Die Befestigungsanlagen von Binche

Die Befestigungsanlagen von Binche. Foto der Stadt Binche

Die Befestigungsanlagen von Binche werden auch „das Carcassonee“ der Wallonie genannt…

Mit seinem Mauerwerk aus aufeinander gesetzten Steinen inmitten einer 2,5 km langen Erdböschung, die einem Erdwall gleicht, und den 25 Türmen ist dieses Bauwerk in Binche einmalig in Belgien. Es ist nahezu das einzige, aus dem Mittelalter stammende und noch vollständig erhaltene Bauwerk. Deshalb darf es sich auch stolz das „Carcassonee“ der Wallonie nennen! Lediglich die Tore, fünf Türme und ungefähr 300 m der Böschung sind der Zeit zum Opfer gefallen. Dieses Bauwerk zeigt militärische Architektur aus drei Jahrhunderten.

Binche war ursprüngliche eine kleine Nebenstelle der Pfarrgemeinde von Waudrez, der römischen Stätte Vodgoriacum. Ungefähr im Jahr 1120 erhält die im 12. Jahrhundert gegründete Gemeinde den Stadtstatus. Der Graf von Hainaut lässt dann die südlichen Wohnviertel, auf einem Felsvorsprung liegend und umgeben von dem kleinen Fluss Samme (benannt nach der gleichnamigen Prinzessin) mit einer Bergfried ähnlichen Mauer einfassen. Ab dem 12. Jahrhundert ist die Stadt Binche immer wieder in die Verteidigung der Grafschaft involviert. Diese stützt sich auf die im Besitz des Grafen und des Burgherrn (zitiert in Binche im Jahr 1138) befindlichen Befestigungsanlagen sowie die den Vasallen gehörenden Burgen. Diese Anreihung von mehreren Befestigungsanlagen war strategisch sehr wertvoll. Als landwirtschaftliches Zentrum nimmt die Stadt sehr bald eine bedeutende Rolle in der Herstellung von Leinen ein. Hinzu kommt die Errichtung eines Dekanats.

Im Laufe des 12. Jahrhunderts wird die erste Ringmauer aus Stein erbaut, um den großflächigen Zugang aus dem Norden zu blockieren. Für das Fürstentum Lothringen war dies das erste Bauwerk dieser Art, wo bis zu diesem Zeitpunkt für Stadtmauern eher Boden und Holz zum Einsatz kamen. In Binche sind heute nur noch wenige Überreste der Burg und des Unterschlupfes von Posty erhalten. Die nördliche Festung ist vollständig zerstört. Die Historiker vermuten dieses Fort in etwa auf Höhe der heutigen rue de la Gaieté.

 

Die 1996 vom archäologischen Dienst der Wallonie durchgeführten Ausgrabungen im Park der Burg lassen vermuten, dass der Graf ungefähr im 12. Jahrhundert einen riesigen Palast mit Befestigungsanlagen errichten ließ. Überreste des großen Saals, der Aula und der Kapelle wurden im südlichen Teil der Bergkuppe gefunden. Die Arbeiten an den Befestigungsanlagen nahmen viel Zeit in Anspruch und der architektonische Fortschrift und die Modernisierung der Waffen und Ausstattung war klar erkenntlich: Ende des 14. Jahrhunderts ändert sich die Architektur, um den neuen Artilleriewaffen des Westens, die im Jahr 1320 entdeckt wurden, gerecht zu werden.

In dieser ersten Zeit entspricht die im 14. Jahrhundert errichtete Ringmauer von Binche noch nicht den Ansprüchen dieser neuen Waffen. Die neuen Türme sind weit vorstehend und somit für eine temporäre Verteidigung ausgerichtet. Besonders interessant sind die neuen Mauerwerke durch ihre Bauweise. Die auf Arkaden gestützten Fundamente bieten nicht nur Stabilität, sondern sie stehen auch für einen geringen Materialeinsatz. Dies ist insofern wichtig, weil der Untergrund, ausgenommen der südliche Teil, sehr instabil und häufig sogar sumpfig ist. Diese Bauart findet sich auch in anderen Städten der ehemaligen Niederlande (Lille, Valenciennes, Brüssel, Brügge, Namur usw.).


