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Nationaler Gedenktag zum 8. Mai 1945

Erleben Sie noch einmal die Feierlichkeiten vom 8. Mai 2020

Corps 1

Video - Quelle: www.elysee.fr

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Botschaft

anlässlich des Gedenkens

an den Sieg vom 8. Mai 1945

 

 

Dieser 8. Mai fühlt sich nicht wie ein 8. Mai an.

Er wirkt nicht wie ein Feiertag.

Wir können uns heute nicht in großer Zahl vor den Denkmälern unserer Städte oder auf den Plätzen unserer Dörfer versammeln, um uns gemeinsam an unsere Geschichte zu erinnern.

Trotz allem kommt unsere Nation im Denken und den tausend Verbindungen zum Ausdruck, die unsere gemeinsame Erinnerung zwischen jedem von uns webt, diesem Stoff der Völker, den wir an diesem Tag in einer stillen Ehrung schwenken.

Wir holen in diesem Jahr die ruhmreiche Erinnerung in unsere eigenen vier Wände und beflaggen unsere Balkone und Fenster, um an jene zu denken, die ihr Leben riskierten, um die Plage des Naziregimes zu besiegen und unsere Freiheit wieder zurückzuerobern.

Das war vor 75 Jahren.

Unser Kontinent konnte dank ihnen das dunkelste Kapitel seiner Geschichte abschließen: fünf Jahre Grauen, Schmerzen und Schrecken.

 

Für unser Land begann dieser Kampf im September 1939.

Im Frühling 1940, vor 80 Jahren, hatte die feindliche Welle die Grenzen im Nordosten überrollt und der Schutzwall unserer Armee hat nicht gehalten.

Unsere Soldaten haben sich jedoch mehrmals ausgezeichnet. Jene von Montcornet, Abbeville, Gembloux oder Stonne, die Männer von Narvik, die Kadetten von Saumur und die Alpenarmee haben unser Staatsgebiet und die Farben unseres Landes energisch verteidigt..

Es sind „die von 40“. Ihr Mut soll nicht vergessen werden.

In der Dämmerung dieser „seltsamen Niederlage“ entzündeten sie die Fackeln. Ihr Glanz war ein Akt des Glaubens und kündigte inmitten des Untergangs das Versprechen des 8. Mai 1945 an.

 

Diese neue Ära wurde dann im harten Kampf durch die französischen und alliierten Streitkräfte erobert, von den Freien Franzosen, die den Kampf niemals aufgaben, durch die Hingabe und das Opfer der Widerstandskämpfer im Inneren, durch jede Französin und jeden Franzosen, der den Niedergang unserer Nation und die Irreleitung unserer Ideale ablehnte.

Die große Allianz dieses Mutes ermöglichte General DE GAULLE, dass Frankreich am Tisch der Sieger saß.

Die bewahrte Würde, die überwundene Not, die wiedergewonnene Freiheit, das wiedergefundene Glück: diese verdanken wir allen Kriegsteilnehmern, allen Widerstandskämpfern.

Die Nation drückt gegenüber diesen Helden ihre unvergängliche Dankbarkeit und ewige Anerkennung aus.

 

Der 8. Mai 1945 bedeutet eine erschütterte Freude, die sich der Völker bemächtigte. Flaggen schmückten die Fenster, aber so viele Menschen waren gestorben, so viele Leben ruiniert, so viele Städte in Trümmern. Auf den Jubel folgten Traurigkeit und Verzweiflung. Mit der Rückkehr der Deportierten entdeckten die Völker bald die Barbarei der Nazi in ihrem ganzen Grauen...

 

Nichts sollte bleiben, wie es war.

Die zutage getretene Zerbrechlichkeit unseres Lebens und unserer Zivilisationen machte diese für uns noch wertvoller. Am Ende dieser langen Nacht, die über die Welt hereingebrochen war, musste die Menschheit wieder auf die Beine kommen. Sie hatte entsetzt festgestellt, dass sie sich selbst zerstören konnte und dass sie nun die Welt, von oben bis unten, neu erschaffen oder zumindest „den Zerfall der Welt verhindern“ müsse, wie Camus sagt.

Das war in Frankreich die Stunde der nationalen Einheit, um „die schönen Tage“, die vom Nationalrat des Widerstands angekündigt und bald gefunden waren, zu begründen.

In Europa die Stunde der gemeinsamen Anstrengung, um einen friedlichen und brüderlichen Kontinent zu errichten.

