Auf den Spuren des Widerstands in Lyon

 

 

Lyon war eine Hochburg des Widerstands und die Stadt erhielt durch Erlass vom 26. November 1946 den Rosette-Orden verliehen. Weitere Auszeichnungen folgten, z. B. das Ritterkreuz der Ehrenlegion sowie das Kriegsverdienstkreuz mit Palmzweig am 28. Februar 1949.

  • Postkarte der Militärschule für Gesundheit. DR

    Postkarte der Militärschule für Gesundheit. DR

  • Durchgänge zwischen den Häusern.  Quelle: www.iananwendy.com

    Durchgänge zwischen den Häusern. Quelle: www.iananwendy.com

  • Museum für die Geschichte des Widerstands und der Deportation. Quelle: www.lyon-photos.com

    Museum für die Geschichte des Widerstands und der Deportation. Quelle: www.lyon-photos.com

  • Haus von Doktor Dugoujon. Quelle: www.geocities.com

    Haus von Doktor Dugoujon. Quelle: www.geocities.com

 

Am 19. Juni 1940 marschierten die deutschen Truppen erstmalig in die Stadt ein.

Am 22. Juni 1940, nur neun Monate nach verkündeter Kriegserklärung, unterzeichnet Maréchal Pétain den Waffenstillstand mit Deutschland. Frankreich wird in zwei große Hauptzonen unterteilt und die Besatzungskräfte ziehen sich in die Nordzone zurück. Viele können die Niederlage nicht akzeptieren und sind bereit, den Kampf fortzuführen. In dieser Zeit entstanden die ersten Widerstandsbewegungen. Die Aktionen bestanden zunächst in der Verteilung von Flugblättern und Zeitschriften, in denen die Franzosen aufgefordert wurden, sich gegen den Feind aufzustellen. Zu den vielfältigen Untergrundzeitungen zählten Combat, Franc-Tireur, Le Coq Enchaîné, Libération, Cahiers du Témoignage Chrétien, Insurgé. Während die Kämpfe immer härter wurden, nahm auch die Verfolgung der Juden massiv zu. Nachdem die Alliierten am 8. November 1942 in Nordafrika gelandet waren, wurde die neutrale Zone von der Wehrmacht eingenommen.


 

Am 11. November wird Lyon erneut durch die deutschen Truppen besetzt. Obwohl die gesamte Stadt eingenommen war, gelang es den Widerstandskämpfern sich zu vereinigen. Jean Moulin gründet sodann den nationalen Widerstandsrat, woraufhin am 26. Januar 1943 die Mouvements unis de la Résistance in Lyon gegründet wurde. Im selben Jahr entstanden zudem Widerstandsgruppen und Vereinigungen im Norden und Süden, zu deren Mitgliedern auch junge Menschen zählten, die sich dem Arbeitsdienst (Service du Travail Obligatoire (S.T.O.)) verweigert hatten. Nach der Landung der Alliierten nahmen die Massaker dramatisch zu. Häftlinge des Montluc-Gefängnisses werden massenhaft an verschiedenen Orten im Großraum Lyon hingerichtet. Die Widerstandsgruppen schlagen zurück, in Villeurbanne kommt es zum Aufstand und dennoch wird die Stadt nach weiteren zwei Tagen erneut besetzt. Als sich die erste französische Armee der Stadt nähert, veranlassen die Deutschen die Sprengung der Brücken über der Rhone und der Saône. Erst am 3. September wird die Stadt von den unter Befehl von General Brosset stehenden Truppen befreit.


 

Die Pfade der Erinnerung lassen diese geschichtsträchtige Epoche wieder aufleben.


