Gegen den Nationalsozialismus - Widerstandskämpfer in Deutschland

Hermann Goering, Martin Bormann et Bruno Loerzer dans les décombres de la salle de conférence de la Wolfsschanze, à la suite de l'attentat du 20 juillet 1944 contre Hitler.
Hermann Goering, Martin Bormann und Bruno Loerzer in den Trümmern des Konferenzraumes in der Wolfsschanze, nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Quelle: Deutsches Bundesarchiv. (Staatliche Archive Deutschland)

Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Deutschland war weder eine Einzelaktion noch eine Massenbewegung.

Vielmehr handelte es sich um eine kleine Minderheit Deutscher, Männer und Frauen aus allen politischen Lagern und allen sozialen Schichten oder religiösen Gruppen, die allesamt gegen Hitler kämpften und entweder im Exil oder in Konzentrationslagern landeten und oftmals auch den Tod fanden.

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Reichstagsbrand, Berlin, 27. Februar 1933. Quelle: akg-images



Betrachtet man den deutschen Widerstand, so muss klar sein, dass es sich weder um Einzelaktionen noch um eine Massenbewegung handelte.

Obwohl sicher ist, dass im Widerstand Menschen aus allen politischen Lagern und allen sozialen Schichten oder religiösen Gruppen vertreten waren, so kann ihre exakte Anzahl auch nach 60 Jahren nicht mit Sicherheit benannt werden.

Die juristischen Verfahren sind die Hauptquellen, um gewisse Schätzungen zu wagen. Es handelt sich hierbei um Dokumente aus den Zeiten des Nationalsozialismus sowie um Aufzeichnungen aus den Nachkriegsjahren, aus denen ersichtlich ist, welche Bürger der damaligen BRD oder DDR eine Entschädigung oder eine rechtmäßige Neuansiedelung forderten. Doch trotz einer Schätzung von 150.000 bis 500.000 Widerstandskämpfern erscheint diese Zahl sehr gering in Anbetracht der Tatsache, dass vor Kriegsausbruch die Bevölkerungszahl des Deutschen Reichs mit 70 Millionen angegeben wird.

Die ersten Bürger, die von der Unterdrückung zu spüren bekamen, waren die politischen Gegner der Nationalsozialisten. Die Verfolgung von Kommunisten begann mit der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933. Bereits drei Wochen später wurden die SA (1) und die SS (2) zur Hilfspolizei Preußens ernannt. Dennoch erreichten die Kommunisten einen Tag nach dem Reichstagsbrand und nach dem Erlass des Befehls vom 28. Februar zum Schutz des Volkes und des Staats bei der Wahl am 8. März 1933 stolze 12,2% der Wählerstimmen.

Da sie während der ersten Versammlung des neuen Reichstags nicht zugegen waren, entfielen 43,9% der Stimmen auf die Nationalsozialistische Partei (NSDAP), weitere 11,2% auf das Zentrum (Partei der Katholiken), sowie 8% auf die Deutschnationale Volkspartei (DNVP). Diese Verteilung war für Hitler ausreichend, um das “Ermächtigungsgesetz” mit einer zwei Drittel Mehrheit zu beschließen. Dieses Gesetz hob die Grundrechte der Weimarer Verfassung auf und war bis 1945 gültig. Die Sozialdemokraten, die beim Wahlgang am 8. März 18,2% der Stimmen auf sich vereinen konnten, stimmten gegen dieses neue Gesetz und wurden somit zum nächsten Ziel der Nationalsozialisten.

Die Partei gründete im Mai 1933 einen vom Ausland aus agierenden neuen Vorstand, den so genannten SOPADE, der zunächst von Prag und später von London aus agierte. Nach der Unterzeichnung des Staatsabkommens zwischen Hitler-Deutschland und dem Vatikan am 20. Juli 1933 in Rom gab das Zentrum sämtliche politischen Aktivitäten auf. Dieses Datum war der politische Wendepunkt, indem alle politischen Aktivitäten außer der Nationalsozialistischen Bewegung als illegal galten und bei jeglichem Widersetzen mit unverzüglichen Sanktionen zu rechnen war. Dennoch ist die Linke in dieser prekären und schwierigen Situation nicht bereit, die zurückliegenden Streitigkeiten zu vergessen.

