„Liberation Route Europe“

Bildnachweis: J.Ooijman
Bildnachweis: J.Ooijman

Seit drei Jahren bietet die „Liberation Route Europe“ für Gedenktouristen eine Route quer durch Europa, auf den Spuren der alliierten Soldaten. Ab Vorabend des 75. Jahrestages der Befreiung bereiten sich die verschiedenen Partner auf zahlreiche Besucher vor.

Corps 1

Anlässlich des 70. Jahrestages der Landung in der Normandie wurde am 6. Juni 2014 die Route der Befreiung Europas in Arromanches eröffnet. Diese ursprünglich in den Niederlanden gegründete Initiative beabsichtigte die Einrichtung einer Gedenkroute quer durch Europa. Sie sollte die wichtigsten Regionen verbinden, die von den westlichen alliierten Truppen 1944 und 1945 durchquert und nach und nach befreit wurden. Die Idee bestand darin, eine Verbindung zwischen allen Gedenkstätten herzustellen und die verschiedenen Blickwinkel auf den Krieg zueinander in Beziehung zu setzen. Klarerweise ist die Erfahrung eines Deutschen anders als die eines Franzosen, eines Polen oder eines Amerikaners, die eines Soldaten weit von jener einer Zivilperson entfernt... Dieser Ansatz nach verschiedenen Perspektiven steht gemeinsam mit der Erfahrung der Orte selbst im Zentrum dieses Projekts, das in acht europäischen Ländern entstanden ist: Großbritannien, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Niederlande, Deutschland, Polen und Italien. Dank dieser Initiative wurde ein wahrer länderübergreifender Rundweg der Erinnerung geschaffen, damit Europa auf diese Weise zu einem Zielort des Gedenkens wird.

Bis heute verbindet die Liberation Route mehr als 350 Gedenkstätten verschiedenster Art. Allgemeine Museen wie die Gedenkstätte von Caen, das Museum des Zweiten Weltkriegs in Gdansk oder das Armeemuseum in Brüssel. Andere kulturelle Einrichtungen, die untrennbar mit ihrem Gebiet und den örtlichen Ereignissen verbunden sind, wie das Museum Utah Beach in der Normandie, das Museum Airborne Hartenstein bei Arnhem oder das Bastogne War Museum in den belgischen Ardennen. Schließlich die Einrichtungen zur Förderung eines thematischen Ansatzes, wie das AlliiertenMuseum in Berlin, oder auf ein bestimmtes Land konzentriert, wie zum Beispiel das Zentrum Juno Beach oder das Museum der Befreiung in Zélande, die beide die Rolle der Kanadier während des Krieges in den Vordergrund stellen. Wenn man dazu noch die Militärfriedhöfe, die Denkmäler und Gedenkstätten hinzufügt, weist die Liberation Route eine reichhaltige und besonders vielfältige Sammlung von Orten und Sichtweisen auf.

Die Stiftung (Liberation Route Europe Foundation), die an der Entwicklung dieser Route arbeitet, beteiligt sich aktiv an der Vernetzung der Orte und ihrer Partner. Alle arbeiten gemeinsam an ein und demselben Ziel: Besucher sollen ihre geschichtlichen Kenntnisse weiterentwickeln und die damit verbundenen Orte kennenlernen. Der Einsatz von Begleitinstrumenten, wie die digitale Plattform, mobile Anwendungen oder auch die Vernetzung von Fremdenführern, die Aufwertung der Angebote von speziellen Reiseveranstaltern usw. bereichern das Reiseerlebnis. Dieses internationale Netz von Akteuren aus dem Bereich des Gedenkens an den Zweiten Weltkrieg (Museen, Universitäten, Gebietskörperschaften, Fremdenverkehrsämter, Vereine usw.) fördert damit den Erfahrungsaustausch und die Erarbeitung gemeinsamer Projekte.

Der 75. Jahrestag des Kriegsendes 2019 und 2020 bietet Gelegenheit, eine gemeinsame internationale Kampagne zu starten, die sich „Europe remembers“ (Europa erinnert sich) nennen wird. Sie bietet Besuchern aus der ganzen Welt eine einmalige Plattform, auf der sie den Kalender mit allen Veranstaltungen finden (Feierlichkeiten, Konferenzen, Konzerte...), die im Rahmen der Gedenkfeiern organisiert werden, sowie touristische Informationen und historische Inhalte. Ein wertvolles Tool, das möglichst viele zur Teilnahme an diesen Veranstaltungen und dem Besuch der Gedenkstätten anregen soll. Derzeit bietet die App der Liberation Route Europe bereits jedem Besucher direkten Zugang zu historischen Veranstaltungen und interessanten Orten auf Websites, sowie auf damit verbundenen Biografien.


Autor: Rémy Praud, Leiter der Liberation Route Europe Fondation

 

Mehr erfahren:

www.liberationroute.com

Foto: John Frost Brücke, Arnhem, Niederlande. Eine der 350 Gedächtnisstätten, aus denen sich die Liberation Route Europe zusammensetzt. Bildnachweis: J.Ooijman