Präsenz Frankreichs in Indochina

Hauptmann Borbal-Combret (in der Mitte), Offiziere der 2. Kompanie des 3. Infanterieregiments Tonkins und Soldaten aus Tonkin in Lang-Nac in der Nähe von Bac-Ninh. Das Bild stammt aus einer Reihe weiterer alter Aufnahmen über das französische Indochina aus den Archiven der ECPAD. Dezember 1885. Quelle: ECPAD – Sammlung Oberst Laroche
Le capitaine Borbal-Combret (au centre), des officiers de la 2e compagnie du 3e régiment de tirailleurs tonkinois et des soldats tonkinois à Lang-Nac près de Bac-Ninh. Décembre 1885. Source : ECPAD – collection colonel Laroche

Die Verbindungen zwischen Frankreich und Indochina bestehen bereits seit Anfang des 17. Jahrhunderts, als Jesuiten-Missionare nach Fernost aufbrachen, um weitere Anhänger zu begeistern. Ihr Anführer Mgr Pigeau de Béhaine genoss hierbei großzügige Unterstützung durch Kaiser Annam Gia Long in Annam. Der von den militärischen Beratern Frankreichs ernannte Kaiser gilt als Begründer von Vietnam zu Ende des 17. Jahrhunderts und seine Dynastie regierte das Land bis 1955.

Corps 1

Der Aufschwung des Imperialismus zu Beginn des 18. Jahrhunderts trug wesentlich dazu bei, dass es den europäischen Kräften gelang, direkt oder indirekt Afrika, Asien und Ozeanien einzunehmen. In seinem Bestreben, die Missionare und die verfolgten Katholiken zu schützen, schaltete sich Frankreich in Indochina und zwischen 1858 (auf Initiative von Napoleon III) und 1883 in China ein.

Tonkin-Feldzug. Alte Karte. Quelle: SHD

Annan und Tonin werden nach heftigen Kämpfen besetzt, während Cochinchine zwischen 1863 und 1867 zur französischen Kolonie erklärt wird.

Die Verteidigung von Tuyen Quan. Quelle: SHD

Die Eroberung gestaltete sich äußerst schwierig. Die Folge waren heftige und regelmäßige Revolten, die mit Nachdruck niedergeschlagen wurden.

Gruppe von Mandarin. Quelle: SHD

Frankreich wird von der lokalen Elite gestützt. Obwohl an Mandarin und den Schriftzeichen als traditionelles Kulturgut festgehalten wurde, waren auch viele Menschen begeistert von der französischen Kultur und dem Grundgedanken der französischen Revolution, d.h. Freiheit, Gleichheit und nationale Unabhängigkeit. Auf diese Grundwerte stützten die Menschen in Indochina ihre Hoffnungen, insbesondere in Annam, Tonkin und Cochinchine, den Protektoraten und der französischen Kolonie, die das heute Vietnam bilden.

Karte der Kriegsschauplätze in Indochina. Quelle: MINDEF/SGA/DMPA

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Durch die Beteiligung der Infanterie und der Arbeiterschaft Indochinas wurde im Krieg von 1914 - 1918 ein Prozess in Gang gesetzt, der bis heute anhält. Die Reaktionen Frankreichs waren äußerst brutal. Mehrere Herrscher von Annam wurden abgesetzt und die Niederschlagung im Jahr 1930, gefolgt von einem heftigen Aufstand der Infanterie in Annam in der Region Yen Bay hinterließ furchtbare Spuren.

Infanterie von Annam. Saïgon. Quelle: SHD

Die Niederlage Frankreichs im Jahr 1940 wirkte sich unmittelbar auf die Besitzverhältnisse in Indochina aus. Japan, dessen Krieg gegen China ins Stocken geraten war, verlangt von der Vichy-Regierung nach einem Kräftemessen in der Region von Langson die Aufgabe der Miltärbasen. 1941 ist Indochina vollständig von der japanischen Armee besetzt, woraufhin die Franzosen gezwungen sind, trotz des Siegs von Frankreich in Koh Chang die Grenzen zu Gunsten Thailands neu festzulegen. Die inzwischen deutlich kleinere Armee Frankreichs in Indochina bleibt dennoch vor Ort, obwohl das französische Ansehen so stark gelitten hat, dass es sich nicht mehr von dem Schaden erholte. Während Admiral Decoux Indochina gemäß den Anweisungen der Vichy-Regierung regiert, entstehen dennoch insbesondere in den schwer zugänglichen Regionen Widerstandsbewegungen, bestehend aus einer Minderheit von Soldaten sowie französischen Zivilisten. Die Einwohner Indochinas, insbesondere Vietnams, spalten sich. Während ein Teil der Nationalisten auf Japans Seite stehen, versuchen andere Gruppe, allen voran die Kommunisten, eine nationale Widerstandsgruppe gegen die Alliierten aufzubauen. Ausgehend von der Kommunistischen Partei Indochinas organisiert Ho-Chi-Minh die nationale Liga unter dem Namen Viet-Minh (1941).