 

Rund um Jean Moulin (Strecke 1)

In der Rue Jean Moulin 1 bis 5 befindet sich eine Gedenkstätte zu Ehren von Jean Moulin. Er wurde im März 1937 zum Präfekten ernannt und war somit der jüngste Präfekt Frankreichs. Als Präfekt von Eure-et-Loir befindet er sich 1939 während dem Einmarsch der deutschen Truppen in Chartres. Am 17. Juni weigert er sich, ein von den Deutschen verfasstes Dokument zu unterzeichnen, in dem die senegalesischen Truppen der französischen Armee zu Unrecht der Massaker an der Zivilbevölkerung beschuldigt werden. Es folgen brutale Behandlungen und Gefangenschaft. Aus Angst vor Bedrohung und der ihm zuteil werdenden Unehre zieht er es vor, sich die Kehle durchzuschneiden. Nur knapp entkommt er dem Tode und wird freigelassen. Kurz darauf erfährt er von der Gründung der Widerstandsbewegung in der Südzone. Er kann London gewinnen und verlangt im Namen der Widerstandsbewegung entsprechende Mittel. General de Gaulle beauftragt ihn mit der Vereinigung der verschiedenen Widerstandsbewegungen und der Gründung einer Geheimarmee der neutralen französischen Streitkräfte, unter seiner alleinigen Befehlsgewalt. General Delestraint wird mit der Führung betraut. Im November 1942 findet die erste Versammlung des Comité de Coordination statt, aus dem dann das Mouvements Unis de la Résistance entsteht. General de Gaulle beauftragt ihn weiterhin mit der Errichtung eines nationalen Widerstandsrats.


 

Während einer Versammlung in Caluire wird Jean Moulin verhaftet. Er wird gefoltert, in Montluc inhaftiert und stirbt während seiner Überführung nach Deutschland. Er war ein wichtiger Teil der Widerstandsbewegung und Bindeglied zwischen dem Widerstand im In- und Ausland. Am 9. Juni 1943 wird General Delestraint, Chef der Geheimarmee im Haus von Doktor Dugoujon verhaftet. Jean Moulin setzt für den 21. Juni eine Versammlung in Caluire an, um die Nachfolge zu regeln. Die Teilnehmer werden jedoch von der Gestapo verhaftet und bis zu ihrer Deportation in Montluc gefangen gehalten.


 

In der ehemaligen Militärschule für Gesundheit (Ecole de Santé) befindet sich heute das Zentrum des Widerstands und der Deportation. An diesen Orten erlitten Männer sowie Frauen grausame Torturen und manche auch den Tod. Wiederum andere wurden in den Kellern erschossen. Das Verhör von Jean Moulin führte der Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie. Barbie gab Moulin ein Blatt Papier und verlangte von ihm, sämtliche Namen zu notieren. Moulin jedoch zeichnete lediglich eine Karikatur seines Peinigers. Am 26. Mai 1945 wurde das Gebäude bei einem Luftangriff der Amerikaner teilweise zerstört. Die Gestapo-Leute kamen bei diesem Angriff ums Leben.


Unterdrückung und Verhaftungen (Strecke 2)

Gefängnis von Montluc (Rue Jeanne Hachette). Nach der deutschen Invasion in der Südzone im November 1942 nutzten die Besatzungskräfte diese Orte als Gefängnis für Widerstandskämpfer, Juden und Geiseln. In der Nähe wurde ein Militärgericht errichtet, das erst im Frühjahr 1944 aufgelöst wurde, nachdem sich die Lage bereits zugespitzt hatte und die Alliierten gelandet waren. Dennoch hörten die Massaker an den Inhaftierten im Großraum Lyon nicht auf. Die meisten Inhaftierungen erfolgten ohne Verurteilung und teilweise wurden die Opfer auch nur nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Hinzu kommen zahlreiche Opfer, die während ihrer Gefangenschaft oder in den Gestapo-Zentralen gestorben sind. Yves Farge, im April 1944 von de Gaulle zum Hochkommissar der Republik für die Region Rhône-Alpes ernannt, gelang es am 21. August, d. h. zwölf Tage vor Befreiung der Stadt, dem deutschen General die Gefängnisschlüssel abzunehmen, wodurch 800 Geiseln gerettet werden konnten. Am 3. September wird Lyon befreit.


Place Bellecour, Der Nachtwächter aus Stein. In der Nacht vom 26. Juli 1944 verübten die Widerstandskämpfer auf das häufig von der Gestapo besuchte Café „Le Moulin à Vent“ ein Attentat. Am nächsten Morgen errichteten die Deutschen eine Straßensperre, um wahllos 5 Männer vor den Augen der Passanten zu erschießen, obwohl sie nicht die Urheber des Attentats waren. Die von den Deutschen zusammengetriebenen Männer waren willkürlich gewählt, ohne Achtung ihres Glaubens, ihrer sozialen Herkunft und ihrem unterschiedlichen Antrieb. Jedoch hatten sie eines gemeinsam - die Befreiung ihres Heimatlandes. Der Nachtwächter aus Stein befindet sich am ehemaligen Platz des Cafés und erinnert an die Massaker in der Region.

