Fernand Hederer

1889-1984
Hederer im Jahr 1950. Öffentliches Eigentum

 

Der Abschlussjahrgang 2008 der Kadetten im Marinekommissariat erhielt zum Gedenken an Fernard Hederer, Marinekommissar, Veteran des Ersten Weltkriegs und Widerstandskämpfer unter der Nazi-Besatzung, die Bezeichnung "Jahrgang Hederer". 

Der im Jahr 1889 geborene Fernard Hederer ist Mitglied des Abschlussjahrgangs 1913 am Marinekommissariat. 1914 wird er dem 1. Regiment der Marine-Kanoniere zugeteilt und später der 1. Gruppe der schweren Artillerie für den Schienenverkehr, wo er als Zweiter Offizier und später als Kommandant der Batterie dient. Am 6. April 1916 kommt er als Beobachter des Luftraums zum Einsatz, bevor er dann im September 1917 als Jagdpilot eingesetzt wird. Im Februar 1918 übernimmt Hederer das Kommando über das Jagdgeschwader SPAD 285, eine überaus außergewöhnliche Auszeichnung für einen jungen Kommissar der 3. Klasse.

Durch den Krieg kommt er mit den Besten der Luftfahrt zusammen, insbesondere mit Coli, Guy­nemer, Fonck und Navarre. Hederer erhält zahlreiche Auszeichnungen (Armee, Division, Regiment) und wird mit dem Kriegskreuz mit drei Palmen und drei Sternen sowie 1917 mit der Ehrenlegion ausgezeichnet. All diese Ehrungen verweisen auf seine menschlichen Qualitäten, seinen Mut, seinen Elan, seine Missachtung persönlicher Gefahr sowie seine Führungsqualitäten. Während seiner Kriegseinsätze erleidet er zahlreiche Verletzungen, darunter ein verirrter Granatsplitter im rechten Unterarm sowie ein halberfrorenes Bein während eines Fluges, wo er den feindlichen Flugzeugen nur durch einen Aufstieg in größtmögliche Höhe entkommen konnte. Aber es gibt auch eine Verletzung, die nicht verheilt: Der Tod im Kampf von 20 Piloten seines Geschwaders in weniger als einem Jahr.

Nach Wiederherstellung des Friedens dient Hederer, Kommissar der 1. Klasse, an Bord des Panzerschiffes Marseillaise, bevor er dann als Kommissar den Marinestützpunkt in Konstantinopel übernimmt. In verschiedenen Häfen schließt er sich dann den technischen Diensten der Marine an. 1925 beginnt er im Kontrollkorps der Marine eine neue Karriere. Auf seinen Wunsch hin wird er 1929 in das Luftfahrtministerium versetzt. Zu seinen Aufgaben zählen teilweise heikle Kontrollmissionen, wie z. B. die allgemeine Kompanie der Luftpost in Südamerika, die dazu führen, dass er 1933 in das Kontrollkorps der Luftfahrtverwaltung aufgenommen wird. Im März 1936 wird er zum Generalkontrolleur ernannt und leitet gemeinsam mit Pierre Cot, dem damaligen Luftfahrtminister, die Nationalisierung der Luftfahrtindustrie.

Noch immer im Kabinett von Cot tätig, wird Hederer während des so genannten "Sitzkrieges" im Zuge des Debakels im Juni 1940 bei einem Autounfall schwer verletzt. Bereits seit Beginn der Besatzung engagiert er sich bei der Verbreitung von Propaganda gegen die Deutschen. Unter dem Pseudonym "Pommery" ist er an zahlreichen Aktionen des Widerstands beteiligt und schließt sich am 1. Januar 1943 dem Netzwerk Marco Polo an. Er unterhält Kontakte zu den Abgesandten aus London und leitet Informationen an die SRA in Lyon weiter, insbesondere über die Aktivitäten der Luftwaffe zwischen Salon-de-Provence und Marignane: Lagerung von Bomben und Munition, Kontrollposten, Radaranlagen, Stellungen der DCA... Als Organisator des Nachrichtendienstes für den Luftverkehr gerät er Anfang 1944 ins Visier der Gestapo, die in Marseille und Aix stationiert ist.

Während der Befreiung von Paris schützt und reorganisiert er unter seiner Leitung die administrativen Organe des Luftfahrtministeriums. Sein Verhalten wird durch die Verleihung der Medaille des Großoffiziers der Ehrenlegion, des Kriegskreuzes 1939-1945 mit zwei Palmen und der Medaille des Widerstands mit Rosette belohnt.

Nach Kriegsende wird er zum Direktor der Luftfahrtkontrolle und später der Bewaffnung ernannt, bevor er dann seine Karriere im Staatsdienst in der Funktion des Generalsekretärs für zivile Luftfahrt beendet. 1951 ist er am Höchstalter seines Grades angelangt und er beginnt eine neue berufliche Laufbahn in der Industrie. Bis 1965 ist er Präsident und Generaldirektor der französischen Gesellschaft für die Ausstattung der Flugsicherung.

Im Alter von 93 Jahren wird er mit dem Großkreuz der Ehrenlegion gewürdigt. Diese Auszeichnung wird ihm von Marcel Dassault verliehen, der sehr glücklich war, diese Ehrung  einem Mann zu erteilen, der ihn seit 1941 verteidigt hatte, als er auf Befehl von Laval verfolgt und verhaftet wurde, der während seiner zweijährigen Deportation im Konzentrationslager Buchenwald seiner Frau hilfreich zur Seite stand und der vielen jüdischen Familien Unterstützung bot, die nach Südfrankreich geflüchtet waren.

 

C. Mommessin, Kommissar der Marine der 1. Klasse, In Les Chemins de la Mémoire, 197/September 2009