In der Welt die Stunde, die Vereinten Nationen und den Multilateralismus zu schaffen.

 

Heute gedenken wir des Sieges von jenem 8. Mai 1945, natürlich, aber auch, aber vor allem des Friedens, der darauf folgte.

Dieser ist der größte Sieg des 8. Mai. Unser schönster Triumph.

Unser aller Kampf, 75 Jahre später.

 

Es lebe die Republik!

Es lebe Frankreich!

Emmanuel MACRON

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copyright Présidence de la République

Corps 2

Aufgrund der Gesundheitskrise konnten die offiziellen Feiern zum 75. Jahrestag des Sieges vom 8. Mai 1945 nicht in gewohnter Form stattfinden

 


 

Dossier : Dem 8. Mai 1945 anders gedenken!

 

 

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8. Mai 1945. ©ecpad

Geschichtliches

Deutsche Kapitulation

Am 7. Mai 1945 wird in Reims die Urkunde der Kapitulation der deutschen Streitkräfte unterzeichnet, durch General Bedell Smith für das alliierte Oberkommando, General Susloparow für die Sowjetunion, General Sevez für Frankreich und General Jodl für Deutschland. Am 8. Mai um 15 Uhr läuten die Glocken aller Kirchen offiziell das Ende des Krieges ein, während General de Gaulle dieses im Radio ankündigt: „Der Krieg ist gewonnen. Dies ist der Sieg. Der Sieg der Vereinten Nationen und der Sieg Frankreichs.“ Der Nachmittag des 8. Mai und der 9. Mai werden ausnahmsweise zu Feiertagen erklärt und die jubelnde Menge strömt auf die Straßen und stimmt dabei die „Marseillaise“ und patriotische Lieder an. Das Datum des 8. Mai markiert jedoch nicht das Ende der militärischen Präsenz Deutschlands auf dem gesamten Staatsgebiet. So fallen die letzten Widerstandsnester – Dünkirchen, Lorient, Saint-Nazaire – erst in den Tagen nach der Kapitulation des Reichs. Der Sieg kann vor allem die von Nazi-Deutschland begangenen Gräuel nicht ungeschehen machen, noch die Jahre, in denen die Bevölkerung mit Entscheidungen konfrontiert war, die sie gespalten haben.

Fragen des Gedenkens

Der 8. Mai, von 1945 bis heute: der Tag des Sieges wird zum Feiertag und Nationalfeiertag

Seit 1945 versammelt General de Gaulle die Franzosen lieber bei großen patriotischen Feiern, wie dem Gedenken des 16. Mai anlässlich des Jeanne d‘Arc-Festes oder jenem des 11. November, um die Untrennbarkeit der beiden Weltkriege zu betonen. Wie die Kommunisten ist General de Gaulle der Meinung, dass man einen einzigen Sieg feiern solle. Bis zur Mitte der 1950er-Jahre bleiben daher die Gedenkfeiern zum Ersten Weltkrieg wichtiger.

Nach und nach stellte sich die Frage, ob man einen einzigen Gedenktag für beide Kriege einführen oder die beiden Daten unabhängig voneinander feiern sollte, jedoch mit dem gleichen feierlichen Charakter.

1946: Sonntag, der 8. Mai (oder der darauffolgende Sonntag) wird gesetzlich als Tag der Siegesfeier verankert

Das unter dem Vorsitz der provisorischen Regierung von Félix Gouin durch die gesetzgebende Versammlung verabschiedete Gesetz Nr. 46-934 vom 7. Mai 1946 legt den Grundsatz des Gedenkens an den Sieg fest und fixiert dessen Datum.

„Einziger Artikel: Die Erinnerung an den Sieg durch die französischen und alliierten Streitkräfte am 8. Mai 1945 wird am 8. Mai jeden Jahres gefeiert, wenn dieser Tag ein Sonntag ist; andernfalls am ersten Sonntag, der auf dieses Datum folgt. “

Der 8. Mai reiht sich in die anderen Gedenktage ein, wie der 18. Juni (Jahrestag des Aufrufs von General de Gaulle in London), die Befreiung von Paris oder vor allem der 11. November, an denen sich die Bevölkerung zu großen Kundgebungen trifft.

Wenn das Gedenken an den Sieg gegebenenfalls auf den folgenden Sonntag verschoben wird, ist er sofort vom Jeanne d’Arc-Fest erfasst, das am selben Tag stattfindet. Seit 1947 bringen auch die Verbände der Widerstandskämpfer und Deportierten ihren Wunsch zum Ausdruck, dass der Sieg an seinem Jahrestag gefeiert wird und organisieren ihre Feier an diesem Tag.