Saint-Genis-Laval, Grab der Märtyrer. Am 20. August 1944, nur wenige Tage vor der Befreiung Lyons, holten die Deutschen 120 Gefangene aus dem Gefängnis von Montluc, brachten sie in einen Raum des Fort Côte Lorette und legten ein Feuer. Ungefähr zehn Franzosen haben dabei ihr Leben verloren. In einem großen Grab wurden die sterblichen Überreste der Opfer begraben.

Bron (Avenue Général de Gaulle). Am 15. August 1944 wird der Flughafen von Bron während der Bombardierung durch die Alliierten getroffen und schwer beschädigt. 50 Häftlinge wurden an den Ort des Geschehens gebracht, um die Bombenentschärfungsarbeiten zu erledigen. Nach ihrer abendlichen Rückkehr ins Gefängnis, wurden sie an eine andere Baustelle gebracht, auf der bislang kein Arbeiter arbeitete und sie verschwanden, ohne eine Spur zu hinterlassen. Nach der Befreiung und während der Aufräumarbeiten wurden weitere 109 Kadaver gefunden. Villeurbanne, La Doua. Zwischen Oktober 1943 und Juli 1944 wurden 77 Gefangene vom deutschen Militärgericht zum Tode verurteilt. Vor ihrer Hinrichtung auf dem Schießplatz von Doua war es ihnen gestattet, ein Gespräch mit einem Priester zu führen und einen Brief an ihre Familien zu schreiben.

 

Gedächtnisstätte für die Besatzung im Osten von Lyon (Strecke 3)

Villeurbanne, Grünanlage zum Gedenken an die Deportation. In dieser Grünanlage befindet sich eine Gedenkstätte für die Massenverhaftung von Villeurbannais, durchgeführt am 1. März 1943 von den Deutschen im Viertel Grand-Clément. Von den ins Lager Mauthausen deportierten Verhafteten kehrten 63 zurück. 15 von ihnen starben jedoch innerhalb von vier Monaten nach ihrer Rückkehr. Die Pyramide im Kreisverkehr von Décines zeigt in Richtung Moulin d’Armont. Das Memorial auf der rechten Seite wurde zum Gedenken an vier Mitglieder der französischen Gruppen der Geheimarmee errichtet, die an diesem Platz ums Leben kamen. Vater und Sohn Danvaux sicherten Logistik und Tarnung und boten Unterschlupf für zwei Widerstandskämpfer. Am 24. August 1944 trafen sie sich in einem Versteck in Meyzieux, um ihre Waffen zu holen. Auf dem Rückweg prallte das Auto gegen ein vom Feind errichtetes Hindernis auf der Fahrbahn. Die Insassen, die durch den Aufprall noch nicht gestorben waren, wurden von den Deutschen erschossen.

Bron, neuer Friedhof. Zum Gedenken an die Beamten des staatlichen Nachrichtendienstes – Die französischen Streitkräfte, die um den Flughafen von Bron kämpften, wurden am 17. Juli 1944 von den Deutschen gefangen genommen. Sie starben alle während der Deportation.

Vénissieux, Route de Vienne, Renault Werkstatt. Am 9. August 1944 greifen bewaffnete Widerstandskämpfer die Werkstatt an und jagen die Lkws und Leichtfahrzeuge in die Luft. Die am Tatort ermittelnden Deutschen geraten ebenfalls unter Beschuss. Die Toten werden erst später geborgen. Es handelte sich nicht um die Attentäter, sondern um Häftlinge aus Montluc.

Vénissieux, Place Léon Sublet. Museum für die Geschichte des Widerstands und der Deportation. Die Gebäudefassade ist verziert mit vier Flachreliefs aus Bronze. Sie wurde errichtet zum Gedenken an 94 Widerstandskämpfer, die meisten aus dem Ausland und Mitglieder der Main d'Oeuvre Immigrée und des Bataillons Liberté.