Die Rivalität zwischen den Kommunisten und den Sozialdemokraten macht es der Gestapo leicht, jeglichen Widerstand im Keim zu ersticken. Dasselbe gilt für die weniger zahlreichen Gegner aus den rechten Parteien sowie der Partei des Zentrums. Am 30. Juni 1934 werden sie in der Nacht der langen Messer, auch bekannt als Röhm-Putsch, entweder verhaftet oder ermordet. Im Oktober 1934 organisieren sich Teile der Protestanten unter dem Namen Bekennende Kirche.

Die Vorschläge bezüglich der Auswanderung der Deutschen stoßen auf tauben Ohre.

Die Akzeptanz des Regimes durch die Masse der deutschen Bevölkerung, die politischen Erfolge der Nationalsozialisten in der Wirtschaft und im sozialen Bereich sowie auch in der Außenpolitik (Wiedereingliederung des Saarlands in das Deutsche Reich 1935, Annullierung von immer mehr Artikeln der Verträge von Versailles sowie die Neueinführung des Militärdienstes am 16. März 1935, Unterzeichnung eines Flottenabkommens mit Großbritannien am 18. Juni 1935 sowie der erneute Einmarsch ins Rheinland am 7. März 1936) machten es für die Widerstandskämpfer schwer, weitere Mitstreiter zu finden.


Weder die Sowjetunion noch Frankreich oder Großbritannien wollen die Warnungen der deutschen Auswanderer hören, die sich im Hotel Lux in Moskau, im Hotel Lutétia in Paris oder später in Prag oder London versammelten. Auch die im Untergrund organisierten Reisen nach London und Paris im Jahr 1937 des ehemaligen Bürgermeisters von Leipzig, Carl Goerdeler, einer der Anführer der konservativen Gegner in Deutschland, lieferten keine Ergebnisse. Einer von Goerdelers Vorschlägen hatte zum Inhalt, die Ausgangslage vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges wiederherzustellen. Jedoch waren die alternativen Vorschläge der konservativen Elite weder für die Briten noch für die Franzosen überzeugend.

Während dem Anschluss bzw. der Annexion Österreichs im März 1938 war die Ausgangslage für den Widerstand in Deutschland wenig aussichtsreich. Die meisten Kämpfer, sofern sie sich nicht ganz aus der Politik zurückgezogen hatten, befanden sich in Konzentrationslagern oder im Exil im Ausland. Bereits zwei Monate später änderte sich jedoch im Mai 1938 durch die Sudetenkrise alles. Hitler war fest entschlossen, das vor hohen politischen und militärischen Amtsträgern des Reichs am 5. November 1937 vorgestellte Programm auch umzusetzen.

Als Stabschef der Bodentruppen gründet General Beck eine neue Gruppe aus Offizieren und hochrangigen Staatsfunktionären, die mit allen Mitteln einen weiteren Weltkrieg verhindern wollten. Ziel dieser national-konservativen Elite war es, Hitler aufzuhalten, sobald er es wagen sollte, die Tschechoslowakei anzugreifen. Unter dem Druck von Hermann Göring, zweiter Mann im 3. Reich, Konstantin von Neurath, ehemaliger Außenminister sowie Joseph Goebbels, Propagandaminister, ändert Hitler jedoch in letzter Minute seinen Entschluss und akzeptiert den Vorschlag Mussolinis, eine Viererkonferenz in München abzuhalten.

Die Unterzeichnung der Münchner Konferenz im September 1938 markiert das Ende der ersten Verschwörung gegen Hitler. General Beck reicht seine Kündigung ein und sämtliche Mitglieder der Gruppe stellen ihre Aktivitäten ein.

Im Winter 1939/1940 ergibt sich während der Vorbereitung des Angriffs auf Frankreich eine weitere Gelegenheit. Dieses Mal ergreift General Hans Oster als Leiter der Zentralabteilung der Abwehr die Initiative. Die Idee, sämtliche Widerstandskämpfer über den bevorstehenden Angriff gegen Frankreich und Belgien in Kenntnis zu setzen, schlug jedoch fehl: Ohne von Osters Aktionen zu wissen, verschob Hitler den Angriff, wodurch Oster als Informant unglaubwürdig wurde. Der Zusammenbruch Frankreichs im Sommer 1940 ließ die Gegenwehr im Militär erneut einschlafen.

