Rouget de Lisle

1760-1836
Claude-Joseph Rouget de Lisle. 1792 © BnF

Claude-Joseph Rouget, geboren am 10. Mai 1760 in Lons-le-Saunier spielt Violine und komponiert bereits als Kind instinktiv. Um mit 16 Jahren in die Pariser Militärschule École du génie aufgenommen zu werden, ergänzt er seinen Namen mit der Endung „de Lisle“, die er von seinem Großvater übernommen hat.

Nachdem er diese sechs Jahre später als Leutnant verlässt, wird er nach drei Einsätzen 1791 nach Straßburg geschickt, wo er mit anderen Offizieren in den Salons von Bürgermeister Dietrich empfangen wird, dem die üblichen Marschgesänge auf die Nerven gehen und der den jungen Hauptmann, dem bereits der Ruf als Komponist vorauseilt, bittet, ein patriotisches Lied zu schreiben... Rouget ist überrascht und möchte sich dem entziehen, gibt dem Bürgermeister und den Offizieren jedoch nach, die ihn drängen, der Bitte nachzukommen.

Zuhause ergreift er die Geige und entlockt ihr Akkorde, während das zuvor am Abend Gehörte in seinem Kopf hämmert. Nach und nach entsteht die Melodie und die Worte überlagern die Musik. Erschöpft schläft der Urheber ein. Gleich im Morgengrauen geht er zum Bürgermeister, der sich, von soviel Schnelligkeit überrascht, ans Cembalo setzt und vom Lied angetan ist. Er ruft die am Vorabend anwesenden Offiziere zusammen und intoniert mit kräftiger Stimme: „Allons enfants de la patrie“. Alle zeigen sich begeistert und Rouget ist glücklich.

Dieses Lied wird am 29. April im Beisein von acht Bataillons, die sich zum Abmarsch bereit aufgestellt haben, auf der Place d‘Armes öffentlich aufgeführt. Die Männer hören zu und sind in den Bann geschlagen. Dieses Lied wird schnell in Paris bekannt, und zuvor in Marseille, wo es das in die Hauptstadt aufbrechende Regiment übernimmt. Es erhält den Namen „Marseillaise“. Der junge Hauptmann wird nach Huningue entsandt, um die dortigen Arbeiten zu leiten, und am 14. Juli wird das Lied im Feldlager Hoensingue aufgeführt. Am 25. August 1792 wird Rouget von den Regierungskommissaren seines Amtes enthoben, weil er gegen die Internierung Dietrichs protestiert hatte.

Nach der Ausrufung der Republik wird er wieder aufgenommen und kommt zur Nordarmee, jedoch fällt er unter Verdacht, da er seines Amtes als Hauptmann enthoben ist. Er wird verhaftet, zweifelsohne wegen seiner Kritik an der Hinrichtung des früheren Bürgermeisters von Straßburg, und eingesperrt; er verfasst eine Eingabe. Der Tod Robespierres gibt ihm die Freiheit zurück.

Das Dekret des Konvents vom 26. Messidor im Jahre III, das Die Marseillaise als Nationallied wählt, wurde niemals angewandt.

 

livret Marseillaise

 

Obwohl er wieder in die Armee aufgenommen wird, scheidet Rouget de Lisle aus ihr aus, um zur Poesie und Musik zurückzukehren. Am 10. Vendémiaire des Jahres IV werden seine Werke in der Oper und in der Komischen Oper aufgeführt. Bonaparte fordert Rouget auf, ihm ein Lied zu komponieren. Dieses gefällt ihm nicht und wird daher abgelehnt. Rouget schreibt gekränkt einen arroganten Brief an Bonaparte. Er würde dem Empire nie mehr dienen und wird wieder verdächtig. 1812 zieht er in das Haus der Familie nach Montaigu (Jura) und komponiert; 1817 zieht er sich nach Paris zurück und veröffentlicht 1825 eine Sammlung mit fünfzig Französischen Liedern.

Der Herzog von Orléans, der ein Kampfgefährte von Hauptmann Rouget de Lisle war, gewährt ihm drei Renten und bewahrt ihn so vor Bedürftigkeit. Er wird zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Mit siebenundsiebzig Jahren stirbt er in Choisy-le-Roi nicht wissend, dass sein Lied 1879 die französische Nationalhymne werden sollte. Er wurde am Friedhof Choisy-le-Roi beigesetzt, am 14. Juli 1915 wurden seine sterblichen Überreste in den Invalidendom überführt.

Marie-Louise Jacotey - Historikerin

Überführung der sterblichen Überreste von Rouget de Lisle in den Invalidendom - 14. Juli 1915 © BnF, Dist. RMN-Grand Palais / Bild BnF