Ho Chi Minh. Quelle: Licence Creative Commons.

Während sich Japan immer noch im Krieg mit China befindet, greift das Land im Dezember 1941 auch die USA sowie seine alliierten Partner Großbritannien und die Niederlande an. Um einen Gegenschlag zu verhindern, greifen die Japaner am 9. März 1945 auch Soldaten und Zivilisten Frankreichs an. Der Überraschungsmoment, die Brutalität sowie das grauenhafte Vorgehen des japanischen Angriffs führen zu einer nahezu vollständigen Zerstörung der administrativen und militärischen Mittel Frankreichs und Indochinas. Hauptmann Jean d'Hers zählte ebenfalls zu den Todesopfern dieses Angriffs und ihm wurde postum von General de Gaulle das Verdienstkreuz für die Befreiung verliehen.

Jean d'Hers. Quelle: Museum des Ordre de la Libération

Franzosen, die den schrecklichen Massakern entkommen waren, sowohl Militärs als auch Zivilisten, wurden in Lagern wie z. B. Hoa-Bihn gefangen gehalten, die unter der grausamen Leitung von Kempetaï standen.

Corps 2

Die Niederlage Japans lässt nicht lange auf sich warten, dennoch gelingt es Frankreich nicht, das in Mitleidenschaft geratene Ansehen zu retten und seine Stärke in Fernost zu behaupten. Während Indochina im September 1945 im Süden von den Engländern und im Norden von den Chinesen besetzt ist, beginnt langsam die Entwaffnung der japanischen Truppen und Ho-Chi-Minh ruft die Unabhängigkeit der Republik Vietnam aus. In diesem Zusammenhang landen die ersten Truppen des französischen Expeditionskorps in Fernost und unterstehen dem Kommando von General Leclerc.

General Leclerc in Saigon, Oktober 1945. Quelle: ECPAD

Während Leclerc weiter nach Vietnam vordringt und sich die militärischen und Handelsoperation nahtlos mischen, entsteht ein instabiles Gleichgewicht in Indochina. Am 6. März 1946 wird mit Ho-Chi-Minh eine provisorische Vereinbarung getroffen.

General Leclerc, Ho Chi Minh und Sainteny, 6. März 1946. Quelle: ECPAD

Obwohl Leclerc nachdrücklich auf die Einhaltung der Bedingungen drängt, ist die Vereinbarung nicht von langer Dauer. Am 19. Dezember 1946 brechen die Feindseligkeiten erneut aus. Die Ansichten Frankreichs sind nahezu unverändert. Das Feindbild, das diesen “schmutzigen Krieg” rechtfertigt, wird geschürt. Die französischen Truppen setzen sich zusammen aus Berufssoldaten sowie hochrangigen und engagierten Militärs der Reserve Indochinas, die mutig in den Kampf ziehen. Einigen von ihnen gelingt es, sich an die neuen und schwierigen Gegebenheiten des Krieges anzupassen. Die Mehrheit jedoch und auch das Kommando verfolgen die Strategien eines klassischen Krieges. Sie stehen jedoch einem Gegner gegenüber, der mit Guerilla-Methoden kämpft und versucht, mit allen Mitteln das Volk für sich zu gewinnen. Diese Vorgehensweise soll den Feind zermürben und seine Kräfte aufzehren, indem ein vollkommen unsicheres Klima geschaffen wird, das äußerst demoralisierend ist und später vom Gegner bei entscheidenden Operationen zum Vorteil genutzt werden kann.

Kampf gegen die “Banden” der Viêt-Minh, Säuberung des Mekong-Deltas durch die Fallschirmjäger der Halbbrigade des SAS-Stoßtrupps, März 1947. Quelle: ECPAD

Im Kalten Krieg wird Indochina somit in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung in Fernost gerückt. Frankreich versucht kontinuierlich, sich an die neue Situation anzupassen und bittet die USA um finanzielle und technologische Unterstützung. Als Gegenleistung bestehen die USA auf ein Einstellen der französischen Aktivitäten. Gleichzeitig werden verschiedene Versuche unternommen, die Unabhängigkeit wiederherzustellen, um die Viet-Minh durch Entzug ihrer wichtigsten Position handlungsunfähig zu machen. Frankreich nimmt zu diesem Zwecke die Verhandlungen mit dem ehemaligen Kaiser von Annan, Bao-Daï, auf. Die 1948, 1949 und 1950 unterzeichneten Verträge führen zur Gründung des unabhängigen Staates von Vietnam, angeschlossen an die französische Union. Diese Verträge gelten gleichermaßen auch für Kambodscha und Laos.

