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Normandie-Njemen, französische Jagdflugzeuge an der Ostfront

Polotniani-Zavod, der erste Kriegsschauplatz der Einheit 'Normandie', am 22. März 1943. <BR>Quelle: Sammlung des Museums des Ordens der Befreiung
Polotniani-Zavod, der erste Kriegsschauplatz der Einheit "Normandie", am 22. März 1943.
Quelle: Sammlung des Museums des Ordens der Befreiung
Corps 1

General de Gaulle schickt 1942 eine Einheit von Jagdflugzeugen der Freien französischen Luftstreitkräfte (FAFL) nach Russland, um gemeinsam mit den sowjetischen Truppen zu kämpfen. "Normandie-Njemen" unternimmt insgesamt mehr als 5 000 Flüge und nimmt an 869 Luftkämpfen teil. Die Einheit soll 273 Siege errungen haben.

Corps 2

Am 22. Juni 1941 marschieren die deutschen Truppen in die Sowjetunion ein. General de Gaulle, der das Freie Frankreich an allen Fronten vertreten sehen will, plant, eine französische Division nach Russland zu schicken. Sowohl materielle als auch politische Schwierigkeiten zwingen ihn allerdings dazu, seine Pläne zu revidieren. Im Einvernehmen mit der sowjetischen Regierung beschließt er, eine französische Gruppe von Jagdflugzeugen an die Ostfront zu schicken, um an der Seite der Roten Armee zu kämpfen.

Die Verhandlungen beginnen im Februar 1942 und enden am 26. November mit einer Vereinbarung mit der UdSSR. Inzwischen erhält General Valin, der Kommandeur der Freien französischen Luftstreitkräfte, den Befehl, eine Fliegereinheit zu bilden, deren Angehörige aus Großbritannien, Nordafrika und dem Nahen Osten kommen. Am 1. September 1942 wird die Jagdfliegereinheit Nr. 3 gebildet, die unter dem Befehl des Kommandeurs Pouliquen steht. Die in Rayak im Libanon gegründete Einheit erhält den Namen "Normandie". Am 12. November 1942 treten die sechzig Freiwilligen der Einheit, Piloten und Mechaniker, über Bagdad, Basra und Teheran die Schiffsreise in die Sowjetunion an. Ihr Ziel ist Ivanovo, ein Fliegerhorst 250 km nordöstlich von Moskau. Der größere Teil der Einheit kommt Ende November - Anfang Dezember 1942 dort an, gefolgt im März 1943 von den restlichen Mitgliedern, die eine Zeitlang im Iran geblieben waren. Nun beginnt die Ausbildung mit sowjetischem Material unter sehr rauen klimatischen Bedingungen, bei Temperaturen zwischen -25° und -30°. Im Februar 1943 wird Kommandant Pouliquen an die Militärmission in Moskau berufen. Kommandant Tulasne tritt an seine Stelle.

Seit dem 22. März nimmt die Staffel, ausgerüstet mit Jakowlew Jak-1 - Maschinen, an den Kämpfen an der deutsch - sowjetischen Front teil. Die Sowjets haben die Schlacht von Stalingrad gewonnen, aber die Deutschen begegnen ihrem Gegenangriff mit erbittertem Widerstand. Als Teil der 1. Armee der sowjetischen Luftstreitkräfte gehört die Einheit zeitweilig der 204. Bomberdivision an. Sie ist auf dem Gelände von Monkunino, in der Nähe von Polotniani-Zavod, etwa hundert Kilometer südwestlich von Moskau stationiert und beginnt mit Operationen in der Gegend zwischen Smolensk und Orel, wo sie Aufklärungs- und Begleitflüge durchführt. Am 5. April 1943 ist die Staffel als Geleitschutz für die Bomber zwischen Roslavl und Smolensk im Einsatz. Nach dem Beschuss durch feindliche Flak wird sie von einer Patrouille von Jägern angegriffen. Während des folgenden Kampfes tragen zwei ihrer Piloten, Preziosi und Durand, die beiden ersten Siege der Einheit davon, mit dem Abschuss von je einer Focke-Wulf 190. Diese erste Mission ist ein Erfolg; dank der Unterstützung durch die französische Staffel kehren die sowjetischen Bomber ohne Verluste auf ihre Basis zurück. Von nun an wird die Einheit regelmäßig bei Kämpfen eingesetzt. Acht Tage später gibt es neue Siege. Bei einer Mission der Jäger im Abschnitt Spas-Demensk schießen sechs französische Patrouillenflugzeuge, die von zahlenmäßig überlegenen Streitkräften angegriffen werden, drei deutsche Jagdflugzeuge ab. An diesem Tag, dem 13. April, gibt es aber auch Grund zum Trauern, denn die Staffel hat ihre drei ersten Verluste zu beklagen: die Leutnants Derville und Poznanski und der Offiziersanwärter Bizien kommen nicht von der Mission zurück. Am 16. April werden die Franzosen nach Mosalsk verlegt, das 40 km von den Linien entfernt liegt. Eskortierung und Angriffe auf deutsche Kolonnen und Flugplätze lösen einander ab. Die Einheit wird jetzt der 303. Luftwaffendivision der Jagdflieger angliedert und steht unter dem Kommando von General Sacharow (1. Armee der Luftwaffe, 3. Front in Weißrussland).

