Les monuments aux morts, des oeuvres d'art au service du souvenir

Neuillé-Pont-Pierre (37) ©Jean-Pierre Collombin
Corps 1

Seit den blutigen Schlachten des Sommers 14, und mehr noch nach 1918, sind die Toten immer wieder in den Kampf zurückgekehrt, und man hat ihrer ständig feierlich gedacht: das Feuer der Kriegszeiten lebt nun weiter in der Verzweiflung der Erinnerung. An jeden Soldaten erinnert sich die Familie, das Dorf, die Gemeinde, die Arbeitsstelle, und die Repräsentanten des Staates, bei Demonstrationen der nationalen oder lokalen Erinnerung, jeder gewählte oder in der Administration tätige Vertreter des Staates, ob er Frontkämpfer war oder nicht, wird in den Zwanziger- und Dreißigerjahren zum Sachwalter der Trauer. Die in öffentlichen Reden oder privat geäußerten Worte, die Gebete, Gedichte, Bilder in Inschriften und auf Denkmälern, die Kirchenfenster, Friedhöfe, Ossarien haben in den meisten Fällen die Zeit bis in unsere Tage überdauert. Von 1918 bis in die Mitte der 20er Jahre haben die 1 400 000 gefallenen Franzosen so den gesamten symbolischen und affektiven Raum der Nation eingenommen. Die grandiosen Zeremonien, der Bau von Ehrenmalen für die Gefallenen haben diese Millionen von Trauerfällen, eigentlich private Gefühle, in eine Staatsaffäre verwandelt, in der sich viel stärker als die Siegesfreude der überwältigende Kummer äußerte. Die Gruppen des Leidens um jeden kämpfenden Soldaten während der Dauer des Konflikts, von den ihm Nahestehenden bis zu den ferneren Bekannten, leben weiter in den Gruppen von Trauernden.


Der 11. November, der Jahrestag des Kriegsendes, wurde in einen Tag der Andacht verwandelt (1). Wenn sich der Kult des 11. Novembers der katholischen Liturgie anglich, da der November in diesem Kalender der Monat der Trauer war, so ließ er vor allem eine wahrhaftige zivile Religion entstehen.

Um 11 Uhr haben in jeder Gemeinde die Versammlungen um die Denkmäler für die Gefallenen, die Fahnen, der Trauerflor, die Blumen, die Reden eine moralische und staatsbürgerliche Pädagogik entstehen lassen. Die Menschen gingen zu der Zeremonie und waren entweder durch ihre Erfahrung des Krieges vorbereitet, oder sie kamen wie Kinder, die das ”Gefallen für Frankreich” beim Verlesen der Namen der Gefallenen sprachen wie ein Amen jenseits jeder Religion. Tote und ehemalige Frontkämpfer, Ehemänner und Witwen, Väter und Waisen fanden sich in der Symbolik des Umzugs und der Schweigeminute zusammen. Die Reden waren fast immer als Diptychon konstruiert: dank der Abwesenden ging das Leben weiter. Um die verlorene Generation zu ehren, hat man so ein tragisches Ensemble geschaffen: Einheit der Zeit, der 11. November; Einheit des Ortes, das Denkmal für die Toten; Einheit der Handlung, die Gedenkfeier. Ganz Frankreich ist zu einem Altar des Krieges und der verlorenen Generation geworden. Die Gedenkstätten erscheinen in zwei Formen: die einen wurden auf den Schlachtfeldern errichtet und sind wirkliche Stätten des Todes; die anderen an Orten kollektiver und individueller, nationaler und lokaler, öffentlicher und privater, religiöser und laizistischer Zugehörigkeit der Dahingegangenen. Wo sie arbeiteten, liebten, studierten, beteten, wo sich ihr Leben abspielte finden sich viele Zeichen der Erinnerung, Zeugen des Todes und der Trauer im gesamten öffentlichen und privaten Raum des Landes und seiner Kolonien.

