Maurice Anjot

1904-1944
Portrait von Hauptmann Anjot. Quelle: Jourdan-Joubert L., Helgot J., Golliet P., Glières, Haute-Savoie: Erster Kampf des Widerstands vom 31. Januar - 26. März 1944

Auch bekannt als „Bayart“

 

Der am 21. Juli 1904 in Rennes geborene Maurice Anjot wächst in einer Familie auf, deren Leben sehr stark geprägt ist von religiösen und nationalen Traditionen. Bereits in jungen Jahren ist er pflichtbewusst und beherzigt moralische Werte und für diese Charakterzüge und seine Intelligenz wurde er von seinen Vorgesetzten stets bewundert. Er ist ein sehr lebendiger und robuster Mann. Im ersten Moment mochte man ihn für zurückhaltend und kühl halten. Wenn man ihn jedoch näher kannte, war schnell zu spüren, dass er nur wenig kommunizierte und sich niemals in den Vordergrund drängen wollte. Er lebte sein Leben sehr intensiv, jedoch nie verantwortungslos oder seine Ideale vergessend.

Seine militärische Laufbahn verlief hervorragend. Nachdem er Saint-Cyr im Jahr 1925 verlassen hatte, kehrt er 1929 für sechs Jahre als Ausbilder zurück. Seine Vorgesetzten attestierten im stets eine „äußerst seltene Kombination aus moralischen, intellektuellen und physischen Qualitäten“, die ihn auszeichneten. Er war bekannt als „energischer und gleichzeitig besonnener Vorgesetzter“ mit einem „hohen Gerechtigkeitssinn, praktischen Ansichten, aufmerksam und mit großem Taktgefühl“. Ab 1935 verdiente er sich als Hauptmann in den Kämpfen bei Aisne und Marne einen guten Ruf. Nach dem Waffenstillstand wird er der 27. BCA in Annecy zugeteilt.

Im Frühjahr 1941 schließt sich der Eliteoffizier dem Widerstand an. In Polizeiberichten ist von „regierungsfeindlichem Verhalten“ zu lesen, woraus Rückschlüsse auf seine Aktionen in diesem Jahr geschlossen werden können. Dank seiner Kontakte zu den Reserveoffizieren gelingt es, in der Region Geheimbataillons zu errichten. „Laut Aussage eines Zeugen, der im Herbst 1942 befragt wurde, erhielt dieser im Frühjahr 1941 Besuch von Hauptmann Danjot oder Anjot, Unterleutnant des 27. Jägerregiments. Er war in zivil gekleidet und kam mit dem Auto. Er stellte sich mir vor und informierte mich über die Lage Frankreichs. Nach ihrer Niederlage im Jahr 1918 hatten die Deutschen eine Geheimorganisation gegründet, um eine neue Armee aufzubauen. Er sagte mir, dass es normal wäre, dass Frankreich dasselbe tut. Die Organisation der Bewegung sah wie folgt aus: In jedem Bezirk sollte mithilfe der Reserveeinheiten ein Bataillon zusammengestellt werden, das einem Jägerbataillon gleicht. Diese Bataillons sollte jeweils aus Tausend Soldaten bestehen, die individuell angeworben werden sollten. “

Dieser Plan der Widerstandskämpfer erwies sich als äußerst effizient: Im richtigen Moment wurde hinter dem Rücken des Feindes eine sehenswerte Reservearmee aufgebaut, die sich schnell vergrößerte und zur Armee des Waffenstillstands wurde. Dieser Plan war Anfang 1941 sehr gewagt. Schließlich handelt es sich um eine Epoche, in der die Mehrheit der Franzosen keinesfalls an inneren Widerstand dachte. Durch die Invasion der neutralen Zone im November 1942 war dieser Plan jedoch zum Scheitern verurteilt. Es musste ein neuer Ansatz gefunden werden. Das Ziel blieb jedoch dasselbe: Wiederaufbau von Bataillons „für den Tag, an dem das Land gesäubert werden muss (so ebenfalls im Polizeiprotokoll von Anjot zu lesen)“. So entstand die Geheimarmee. Hauptmann Anjot zählte zu den besten Leuten in der Haute-Savoie und unterstand der Befehlsgewalt von Oberst Vallette d'Osia.

Nachdem sein Vorgesetzter in Gefangenschaft geriet, lernte auch er das Leben eines Geächteten kennen. Er lässt sich einen Bart wachsen und wird ein neuer Mann mit neuer Identität. Unterschlupf findet er zunächst bei Freunden, dann bei einem Priester und schließlich auf einem Bauernhof. Auch im Widerstand bleibt er jedoch seinen Grundsätzen, die er in der Armee verfolgte, treu: Er arbeitet mit methodischen Ansätzen, ist hartnäckig und hält ununterbrochen an seinen Plänen fest. Er stellt wichtige Verbindungen her, zentralisiert die Informationen. Er leistet Beihilfe und Unterstützung im Untergrund in einem Umfang und einer Produktivität, die nur er selbst abschätzen konnte. Im Kampf um Glières zögert er keinen Moment, dem Polizeiintendanten Oberst Lelong entgegenzutreten, um mit ihm zu verhandeln. „All jenen, die ihn vor den Gefahren eines solchen Vorstoßes warnen wollten, sagte er, dass er gerne bereit sei, sein Leben zu geben, wenn er andere damit retten könne. “ Wenige Tage später wird Tom in den Kämpfen um Entremont getötet. Er war ein Offizier, der mit Leib und Seele gegen jeden und alles kämpfte, damit Glières seinen Ursprung nicht verlor. Anjot stellte sich zur Verfügung und fand heraus, dass sein Erscheinen auf dem Plateau von den Offizieren herbeigesehnt wurde.