Im Juni-Juli erhält die Einheit neue Piloten. Zwei Staffeln werden gebildet: "Rouen" und "Le Havre", unter Führung von Kommandant Pouyade und Hauptmann Littolf. Die Schlacht von Orel beginnt am 10. Juli. Nach einigen Zusammenstößen entwickeln sich heftige Kämpfe. Vom 12. bis zum 19. fliegt die Einheit, die aus fünfzehn Piloten besteht und mit Maschinen vom Typ Jak- 9 ausgestattet ist, hundertzwölf Einsätze und schießt siebzehn Flugzeuge ab. Sie hat allerdings auch sehr hohe Verluste: sechs Piloten, darunter Kommandant Tulasne, der am 17. Juli 1943 bei einem Angriff auf eine motorisierte deutsche Kolonne vermisst wird. Kommandant Pouyade übernimmt daraufhin das Kommando über die Einheit, die nur noch acht gesunde Männer hat. Am 4. August werden die französischen Mechaniker von Sowjets unter dem Befehl von Hauptmann Agavelian abgelöst. Die Einheit "Normandie", die neue Verstärkung erhalten hat, wird in Richtung Smolensk verlegt. Sie führt viele Missionen in den Abschnitten Jelnia und Smolensk aus. Überall zeichnet sich die Einheit aus und erringt Siege. Aber die Verluste sind furchtbar. Das Jahr 1943 ist besonders mörderisch für diese Männer. Nach den ersten sechs Monaten der Kämpfe sind einundzwanzig Piloten gefallen, gefangen genommen oder verschollen, vier weitere sind verwundet. Am 6. November zieht sich die Einheit, die inzwischen mehr als siebzig siegreiche Einsätze geflogen ist, nach Tula zurück, um dort mit ihren wenigen Überlebenden den Winter zu verbringen.

Im Laufe des Winters 1943-1944 wird die Einheit neu organisiert. Zweiundfünfzig neue Piloten kommen als Verstärkung aus Nordafrika. Die Einheit wird in vier Staffeln eingeteilt: "Cherbourg" und "Caen" kommen zu "Rouen" und "Le Havre" hinzu. Ende Mai ist das Regiment zurück an der Front. Im Juni beteiligt es sich an der sowjetischen Offensive in Weißrussland und dann in Litauen. In weniger als drei Wochen rücken die sowjetischen Truppen über 400 km in westlicher Richtung vor. Im Juli ist die Einheit an der Schlacht zur Überquerung des Flusses Njemen beteiligt, in der sie zum Schutz der Truppen eingesetzt ist. Es gelingt der Roten Armee, eine Bresche von über 200 km Breite und 50 km Tiefe in die gegnerischen Linien zu schlagen. Für ihre Heldentaten erhält die Einheit "Normandie" von dem sowjetischen Oberkommando den Titel "Njemen - Regiment" und wird von da an "Normandie-Njemen" genannt.

Am16. Oktober 1944 beginnt die Offensive gegen Preußen. An einem einzigen Tag schießt das Regiment mit seinen Jak-3 neunundzwanzig Flugzeuge ab, ohne selbst einen Verlust zu erleiden. Nach einer Woche Kampf überschreiten die ersten sowjetischen Soldaten die deutschen Linien. Viele Operationen richten sich gegen die feindlichen Nachschubgebiete.

Am 27. November landen die Piloten zum ersten Mal auf preußischem Territorium. Am 6. Dezember 1944 begeben sich alle Männer der Einheit "Normandie-Njemen" nach Moskau, um General de Gaulle zu treffen, der sich zu einem Staatsbesuch in der Sowjetunion aufhält. Die Flagge des Regiments erhält nun das Kreuz der Befreiung.

