Das „osmanische Hilfsbataillon“

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Mexiko-Feldzug - 1861-1867

Die Zuaven bei der Belagerung von Puebla (1863) – © Foto RMN-Grand Palais - F. Raux
Die Zuaven bei der Belagerung von Puebla (1863) – © Foto RMN-Grand Palais - F. Raux

Mehrere Jahre der politischen Instabilität und eine Finanzkrise in Mexiko veranlassten dessen Präsidenten Benito Juárez 1861 die Rückzahlung der Kredite bei den europäischen Mächten auszusetzen. Auf diese Ankündigung hin beschlossen die Europäer (Frankreich, Großbritannien und Spanien), die von den durch das liberale Regimes Juarez‘ hart bedrängten Konservativen ermutigt wurden, ein militärisches Eingreifen.

Corps 1

So entsandten die Franzosen, Briten und Spanier ein Jahr vor der Thronbesteigung des Vizekönigs Ismail in Ägypten (später „Khedive“, 1863-1879) Truppen nach Mexiko, um das zu unterstützen, was später als „mexikanischer Wahnsinn“ Frankreichs bekannt werden sollte. Die Angelegenheit sollte sich für Spanien und England schnell erledigt haben, die sich Anfang 1862 zurückzogen.  Aber Frankreich beschloss noch etwas zu bleiben, da Napoleon III. offen seine Ambitionen in Bezug auf Mexiko zeigte. Denn er wollte dort ein lateinisches, katholisches Reich gründen, das den Einfluss der Vereinigten Staaten ausgleichen könnte. Er ernannte Maximilian von Österreich zum Kaiser, der 1864 den Thron bestieg.  Mehr als die Hälfte der französischen Truppen unter dem Kommando von Jurien de la Gravière fiel dem harten mexikanischen Klima zum Opfer. Gravière schlug vor, dass muslimische sudanesische Sklavensoldaten vom Senegal und den Antillen geholt würden, in der Hoffnung, dass diese den Tropenkrankheiten, welche die europäischen Soldaten auf schreckliche Weise dezimierten, besser zu widerstehen vermochten. Daraufhin wandte sich der französische Gesandte in Ägypten mit dem Ersuchen an den Vizekönig Saïd Pascha (1854-1863), leihweise ein schwarzes Regiment abzustellen, das unter französischer Flagge dienen sollte. Am 9. Januar 1863, neun Tage vor dem Tod des Vizekönigs, brach das Militärschiff „Seine“ von Alexandria mit ca. 447 Mann an Bord auf. Das „osmanische Hilfsbataillon“ zählte 4 Kompanien unter dem Kommando des Offiziers Yarbit-Allah. Das Bataillon bestand aus ägyptischen Offizieren und Soldaten, die im Sudan (damals ein ägyptisches Protektorat) und in Nordägypten gedient hatten.

 

Expedition nach Mexiko, unter dem Kommando von Jurien de la Gravière (L'Illustration, 1862).

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Nach 44 Tagen Schifffahrt legte das Kontingent in Vera Cruz an, ohne jene, die während der Überfahrt einer Typhusepidemie erlegen waren. Das ägyptische Bataillon wurde dann dem Kommando des französischen Befehlshabers Mangin des 3. Regiments der Zuaven unterstellt. Algerische Soldaten wurden herangezogen, um die Sprachbarriere zu überwinden und die Kommunikation zu erleichtern. Nachdem das ägyptische Bataillon mit neuen französischen Gewehren ausgestattet worden waren (jene aus Ägypten entsprachen nicht den Anforderungen), wurden die Männer zwischen dem Hafen Vera Cruz und dem Vorposten Soledad umgruppiert. Ihre Aufgabe bestand darin, den Bau der Eisenbahn zu beschützen. Die Umgebung von Vera Cruz war jedoch einerseits durch Guerilleros und anderseits durch Banditen unter dem Befehl des mexikanischen Nationalisten Pablo Juarez (1806-1872) äußerst unsicher. Bewaffnete Kämpfe brachen aus, während eine Gelbfieber- und Ruhrepidemie das Bataillon um mehr als die Hälfte dezimiert hatte. Trotz allem siegte General Elias Frédéric Forey beim Angriff vom 10. Juni auf die Stadt Mexico und rückte weiter nach Tlalixcoyan vor, wo sich Juarez und seine Männer zusammengeschlossen hatten. An der Seite von Forey befanden sich 80 Mitglieder der ägyptischen Infanterie, die „keine Kämpfer sondern Löwen waren“, wie es der französische Kommandant beschreibt.

 

„Freiwillige aus Martinique und Soldaten des ägyptischen Bataillons“, signiert Henri Boisselier, nach einer Zeichnung, die damals in Illustration erschienen war.

 

Gleichzeitig erhielt Juarez, der damals zum Nationalhelden erkoren wurde, finanzielle und diplomatische Unterstützung von den Vereinigten Staaten, die dagegen waren, dass sich ein europäisches Kaiserreich in der Nachbarschaft einrichtete. So führte das französische Ersuchen beim Khediven Ismail (der seinen Onkel Saïd Pascha an der Spitze des ägyptischen Königreichs ersetzte) um die Anwerbung zusätzlicher ägyptischer Bataillone zu einem heftigen Protest durch die amerikanische Regierung, unter dem Vorwand, dass „dies die schwarze Bevölkerung in Amerika“ erhöhen würde.

Der Krieg zog sich in die Länge, die finanziellen Folgen begannen die französische Regierung zu belasten. Dazu kam noch ein beispielloser Widerstand auf dem Staatsgebiet, sodass sich die Franzosen von den mexikanischen Angelegenheiten aufgrund der preußischen Bedrohung (Bismarck) abwandten. Napoleon III. zog sich also aus dem Land zurück und ließ seinen Verbündeten Maximilian im Stich, der am 19. Juni hingerichtet wurde, nachdem Juarez zum Präsidenten Mexikos gewählt worden war.

 

Kaiser Maximilian I.

 

Die 326 Überlebenden des mexikanischen Bataillons verließen Mexiko im Jahre 1867 und fühlten sich auf ihrem Rückweg während ihres Zwischenaufenthalts in Saint-Nazaire dank der im Zuge des Mexiko-Feldzugs erworbenen Französischkenntnisse sehr wohl. Am 9. Mai 1867 schritt Kaiser Napoleon III. in Begleitung von Shahin Pascha, dem Oberbefehlshaber der ägyptischen Armee, persönlich das ägyptische Bataillon ab, als es Paris passierte. 56 Männer wurden von der Ehrenlegion ausgezeichnet und Mohammed Almaz erhielt das Verdienstkreuz aus den Händen des Kaisers selbst. Die demobilisierten ägyptischen Kämpfer wurden zwei Wochen später von der jubelnden Bevölkerung Alexandrias begrüßt und am 26. Mai vom Vizekönig Ismail bei einem Ehrenbankett im Palast Ras al-Tin geehrt. Almaz wurde damals zum Oberst ernannt und der Rest der Truppen gemeinsam befördert.

 

Ausgangsartikel in Englisch

Verteidigungsministerium/DPMA/SDMAE/BAPI - Geschäftsstelle für Pädagogik und Information - Redaktion: Vaea Heritier