Saint-Priest, Passagierbahnhof SNCF. Die Wand am Bahnsteig ziert eine Gedenkplatte zu Ehren der SNCF-Beamten, die als Widerstandskämpfer starben. Feyzin, 3, Rue du docteur Long. Docteur Long, Mitglied der Widerstandsgruppe Coq Enchaîné, verteilte Flugblätter und Zeitschriften, organisierte Sabotageteams und spionierte Hersteller von Kriegsmaterialien aus, um diese Informationen an die Widerstandskämpfer weiterzugeben. Er wurde jedoch aus seinem Haus geholt und später dort tot aufgefunden. Sein Leichnam trug die Nachricht seiner Mörder: „Terror wird mit Terror bekämpft und dieser Mann bezahlte mit seinem Leben für den Tod eines Nationalisten“.



 

Weg der Widerstandskämpfer (Strecke 4)

Ecke Rue Victor-Hugo und Rue Sala. In diesem Gebäude wurde die Bewegung „France d'Abord“ unter Leitung von Jean Cotton und Oberst Schwazfeld gegründet. Ziel der Organisation ist die Nachrichtenübermittlung per Radio und die Weitergabe von militärischen und zivilen Informationen. Mit der Deportation von Jean Moulin findet dies ein Ende. Jean Cotton ist Assistent von General Delestraint, der seine Aufgabe als Widerstandskämpfer bestens versteht.

Place Bellecour und Ecke Rue Saint-Exupéry. In diesem von der Gestapo und ihren französischen Komplizen besetzten Gebäude wurden die Gefangenen aus Montluc gefoltert. Viele fanden in den Kellern den Tod. Sie starben entweder an den Folgen der anhaltenden Folterungen oder durch einen gewaltsamen Tod.

Place Bellecour und Ecke Rue De Gasparin. In der Nacht vom 26. auf den 27. Juli 1944 kam es im Café „Le Moulin à Vent“ zu einer Explosion (am Ort dieser einstigen Einrichtung befindet sich die bereits erwähnte Statue des Nachtwächters aus Stein). Kurz vor der Schließung am Abend, trafen sich die Widerstandskämpfer und deponierten den Sprengstoff. Üblicherweise war das Café ein bekannter Treffpunkt der Gestapo. Am nächsten Morgen errichteten die Deutschen eine Straßensperre. Ein Auto kann nicht mehr bremsen, fährt in das Hindernis hinein und die fünf jungen Insassen wurden sofort erschossen und drei Stunden lang liegen gelassen. Die Ermordeten waren die vergangenen Wochen im Gefängnis eingesperrt gewesen und konnten somit keinesfalls die Attentäter sein.


Le 9, cours Gambetta. Ort der Versammlung und der Verhaftung von sechs Verantwortlichen der Forces Unies de la Jeunesse, die in Montluc gefangen gehalten und in Gênas erschossen wurden.

Ecke Rue Puits-Gaillol und Rue Romarin. An diesem Ort wurde Antoine Fontlupt ermordet. Er war Organisator von bewaffneten Angriffen, Explosionen von Zügen und die Umleitung eines deutschen Güterwagens der Post.

Au 12, rue Ste-Catherine. Dieser Ort ist eine Gedenkstätte für 80 Juden, die am 7. Februar 1943 verhaftet und in Vernichtungslager deportiert wurden.

Am Place Tolozan befindet sich eine Gedenksäule für Jean Moulin, Gründer des nationalen Widerstandsrats, sowie für André Lassagne, Mitglied der Bewegung Libération und Generalinspekteur für die Südzone im Juni 1943.

In der 14, rue bouteille befindet sich ein Briefkasten, der von den Widerstandskämpfern zum Austausch von codierten Nachrichten diente. Durch die Überwachung der Deutschen wurde dieser Briefkasten jedoch geschlossen und General Delestrain wurde verhaftet.

Durchgang zwischen den Häusern. Diese versteckten Durchgänge zwischen zwei Gebäuden nutzten die Widerstandskämpfer zur Überquerung der Straße, um der Gestapo zu entkommen. Sie dienten außerdem als Paketlager. 

Quelle: MINDEF/SGA/DMPA