Lettre d'information

Gedenken an Camerone oder aus der Quelle des Kampfgeistes schöpfen

Die Fremdenlegion gedachte am 30. April 2019 des 156. Jahrestages der Schlacht von Camerone. Der Festakt des 1. Regiments der Fremdenlegion in Aubagne wurde vom Oberkommandierenden der Landstreitkräfte, General Jean-Pierre Bosser, geleitet. © Marco Fioril

Die alljährliche Gedenkfeier für das Gefecht von Camerone ist für die Fremdenlegion ein wichtiges Ereignis. Bei diesem Gefecht am 30. April 1863 standen sich 60 Mann der Kompanie Danjou des 1. Regiments der Fremdenlegion und 2.000 Mexikaner gegenüber. Es nimmt einen zentralen Platz in der Welt der Legionäre ein und ist ein bevorzugter Zeitpunkt für die Gemeinschaft der Legion, um ihren Zusammenhalt zu bekräftigen und zu festigen.

Corps 1

Das feierliche Gedenken an diesen Kampf inmitten der zu diesem Anlass eingeladenen Bevölkerung bedeutet vor allem, gemeinsam diese glorreichen Toten zu ehren. Es ist aber auch eine Bekundung ihres Einsatzes für die Werte, die durch das gemeinsame Handeln dieser Handvoll Männer vermittelt werden. Und schließlich ist es auch ein Anlass, bei dem vor allen die Verbundenheit mit den individuellen Werten erklärt wird, die von jedem Legionär der Kompanie von Hauptmann Danjou bekundet werden; sie sind moderne Helden für die Ausländer, die heute die Waffen Frankreichs tragen. Die Heldentaten der Legionäre machten diese Schlacht zur Legende über jene, die die Gefechte mit einem verhängnisvollen Schicksal in strategische Siege verwandeln, weil das Verhalten der beteiligten Soldaten sogar den Begriff des militärischen Nutzens überstieg: der unbändige Siegeswille und die Opferbereitschaft überwogen daher den Ausgang der Schlacht und riefen bis in die feindlichen Ränge Respekt hervor. Camerone ist im Moment seines Gedenkens eines der Fundamente dieser Truppe, die von Soldaten aus fast 150 verschiedenen Nationalitäten gebildet wird..

Erhellung der Gegenwart und Zukunft

Als Grundstein der Identität der Legionäre gibt die Schlacht von Camerone dem gemeinsamen Handeln der Legionäre einen Sinn. Ihr zu gedenken vermittelt die Identität und Erinnerung, die deshalb jedoch nicht in der Vergangenheit erstarrt ist. Jedes Jahr steht ein besonderer Schwerpunkt im Vordergrund, um das Weltgeschehen aufzugreifen, in dem sich die Fremdenlegion weiterentwickelt. Diese enge Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart begründet seit 156 Jahren genauso nachdrücklich die Relevanz dieser Gedenkfeier. Eine solche Kontinuität lässt sich nicht verordnen, sondern hat sich vielmehr im Laufe der Zeit durchgesetzt, wie Armeegeneral Olié 1962 schrieb: „Als Napoleon III. beschloss, den Namen Camerone auf die Fahnen der Fremdenlegion zu schreiben, dachte er wahrscheinlich nicht, dass er damit mehr tat, als einen unbekannten Kampf zu verewigen, aber er besiegelte gleichzeitig die traditionelle Charta dieses Korps.“

Von allen Werten, welche das Gedenken an diesen Kampf beinhaltet, sind zwei zu nenen, die für die als Fremde dienenden Soldaten besonders wichtig sind: die Selbstaufopferung und das Versprechen. Denn der Großmut und der freiwillige Dienst der Männer, die im Zentrum dieser Schlacht stehen, ist in jeder Hinsicht vorbildlich: Hauptmann Danjou, der spät für diese unbekannte Mission bestimmt wurde, übernimmt selbst das Kommando der 3. Kompanie. Er wird von Offizieren unterstützt, die sich ihm spontan anschließen. Der freiwillige Einsatz dieser Anführer findet sich im Eid der Legionäre, bis zum Tod zu kämpfen, wieder. So wurde das Schicksal der Kämpfer von Camerone besiegelt, die vom Willen, ihre Aufgabe zu erfüllen, in höchstem Maße beseelt waren und durch die Kraft des Versprechens ihren Eid erneuerten, Frankreich in Ehre und Treue zu dienen. Auch heute noch erinnert ihre Geschichte jeden Legionär an den Wert seines eigenen Wortes und die geforderte Loyalität gegenüber dem Land, das ihn aufnimmt.

