet. Die Einnahme von Kufra nach den Kämpfen von Marschall Graziani gegen die Senussis wird von Mussolini als großer Sieg gefeiert. Dieser macht Kufra zu einer schwer bewaffneten und gut verteidigten Festung. Das Fort El Tag, ein Viereck mit 150 m Seitenlänge und 4 m hohen Mauern, wird auf einem Felsvorsprung des Djebel el Bub errichtet. Das frei liegende Fort ist von einem System unterirdischer Verteidigungsanlagen mit ausgedehnten Schussfeldern umgeben. Es wird von einer Garnison von etwa dreihundert Mann verteidigt, verfügt außerdem über eine motorisierte Kompanie, die "Compania sahariana di Cufra" und eine Staffel von Aufklärungsflugzeugen, leichten Bombern vom Typ Ghibli und Savoia - Bombern. Die "Sahariani"

Die Italiener haben wichtige Garnisonen über das gesamte libysche Territorium verteilt, vor allem aber im Süden. Um die Verteidigung dieser Festungen zu vervollständigen, haben sie motorisierte Sahara - Kompanien aufgestellt: die "Sahariani". Diese Einheiten sind die mobilen Verteidigungs- und Schutztruppen. Deshalb sind sie besonders gut für den Bewegungskrieg in der Wüste ausgestattet. Zu einer "Sahariana" gehören sechsundsiebzig bis hundertsiebenundvierzig Soldaten und fünfzehn bis zwanzig Kampffahrzeuge, z.B. Spa - Traktoren, mit Rädern von sehr großem Durchmesser, die hervorragend für das Gelände geeignet sind. Ihre Bewaffnung besteht im Wesentlichen aus vier Geschützen von 20 mm, vier schweren Maschinengewehren von 12,7 mm und elf leichten Maschinengewehren von 7,7 mm. Im Übrigen verfügt sie über große Reserven: Wasser für fünf Tage, Lebensmittel für einen Monat und einen Aktionsradius von sechshundert Kilometern. Sie ist also in der Lage, einen entfernten Feind aufzurollen und kann jederzeit zur Verteidigung einer Stellung eingesetzt werden. Die "Sahariani" greifen gemeinsam mit Flugzeugen ein, zu Beginn mit drei, später mit sechs Flugzeugen, die Aufklärungs-, Kampf-, Versorgungs- und Transporteinsätze für Verwundete fliegen. 1940 verfügt Italien über fünf Kompanien, die in Ubari, Mirda, Serdeles, Kufra und Murzuk stationiert sind. Philippe de Hautoclocque, genannt Leclerc (Belloy-Saint-Léonard 22. November 1902 - Gegend von Colomb-Béchar 28. November 1947)

Als in Saint-Cyr ausgebildeter Kavallerieoffizier des Jahrgangs "Metz und Straßburg" dient Philippe de Hauteclocque zunächst in Marokko, bevor er die Stelle eines Ausbilders in Saint-Cyr erhält. Er tritt 1938 in die Kriegsschule ein, wird dann eingezogen und nimmt an der ganzen Schlacht um Frankreich teil. Er wird verwundet und gerät in deutsche Gefangenschaft, doch ihm gelingt die Flucht nach England, wo er sich den Truppen des Freien Frankreichs anschließt. Hier nimmt Hauptmann Philippe de Hauteclocque den Namen Leclerc an. Er geht nach Afrika, wo er im August 1940 den Anschluss von Kamerun an das Freie Frankreich erreicht und im November an dem Anschluss von Gabun beteiligt ist. Nachdem er Kommandant der Truppen im Tschad geworden ist, bereitet er eine Reihe von Angriffen auf die italienischen Posten von Fezzan vor und erobert Kufra am 1. März 1941. Für diesen Sieg macht ihn General de Gaulle am 6. März zum Compagnon de la Libération. Im Dezember 1942 beginnt er eine Großoffensive in Libyen und vereinigt sich im Januar 1943 in Tripolis mit der VIII. Armee der Briten. Nach dem Feldzug von Tunesien erhält er das Kommando der 2. Panzerdivision, mit der er am 1. August 1944 in der Normandie landet. Nach der Befreiung von Paris nimmt er an den Schlachten in den Vogesen und im Elsass teil, und schließlich an den letzten Kämpfen, die sich bis nach Berchtesgaden in Deutschland hinziehen. Nach seiner Ernennung zum Kommandanten des französischen Expeditionskorps im Fernen Osten unterzeichnet er an der Seite der Alliierten die Kapitulationsurkunde mit Japan. Als er die Funktion des Heeresinspekteurs in Afrika ausübt, kommt General Leclerc bei einem Flugzeugunglück in der Nähe von Colomb-Béchar ums Leben. Er wird 1952 posthum zum Marschall von Frankreich ernannt. Zusammenfassung : Als Leclerc die Truppen des Tschad kommandiert, will er dem Feind mit der Einnahme der Oase Kufra einen schweren Schlag zufügen. Diese uneinnehmbare Festung sichert ihrem Besitzer faktisch die Herrschaft über den Südosten von Libyen: dies ist der Beginn einer Serie von Heldentaten, die in Straßburg und Berchtesgaden zu Ende geht.


Sources
Quelle: MINDEF/SGA/DMPA

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  • Das Fort von Murzuk. Quelle : Das Denkmal für Leclerc und die Befreiung von Paris / Museum Jean Moulin (Rathaus von Paris)
  • Innenansicht des Forts El Tag.
    Quelle : Denkmal für Leclerc und die Befreiung von Paris / Museum Jean Moulin (Rathaus von Paris)

  • Das französische 75er - Gebirgsgeschütz Typ Schneider.
    Quelle :Denkmal für Leclerc und die Befreiung von Paris / Museum Jean Moulin (Rathaus von Paris)
  • Bedford - Lastwagen zwischen Kufra und Faya-Largeau.
    Quelle: Denkmal für Leclerc und die Befreiung von Paris / Museum Jean Moulin (Rathaus von Paris)
  • Die den Italienern abgenommene Kriegsbeute
    Quelle: Denkmal für Leclerc und die Befreiung von Paris / Museum Jean Moulin (Rathaus von Paris)

  • Die französischen und englischen Fahnen wehen über dem Fort El Tag
    Quelle: Denkmal für Leclerc und die Befreiung von Paris / Museum Jean Moulin (Rathaus von Paris)
  • Italienische Gefangene auf den Pisten zwischen Kufra und Faya-Largeau
    Quelle: Denkmal für Leclerc und die Befreiung von Paris / Museum Jean Moulin (Rathaus von Paris)
  • Nach Kufra, Januar - März 1941

  • Luftbild von dem Fort von Kufra
    Quelle: Denkmal für Leclerc und die Befreiung von Paris / Museum Jean Moulin (Rathaus von Paris)
  • Italienische motorisierte Kolonne ("Sahariana")
    Quelle: Denkmal für Leclerc und die Befreiung von Paris / Museum Jean Moulin (Rathaus von Paris)
  • Fort-Lamy, Dezember 1940, Leclerc übernimmt das Kommando über die Truppen im Tschad
    Quelle : ECPAD France