Corps 2

An den globalen Krieg die globale Erinnerung



Wenn die Ehrenmale für die Gefallenen häufig Orte der Identifizierung mit den Helden und der Rechtfertigung des Opfers sind, das sie gebracht haben, so sind sie zunächst einmal das, was die Bildhauer aus ihrem Auftrag gemacht haben und was die Teilnehmer an den Zeremonien dann aus ihren Werken machen. Die figürlichen Darstellungen sind hier wesentlich: Die Ehrenmale sind Skulpturen, Konstruktionen, die einen spezifischen Platz in der Landschaft oder der städtischen Umgebung einnehmen. So erfordern die Denkmäler auch eine Geschichte, die zugleich politisch, ökonomisch und sozial ist, Genre, Darstellungen und Kunst.

Die Idee, Ehrenmale zu errichten, ist schon während des Krieges entstanden; die in den Rathäusern aufgehängten Listen waren nicht genug. Frankreich hat Formen der Ehrung wie Studienstipendien, Versammlungsräume in Gemeinden und Stadien abgelehnt, die in anderen Ländern sehr verbreitet waren. Für die Republik musste sich die Erinnerung an die Gefallenen in einer Statue mitten an einem öffentlichen Ort ausdrücken. Schon zwischen 1871 und 1914 hatte man eine Anzahl solcher Denkmäler aufgestellt, um die Gefallenen des französisch-preußischen Krieges zu ehren. Nach 1918 schmückten sie praktisch jede Gemeinde, etwa 36 000 an der Zahl. Aber man muss diese Zahl noch mit mindestens vier oder fünf multiplizieren, um eine Ahnung von der Besessenheit des Gedenkens in den 20er Jahren zu vermitteln: jeder Gefallene hatte ein Recht darauf, dass sein Name öffentlich, nicht nur in seiner Gemeinde sondern auch, privater, in seiner Firma, seiner Schule, seiner Kirchengemeinde eingraviert wurde... Und die Wohnzimmer in Millionen von Wohnungen verwandelten sich in Familienaltäre, auf denen man Photographien und Souvenirs ausstellte.

Für das Kenotaph der Gemeinde wählte man in den meisten Fällen eine Stele in Form einer Pyramide oder eines Obelisken, in derselben Art wie diejenigen, die bis dahin die Gräber auf den Friedhöfen geziert hatten. Diese Denkmäler waren die billigsten und entsprachen dem Geist der Zeit. Für die Architekten, die Marmorfirmen, die Beerdigungsinstitute war es das Geschäft des Jahrhunderts! Geschickte Geschäftsleute druckten Kataloge, in denen jeder die Palmenzweige oder den Frontsoldaten für den Stein auswählen konnte, wie auch die Worte, die an das Unglück erinnern sollten. Am meisten wurden die Begriffe ”Kinder”, ”Tote”, ”Helden”, ”Krieg”, ” 1914-1918”, ”Pflicht”, ”Opfer”, ”Märtyrer”, ”Erinnerung” gewählt. Die Liste der Toten vervollständigte den düsteren Eindruck. Die alphabetische Ordnung, die im Allgemeinen eingehalten wurde, verstärkte die Eintönigkeit, ähnlich wie die der Soldatenfriedhöfe, auf denen die Gefallenen begraben waren. Das Nennen der Namen ist das zentrale Element: die Namen erinnern an die Individuen, geben ihnen ihre Existenz zurück, wenn sie durch ihr Verschwinden auf den Schlachtfeldern im Nichts versunken waren. Die Ehrenmale für die Gefallenen feiern sowohl die Frontsoldaten als auch die Zivilisten hinter der Front, ohne die ein Durchhalten im Krieg, materiell und psychologisch, unmöglich gewesen wäre. Die Tragödie des Mutes, des Märtyrertums, des Todes teilt sich die mit Skulpturen geschmückten Denkmäler, diese Kunstwerke im Dienst der Erinnerung (2).

