Auguste Spinner

1864-1939
Porträt von August Spinner in Uniform - 1915. Quelle : Gebührenfreie Lizenz

(Wissembourg, am 14. Juni 1864 - Straßburg, am 1. April 1939)

 

Der heute fast in Vergessenheit geratene August Spinner war eine der markanten Persönlichkeiten im Elsass der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er war zugleich Maler, Dekorateur, Architekt, Spion, Journalist, Soldat und französischer Beamter. Auguste Spinner wurde 1864 in Wissembourg geboren und wurde entscheidend geprägt durch die Schlacht vom 4. August 1870, die seine Geburtsstadt traf. Er wuchs so in der Erinnerung an Frankreich auf, nachdem das Elsass dem wilhelminischen Reich angegliedert worden war. Nach dem Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe übernimmt er in den 1890er Jahren die Maler- und Dekorationsfirma der Familie. Ihm sind insbesondere die Fresken zu verdanken, die sich im Innern des historischen Museums in Haguenau befinden. Er begeistert sich für Geschichte und ist 1905 Mitbegründer des Vereins zur Erhaltung der Altertümer in Weissenburg und Umgebung, deren Kassenwart er wird. Außerdem zeichnet sich August Spinner in dieser Zeit als einer der größten Sammler von Waffen und Uniformen des Elsass aus, und als einer der besten Historiker des Krieges von 1870 im Nordelsass.

Im Übrigen publiziert er 1908 eine der ersten detaillierten Studien zu den Abenteuern des Grafen Zeppelin anlässlich der Affäre vom Schirlenhof, bei der es die beiden ersten Opfer des deutsch - französischen Krieges gab. Ab 1906 setzt er sich für die Errichtung eines Ehrenmals auf dem Geisberg in Wissembourg für die unter dem Befehl von Marschall de Villars (1705-1706), Marschall Coigny (1744), General Hoche (1793) und General Abel Douay (1870) auf dem Feld der Ehre gefallenen französischen Soldaten ein. Er wird sofort von Paul Bourson und allen frankophilen führenden Persönlichkeiten im Elsass der damaligen Zeit unterstützt, und sein Projekt wird 1909 verwirklicht, nach hartnäckigen Verhandlungen mit der kaiserlichen Regierung in Deutschland. Die Einweihung des Denkmals am 17. Oktober 1909 wird zu einer phantastischen profranzösischen Demonstration, bei der über 50 000 Elsass - Lothringer begeistert die von der Stadtkapelle Reichshoffen gespielte Marseillaise singen, während die Vertreter der deutschen Behörden versteinert zusehen. Spinner wird zum Generaldelegierten der Vereinigung Souvenir Français im Elsass gewählt und ist von nun an zugunsten Frankreichs tätig, indem er zur Bildung neuer Sektionen von Souvenir aufruft und die ehemaligen französischen Frontsoldaten von der Krim, aus Italien, Mexiko und aus dem Krieg von 1870 in Vereinen zusammenschließt. 1910 setzt er sich sogar zusammen mit Joseph Sansboeuf, dem Präsidenten des Vereins der ehemaligen Frontsoldaten Frankreichs, und Maurice Barrès dafür ein, dass die französische Nationalversammlung die Gedenkmedaille für den Krieg von 1870-1871 einführt.

Ohne jeden Fanatismus und Chauvinismus organisiert er am 24. Juli 1910 zur vierzigjährigen Wiederkehr des Scharmützels vom Schirlenhof eine der ersten Feierlichkeiten der Geschichte zur deutsch - französischen Versöhnung, indem er auf den Gräbern der beiden ersten Opfer des Konflikts von 1870 einen Teil der Beteiligten dieses Kampfes zusammen führt. Aber angesichts der vielen politischen Prozesse und der Verhaftungen in den frankreichfreundlichen Kreisen, von denen ihm nahestehende Personen wie der Abbé Wetterlé, Hansi, Zislin...betroffen sind, fühlt sich Auguste Spinner bedroht und zieht es im September 1912 vor, nach Nancy ins Exil zu gehen. Allerdings ist er trotzdem immer noch sehr aktiv in dem annektierten Elsass - Lothringen tätig. So ist er an der Gründung des Museums Westercamp in Wissembourg im Jahr 1912 beteiligt, dem er seine Sammlungen vermacht, und er wird Vizepräsident des Souvenir Elsass - Lothringen, das 1913 durch die kaiserlichen Behörden aufgelöst wird. Hansi widmet ihm damals implizit sein Album mit dem Titel "Mon village - Ceux qui n'oublient pas" (Mein Dorf - diejenigen, die nicht vergessen), das zu Weihnachten 1913 veröffentlicht wird und in dem der Vater von Auguste Spinner, Laurent, der in Wissembourg geblieben ist, in der Figur des Nachtwächters verkörpert ist.

Spinner wird zu der damaligen Zeit Agent von Oberstleutnant Albert Carré, der 1913 von dem französischen Oberkommando damit beauftragt wird, in Besançon eine Sammelstelle für Elsässer zu gründen, die im Fall eines Krieges aus der deutschen Armee desertieren würden. Spinner tritt am 28. Juli 1914 als Freiwilliger in die französische Armee ein und wird als Dolmetscher - Offizier bereits in den Führungsstab berufen, bevor die Feindseligkeiten beginnen. Nach einem offenen Brief von Maurice Barrès an den Kriegsminister vom 22. August 1914 wird er damit beauftragt, Elsass - Lothringer unter den deutschen Kriegsgefangenen auszusortieren. Nach der Auszeichnung mit der Ehrenlegion 1915 wird er ab 1916 in den Nachrichtendienst des Generalhauptquartiers berufen. Nachdem er zum stellvertretenden Verwalter der Stadt Wissembourg ernannt wurde, betritt er als erster französischer Soldat die wieder französisch gewordene Stadt am 24. November 1918. Nach seiner Demobilisierung im Jahr 1920 wird er Direktor des Lagers für den in Straßburg hergestellten Tabak und übt wichtige Funktionen im Souvenir Français im Departement Bas Rhin, in der Vereinigung der freiwilligen Kriegsteilnehmer und in anderen patriotischen Vereinen aus. 1935 beendet er seine militärische Karriere als Major - Dolmetscher und Offizier der Ehrenlegion. Als gelegentlicher Mitarbeiter der Zeitschrift L'Alsace Française organisiert er 1934-1935 eine bedeutende Feier zum 25. Jahrestag des Denkmals von Wissembourg. Sie wird von General Gamelin geleitet und vereinigt am 28. Juli 1935 über 75 Generäle elsässischen Ursprungs und mehrere tausend Zuschauer, zu denen auch sein Freund Hansi gehört.

Ende März 1939 wird Auguste Spinner Opfer eines Angriffs und stirbt am 1. April 1939. Ein großartiges Begräbnis wird organisiert, und wie es seinem letzten Willen entspricht, wird sein Sarg in die Trikolore gehüllt, die bei der Einweihungszeremonie 1909 gehisst worden war. Ein Jahr später wird "sein" Denkmal von den nationalsozialistischen Behörden gesprengt, und seine Familie muss ins Exil gehen. Nach der Befreiung sammelt sein Sohn Georges, der Architekt bei der französischen Denkmalpflege geworden ist, ein paar Sandsteinblöcke von dem zerstörten Denkmal, um sie für den Grabstein seines Vaters in Wissembourg zu verwenden. Später wird ein neues Denkmal erbaut und auf dem Geisberg am 13. November 1960 eingeweiht.

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Bibliografie