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Attentatversuche und Widerstandsgruppen


Deutsche Briefmarke zum Gedenken an den 100. Geburtstag von Georg Elser (2003). Quelle: Deutsches Bundesarchiv. Staatliche Archive Deutschland



Der Widerstand gegen Hitler war jedoch nicht nur in Elitekreisen zu spüren. Das Attentat gegen die Brauerei Bürgerbräu-Keller am 8. November 1939 in München war die alleinige Aktion eines einzigen Mannes. Die vom Schmied Georg Elser selbst erbaute Bombe verfehlte ihr Ziel, da Hitler den Ort bereits früher als geplant verlassen hatte. Aufgrund der Wirksamkeit des Angriffs war sich die Gestapo zunächst sicher, dass Georg Elser Hilfe aus dem Ausland hatte. Nur wenige Wochen später und dank weiterer Aktionen entstand ein gewisser Geist des Widerstands in Deutschland.

Aufräumarbeiten nach dem Bombenattentat gegen Hitler im Keller der Brauerei Bürgerbräu, München, 8. November 1939. Quelle: Deutsches Bundesarchiv. Staatliche Archive Deutschland

In Folge von Masseninhaftierungen Anfang der 30er Jahre begann sich die Opposition in Deutschland in anderen Formen neu zu organisieren.

Es entstanden immer mehr links- wie auch rechtsorientierte kleine Gruppierungen. Das Engagement im Kampf gegen das Naziregime nahm mit Kriegsausbruch am 22. Juni 1941 und durch die Judenverfolgung immer größere Ausmaße an. Doch trotz der Aktionen der Roten Kapelle (eine Gruppe hochrangiger Funktionäre um Harro Schulze-Boysen, Offizier der Luftwaffe), der Gruppe Baum (Netzwerk der Juden in Berlin), der Weißen Rose (Studentenbewegung, die von Sophie und Hans Scholl in München gegründet wurde), den Edelweißpiraten in Köln und der Swing-Jugend in Hamburg (von jungen Menschen gegründete Protestbewegungen), um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen, handelte es sich dennoch immer noch nur um eine Minderheit der Deutschen.

In Anbetracht der Lage in Frankreich und weiteren in Europa besetzten Ländern muss stets klar sein, dass es für einen Deutschen nicht einfach war, sich für den Widerstand zu entscheiden. Widerstand bedeutete nicht nur, sich gegen das eigene Land, sondern auch, sofern notwendig, sich gegen seine Landsleute zu stellen. Der Kampf gegen die eigene Regierung, selbst wenn es sich dabei um ein kriminelles Regime handelte, galt als Hochverrat und wurde mit der Höchststrafe geahndet. Diese Problematik stand auch im Mittelpunkt der ab 1942 durch Helmuth James Graf von Moltke und seinen Leuten in Kreisau, Niederschlesien organisierten Debatten (Kreisauer Kreis). Die Notwendigkeit, das gesamte Führungsteam (Hitler, Himmler, Göring) auszuschalten sowie die Legitimität eines Aufstands des Gewissens stellte sich nicht nur für die hochrangigen Funktionäre als Problem dar, sondern insbesondere auch für die Soldaten, die Hitler persönlich unterstellt waren.

Nur wenige Tage vor der Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad, am 8.Januar 1943, entstand ein erster Kontakt zwischen General Beck, Carl Goerdeler und dem Kreisauer Kreis. Um das Attentat ausführen zu können, war ein Helfer im engsten Umkreis von Hitler von Nöten, da dieser sich immer mehr in sein Hauptquartier zurückzog. Die Wahl fiel auf Leutnant Henning von Tresckow, Leiter des Generalstabs der Armeetruppen des Zentrums an der Ostfront. Er war in den von den Deutschen im Osten besetzten Gebieten Zeuge der Gräueltaten der Einsatzgruppen (3) geworden und entschlossen zu handeln. Dennoch sind alle Attentatsversuche auf Hitler fehlgeschlagen.