Die Statuen von Soldaten (”Poilus”, dieser Ausdruck aus den ersten Tagen des Jahres 1915, dessen herzliche Vertraulichkeit bezeichnend ist) entstehen überall und erwecken unter den ihnen nahe stehenden Menschen Männer zu neuem Leben, in ihrem Geburts- oder Wohnort und an ihrer Arbeitsstätte, aus einer Liebe heraus, die sich aus Familienbanden, schulischen, religiösen und politischen Gemeinsamkeiten herleitet. Auf ihrem Podest stehend sind die Soldaten dazu auserkoren, ihren heroischen, tugendhaften Kampf in alle Ewigkeit fortzusetzen, für den sie ihr Leben geopfert haben. Ihr Krieg ist keimfrei gemacht: kein Schmutz, keine Läuse, kein Blut, sie sind sauber und frisch wie Zinnsoldaten (3). Die Poilus der Gefallenehrenmale spielen immer von neuem die Rolle, die sie gehabt hatten, die heroische Verteidigung einer großen Sache. Diese Denkmäler sind aber Gräber, leere Gräber. Und hier erscheint wieder das Prinzip der Realität. Die Kenotaphe wurden auf Toten errichtet, wie ebenso viele posthume Ehrentafeln. Und weil man den Tod nicht glorifizieren oder verherrlichen kann, was auch immer seine Ursache ist - ist er nicht immer unerträglich? -, entschied man sich mit den Denkmälern, ihn zu negieren und ewig lebende Soldaten darzustellen, deren Bronze als Wiederauferstehung zu verstehen ist. Manchmal ist der Soldat allerdings auch tot dargestellt, wie ein tapferer, hingestreckter mittelalterlicher Ritter.

Häufig stellt ein Hahn an der Spitze des Denkmals das Vaterland dar. Man sieht auch Darstellungen von Zivilisten, Frauen oder Kindern, die ihren täglichen Geschäften nachgehen, auf dem Land oder in der Fabrik. So drückt man die Tatsache aus, dass die Franzosen in diesen drei Funktionen standgehalten haben: im Glauben, im Kampf und in der Arbeit. Wenn die Denkmäler den Mut der Überlebenden verherrlichen und sie angesichts der Heimsuchung zusammenschweißen, so sind sie doch vor allem Orte des Schmerzes, an denen Trauer und religiöse und patriotische Inbrunst einander ergänzen.

Dies sieht man nicht nur an den Denkmälern in den Gemeinden der kirchlichsten Regionen deutlich, sondern auch an den Denkmälern der Kirchengemeinden in ganz Frankreich. Diese Darstellungen des Krieges und der Front machen wie ein riesiger Karfreitag oder ein Golgatha aus den Soldaten ebenso viele Male Christus und aus Christus einen Soldaten. Auf den Kirchenfenstern, die der Erinnerung gewidmet sind, wird der christliche Soldat Teil des Opferganges Jesu. Wenn die Mutter des Soldaten ihren Sohn findet und in ihren Armen hält, wird das Denkmal zur Pieta. Diese trauernden Mütter geben mit ihrer Tracht den Denkmälern auch oft einen regionalen Anstrich, egal ob dazu eine baskische oder bretonische Inschrift kommt: von Savoyen bis zum Berry, vom Finistère bis Lothringen teilen die weinenden Frauen und Kinder die nationale Trauer, die sich mit ihrer lokalen Herkunft mischt. Was die Kinder betrifft, die das Opfer ihres Vaters bewundern oder beweinen, so erinnern sie, häufig vor der Inschrift ”Unseren Söhnen”, an die merkwürdige Genealogie, die der Krieg entstehen ließ: Waisenkinder und Eltern, die ihrer noch so jungen Kinder beraubt sind.

In den Gegenden, die durch die Kämpfe oder die Besatzung verwüstet wurden, werden die Denkmäler zur Anklage. Zerstörte Kathedralen, flüchtende Zivilisten, Geiseln, deportierte Männer und Frauen, Zwangsarbeiter, überschwemmte Bergwerke: die ganze Folge der Leiden des totalen Krieges wird in Lens, Soissons, Roubaix oder Lille dargestellt.

