Blaise Pagan

1604 - 1665
Blaise François, Graf von Pagan. Autor: Jacques Lubin. Quelle : Wikimedia Commons - gemeinfrei

(Saint-Rémy-en-Provence, 1604 - Paris, 1665)

Der französische Militäringenieur und Lehrer Vaubans, Blaise François Pagan, gründet mit Errard aus Bar-le-Duc und Antoine Deville die erste französische Schule der Kunst des Festungsbaus. Er ist der Autor des Werks "Kunst des Festungsbaus", in dem er die Bastion in den Plan der Festung integriert. Blaise François, Graf von Pagan, wird in Saint-Rémy-en-Provence in der Nähe von Avignon geboren. Seine Familie gehört einem aus Neapel stammenden Zweig des Hauses Luynes an. Er tritt sehr früh als Militäringenieur in die Dienste von Ludwig XIII. ein. Er zeichnet sich 1620 bereits bei der Belagerung von Caen aus, dann in der Schlacht von Ponts-de-Cé, nimmt an den Belagerungen von Saint-Jean-d'Angély und Clérac im Jahr 1621 teil, an der Einnahme von Navarreins und an der Belagerung von Montauban im Jahr 1622, bei der er das linke Auge verliert. Im Jahr 1623 dient er als Ingenieur bei der Belagerung von Nancy. Bei der Belagerung von Suse 1629 wird er berühmt, als er an der Spitze der französischen Truppen die Barrikaden überwindet, die die Stadt umgeben. Während des Dreißigjährigen Krieges arbeitet er mit Deville bei der Belagerung von Corbie, Landrecies und Hesdin zusammen. Er nimmt an der Belagerung von La Rochelle teil, dient in Italien, in der Picardie und in Flandern.

Als er 1642 erblindet, wird er zum Feldmarschall ernannt, beendet seine militärische Karriere und widmet sich im Ruhestand der Mathematik, der Geschichte und der Geographie, der Astronomie und der Kunst des Festungsbaus. Pagan verfasst eine Abhandlung über den Festungsbau, "Le Traité des fortifications" (1645), in der er die Prinzipien des Festungsbaus darlegt. Zu ihnen gehört insbesondere: bei der Planung einer Festung muss man von den vordersten Vorsprüngen für Bastionen ausgehen, um sich dem Gelände am besten anzupassen, denn mit dem Bau von Außenwerken erreicht man eine gute Staffelung der Verteidigung in die Tiefe und kann den Angriff auf die Festung selbst hinauszögern. Die Flanken der Bastionen liegen rechtwinklig zur Verteidigungslinie, um eine gute gegenseitige Flankierung zu erreichen. In dieser Hinsicht unterscheidet er sich von Deville, für den die Bastionen nur vorgerückte, hinzugefügte und isolierte Festungswerke sind, die der Festung später angegliedert werden. Die Verteidigung wird durch eine starke Artillerie erreicht: er sieht bis zu dreißig Geschütze pro Bastion vor, die auf drei Ebenen verteilt sind. Zu den Außenwerken gehört ein Wehrgang mit einem kleinen Exerzierplatz auf der Kontraeskarpe (Prinzip der aktiven Verteidigung). Er sieht den Raum zwischen der Kontergarde und dem Hauptfestungsgürtel als Lagerplatz für die Dorfbewohner der Umgebung vor. Seine Prinzipien bleiben Theorie, werden aber von Vauban in seinem ersten Verteidigungssystem wieder aufgenommen.

Er ist auch Astronom und entwirft eine Theorie der Planeten. Er legt seine Arbeiten dar in den Theoremen der Planeten (1657), den astronomischen Tabellen (1658) und der Natürlichen Astrologie (1659). Der Mathematiker entwirft 1651 geometrische Theoreme. Andere Schriften findet man in dem Bericht über den Fluss Amazonas (1658) und in posthumen Werken (1669). 1652 wird der Graf von Pagan zu acht Jahren Haft in der Bastille verurteilt, weil er sich "damit gebrüstet hat, den König durch Magie zu töten". Er bleibt schließlich bis zu seinem Lebensende dort, vergessen vom König und von Kardinal Mazarin, wie er in seinem letzten Brief vom 28. November 1665 schreibt: "ich bin ein Greis von siebzig Jahren, der immer krank ist. [...] Eure Exzellenz [...] wird eines Tages erfahren, dass man mich schwindsüchtig und erfroren aufgefunden hat; bei diesem Wetter habe ich kein Feuer in meinem Zimmer und kaum etwas anzuziehen. Ich flehe Euch an, sich daran zu erinnern, dass ich seit dreizehn Jahren und zwölf Tagen hier bin und den König, unseren Herrn zu bitten, mich um der Liebe Gottes Willen frei zu lassen, damit ich nach Hause zurück kehren kann".

  • Page extraite de la Théorie des planètes : sistème du monde de Copernic. Source : Gallica.bnf.fr Page extraite de la Théorie des planètes : sistème du monde de Typhon Brahé. Source : Gallica.bnf.fr

  • Eléments de fortification, contenant les principes et la description raisonnée des différents ouvrages qu'on emploie à la fortification des places de Guillaume Leblond. Système du Chevalier de Ville. Système du Comte de Pagan.
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