Louis Faidherbe

1818-1889
Porträt von Louis Léon César Faidherbe, General. Quelle : SHD (Historischer Dienst des Verteidigungsministeriums) Abteilung Landstreitkräfte

(Lille: 3. Juni 1818 - Paris: 28. September 1889)

 

Louis Léon César Faidherbe ist das fünfte Kind einer in bescheidenen Verhältnissen lebenden Familie von Strickwarenherstellern aus Lille. Er ist hartnäckig und fleißig und kommt 1838 auf die Ecole Polytechnique und später auf die Militärschule in Metz. 1842 wird er Offizier bei den Pionieren und macht Bekanntschaft mit den Kolonien: ein kurzer Aufenthalt auf der Insel Guadeloupe 1848, dann Algerien (1849), wo er sich durch sein Organisationstalent und seine physische und moralische Widerstandsfähigkeit auszeichnet. Als Gegner des Staatsstreichs vom 2. Dezember 1851 geht Faidherbe 1852 in den Senegal. Er vertritt die Interessen der Händler, die den Markt für Erdnüsse, Baumwolle usw. auf einem befriedeten Territorium nutzen wollen, und setzt den örtlichen Vertreter Frankreichs, Bouët-Willaumez (1808-1871) ab. Als Borom N'Dar, Gouverneur, nutzt er nun die Streitigkeiten der Stämme, um seinen Plan zur Gründung einer homogenen Kolonie um den Fluss Senegal auszuführen. 1854 erobert er mit seinen Truppen die Fürstentümer des Senegal, des Bambouk und Foutou Toro. Während dieses Feldzugs beendet er die Feindseligkeiten um El-hadj anlässlich der Belagerung von Medina im Jahr 1857, eine bedeutsame Episode in dem "Krieg des Kreuzes gegen den Halbmond".

Faidherbe erweitert die französische Einflusssphäre durch die Annexion des Königreichs Walo und eines Teils von Cayor und durch die Ausdehnung der französischen Kontrolle im oberen Senegal in Richtung Bambouk. Im Süden zwingt er dem Königreich Sine-Saloum, der Petite Côte, der Halbinsel Cabo Verde und weiter bis zur Casamance das französische Protektorat auf. Während seiner Aufenthalte im Senegal von 1852 bis 1861 und von 1863 bis 1865 gestaltet er diese Kolonie in einen in Arrondissements und Kreise eingeteilten Bereich um, in denen Offiziere aus dem Mutterland die Führung einnehmen. Er organisiert ein Rekrutierungssystem in der lokalen Bevölkerung, das 1857 auf militärischem Gebiet zur Gründung des ersten Regiments der senegalesischen Infanterie führt. Er wird wegen seiner zügigen militärischen und politischen Praktiken kritisiert und baut eine Taktik der kolonialen Expansion durch die Eisenbahn und eine Reihe von kleinen Festungen auf. Er führt den Unterricht in der französischen und franco-moslemischen Sprache ein, fördert die lokalen Eliten, gründet 1855 die Bank von Senegal und baut einen Hafen für Dakar.

Faidherbe erweitert die französische Einflusssphäre durch die Annexion des Königreichs Walo und eines Teils von Cayor und durch die Ausdehnung der französischen Kontrolle im oberen Senegal in Richtung Bambouk. Im Süden zwingt er dem Königreich Sine-Saloum, der Petite Côte, der Halbinsel Cabo Verde und weiter bis zur Casamance das französische Protektorat auf. Während seiner Aufenthalte im Senegal von 1852 bis 1861 und von 1863 bis 1865 gestaltet er diese Kolonie in einen in Arrondissements und Kreise eingeteilten Bereich um, in denen Offiziere aus dem Mutterland die Führung einnehmen. Er organisiert ein Rekrutierungssystem in der lokalen Bevölkerung, das 1857 auf militärischem Gebiet zur Gründung des ersten Regiments der senegalesischen Infanterie führt. Er wird wegen seiner zügigen militärischen und politischen Praktiken kritisiert und baut eine Taktik der kolonialen Expansion durch die Eisenbahn und eine Reihe von kleinen Festungen auf. Er führt den Unterricht in der französischen und franco-moslemischen Sprache ein, fördert die lokalen Eliten, gründet 1855 die Bank von Senegal und baut einen Hafen für Dakar.