Inhaftierungen, Deportationen und Todesurteile

Währenddessen blieb auch die Gestapo nicht inaktiv. Nach der erfolgreichen Zerschlagung des Abwehrkreises um General Oster im Sommer 1943, werden Anfang 1944 erst sein Vorgesetzter, Admiral Canaris und dann Graf Helmuth James von Moltke ausgeschaltet. Die Zeit drängt immer mehr, doch jeder Fehlschlag hat eine Änderung und Anpassung der Pläne zur Folge.

Während der Landung der Alliierten am 6. Juni 1944 ist es fast schon zu spät. Leutnant Claus von Stauffenberg, der die Nachfolge angetreten hatte, zählt zu den wenigen Verschwörern, die bis zu Hitler vordringen konnten. Leutnant von Tresckow, der sich an der Ostfront befindet, verlangt von seinem Freund den entscheidenden Schlag. Er nimmt sogar einen Fehlschlag in Kauf, nur um wenigstens der Welt zu beweisen, dass es in Deutschland auch eine andere Gesinnung gab.


Doch auch dieses Attentat unter dem Decknamen Walküre schlägt am 20. Juli 1944 fehl. Während zahlreiche Akteure festgenommen werden, erkennt die Gestapo zu ihrer Überraschung, dass es sich nicht um ein Komplott weniger ambitionierter und dummer Offiziere handelte, von dem auch Hitler ausging und dies in einer Radioübertragung in der Nacht vom 20. Juli 1944 so bekannt gab. Stauffenberg und seine Mitstreiter aus der Bendelerstraße unterhielten nicht nur Kontakte mit der konservativen Elite (Carl Goerdeler, Ludwig Beck, Helmuth James Graf von Moltke), sondern auch zu nahezu allen anderen Widerstandsgruppen Deutschlands.

Hermann Goering, Martin Bormann und Bruno Loerzer in den Trümmern des Konferenzraumes in der Wolfsschanze, nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Quelle: Deutsches Bundesarchiv. (Staatliche Archive Deutschland)

Die Gestapo findet im Hauptquartier der Bodentruppen in Zossen entsprechende Dokumente, woraufhin Hitler die Wiederaufnahme sämtlicher Verfahren befahl und zahlreiche Menschen festnehmen ließ. Während dieser Aktion Gewitter wurde die Mehrheit der Widerstandskämpfer und oft auch Mitglieder ihrer Familien inhaftiert.

In den folgenden Monaten kommt es zu einer fürchterlichen Rache Hitlers: Dutzende von Widerstandskämpfer werden vor Gericht gestellt und durch den Vorsitzenden des Volksgerichtshofes, Roland Freisler zum Tode verurteilt. Unter ihnen befanden sich auch Gefangene in Gefängnissen oder Konzentrationslagern wie z. B. Flossenbürg, wo auf Befehl des SS-Reichsführers Heinrich Himmler eine Vielzahl Inhaftierter kurz vor der Befreiung der Lager hingerichtet wird. Nach Kriegsende ist der deutsche Widerstand im wahrsten Sinne des Wortes kopflos.




Anmerkungen:

(1) SA (Sturmabteilung): Paramilitärische Organisation, Sturmangriffstruppe, gegründet im Namen der Nationalsozialistischen Partei, die Angst und Schrecken in ganz Deutschland verbreitete.

(2) SS (Schutzstaffel): Als paramilitärische Organisation unterstützte die SS immer mehr die SA. Sie war verantwortlich für die Gewährleistung der inneren Sicherheit von Nazi-Deutschland, der besetzten Gebiete sowie für die Erhaltung der Ordnung in den Konzentrationslagern.

(3) Im Juni 1941 gründen die Sicherheitspolizei des Reichs sowie die militärischen Behörden Deutschlands die so genannten Einsatzgruppen. Diese Einsatzgruppen werden mit der Massentötung von Juden in den neu eroberten Ostterritorien beauftragt. Zwischen Juni 1941 und Ende 1943 sind sie verantwortlich für die Tötung von über 1,3 Millionen Menschen.

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