Die Akten der LVF und der Légion tricolore

Im Juni 1941, nach Auslösung der Operation Barbarossa (22. Juni 1941) fordern die kollaborierenden Parteien den Zusammenschluss mit dem ”Kreuzzug gegen den Bolschewismus” in Russland. Um dieses Ziel zu erreichen, gründet sich am 6. Juli 1941 die Legion der Freiwilligen Frankreichs (LVF). Nach ihrem Beitritt zu dieser Organisation kämpfen ungefähr 6.000 Franzosen in deutschen Uniformen. Die Archive der Nachrichtendienste helfen dabei, die Funktionsweise dieser Struktur besser zu verstehen.

Corps 1

Die am 6. Juli 1941 in Paris auf Initiative der kollaboristischen Bewegung gegründete Legion der Freiwilligen Frankreichs gegen den Bolschewismus (LVF) ist eine Vereinigung, die die Rekrutierung eines Freiwilligenkorps organisiert, um an der Seite der Achsenmächte in Russland zu kämpfen.

Die LVF: ein einfaches Infanterieregiment

Die Kandidaten, identifiziert über eine Verzeichnisnummer, werden vom Zentralkomitee der Legion der Freiwilligen Frankreichs (LVF) erfasst. Die ersten treffen am 25. August in Versailles ein. Beim Eintreffen erhalten sie zunächst eine Identifikationsnummer, erst dann folgt die Eingliederung. Bis August 1944 werden ungefähr 13.400 Freiwillige registriert. Wenn man berücksichtigt, dass weniger als 6.000 Kandidaten als fähig eingestuft wurden, fällt es eher schwer, die exakte Anzahl der in Versailles registrierten Freiwilligen zu bestimmen. Dies liegt daran, dass ein Großteil der Freiwilligen zwei oder drei Mal erschien, das Prozedere dreimal wiederholt wurde und jedes Mal eine neue Nummer vergeben wurde. Insgesamt reduziert sich dieses Korps auf ein Infanterieregiment der Wehrmacht mit der Nr. 638 (IR 638).

Am 22. Juni 1942 formt sich die LVF zur Légion tricolore (LT) um, eine Vereinigung konform mit dem Gesetz des 1. Juni 1901. Ziel dieser Vereinigung ist es, die IR 638 in eine größere Kampftruppe einzugliedern, die dann an der Ostfront und den französischen Kolonien in Übersee gegen die Truppen des Commonwealth und des Freien Frankreichs zum Einsatz kommen sollte. Diese Umwandlung ist kennzeichnend für das Eingreifen des französischen Staates. Das Gesetz Nr. 704 vom 18. Juli, vervollständigt durch den Erlass vom 16. September, garantiert die Vorteile, die von der neuen Legion und seinen Mitgliedern zugesagt worden waren. Durch diese neue Faktenlage können sich Mitglieder der aktiven Armee engagieren, was zum Aussetzen der Waffenruhe führte. Darüber hinaus kann ihr Engagement nun auch vertraglich geregelt werden.

Corps 2

Die Freiwilligen der Légion tricolore treffen in Guéret (Creuse) zusammen, wo ihnen eine Identifikationsnummer zugewiesen wird, die von der in Versailles vergebenen Nummer abweicht. Dies führt zu großer Verwirrung, da viele der neuen Freiwilligen direkt von Versailles kommen, ohne in Guéret Halt zu machen, und die deutschen Militärbehörden nicht beurteilen können, wer von der Umwandlung betroffen ist.

Die Operation Légion tricolore endete somit mit einem Misserfolg. Praktisch diente sie lediglich als kleine Ausbildungsschmiede für die IR 638. Das am 17. Januar 1943 verkündete Gesetz Nr. 1113 vom 23. Dezember 1942 verkündigt ihre Auflösung, die zugesagten Vorteile für die von der Regierung verpflichteten Männer bleiben aufrechterhalten. Praktisch nahmen die Verpflichtungen zur LT jedoch erst am 16. Februar 1943 ein Ende, als das Zentrum von Guéret vorübergehend dem Militärischen Verwaltungsbüro (BAM) der LVF weichen muss, das aus diesen Überbleibseln entstand. Nach Juli 1942 waren nahezu 1.400 Identifikationsnummern zugewiesen worden.

