„Operation Leopard“

Sous-titre
Eine humanitäre Intervention – Kolwezi 17. Mai - 16. Juni 1978

Parade des 2. Fremdenregiments der Fallschirmjäger (REP) in Lubumbashi © ECPAD

Im Rahmen der Einhaltung der mit anderen Ländern abgeschlossenen Verteidigungs-, Kooperations- oder Assistenzabkommen verpflichtet sich Frankreich, außerhalb seiner Grenzen einzugreifen. So verfügt es 1978 über eine Eingreiftruppe von 20.000 Mann, die aus der 11. Fallschirmjägerdivision (11. DP), der 9. Marine-Infanteriedivision (9. DIMa.) sowie See- und Luftstreitkräften besteht. Die Berufsregimenter der 11. DP werden abwechselnd in Alarmbereitschaft versetzt, die als “Guepard” bezeichnet wird, um ohne Vorankündigung je nach Bedarf entsandt zu werden.

Corps 2

Kolwezi fällt am 13. Mai. Die Rebellen beginnen sofort mit ersten Plünderungen und Massakern. Tags darauf ruft General Mobutu die internationale Gemeinschaft zu Hilfe: die USA wollen sich nicht engagieren; Belgien zögert.

Gleichzeitig wird Paris vom französischen Botschafter André Ross und dem Leiter der französischen Mission zur militärischen Unterstützung, Oberst Gras, über die Ereignisse informiert. Sie ersuchen die französische Regierung mehrmals einzugreifen, um die Massaker zu beenden. Zur gleichen Zeit wendet sich die belgische Gemeinde Shaba, die wegen ihrer Sicherheit beunruhigt ist, in gleicher Weise an Belgien.

Oberst Gras ist unter Zugzwang und bringt General Mobutu dazu, Verbände des 311. Fallschirmjägerbataillons, das von französischen Ausbildern geschult wurde, zu entsenden, um die Brücke von Lualaba zu halten, die der einzige Übergang zwischen Shaba und dem restlichen Land ist.

Die Lage in Kolwezi verschlimmert sich jedoch weiter. Während sich die Übergriffe der Rebellen mehren, wird die militärische Lage immer konfuser: Mobutu versucht erfolglos, die Stadt mit den verbliebenen Verbänden des vor Ort abgesetzten 311. Fallschirmjägerbataillons zurückzugewinnen; die Verbände desselben Bataillons, die bereits entsandt wurden, um die Brücke von Lualaba zu halten, gehen über ihr Ziel hinaus und nehmen den Flughafen von Kolwezi ein.

Obwohl es schwierig ist, die genaue Zahl der katangischen Kräfte zu bestimmen, scheint ein Überraschungsschlag durch die Ankunft mehrerer Hundert Fallschirmjäger in der Stadt erfolgreich zu sein. Präsident Giscard d'Estaing beschließt daher, eine Fallschirmjägereinheit zu entsenden. Im Mai 1978 wird das 2. Fremdenregiment der Fallschirmjäger (REP), das von Oberst Erulin befehligt wird, in Alarmbereitschaft “Guepard” versetzt. Das Datum dieser Operation ist mit 20. Mai festgelegt.

Der Mörserzug bringt sich in Stellung © ECPAD

Das am 17. Mai in Alarmbereitschaft versetzte 2. REP bricht in der Nacht von 17. auf 18. von Solenzara aus mit einer französischen DC 8 und großen amerikanischen Transportflugzeugen auf und kommt wenige Stunden später in Kinshasa, der Hauptstadt Zaires, mit dem Auftrag an, über Kolwezi abzuspringen, um die Europäer zu retten.

Während die Belgier immer noch an der Notwendigkeit eines Eingreifens zweifeln, fangen die Streitkräfte Zaires eine Nachricht der Rebellen ab, die darauf hinweist, dass sich diese auf den Abzug aus Kolwezi vorbereiten und die Europäer mitnehmen wollen, nachdem sie die Industrieanlagen zerstört haben. Jetzt muss es schnell gehen. Oberst Gras und Oberst Erulin legen sofort die Details der Operation fest: am nächsten Tag sollen die Legionäre, die mit amerikanischen Fallschirmen ausgerüstet sind und mit fünf Flugzeugen transportiert werden, einer französischen Transall C160 und vier zairischen Hercule C130, in zwei Wellen über Kolwezi abspringen, am frühen Nachmittag und gegen Ende des Tages.