Ende des 14. Jahrhunderts beginnen die Maurer des Grafen von Hainaut, Thomas Ladart, ursprünglich aus Ath, sowie Noël Camp d'Avaine mit aufwändigen Modernisierungsarbeiten. Es folgen neue Türme mit Wohnbereichen und Öffnungen (Fenster und Schießscharten). Zu Beginn des 15. Jahrhundert ist die Grafschaft Hainaut, die zwar eine neutrale Stellung einnimmt, jedoch zwischen den Fronten der Burgunder, Franzosen und Lütticher liegt, gezwungen, sich ebenfalls zu bewaffnen und die Garnison sowie die Unterschlupfmöglichkeiten zu verstärken. Binche wird somit zum Hauptknotenpunkt, wie z. B. während der Operationen gegen das Fürstentum Lüttich zwischen 1406 und 1408.

Als Jahre später Binche in den Besitz der Burgunder übergeht, ist es eine Befestigungsanlage unter vielen. Die Kanonen werden in die Kurtinen des alten Friedhofs umgezogen. Ein kleiner Turm wird errichtet und mit Kanonen für Feuerwaffen ausgestattet. Trotz seiner fortschrittlichen Artillerie und der Befestigungsanlage ist Binche bis Mitte des 16. Jahrhunderts Teil der Verteidigungsstrategie der Grafschaft Hainaut und der Niederlande und ein wichtiges Zentrum für die Zusammenführung der kaiserlichen Truppen: Die Folge sind zwei Belagerungen in den Jahren 1543 und 1554. Die Belagerung von 1578 führt jedoch endgültig zur Aufgabe der veralteten Verteidigungsanlagen.

Von der alten Straße von Brunehaut nach Maubeuge aus war nur der Glockenturm der Stiftskirche sichtbar, während die restliche Stadt in den Erhebungen des Umlands vollkommen versteckt lag. Auf der Südseite wurden zahlreiche Kanoneneinschläge auf die Schnelle ausgebessert: Verschiedene Zonen, die mit Backsteinen und sonstigen architektonischen Verzierungen (rosenartige Wallanlagen und gotische Gewölbe aus Keilsteinen) sind noch sichtbar.

Der prächtige Renaissance-Palast wurde von dem aus Mons stammenden Architekten Jacques Du Broeucq für die Regentin Marie von Ungarn errichtet. Als Fundament diente die alte mittelalterliche Burg und das neue Bauwerk bot ein wunderbares Ziel für die französischen Kanonen. Das 1554 in Brand gesetzte Bauwerk wird 1578 endgültig zerstört. Ein Renovierungsversuch unter Erzherzog Albert und seiner Ehefrau Isabelle (1599 – 1621) schlägt fehl. Viele Bauelemente werden nach Mons gebracht (Eingangstor) oder sie werden in Binche selbst neuen Zwecken zugeführt.

Im 17. Jahrhundert dient Binche gelegentlich als logistischer Stützpunkt und Manöverzone für Marscharmeen. Die Stadt wurde zwei Mal von den Franzosen eingenommen: Im Jahr 1643 binnen zwei Tagen und dann im Jahr 1654 durch Turenne. Die Stadt geht 1668 für 10 Jahre in den Besitz von Frankreich über. Während des von Ludwig XIV. geführten Feldzug von 1672 – 1674 wird die Stadt zum Knotenpunkt für die Feldarmee. Sämtliche Befestigungsanlagen, die bis zu diesem Datum überstanden hatten, waren Anfang des 18. Jahrhunderts nicht mehr zu retten: Die Kurtinen waren von Kanonen zerschossen, die Türme dem Erdboden gleichgemacht. Ab diesem Zeitpunkt nahm Binche keine weitere Rolle in der Militärgeschichte ein. Die Grenze verlief nun weiter nördlich und die Verteidigung des Gebiets verlagerte sich an die Linie Toumai-Mons-Charleroi.

Im 19. Jahrhundert verliert die Stadt ihre Befestigungsanlagen und wird immer mehr zur Enklave. Im Jahr 1995 startet dank einer Kooperation der EU und der Region der Wallonie in Binche eine groß angelegte Restaurierungskampagne sowie umfassende Ausgrabungsarbeiten unter dem Programm OBJECTIF 1. Dank diesen umfassenden, vom archäologischen Dienst der Region Wallonie zwischen 1995 und 1999 durchgeführten Arbeiten ist es gelungen, die Stadtentwicklung zu erforschen und die Burgen der Stadt zu neuem Leben zu erwecken.

 

 

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  • Die Stadt Binche im 16. Jahrhundert. Quelle: Album von Croÿ

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