Der letzte Schritt erfolgt durch Gesetz Nr. 95 vom 11. Februar 1943, das die LVF als gemeinnützige Organisation anerkennt. Doch obwohl sie militärisch mobilisiert wurden, haben die Freiwilligen nicht den legalen Status von Soldaten. Am 16. April 1943 wird die Kaserne von Guéret zum Ausbildungszentrum für Kader (CIC) der LVF, das dann im Juli nach Montargis (Loiret) verlegt wird. Die dem BAM und dann dem CID zugewiesenen Identifikationsnummern sind in derselben Höhe wie die der LT, deren Zahl bei nahezu 2.500 lag. Zwischen Februar 1943 und August 1944 werden ungefähr 1.100 neue Nummern vergeben.

Die Akten der SHD

Das zentrale Archiv des französischen Verteidigungsministeriums (SHD) besitzt vier alphabetisch geordnete Akten (siehe Dokumente 1 bis 4), die alle während des Krieges angelegt wurden. Sie bieten erstmals die Gelegenheit, den statistischen und soziologischen Aspekt dieser Frage ernsthaft zu durchleuchten. Allerdings nur im Ansatz, denn diese Akten sind leider unvollständig. Weiterhin führt die riskante Verfassung mancher Akten zu gewisser Verwirrung, sofern man mit dem Thema nicht gut vertraut ist.

Zwei Akten stammen aus den Archiven der Nachrichtendienste:

Die erste umfasst mehrere Akten verschiedener Herkunft und sie betrifft hauptsächlich Freiwillige, die in Versailles rekrutiert wurden sowie, jedoch nicht ausschließlich, auch diejenigen, die während ihrer Vorstellung abgelehnt wurden. Im Allgemeinen enthalten die Akten die vollständigen persönlichen Daten des Interessenten, seine Verzeichnisnummer sowie seine in Versailles zugewiesene Identifikationsnummer (wobei es nicht immer einfach ist, diese beiden letzten Nummern eindeutig zu unterscheiden).

Die zweite Akte ist homogen und enthält die Freiwilligen, die in Versailles für fähig eingestuft wurden, einschließlich ihrer Identifikationsnummer und persönlichen Daten, die sich auf den Namen reduzieren; dies zeigt die Unvollständigkeit, insbesondere bei den Buchstaben L bis Z.

Zwei andere Akten beschäftigen sich mit Freiwilligen, die in Guéret und später in Montargis rekrutiert wurden oder mit denjenigen, die eine Verpflichtungserklärung unterzeichnet haben, jedoch nur in Versailles vorsprachen, was vom Staatssekretariat für Verteidigung Frankreichs verfügt wurde.

Eine Akte gibt Auskunft über die persönlichen Daten und die in Guéret oder Montargis zugewiesene Identifikationsnummer (ohne Nummer der Freiwilligen, die bereits bei der IR 638 eingeschrieben waren oder die direkt nach Versailles geleitet wurden, um eine Verpflichtungserklärung zu unterzeichnen).

Vierseitige Akten des Nachrichtendienstes stimmen mit der vorherigen Akte überein, allerdings sind die Daten wesentlich vollständiger.

Éric Lefèvre

Experte für Militärgeschichte des Zweiten Weltkriegs

und der deutschen Besatzung

WEITERE INFORMATIONEN

Die Akten über die LVF sind unterteilt in die Unterserie GR 28 P 12.

  • Fiche de Charles Ferment. Fichiers LVF. Recto. © SHD

  • Fiche de Charles Ferment. Fichiers LVF. Verso. © SHD

  • Fiche de Ernest Estel. Fichiers LT. © SHD

  • Fiche de Raymond Beddelen. Fichiers LVF. © SHD

  • Fiche de René Voulet. Fichiers LT. © SHD