Le déminage de la France après 1945

Le Gouillonneys; Minenräumer in den Dünen, 1946
Corps 1
Minensäuberung in Frankreich nach 1945
Corps 2


Die Entminung des französischen Staatsgebiets nach 1945 ist ein wenig bekannter Punkt der Geschichte, obwohl es sich um einen zentralen Aspekt im Hinblick auf den Wiederaufbau des Landes handelte. Bevor an Wiedererrichtungen auch nur gedacht werden konnte, mussten die aus der Befreiung hervorgegangenen Behörden diese Folgen der jüngsten Militäroperationen bereinigen, die eine Gefahr für die Zivilbevölkerung darstellten. Die Entschärfung der Millionen Minen, die auf dem Staatsgebiet verstreut lagen, war eine Voraussetzung, um den Krieg endgültig hinter sich lassen zu können.

Minen, wie wir sie heute kennen, sind eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Es handelt sich um kleine Sprengkörper, die unter dem Druck eines Panzers oder dem Gewicht einer Person ausgelöst werden. Sie wurden im II. WK von allen Parteien massiv eingesetzt. Doch während die Ingenieure der Kriegskunst in den 1920-er und 1930-er Jahren ihr ganzes Wissen aufbrachten, um möglichst unauffällige Zerstörungsgeräte mit verzögerter Wirkung zu erfinden, machte man sich kaum Gedanken darüber, wie die Minen nach dem Ende eines Konflikt beseitigt und entschärft werden sollten. Ob Angriffs- oder Verteidigungsminen, Panzer- oder Personenminen: Sie alle kamen an sämtlichen Frontabschnitten zum Einsatz.

In Frankreich waren mehrere Minengenerationen gelegt worden. Rund um die Anlagen der Maginot-Linie waren französische Minen ausgebracht worden. Die Wehrmacht hatte beim Bau des Atlantikwalls und der Festungsanlagen am Mittelmeer ebenfalls Minen gelegt. Später wurden Minen von den Reichstruppen eingesetzt, um den Rückzug bzw. die noch gehaltenen Positionen (z. B. Kessel am Atlantik) abzusichern, die Alliierten wiederum verwendeten sie zur Unterstützung ihres Vormarsches in östlicher Richtung. Vor diesem Hintergrund setzten 1945 die französischen Spezialisten die Schätzung der zu beseitigenden Minen sehr hoch an. Die düstersten Prognosen gingen von 50 Millionen noch scharfer Sprengkörper und Granaten und von einer Räumungsdauer von ca. zehn Jahren aus. Letztendlich einigte man sich auf 13 Millionen Stück, was immerhin 500.000 ha Land - 1 % des gesamten Staatsgebiets - entspricht. Dabei handelt es sich um einen Durchschnittswert. In einigen Departements wie Bouches-du-Rhône und dem Calvados war die Verminungsdichte weitaus höher.

Die Alliierten begannen bereits bei der Landung mit der Entschärfung der See- und Landminen. Ihre Hauptaugenmerk galt dem Sieg über Deutschland; die Gefahr für die Zivilbevölkerungen in den befreiten Gebieten blieb unberücksichtigt. Insofern konzentrierten sie sich auf die Küste und die wichtigsten Verkehrsachsen, um die Truppen- und Materialbewegungen zu erleichtern. Die Franzosen selbst wiederum verstanden die Minenräumung nicht nur als Zivilschutzmaßnahme, sondern auch als eine der Voraussetzungen für die nationale Souveränität. Im Sommer 1944 wurde - hauptsächlich in der Normandie - die erste Entminungskampagne mit empirischen Grundlagen eingeleitet: Landtechniker (aus dem Landwirtschaftsministerium) und Kriegstechniker (aus der freien französischen Armee) arbeiteten Hand in Hand, unterstützt durch Einzelpersonen, die möglichst rasch wieder mit dem Landbau beginnen wollten. Aufgrund mangelnder Erfahrung wandten sich die französischen Behörden an die britischen Entminungsdienste um Unterstützung. Diese unternahmen in einem im Sommer 1944 in Bayeux eröffneten Schulungszentrum die Ausbildung der ersten französischen Minenräumer.Es blieb nicht bei der Unterweisung der französischen Kollegen in diese heikle Aufgabe: Für die ersten Operationen wurde auch das nötige Material zur Verfügung gestellt, das später als Vorlage für die Herstellung eigener Detektoren diente. Im Januar 1945 konnten die Franzosen die Arbeit in Eigenregie weiterführen. In Houlgate wurde ein Schulungszentrum eingerichtet, wo die in Bayeux ausgebildeten Spezialisten ihr Wissen weitergaben. Mit Fortdauer des Krieges war die Normandie unterdessen nicht mehr die einzige verminte Region. Die Übergangsregierung musste die Säuberung des gesamten Staatsgebiets - auch abseits der Kampfschauplätze - ins Auge fassen. Welche Instanz sollte diese Mission übernehmen, bei der militärische und zivile Bemühungen untrennbar miteinander verbunden sind?