1953: der 8. Mai wird zum Feiertag

Durch das auf eine parlamentarische Initiative zurückgehende Gesetz Nr. 53-225 vom 20. März 1953 wird der 8. Mai zum Feiertag. Dadurch kann er sich als symbolisches Datum des Zweiten Weltkriegs durchsetzen, so wie der 11. November für den Ersten Weltkrieg.

Dieser schwer herbeigeführte Konsens wird jedoch durch einige Ereignisse gefährdet, wie das Zusammentreffen mit der Katastrophe von Diên Biên Phu 1954 und die Spaltungen durch den Algerienkrieg seit 1955, insbesondere die Demonstrationen der Franzosen Algeriens, bei denen am 13. Mai 1958 eine Rückkehr General de Gaulles an die Macht gefordert wurde...

1959: der zweite Sonntag im Mai wird gesetzlich als Tag der Siegesfeier verankert

Um die Anzahl der Feiertage im Mai zu beschränken, sieht das Dekret Nr. 59-533 vom 11. April 1959, das an den Geist des Gesetzes von 1946 anknüpft, vor, dass der Sieg von 1945 am zweiten Sonntag im Mai gefeiert wird. Diese Entscheidung führt zu zahlreichen Protesten von Veteranen, die den Sieg weiterhin am 8. Mai feiern. Die Mehrheit von ihnen geht nicht zu den offiziellen Feierlichkeiten.

1965: der 8. Mai wird am 20. Jahrestag des Sieges ausnahmsweise zum Feiertag erklärt

Zum 20. Jahrestag wird der 8. Mai ausnahmsweise durch das abweichende Dekret vom 1. April 1965 zum Feiertag erklärt.

Bis 1981: neue Diskussionen über die Art, wie der Sieg vom 8. Mai 1945 gefeiert werden soll

Um dem Wunsch der Veteranen zu entsprechen, dass der Sieg an seinem Jahrestag gefeiert wird, ohne die Zahl der Feiertage im Mai zu erhöhen, sieht das Dekret vom 17. Januar 1968 eine neuerlich am 8. Mai fixierte Jahresfeier vor, jedoch am Ende des Tages.

1975 beschließt Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing, dieser Feier keinen Regierungscharakter mehr zu verleihen und das offizielle, nationale Gedenken abzuschaffen. Er schlägt stattdessen einen Europatag vor, während die Regierung über die Idee nachdenkt, den 11. November zum nationalen Tag der Erinnerung zu machen. Durch den Wunsch der deutsch-französischen Versöhnung ist diese Entscheidung Teil einer europäischen Perspektive. Sie führt jedoch zu heftigen Reaktionen und Protesten, sowohl in der Politik als auch bei den Veteranen, die seit langem schon in großer Zahl wünschten, dass der 8. Mai gleichberechtigt mit dem 11. November gefeiert wird.

Daher feierten bis 1981 viele Gemeinden weiterhin offiziell den 8. Mai an seinem Jahrestag.

Seit 1981: der 8. Mai wird zum Feiertag, später zum Nationalfeiertag erklärt

Durch Änderung des Arbeitsrechts fügt das Gesetz Nr. 81-893 vom 2. Oktober 1981 den 8. Mai zur Liste der Feiertage hinzu.

Nach zahlreichen Debatten wird der Gedenktag 1982 als Nationalfeiertag anerkannt. Dieser „arbeitsfreie Feiertag der Freiheit“ soll in den Schulen und an den Universitäten hinreichend präsentiert werden, und über die Gedenkfeiern, die ihn begleiten, soll in den Medien breit berichtet werden.

Obwohl langsam zahlreiche Tücken entstehen, ist der 8. Mai durchaus ein symbolischer Tag, der von fast allen Gemeinden gefeiert wird. Als nationale Gedenkfeier hat er sich nach und nach wie ein zweiter 11. November durchgesetzt, von dem er einen großen Teil des Rituals übernimmt. An diesem Tag wird allen Ereignissen des Zweiten Weltkriegs gedacht: dem Sieg der Alliierten genauso wie dem Ende der Unterdrückung durch die Nazi in Europa. Heute scheint Einigkeit über die zu vermittelnde Botschaft zu bestehen: der Kampf für die Freiheit und die Demokratie.