Jean Rosenthal

1906-1993
Portrait von Jean Rosenthal. Quelle: www.ordredelaliberation.fr

Jean Rosenthal wird am 5. September 1906 im ersten Arrondissement in Paris geboren. Sein Vater handelte mit Edelsteinen. Er besucht die Ecole Alsacienne, macht das Abitur und schließt ein Jurastudium ab. 

Im Oktober 1925 leistet er vorzeitig seinen Wehrdienst beim 1er Groupe d'Ouvriers d'Aéronautique. Er wird im Juni 1926 zum Korporal ernannt, dann im November zum Unteroffizier und im Mai 1927 entlassen. 

Er arbeitet anschließend im Juweliergeschäft seines Vaters, bevor er sich 1935 selbständig macht.

Jean Rosenthal wird im September 1939 als Leutnant der Reserve eingezogen und dem 8. Luftgeschwader zugeteilt. Nach seiner Demobilisierung im Juli 1940 lebt er dann im Haus seiner Familie in Megève.

Im Dezember 1942 beschließt er, über Spanien aus Frankreich zu fliehen. Er wird verhaftet und zwei Wochen im Gefängnis von Pamplona festgehalten, dann gelingt es ihm, über Madrid und Lissabon am 23. Januar 1943 Großbritannien zu erreichen.

Er wird im Februar 1943 der Force "L“ als Leutnant zugeteilt und über Freetown und Lagos nach Kairo entsandt. Er erreicht Tripolis und die Streitkräfte von General Leclerc am 25. März 1943. Leclerc entsendet ihn im Juli 1943 als Panzerleutnant für eine Mission nach London.

Am 1. September 1943 tritt er dem Zentralbüro für Aufklärung und Aktion (BCRA) bei und meldet sich nach einer kurzen Ausbildung freiwillig für eine Mission im besetzten Frankreich.

In der Nacht vom 21. auf den 22. September wird er im Rahmen der Mission „Musc“ in einer Luftoperation im Gebiet „Junot“, das an der Kreuzung der Departements Rhône, Ain und Saône-et-Loire liegt, abgesetzt, zusammen mit dem britischen Oberst Richard Heslop (alias "Xavier") von der Special Opération Executive (SOE). Ihre Mission besteht darin, die Situation der Partisanengruppen in Obersavoyen sowie deren Bedarf an Waffen und Verpflegung, ihre Anzahl und ihren Ausbildungsgrad zu beurteilen. Sie erkunden die Partisanengruppen während Hauptmann Jean Rosenthal unter dem Decknamen „Cantinier“ im Gendarmerieposten von Megève ein Funkgerät installiert. 

„Cantinier“ kehrt im Zuge einer Luftoperation in der Nacht vom 16. auf den 17. Oktober nach London zurück, um General de Gaule persönlich Bericht zu erstatten und wird unverzüglich mit einer zweiten Mission betraut. Er ist nunmehr Delegierter des Freien Frankreichs und wird in der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober im Jura, in der Zone „Orion“ bei Bletterans abgesetzt, zusammen mit Xavier, dem amerikanischen Funker Denis O. Johnson alias Paul und Elisabeth Reynolds, einer Verbindungsagentin. Er begibt sich in Obersavoyen in den Untergrund. Zu seiner Mannschaft gehört auch seine 16-jährige Cousine Micheline Rosenthal alias Michette, die Verbindungsagentin wird. 

Zusammen mit Bourgès-Maunoury trifft er Chaban-Delmas, aber vor allem verhandelt er ein Abkommen mit der FTP, dem Vorläufer der FFI. In Paris trifft er deren Chef, Charles Tillon, und ein Gentleman-Abkommen wird getroffen. Cantinier kann sich nun den bedeutenden Manövern von Glières widmen.

Anfang 1944 führt er in Verbindung mit den Leitern der verschiedenen Partisanengruppen gefährliche Missionen durch, vor allem den heiklen Sabotageakt an der Kugellagerfabrik Schmidt-Ross in Annecy, durch den die Fertigung für mehrere Monate unterbrochen werden muss. Er organisiert ebenfalls mehrere Fallschirmabwürfe für die Partisanengruppe von Glières.

Am 9. März ist er bei der Expedition gegen die Garnison der GMR bei Entremont, bei der Tom Morel getötet wird, anwesend und nimmt an der Verteidigung des Plateaus von Glières teil. Nachdem am 26. März 1944 die Order zum Rückzug gegeben wird, nimmt er die Vorbereitung der Befreiung von Obersavoyen in Angriff. 

Am 3. Mai 1944 kehrt Jean Rosenthal nach London zurück, um seine Befehle entgegenzunehmen und macht sich dann erneut auf den Weg nach Frankreich Er wird in der Nacht vom 7. auf den 8. Juni 1944 zusammen mit Bourgès-Maunoury und Paul Rivière per Fallschirm in Cluny en Saône-et-Loire abgesetzt, um die Verbindung zwischen den Partisanen und dem Generalstab der Alliierten sicherzustellen.

Im August 1944 befreien die Partisanen unter seiner Führung das Departement, nehmen 3.000 Gefangene und beschlagnahmen zahlreiches Kriegsmaterial. Am 19. August 1944 nimmt er im Beisein des Regionalchefs der FFI Nizier in der Präfektur von Obersavoyen die Kapitulation der deutschen Streitkräfte unter dem Kommando von General Oberg entgegen.

Im Oktober 1944 wird Jean Rosenthal zur „Direction Générale des Etudes et Recheches (DGER)“ in Paris versetzt, und meldet sich dann freiwillig für einen Einsatz in Fernost gegen die Japaner. Von London aus begibt er sich im April 1945 nach Kalkutta, wo er Stellvertreter des Basisleiters ist. Er wird zum Leiter des Bataillons ernannt, bereitet Fallschirmabwürfe vor und erzielt mit seinen Fallschirmspringern hervorragende Ergebnisse. Nach mehreren Hin- und Rückreisen nach Paris kommt er im März 1946 endgültig zurück und wird anschließend demobilisiert.

Von da an nimmt Jean Rosenthal seine Vorkriegsaktivitäten und seinen Beruf als Juwelenhändler wieder auf. Er ist Präsident des Weltschmuckverbandes (Confédération Internationale des Bijoutiers, Joailliers, Orfèvres et Horlogers).

Als Ehrenoberst übernimmt er auch wichtige Aufgaben in der jüdischen Gemeinde, wie zum Beispiel das Amt des Präsidenten des CRIF und der Vereinigung der Juden in Frankreich. 

Jean Rosenthal stirbt am 2. August 1993 in Garches (Hauts-de-Seine). Er liegt auf dem Friedhof Montparnasse in Paris begraben.

 

  • Großoffizier der Ehrenlegion [list]Kamerad der Befreiung – Erlass vom 20. November 1944
  • Kriegsverdienstkreuz 1939 – 1945 (6 Auszeichnungen)
  • Kolonialmedaille
  • Military Cross (GB)