Wachposten in der Peripherie von Kolwezi © ECPAD

Die 1., 2. und 3. Kompanie des 2. REP und ein Teil des Generalstabs der ersten Welle springen über dem verlassenen Gelände eines kleinen Fliegerclubs im Norden der Altstadt mit dem Auftrag ab, diesen Teil Kolwezis zu sichern. Trotz des Widerstandes einzelner Gruppen ist die Lage nach einer Stunde unter Kontrolle.

Die 4. Kompanie des 2. REP, der Hauptkontrollpunkt, der Beleuchtungszug, der Mörserzug und Verbände der Mission zur militärischen Unterstützung der zweiten Welle werden von einer zairischen DC10 nach Kamina gebracht, wo sie von den Flugzeugen, nachdem diese die erste Welle abgesetzt haben, abholt werden sollen. Da sie durch die Ankunft der belgischen Fallschirmjäger, die zur Rückholung ihrer Landsleute in die Heimat nach Zaire geschickt wurden, mit Verzögerung an Bord gingen, werden sie am Morgen des 20. im Osten Kolwezis mit der Aufgabe abgesetzt, die Neustadt und den nördlichen Sektor zu sichern. Die Legionäre übernehmen mit Unterstützung ihrer bereits in der Stadt befindlichen Kameraden die Kontrolle über Kolwezi, um den Preis hitziger Gefechte rund um das Hotel Impala, dem Sitz des Hauptquartiers der Rebellen, und das Krankenhaus.

Am Abend des 20. ist ganz Kolwezi gesichert. Die belgischen Fallschirmjäger treffen gleichzeitig dort ein. Schließlich werden aufgrund der Panik, die von der gesamten weißen Bevölkerung der Stadt Besitz ergreift, alle Europäer in weniger als drei Tagen von den Belgiern evakuiert, vor allem nach Kinshasa.

Belgische Kinder begrüßen die Legionäre, bevor sie evakuiert werden © Fremdenlegion

Die Legionäre sind nun mit dem Schutz einer von der europäischen Bevölkerung geräumten Stadt betraut, deren Straßen mit fast 900 Leichen übersät sind, und wo die zairische Bevölkerung auf Hilfe und Unterstützung wartet. Bei ihren Erkundungen stoßen sie in die Dörfer der Umgebung, wo sich die Katanger gesammelt haben, vor, um sie zum Verlassen des Gebiets zu zwingen. Nach einigen intensiven Kämpfen, vor allem in Kapata oder Luala, ziehen sich die Rebellen bald nach Angola zurück, wobei sie große Mengen ihres Materials zurücklassen.

Die Bilanz der Operation ist traurig: aufseiten der Soldaten 5 Tote und 20 Verletzte im 2. REP, 6 Vermisste bei der französischen Militärmission, 1 Toter aufseiten der belgischen Fallschirmjäger, 14 Tote und 8 Verletzte im 311. Zairirischen Fallschirmjägerbataillon und schließlich 250 getötete und 160 gefangene Katanger. Aufseiten der Zivilbevölkerung werden ca. 120 Europäer getötet und mehr als 2.000 gerettet. Fast 500 zairische Zivilisten und Soldaten wurden getötet. Zahlreiche schwere Waffen und mehrere Hundert Gewehre werden eingesammelt.

Afrikanische Streitkräfte aus Marokko, Gabun, der Elfenbeinküste, Senegal und Togo, die von Frankreich ausgerüstet und von den Amerikanern nach Lubumbashi transportiert werden, lösen Mitte Juni 1978 die Franzosen in Shaba ab.

Im Juni übergeben die Franzosen die Aufgabe an die afrikanischen Streitkräfte © ECPAD

Auch wenn die Operation “Leopard” die Sicherheit in Zaire wiederherstellt, dauert es mehrere Jahre, bis die Region Shaba, insbesondere Kolwezi, zu einer Wirtschaftstätigkeit zurückfindet, die mit jener vor der Krise von 1978 vergleichbar ist.

Nach Ende der Operation in Kolwezi sind zwei Schlussfolgerungen zu ziehen: auch wenn die Mittel für die Verlegung französischer Streitkräfte über große Entfernungen unzureichend sind, erweisen sich die Luftlandeoperationen und andere, die von professionellen Truppen durchgeführt werden, als äußerst effizient. Der Professionalisierungsprozess der Streitkräfte, der bereits begonnen hat, beschleunigt sich mit der Schaffung der schnellen Eingreiftruppe (FAR) im Jahr 1983 und ab 1997 mit dem Übergang in ein Berufsheer.

  • Plan de Kolwezi © Ministère de la défense/SGA/DMPA/Joëlle Rosello
  • © Ministère de la défense/SGA/DMPA/Joëlle Rosello
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