Kommandant Pouyade und die "Alten" des Regiments kehren nach Frankreich zurück. Kommandant Delfino übernimmt nun die Führung des Regiments. Der dritte Feldzug findet von Januar bis Mai 1945 in der Region von Königsberg, Ostpreußen statt. Die deutschen Truppen versuchen ohne Erfolg, den Vormarsch der Sowjets zu stoppen. Die letzten Widerstandsnester fallen nacheinander, und Berlin ist eingeschlossen. Im Osten und im Westen sind die deutschen Truppen geschlagen und kapitulieren in Berlin am 9. Mai.

Die Rückkehr nach Frankreich ist nur noch eine Frage von Tagen. Am 1. Juni 1945 ist das Regiment in Moskau. Mit größter Freude erfahren die Piloten der "Normandie-Njemen", dass die UdSSR Frankreich die vierzig Jak-3 schenkt, in denen das Regiment geflogen ist; so fliegen sie am 15. Juni am Steuer ihrer Maschinen vom Flugplatz in Elbing los. Am 20. kommen sie nach Zwischenlandungen in Prag, Stuttgart und Saint-Dizier auf dem Flughafen Le Bourget an, wo sie im Triumph empfangen werden.

Nach mehr als 5 000 Flügen und 869 Kämpfen hat das Regiment "Normandie-Njemen" insgesamt 273 offiziell anerkannte und 37 wahrscheinliche Siege errungen. Von den etwa hundert Piloten, die im Lauf der Zeit zu dem Regiment gehörten, sind sechsundvierzig gefallen oder vermisst. Die "Normandie-Njemen" wurde elf Mal ehrenvoll erwähnt, erhielt den Orden der Ehrenlegion, das Kreuz der Befreiung, die Militärmedaille, das Kriegskreuz mit sechs Palmen und die sowjetischen Orden des Roten Banners und den Alexander Newski - Orden.
 

22. Juni 1941 Deutscher Angriff auf die UdSSR (Unternehmen "Barbarossa") ; Kriegserklärung von Rumänien, Ungarn und Finnland gegen die UdSSR
Juni-Juli 1941 Schlachten von Minsk, Bialystok und Smolensk ; Besetzung der baltischen Länder durch die Deutschen
August-September 1941 Schlacht in der Ukraine; Einnahme von Kiew durch die Deutschen
9. September 1941 Beginn der Belagerung von Leningrad
15. November-5. Dez. 1941 Schlacht um Moskau
26. Okt. 1941-2. Juli 1942 Belagerung von Sewastopol
5. Dezember 1941 Beginn der sowjetischen Gegenoffensive vor Moskau
7. Dezember 1941 Japanischer Angriff auf Pearl Harbor; Kriegseintritt der Vereinigten Staaten
11. Dezember 1941 Kriegserklärung Deutschlands und Italiens an die Vereinigten Staaten
8. Mai-2. Juli 1942 deutsche Offensive auf der Krim; Einnahme von Sewastopol
28. Juni-18. November 1942 Deutsche Offensive in Richtung Wolga, Kaspisches Meer und Kaukasus
4. September 1942 Beginn des deutschen Angriffs auf Stalingrad
19. November 1942 Beginn der sowjetischen Gegenoffensive am Don und an der Wolga
19. Nov. 1942-2. Feb. 1943 Schlacht um Stalingrad; Sieg der Sowjets
2.-28. Februar 1943 Rückeroberung des Kaukasus durch die Sowjets
18. Februar-20. März 1943 Siegreiche deutsche Gegenoffensive am Donezk
5.-13. Juli 1943 Schlacht von Kursk; Sieg der Sowjets
10. Juli 1943 Landung der Alliierten in Sizilien
August-September 1943 Siegreiche sowjetische Offensive in der Ukraine
September 1943 Kapitulation Italiens; Landungen der Alliierten in Süditalien
13. Oktober 1943 Kriegserklärung Italiens an Deutschland
6. November 1943 Rückeroberung von Kiew durch die Sowjets
14. Januar 1944 Ende der Belagerung von Leningrad


 