Die Minenräumung - ein wichtiger Schritt zum Wiederaufbau Im Kontext der Befreiung, wo die neuen Machthaber alles an die Wiedereinsetzung der Demokratie und der Vorrechte des Staates setzten, wurde die Minensäuberung bald als Vorhaben erachtet, das nicht der Privatinitiative überlassen werden durfte. Das für die Verteidigung zuständige Ministerium war mit der Neubildung einer nationalen Armee sowie mit der Mitwirkung an der endgültigen Niederlage Deutschlands beschäftigt, sodass man sich nicht unbedingt um diese undankbare Aufgabe kümmern wollte, die zu allem Überfluss langwierig zu sein drohte. Das Landwirtschaftsministerium zögerte ebenso wie das Innenministerium, sich an Operationen zu beteiligen, die man dem Militärressort zurechnete. Aus diesen Gründen betraute die Übergangsregierung in ihrer Überzeugung, dass es sich um eine Voraussetzung für den Wiederaufbau handelt, das im November 1944 gebildete Ministerium für den städtischen Wiederaufbau mit der Minenbeseitigung. Im Februar wurde in diesem Ministerium das Amt für Entminung eingerichtet, unter der Leitung von Raymond Aubrac, dem ehemaligen Kommissar der Republik in Marseille.

Diese Entscheidung entsprach dem allgemeinen Grundsatz der staatlichen Verantwortung für den Wiederaufbau. Die Übergabe der Zuständigkeit zwischen Zivil- und Militärbereich war im Frühjahr 1945 endgültig. Die vordringliche Aufgabe bestand nun darin, die Minen aufzuspüren und zu zählen. Die Zuhilfenahme der vom Militärkommando nach der deutschen Kapitulation erstellten Unterlagen gestattete eine detaillierte Einsicht in die Pläne der Minenfelder. Die Dokumente lieferten einen Überblick über die Anordnung der Minen sowie die verwendeten Zünder und Sprengstoffe. Gleichzeitig machte man sich an die Anschaffung der noch immer nicht vorhandenen Gerätschaften. Die ersten Lieferungen stammten von den Alliierten; ab Herbst waren die ersten in Lizenz hergestellten französischen Detektoren einsatzbereit. Dies markiert den eigentlichen Beginn der Entminungskampagne. Nun galt es noch, Personal zu finden, das diese Arbeit, bei der es häufig zu tödlichen Unfällen kam, auf sich nehmen wollte. Freiwillige und Kriegsgefangene Für die Betreuung der Mannschaften und die eigentliche Entschärfung heuerte das Entminungsamt Freiwillige an - oftmals Jugendliche und Arbeitlose, die den guten Lohn zu schätzen wussten, hatte doch ein Gutteil der Bevölkerung noch unter Lebensmittelmangel und Restriktionen zu leiden. Bis Anfang 1946 wurden etwas mehr als drei Millionen Minenräumer eingestellt.Die Entschärfung einer Mine ist indessen ein Vorgang, der eine hohe fachliche Qualifikation, eine solide Kenntnis der verschiedenen Typen und eine maximale Präzision in der Ausführung erfordert. Dementsprechend langwierig gestalten sich die Vorbereitungen. Nach der Abgrenzung der verminten Zone muss diese mit Markierungen und Schutzdraht gekennzeichnet werden. Die exakten Lagepunkte der Minen werden markiert, dann muss das Material herbeigeschafft und eine Begradigung durchgeführt werden - mit der ständigen Gefahr von Fehlern und Unfällen. Ungeachtet des Artikels 31 der Genfer Konvention (1929), die den Einsatz von Kriegsgefangenen für gefährliche Aufgaben verbietet, erhielt das Entminungsamt von den Alliierten die Genehmigung, unter den insgesamt 500.000 in Frankreich zur Verrichtung gemeinnütziger Aufgaben abgestellten Kriegsgefangenen ein Kontingent von mehreren Tausend für diese Aufgabe heranzuziehen.