Aus militärischen Motiven versuchen die Franzosen, dem Gegner die Führung sowie das Kommando abzunehmen. Insbesondere Operation Lea im Jahr 1947 verfolgt dieses Ziel, doch trotz dem Mut und den verfügbaren Mitteln fiel das Ergebnis nur mäßig aus. 1949 gewinnen die chinesischen Kommunisten unter Mao Zedong gegen die Nationalisten Chinas. Es folgt die Unterdrückung der Viet-Minh, indem eine logistische Basis geschaffen wurde, in der ein modernes Kampfkorps der Viet-Minh vorbereitet wurde.

Anzeige. Quelle: SHD

Gleichzeitig setzt de Lattre auf eine aufrichtige Propaganda in Richtung USA, um die finanziellen Mittel und die Waffenunterstützung der Amerikaner sicherzustellen. Ziel ist die politische und militärische Stärkung des Expeditionskorps durch die progressive Errichtung einer nationalen vietnamesischen Armee.

De Lattre stirbt am 11. Januar 1952. Sein Nachfolger General Salan übernimmt das militärische Kommando und auch ihm gelingt es, die Viet-Minhs in Schach zu halten, insbesondere in den Positionen von Na San und Seno. Im März 1953 startet jedoch General Giap, Kommandant der Viet-Minh-Truppen, einen Angriff auf das laotische Hochland, mit dem Ziel, den Mekong und Cochinchine einzunehmen. Um einen weiteren feindlichen Vormarsch in dieser Region zu verhindern, entscheidet sich der neue Kommandant Navarre am 20. November 1953 zur Besetzung von Dien Bien Phu.

General de Lattre de Tassigny, Hochkommissar von Frankreich und Kommandant in Indochina mit der so genannten Gardes montagnards in Begleitung von Bao Daï, späterer Kaiser von Annam und Staatschef von Vietnam. Januar 1951. Quelle ECPAD

Das französische Kommando geht davon aus, dass die Viet-Minh keinesfalls im Besitz moderner Kampfwaffen sind, mit denen eine Einnahme des Kessels möglich sein könnte. Es wird weiterhin angenommen, dass der Feind aufgeben und sich zurückziehen wird. Anfang 1954 beginnt der mühselige Transport von Waffen und Nachschub sowie schwerer Artillerie. Das Korps ist eingekesselt. Am 13. März befiehlt Giap den Angriff gegen Dien Bien Phu. Jeder einzelne Stützpunkt wird zum Kampfplatz und einer nach dem anderen wird von den Viet-Minhs eingenommen. Die Kämpfe gehen am 7. Mai 1954 zu Ende. Die letzten Überlebenden der 11.000 bis 15.000 Mitglieder des eingekesselten Expeditionskorps werden in Gefangenschaft genommen und unter verheerenden Umständen untergebracht.

Aus rein militärischer Sicht spielt Dien Bien Phu vielleicht keine Schlüsselrolle. Die Folgen für die Menschen, Moral sowie die politischen und psychologischen Auswirkungen sind jedoch unermesslich. Die internationale Konferenz von Genf vereinbart am 21. Juli 1954 die Teilung Vietnams in zwei Staaten. Diese Vereinbarung sollte 1955 in Kraft treten. Am 14. September 1956 verlässt der letzte französische Soldat Indochina.

Errichtung der Position Dominique 2, während der Operation Castor in Diên Biên Phu. Quelle: ECPAD - Sammlung Mauchamp

Die militärischen Verluste Frankreichs werden auf über 47.000 Soldaten geschätzt. Das Memorial in Fréjus wurde zu ihrem Gedenken errichtet, ebenso das Monument in Dien Bien Phu, errichtet von der Vereinigung der ehemaligen Unteroffiziere der Legion.

Die Kriegsgefangenen werden in Vietri mit dem Roten Kreuz ausgezeichnet, 31. Juli 1954. Quelle: ECPAD

Memorial von Fréjus. Quelle: MINDEF/SGA/DMPA