 

2019_Camerone

Der Festakt des 1. Regiments der Fremdenlegion am 30. April 2019 in Aubagne, geleitet vom Oberkommandierenden der Landstreitkräfte, General Jean-Pierre Bosser, umfasste vor allem
die Verleihung der Achselschnur in den Farben des TOE-Kreuzes (Kriegskreuz für Schauplätze von Auslandsoperationen) für die Fahne und die Soldaten des 1. Regiments der Fremdenlegion. © Marco Fiorillo/Landstreitkräfte/Verteidigung

 

Die Vorbildlichkeit der Kämpfer von Camerone hervorheben

Der Mut der Veteranen von Camerone ist mehr als nur ein Beispiel: Er durchdringt den Kampfgeist der Einheiten der Fremdenlegion. Die Heldentat von Camerone unterstreicht vier wesentliche Eigenschaften des Kämpfers: den Willen zur Erfüllung der Aufgabe unter Lebensgefahr, wenn es sein muss, die sorgfältige Ausführung, die Waffenbruderschaft und die Weigerung, Verletzte und Gefallene zurückzulassen. Hauptmann Berg erstattete nach der Schlacht folgendermaßen Bericht an Oberst Jeanningros, der das 1. Regiment der Fremdenlegion befehligte: „Herr Oberst, die 3. Kompanie des 1. Fremdenregiments ist tot, aber sie hat genug getan, dass man über sie sagen kann: Sie hatte nur gute Soldaten.“ Ein guter Soldat zu sein, der Nachkommenschaft der Legionäre von Camerone anzugehören und im weiteren Sinne jener von allen, die vor und nach ihnen gekämpft haben, bedeutet, einer Devise der Fremdenlegion treu zu sein: More Majorum, nach Art der Vorfahren. Das bedeutet, des Opfers der 40.000 Legionäre würdig zu sein, die seit 1831 auf dem Feld der Ehre gefallen sind. Das bedeutet, Frankreich die Garantie zu bieten, dass die Legion ihrem Ruf als solide, belastbare, loyale und opferbereite Kampftruppe treu bleibt.

Das Gefecht von Camerone bildet für die Fremdenlegion immer noch dieses feste Fundament, auf dem sie nach und nach einen Großteil ihrer Identität, ihrer Werte und manche ihrer Mythen aufgebaut hat. Aus der Quelle des Kampfgeistes gestaltet dieses lebendige Erbe den Einsatz der Legionäre und bekommt am 30. April, dem Tag seiner Gedenkfeier, eine besondere Bedeutung. Daher wird jedes Jahr überall, wo sich Legionäre befinden, dieser Schlacht gedacht, ob sie nun zu Tausend in der Garnison sind oder zu zehnt an einem abgelegenen Posten fern der Heimat.

In Aubagne, wo sich das Hauptquartier der Fremdenlegion befindet, kann niemand gleichgültig bleiben, wenn die Legionäre, Veteranen und Aktive, die von ihresgleichen als besonders tapfer ausgewählt wurden, feierlich den heiligen Weg hinaufschreiten und dabei die Hand von Hauptmann Danjou tragen. In diesem Augenblick, während die Zeit stillzustehen scheint, zeigt sich der Sinn des Einsatzes der Legionäre und setzt sich durch, wobei er in jedem Bewusstsein die Basis für zukünftige Siege oder kommende Ereignisse wie in Camerone schafft.

 

Brigadegeneral Denis Mistral - Kommandant der Fremdenlegion.