 
12. April-9. Mai 1944 Rückeroberung der Krim durch die Sowjets
6. Juni 1944 Landung der Alliierten in der Normandie
9. Juni 1944 Sowjetische Offensive in Karelien
22. Juni 1944 Sowjetische Offensive in Weißrussland
13. Juli 1944 Sowjetische Offensive in Galizien
15. August 1944 Landung der Alliierten in der Provence
August-November 1944 Befreiung Frankreichs und Westeuropas
20. August 1944 Sowjetische Offensive in Rumänien
5. September 1944 Kriegserklärung der UdSSR an Bulgarien
September-Oktober 1944 Kapitulation Finnlands, Rumäniens und Bulgariens
12. Januar 1945 Beginn der sowjetischen Offensive in Richtung Oder
20. Januar 1945 Sowjetisch - ungarischer Waffenstillstand in Moskau
Februar-April 1945 Schlacht um Ostpreußen, Pommern und Schlesien
4.-11. Februar 1945 Konferenz von Yalta (Stalin, Churchill, Roosevelt)
7. März 1945 Die Amerikaner überschreiten den Rhein
Ende März 1945 Alliierte Offensive in Deutschland
25. April 1945 Russen und Amerikaner treffen an der Elbe zusammen
26. April-2. Mai 1945 Schlacht um Berlin
2. Mai 1945 Kapitulation der deutschen Truppen in Italien; Einnahme von Berlin durch die Sowjets
7. Mai 1945 Kapitulation der Deutschen in Reims
9. Mai 1945 Kapitulation der Deutschen in Berlin


 

Nach dem Krieg wird die Einheit nicht aufgelöst. Von 1945 bis 1947 ist sie die Einheit der Jagdflugzeuge 3/5, ausgerüstet mit ihren Jak-3 und NC 900, später wird sie zur Jägereinheit 2/6 und erhält englische Mosquito - Maschinen. Von Oktober 1949 bis Mai 1951 nimmt sie mit P 63 Kingcobra und Hellcat - Maschinen am Krieg in Indochina (1946-1954) teil. Im Dezember 1951 geht die Einheit nach Oran in Algerien, wo sie im Juni 1952 ihren ersten Düsenjäger, den "Mistral" erhält. Am 17. November 1952 wird die Jagdfliegereinheit "Normandie-Njemen" in zwei Schwadronen aufgespalten: die 1/6 "Oranie" und die 2/6 "Normandie-Njemen", so dass sie nun das 6. Jagdgeschwader bildet. Nach dem Algerienkrieg (1954-1962) ist die Einheit in Orange stationiert und wird zur Schwadron der Allwetterjäger 2/30 mit der Aufgabe, den Südosten Frankreichs zu verteidigen. Im Juni 1966 wird die Schwadron in Reims stationiert, wo sie 1973 die ersten Mirage F1 C der Luftstreitkräfte in Empfang nimmt. 1993 geht die Einheit nach Colmar und wird zum Jagdgeschwader 1/13. Mit der Auflösung des 13. Jagdgeschwaders im Jahr 1995 wird sie zur Jagdschwadron 2/30. Die Schwadron nimmt an mehreren Friedensmissionen teil, wie z.B. der Operation Türkis in Ruanda oder der Operation Turmfalke in Bosnien-Herzegowina im Rahmen der UNO, oder in Kosovo an der Seite der NATO.

Seit dem 3. Juli 2009 ruht die Schwadron offiziell. Das Museum Normandie-Njemen in Les Andelys im Departement Eure wird Ende 2010 definitiv geschlossen. Die Sammlungen werden von dem Museum für Luft- und Raumfahrttechnik am Flughafen Le Bourget übernommen. Die Einheit Normandie-Njemen wird vielleicht im Jahr 2011 oder 2012 auf dem Fliegerhorst von Mont-de-Marsan neu gebildet.


Sources
Quelle : MINDEF/SGA/DMPA

  • Polotniani-Zavod, der erste Kriegsschauplatz der Einheit "Normandie", am 22. März 1943.
    Quelle: Sammlung des Museums des Ordens der Befreiung
  • Französische und sowjetische Piloten, erster Feldzug, 1943.
    Quelle : Historischer Dienst der Verteidigung

  • Französische und russische Mechaniker um eine Jak - 1, Koselsk, Juni 1943.
    Quelle: Sammlung des Museums des Ordens der Befreiung

  • 9 getarnte Fahrzeuge, Dubrowka, Juli 1944.
    Quelle: Sammlung des Museums des Ordens der Befreiung

  • General Sacharow und die französischen Piloten, Operation Preußen, Winter 1944.
    Quelle : Historischer Dienst der Verteidigung
  • Der Weg der Einheit "Normandie-Njemen".
    Quelle: MINDEF/SGA/DMPA
  • Triumphaler Empfang der Piloten des Regiments bei ihrer Rückkehr nach Frankreich, Le Bourget, Juni 1945.
    Quelle: Sammlung des Museums des Ordens der Befreiung
  • Schutz der Jaks während des Winters.
    Quelle: Sammlung des Museums des Ordens der Befreiung
  • Fahne. Quelle: Historischer Dienst der Verteidigung

  • Gedenktafel für das Regiment der Jagdflieger "Normandie-Njemen" in Dammarie-lès-Lys.
    Quelle : Kommunikationsdienst/Rathaus Dammarie-lès-Lys