Guy Môquet

1924-1941
Portrait von Guy Môquet. Quelle: SHD

 

Guy Môquet wird am 26. April 1924 in Paris geboren. Als Schüler am Lycée Carnot erwacht in ihm früh eine Leidenschaft für die Politik und er entscheidet sich, als sein Vater Prosper Môquet, Mitglied der Eisenbahnergewerkschaft und kommunistischer Abgeordneter verhaftet wird, in dessen Fußstapfen zu treten. Als ehemaliger Kämpfer im Ersten Weltkrieg tritt Prosper Môquet (1897-1986) in die Eisenbahngesellschaft SNCF ein, in der er aktiv für eine einheitliche Föderation der Eisenbahner kämpft. Seit 1926 ist er Mitglied der Kommunistischen Partei (PCF) und 1936 wird er als Abgeordneter gewählt. Trotz der Auflösung der Kommunistischen Partei Frankreichs im Jahre 1939, verfolgt er die Linie der Partei weiter und verrät den deutsch-sowjetischen Pakt vom 23. August 1939 nicht. Er beteiligt sich an der Bildung der Französischen Arbeiter- und Bauerngruppe. Nachdem er mit 43 anderen Abgeordneten dieser Gruppe im Oktober 1939 verhaftet wird, muss er im Januar 1940 sein Mandat einbüßen. Anschließend wird er wie seine Kameraden im April zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Im März 1941 deportiert man ihn mit anderen kommunistischen Abgeordneten in das Straflager Maison-Carrée in Algerien. Im Februar 1943 nach der Ankunft von General De Gaulle in Algier wird Prosper Môquet befreit, nach dem Krieg hat er weitere Posten als Abgeordneter inne.

Nach der Verhaftung von Prosper, waren Guy, seine Mutter Juliette und sein kleiner Bruder Serge nach Bréhal in der Manche geflohen. Er kehrt allein nach Paris zurück und engagiert sich mit vollem Eifer zusammen mit den heimlich sich reorganisierten jungen Kommunisten. Er verteilt Flugzettel und klebt Plakate, die die Politik der Partei verkünden, sogar noch nach dem Einfall der Deutschen in Paris am 14. Juni 1940 und der Proklamation des Französischen Staates am darauf folgenden 10. Juli. Zur gleichen Zeit unterhält er einen Briefwechsel mit seinem Vater, für dessen Befreiung er sich engagiert einsetzt. Im November richtet er dazu ein langes Gedicht in Alexandrinern an Edouard Herriot, den Präsidenten der Assemblée Nationale, im folgenden ein Auszug: [align=center] "Ich bin junger Franzose und ich liebe mein Vaterland In meiner Brust schlägt das Herz eines Franzosen, das bittet und fleht, man möge ihm seinen Vater zurückgeben, ihn, der mit soviel Tugend für unser schönes Frankreich gekämpft hat".[/align] Am 13. Oktober 1940 wird Guy Môquet im damaligen Alter von 16 Jahren am Gare de l'Est von französischen Polizisten, die kommunistische Aktivisten suchten, verhaftet. Man verhört ihn. Man will ihn dazu bringen, die Freunde seines Vaters auszuliefern.

Inhaftiert im Gefängnis von Fresnes wird der junge Aktivist von demselben Chefankläger wie sein Vater der "Verletzung der Verordnung vom 26. September 1939 über die Auflösung kommunistischer Organisationen" beschuldigt. Am 23. Januar 1941 wird er von der 15. Strafgerichtskammer von Paris freigesprochen und ist auf Bewährung freizulassen. Guy Môquet wird trotzdem nicht freigelassen. Im Gegenteil: Er wird am darauf folgenden 10. Februar in das Gefängnis Santé in Paris verlegt. Der junge Mann wird ungeduldig, schreibt dem Staatsanwalt, doch nichts geschieht. Er wird wieder verlegt, nun in das Gefängnis von Clairvaux in der Region Aube, dann in das Camp Choisel in Châteaubriant in der Region Loire-Inférieure (heute Loire-Atlantique), wo weitere kommunistische Aktivisten festgehalten werden, die im allgemeinen zwischen Herbst 1939 und 1940 verhaftet worden waren.

Am 16. Mai 1941 kommt er in Baracke 10, die Baracke der Jugendlichen, wo er zahlreiche Freundschaften schließt. Am 20. Oktober 1941 töten die drei kommunistischen Widerstandskämpfer Marcel Bourdarias, Gilbert Brustlein und Spartaco Guisco in Nantes den Feldkommandanten Karl Hotz, Kommandant der Besatzungstruppen der unteren Loire-Region. Als Vergeltungsmaßnahme beschließt der Besatzer die Erschießung von 50 Geiseln.

Der Innenminister der Regierung von Vichy, Pierre Pucheu legt eine Liste vor, die im wesentlichen Kommunisten enthält, darunter 27 Gefangene aus dem Camp Choisel, unter ihnen Charles Michels, Generalsekretär der Lederverarbeitenden Industrie im Gewerkschaftsbund, Jean-Pierre Timbaud, Führer der Industriegewerkschaft Metall und Guy Môquet, Sohn eines kommunistischen Abgeordneten. Parallel dazu werden einundzwanzig weitere Personen in Nantes und in Paris erschossen.

Guy Môquet wird sterben. Wenige Minuten, bevor er zum Ort der Hinrichtung geführt wird, schreibt er, während er noch zusammen mit seinen Kameraden in Baracke 6 ist, einen letzten Brief an seine Familie, diesen berühmten Brief, der mit den Worten "Ich werde sterben!" beginnt und mit "Ich umarme Euch von tiefsten Kinderherzen" endet. Dann kritzelt er ein letztes Wort für eine junge Kommunistin, Odette Leclan (heute Odette Nilès), einer Aktivistin der Union des Jeunes Filles de France (Frz. Mädchenbund). Er hatte sie einen Monat zuvor kennen gelernt, als sie im Camp Choisel interniert wurde und intensivierte seither die Kontakte zu ihr anhand einer Holzpalisade über einer Absperrung, die den Bereich der Jungen von dem der Mädchen trennt. Sie verliebten sich schnell und der junge Guy trauert in seinen letzten Zeilen dem Kuss nach, den sie ihm versprochen hatte.

An jenem 22. Oktober 1941 werden die siebenundzwanzig Geiseln in drei Gruppen erschossen, in der Sandgrube La Sablière am Ortsausgang von Châteaubriant. Sie ließen sich nicht die Augen verbinden und riefen in ihren letzten Atemzügen laut "Vive la France". Am nächsten Tag verteilten die Deutschen ihre Leichname auf mehreren Friedhöfen im Umland, die Körper derjenigen, die General de Gaulle ab dem folgenden 25. Oktober in einer Radioansprache als "Märtyrer" bezeichnen sollte: "Indem er unsere Märtyrer erschießt, hat der Feind geglaubt, dass er Frankreich Angst einjagen kann. Frankreich wird ihm zeigen, dass es ihn nicht fürchtet."

Den Leichnam Guy Môquets bringt man anschließend auf den Pariser Friedhof Père Lachaise (carré 97) zur Bestattung in Anwesenheit des Bruders und der Mutter. Nachträglich erhielt Guy Môquet den Titel des Ritters der Ehrenlegion sowie das Croix de Guerre und die Medaille der Résistance.

 


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