Detaillierte Beschreibung der Operation Anvil-Dragoon

Karte der Landung in der Provence.
Karte der Landung in der Provence. Foto DMPA

Operation Anvil-Dragoon (Codename der Landung in der Provence), Tag X: 15. August 1944

Corps 1

Bericht von General de Lattre de Tassigny (Auszüge)


Am heutigen Tag sollen drei Divisionen des 6. amerikanischen Armeekorps, unterstützt durch unsere afrikanischen Kommandos und die korsischen Seestreitkräfte, zwischen Toulon und Nizza in der Gegend von St. Tropez, St. Raphael landen. Dann, ab dem nächsten Tag, 16. September, wird die erste Staffel der französischen Armee landen und, die amerikanische Seite links überholend, nach Marseille und Toulon vorrücken, die beiden Molen des deutschen Widerstandes an der Mittelmeerküste.


Unvergessliches Schauspiel bei Taranto und Brindisi, Ajaccio und Bastia, Oran und Algier, hunderte von Schiffen treffen zusammen, um eine Armada von über 2.000 Schiffen zu bilden, die zu den gewählten Landungspunkten steuert. Am 16. um 17 Uhr ist Land in Sicht (…) Eine Stunde später, trotz der Bombardierungen der deutschen Luftwaffe, gehen die ersten Truppen an Land, und die Landung setzt sich ohne Unterbrechung unter dem Schutz der Flugzeugabwehr des Konvois fort.

Corps 2


Der Plan der Operation sieht den Beginn des Angriffs auf Toulon erst 15 Tage nach der Landung vor, sobald die beiden ersten Staffeln der französischen Armee, die Artillerie und die nötige Munition eingetroffen sind.


Jedoch muss schon am 18. August (…) eine Entscheidung getroffen werden. (…) Toulon wird also sofort angegriffen, quasi im Galopp, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln. 16.000 Männer, 30 Panzer und einige Batterien sind im Einsatz. Auf der Gegenseite verfügen die Deutschen über 25.000 Soldaten und Marinesoldaten, die sich in den befestigten Bauwerken verschanzen, ausgestattet mit automatischen Waffen und 250 Kanonen in unserem größten Kriegshafen. (...).


Von diesem Zeitpunkt an attackieren unsere Truppen während fünf erbitterten Tagen und Nächten von allen Seiten den Feind mit immer heftiger und häufiger werdenden Angriffen und drängen ihn schließlich zur Kapitulation. (...). Am 26. besetzen wir die Stadt Toulon. Am Mittag des 27. kapituliert Admiral Rufuhs, der sich mit seinem Generalstab und 2.500 Elitesoldaten sowie 340 mm Marinekanonen auf die Halbinsel Saint-Mandrier zurückgezogen hatte, bedingungslos. Aber am 20. August brachte mich die Entwicklung der Schlacht von Toulon zu der Entscheidung, die Aktion ohne weiteres Zögern in Richtung Marseille fortzusetzen. Es geht darum, die bereits erlangten Erfolge zu nutzen und vor allem die deutschen Befehlshaber daran zu hindern, Verstärkung von Marseille nach Toulon zu schicken. Deshalb stoßen die marokkanischen Tabor im Kielwasser der 1. DB und der 3. DIA, die bereits auf der Route des Maures unterwegs sind, in Richtung Aubagne vor.


Wie eine Springflut verstärken sich nun die Manöver rund um Marseille. Die Stadt wird am 22. erreicht.


Schon seit drei Tagen ist der nationale Aufstand in der Stadt ausgebrochen, die FFI haben die Strassen befreit, indem sie tapfer den Feind in seine Stützpunkte zurückgetrieben haben.

Am 23. August wagen die algerischen Truppen der 3. DIA und die Panzer der 1. DB einen Vorstoß bis zum alten Hafen und unterstützen den Widerstand. General Monsabert, dem ich am 21. diesen zweiten Kampfschauplatz in der Provence anvertraut hatte, richtet sofort seinen Befehlsstand im Zentrum Marseilles ein. Währenddessen gehen die Gefechte weiter. (...)