Er schreibt seiner Frau einen Brief, aus dem deutlich wird, was er für ein Mensch war: „Du weißt, was alles passiert ist, seit du gegangen bist. Der brutale Tod unseres Kameraden Morel macht es erforderlich, dass jemand seine Stelle einnimmt. Ich habe diese Verantwortung übernommen, denn ich halte es für meine Pflicht, dies zu tun. Glaube nicht, dass mir diese Entscheidung leicht fiel, wo du so weit weg bist. Aber vielleicht hat mir genau diese Entfernung geholfen, den Familienaspekt besser zu beurteilen. Es gibt sehr viele, die feige sind oder ein falsches Spiel spielen, und die vergessen haben, was wir unserem Vaterland schuldig sind. Als Offizier habe ich keine andere Wahl. Ich weiß, dass Ihr beide, Claude und du, diese Entscheidung mit Pflichtbewusstsein akzeptieren werdet.“

Diesem geistlichen Vermächtnis fügte er noch paar Worte für seinen Sohn hinzu: „ Ich bitte dich vor allem darum, dass du immer freundlich bist zu deiner Mama. Gehorche ihr und sei ein guter Schüler, damit auch ich Freude am Arbeiten habe. Ich komme sobald ich kann nach Hause zurück und dann leben wir wieder gemeinsam. Vergiss nicht, deinen Papa in deine Gebete einzuschließen. “

Während er versuchte, seine Familie zuhause zu beruhigen, war er sich der Lage durchaus bewusst und ihm war klar, dass es keinen Grund zu Optimismus gab. Anstatt auf dem Plateau zu leben, wo die Begeisterung zunehmend wuchs, musste er in der Nähe Unterschlupf finden und den Lauf der Dinge verfolgen. Der Schwierigkeiten und Bedrohungen, die täglich zunahmen, war er sich sehr wohl bewusst. Er hatte keine Hoffnung, dass es einen Weg zurück gab, und den letzten Abend vor der Übernahme des Kommandos verbrachte er bei einem Freund. Dennoch verfolgte er seine Ziele mit methodischen Ansätzen, die konzentrierte Aktionspläne umfassten, für den Fall, dass sich die Lage nicht schnell genug änderte.

Am 18. März begibt er sich auf das Plateau Glières. Der Aufstieg mit Umgehung der Straßensperren gleicht einer Expedition. Er trägt die Flagge der Kompanie, die er an der Brücke von Kehl kommandierte, um diese symbolisch in Glières zu hissen. Auch seine Jacke der Gebirgsjäger hat er bei sich: „Wenn ich sterbe, dann sterbe ich als Anjot“. Aus diesem Grund nimmt er auch unmittelbar nach Ankunft seinen Bart ab.

Bald überschlugen sich jedoch die Ereignisse, wodurch er kaum etwas ausrichten konnte. Während den acht Tagen, an denen die Kämpfer auf dem Plateau noch Widerstand leisten konnten, blieb ihm kaum Zeit, sich in seinen neuen Kommandoposten einzufinden und die Verteidigung in Windeseile zu verstärken. Die geplanten Maßnahmen blieben dem Gegner jedoch vorenthalten: Anjot verfolgte die Vorstellung, die Ehre zu wahren und das Leben der Männer bestmöglich zu schonen: Es war diese Sorge, die über 400 junge Männer dazu veranlasste, diese hoffnungslose Last auf sich zu nehmen. Nachdem er Verhandlungen mit den Milizen aufs Schärfste ablehnte, mobilisierte er alle verfügbaren Männer und Mittel, um dem bevorstehenden Angriff standzuhalten. Am Abend des 26. März gibt er, nachdem die Verteidigungslinie hoffnungslos durchbrochen war, den Befehl zur Evakuierung, indem er jedem einzelnen Chef detaillierte Anweisungen für den Rückzug erteilt. Er selbst übernimmt die zahlenmäßig starke Kolonne, die in der Schlucht von Ablon kämpft. Er war dann bereits bis zum Dorf Nâves vorgedrungen, in Begleitung der Leutnants Lambert Dancet und de Vitipon, als eine deutsche Straßensperre das Feuer auf die kleine Gruppe und die nachfolgenden Spanier eröffnet. Es gelingt ihnen ein Gegenangriff, der jedoch die Niederlage nicht verhindern konnte. Anjot wird von dem Geschoss einer Maschinenpistole getroffen.