Die Ausbildung der Minenräumer war die beste Garantie für deren Wirksamkeit. In Septeuil nahe Paris wurde im Sommer 1945 eine Schule eröffnet, in der die späteren Instrukteure in den Departements ausgebildet wurden. Die für die Entminung Verantwortlichen maßen diesen Aus- und Weiterbildungseinrichtungen eine große Bedeutung bei, zumal die Unfallzahlen in umgekehrtem Verhältnis zur Zahl der geschulten Räumer stand. Bis September 1946 war das gesamte Ausbildungspersonal geschult, und man hatte eine komplette Reihe von Techniken und Kenntnissen zusammengestellt. Die tägliche Entminungsarbeit wurde auf kommunaler Ebene organisiert; die Mannschaften arbeiteten in enger Verbindung mit den Kommunalbehörden. Der Bürgermeister hatte die Bewohner vom Eintreffen des Räumungsdienstes und den Gefahren der bevorstehenden Arbeiten zu informieren. Er musste die einzelnen Geländeabschnitte abstecken und auch für die Intendanz aufkommen - insbesondere für die Gefangenen, gegen die die Bevölkerung großes Misstrauen hegte. Die Minenräumer wurden von der Bewohnern im Allgemeinen willkommen geheißen und für ihre Tapferkeit bewundert.

Die manuelle Suche - eine langwierige aber sichere Methode - wurde immer dann eingesetzt, wenn in der Vorsondierung das Vorliegen von Minen festgestellt wurde, bei denen eine exakte Ortung mit den elektrischen Detektoren nicht möglich war. Vier Mann, im Allgemeinen ausgebildete Minenräumer, bewegten sich auf einem vier Meter breiten Streifen in Reihe voran. Sobald ein Fremdkörper vermutet wurde, begann die Entschärfung. Wenn dies aufgrund des Minentyps nicht möglich war, blieb nur die Sprengung. Diese wurde am Ende des Tages nach Abzug des gesamten Personals durchgeführt. Nun folgte die Überprüfung, die äußerst gründlich zu sein hatte. Dies war im Allgemeinen die Aufgabe der Kriegsgefangenen, die sich mit einem Pflug oder einem Traktor in die als entmint geltende Zone begeben mussten. Insgesamt konnte die Säuberung eines Geländes mehrere Tage in Anspruch nehmen. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und der guten Ausbildung kam es zu zahlreichen Unglücksfällen. Es waren mindestens 1.800 deutsche und 500 französische Opfer zu beklagen. Die Anzahl der Verletzten lässt sich nur schwer einschätzen; in jedem Fall waren die Folgen schwerwiegend (abgetrennte Glieder). Auch bezüglich der Opferzahlen unter der Bevölkerung gibt es keine exakten Angaben. Ende 1947 schließlich wurden die Minenräumungsarbeiten für abgeschlossen erklärt. Dass die Anzahl der Minen anfänglich überschätzt wurde, war mit Sicherheit mit ein Grund dafür, dass der Einsatz früher als erwartet beendet werden konnte: So wurde das Entminungsamt mit beträchtlichen Mitteln ausgestattet, und die Kampagne wurde über die Presse, Plakate und Radiosendungen breitenwirksam kund getan. Obwohl die Minen nicht restlos beseitigt werden konnten und bis Unfälle geschehen, legte der Erfolg dieser Säuberungsaktion den Grundstein zu einem spezifisch französischen Know-how. Seit 1945 sind Minenräumdienste aus Frankreich weltweit im Einsatz; aktuelle Beispiele sind der Mittlere Osten, Afrika, Asien und das ehemalige Jugoslawien.

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