Am 28. August folgt der Epilog: der deutsche General Schaeffer, Kommandant des befestigten Bereichs von Marseille, lässt auf dem Fort Saint-Nicolas die weiße Fahne hissen und ergibt sich mit dem Rest seiner Truppen. So wurde Toulon, das Hauptziel der Operation der alliierten Streitkräfte in Südfrankreich, innerhalb von 6 Tagen erobert und Marseille, das ursprünglich erst zwei Monate nach der Landung angegriffen werden sollte, fiel gleichzeitig innerhalb von 8 Tagen: die Schlacht in der Provence wurde 60 Tage vor dem vorgesehenen Termin gewonnen.”



Die Streitkräfte der Landung in der Provence


1 - Landstreitkräfte


1) Die 7. US-Armee unter General Patch stellt das Expeditionskorps in Südwestfrankreich für die Operation Dragoon.


Es umfasst:

- das VI. Korps der amerikanischen Armee (General Truscott) mit 3 Divisionen: 3., 36. und 45. amerikanische Infanteriedivision

- eine angloamerikanische Luftlandedivision


2) Die 1. Französische Armee (General de Lattre de Tassigny), zusammengesetzt aus:

- fünf Infanteriedivisionen

- zwei Panzerdivisionen

- zwei GTM (marokkanische Kolonialinfanterie)

- allgemeine Reserveeinheiten, die keiner Division angehören: eine Kommandogruppe, ein Stoßtrupp, Reserve-Panzereinheiten, Fallschirmjägereinheiten


Insgesamt: 11 alliierte Divisionen, davon 2 Panzerdivisionen und eine Fallschirmjägerdivision, bestehend aus 350.000 Männern, davon 230.000 der französischen Armee.




2 - Seestreitkräfte


Die Seestreitkräfte bilden die “Naval Western Task Force”, bestehend aus 2.120 Schiffen unter dem Befehl des amerikanischen Admirals Hewitt; die Hilfsstreitkräfte stehen unter dem Befehl von Konteradmiral Davidson.


1) 250 Kriegsschiffe:

5 Panzerkreuzer (davon 1 französischer, “La Lorraine”)

10 Geleitflugzeugträger (8 englische, 2 amerikanische)

25 Kreuzer (davon 8 französische: ”Duguay-Trouin”, ”Emile-Bertin”, ”Georges-Leygues”. ”Gloire”, ”Montcalm” und drei leichte Kreuzer)

109 Torpedoboote und Geleitschiffe (darunter 5 französische Torpedoboote von 1.500 Tonnen und ca. 15 kleine Schiffe).


(Zum ersten Mal seit 1940 stellen die französischen Schiffe mit 34 Stück eine bedeutende Streitkraft dar, aufgeteilt in mehrere Divisionen und Staffeln. Sie stehen unter dem Oberbefehl von Konteradmiral Lemonnier). 2) 600 Transporter und 1.270 Landungsboote verschiedener Bauart. Insgesamt: 2.120 Schiffe.




3 - Luftstreitkräfte


Sie bestehen aus:


- die “Mediterranian Allied Air Force” (MAAF) unter dem amerikanischen General Ira Eaker, die aus insgesamt 1.900 Flugzeugen besteht:

- Unterstützungsflugzeuge der VII. amerikanischen Armee,

- Tactical Air Command für den Mittelmeerraum,

- strategische Streitkräfte, die an diesem Kriegsschauplatz zur Verfügung stehen;

- die auf den Flugzeugträgern der Flotte stationierten Flugzeuge: 200 Flugzeuge.


Die französischen Luftstreitkräfte wurden in Afrika unter dem Befehl von General Bouscat, Generalstabschef der Luftwaffe und von General Valin, dem stellvertretenden Generalstabschef der Luftwaffe, aufgerüstet.


Innerhalb der “MAAF” stellen sie:

- 6 Truppen von Jagdfliegern und Jagdbombern

- 4 Truppen von mittleren Bombern

- 1 Aufklärungstruppe

Quelle: MINDEF/SGA/DMPA

  • Carte du débarquement de Provence. Photo DMPA