Indem man Ruinen zeigt, in denen Soldaten und Zivilisten gefangen sind, erinnert man daran, dass in diesen Regionen das Hinterland zur Front geworden war. In den Zwanzigerjahren handelt es sich mehr um das Anprangern der deutschen Verbrechen als das Aufzeigen der Leiden um ihrer selbst Willen. Die Zeit, in der man erkennt, dass Kämpfende und Zivilisten Opfer waren, ist noch nicht gekommen. Man hat sich auch alle Mühe gegeben, die Erinnerung so darzustellen, dass außergewöhnliche oder besondere Situationen erträglich werden. Im Elsass werden die Soldaten der Denkmäler häufig nackt dargestellt: wie kann man einen Deutschen ohne Uniform von einem Franzosen unterscheiden? So hält die Pieta von Straßburg die Leichen ihrer beiden Söhne auf dem Schoß; die Inschrift: ”Unseren Toten” lässt die Formel ”für das Vaterland” aus. Um welches Vaterland würde es sich denn auch handeln, nach über vierzig Jahren Besetzung, die sich für die meisten Bewohner von Elsass und Mosel allmählich in eine eher schweigende als erzwungene Anpassung verwandelt hatte?

Manchmal (etwa ein Dutzend mal in Frankreich, in Équeurdreville, in der Manche oder in Les Lilas, zum Beispiel), werden die Denkmäler offen pazifistisch. Man kann dort lesen: ”Schande über den Krieg!” Wenn diese militanten Ehrenmale so selten sind, so liegt es daran, dass die Größe der Trauer damals das Entstehen der Denkmäler diktiert hat, nicht der Wunsch, dafür zu kämpfen, dass diese Tragödie sich niemals wiederholt. Im Moment des Errichtens der Denkmäler steht man noch unter dem Schock des Leidens, der pazifistische Kampf kommt erst später.

Die Orte des Todes sind durch das Netz der Soldatenfriedhöfe, der Landschafts- und Erinnerungsparks und der großen Monumente auf den Schlachtfeldern auch selbst in Gedenkstätten verwandelt worden. An den vordersten Stellungen der härtesten, grausamsten Offensiven, an diesen unmittelbaren Zeugen des Todes hat man Ossarien errichtet. Während die Denkmäler für die Gefallenen leere Gräber sind, werden in den Ossarien die Gebeine von Tausenden, Zehntausenden Männern aufbewahrt, deren Identität von der Erde und dem Feuer verschlungen wurde. Die Ehrenmale der Kommunen, der Kirchengemeinden und der Vereine zeigen Namen, zu denen die Körper unbekannt sind; die Ossarien enthalten Körper, deren Namen man nicht kennt. Hier hat man es mit einer wahrhaftigen ”Demonstration” der Trauer in diesen Nachkriegsjahren zu tun. Bewegungen der Frontkämpfer und Veteranen, Pazifismen, Pilgerfahrten zu den Gräbern oder der Schlachtfeldtourismus, alles dies sind Aspekte, die eng mit dem Bewusstsein des massenhaften Sterbens verbunden sind. Die Gefallenenehrenmale sind ein zentraler Aspekt der Darstellung der Trauer, in der man von Generation zu Generation nicht aufhört, die tragische Vergangenheit der Jahre 1914-1918 festzuhalten.

Anmerkungen (1) Er wird, nicht unumstritten, ab 1922 zum Feiertag. (2) In Le Temps retrouvé (Die wiedergefundene Zeit) lässt Marcel Proust seine Romanfigur Robert de Saint-Loup kurz vor seinem Tod an der Front sagen: ”Rodin oder Maillol könnten aus einem schrecklichen Material, das man später nicht wieder erkennen würde, ein Meisterwerk machen... Ich habe das Gefühl, dass ” Poilu” schon bereit ist für große Dichter, so wie die Wörter Sintflut oder Christus oder Barbaren, die schon von Größe durchdrungen waren, bevor sie von Hugo, Vigny oder anderen benutzt wurden... ”À la recherche du temps perdu (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit), La Pléiade, Bd. IV, S. 756. (3) Roger Vercel hat es gut erkannt: ”Das Gefallenenehrenmal (...) wo der Soldat aufrecht starb, ohne eine Falte seines Mantels zu zerknittern, ohne die Fahne loszulassen, die er an seine Brust drückte. ”, Capitaine Conan, 1934.