Nach einer Zeit der Erholung und der kaiserlichen Ungnade hält sich Borom N'Dar bis 1870 in Algerien auf, wo er die ethnologischen und archäologischen Studien fördert und die Akademie von Hippone mit einer reichen Bibliothek ausstattet. 1869 erhält er aus den Händen des Bey von Tunis das Band des Ritters 1. Klasse des Ordens von Nichan al-Iftikhar. Aus Algerien verfolgt er aufmerksam die Kämpfe des Französisch - preußischen Krieges und erfährt von der Verhaftung des Kaisers in Sedan und der Kapitulation von Bazaine in Metz (27. Oktober 1870), er beendet sein Schweigen und kritisiert die Regierung von Napoleon III. Begeistert von den patriotischen Ideen der Regierung der nationalen Verteidigung wird er am 19. November 1870 zum 22. Armeekorps von Lille berufen, der Nordarmee von Bourbaki und geht dann nach Tours, wo er Gambetta trifft, bevor er am 4. Dezember im Grad eines Generalmajors sein Kommando antritt. Er leistet den Truppen des Barons Manteuffel an der Frontlinie Le Havre - Thionville erbitterten Widerstand. Unter Benutzung einer List und mit Unterstützung guter Aufklärer gelingt es ihm, die Kaiserlichen zum Rückzug von Rouen zu zwingen und General Goeben im Abschnitt von Amiens in Angst zu versetzen, wo seine Männer bei Pont-Noyelle (23.-24. Dezember 1870), Péronne-Bapaume und Cambrai-Saint-Quentin im Januar 1871 die Oberhand gewinnen. Diese Kampfeslust, die ihm bei den Deutschen den Spitznamen "Quecke" einträgt, ermöglicht es, die Umklammerung von Paris durch die Kaiserlichen zu lösen.

Er steht treu zur Republik, akzeptiert den Waffenstillstand und versorgt die Versaillais von Adolphe Thiers (1797-1877) mit Truppen. Dann zieht er es vor, sein Kommando abzugeben, um sich mehr der Stadt Lille widmen zu können, deren Bürgermeister er wird. Er veröffentlicht nun eine Reihe von Studien zur Neuorganisierung der Armee, in denen er für eine bessere Disziplin der Offiziere, für die zweijährige Wehrpflicht , die vor allem der Erziehung der unteren Klassen dienen soll, und die Modernisierung der benutzten Schusswaffen eintritt. Als Abgeordneter des Nordens nimmt er an den großen Debatten der jungen Dritten Republik teil und hat den Vorsitz in der Zentralkommission der Eisenbahnen. Als Literat studiert und publiziert er die libyschen Inschriften aus Ägypten, besucht Jerusalem (Mai 1872), usw. Am 28. Februar 1880 wird er zum Großkanzler der Ehrenlegion erhoben und reformiert die Maisons (Häuser) dieser Institution. 1883 wird er ohne Alterbegrenzung in seinen militärischen Funktionen belassen und kämpft ein letztes Mal an der Seite von General Boulanger, an dessen Triumph er teilhat, bevor er am 29. September 1889 stirbt. Am 2. Oktober erhält er ein Staatsbegräbnis. Eine große Mengenmenge und eine offizielle Delegation aus dem Senegal begleiten den Trauerzug zur Kapelle des Invalidendoms. Am nächsten Tag organisiert seine Geburtsstadt Lille ein großartiges Begräbnis. Viele Huldigungen werden ihm zuteil: im selben Jahr bestellt der Senat eine Büste für den Garten des Luxemburg - Schlosses; im Oktober 1891 weiht die Stadt Bapaume eine Statue zu seinen Ehren ein. In Lille wird 1896 eine Reiterstatue errichtet.

Eine Auswahl seiner Schriften fasst den reichen Lebensweg dieses republikanischen Soldaten zusammen, der Mitglied der Akademie der Inschriften und Literatur und der Geographischen Gesellschaft war: Die Berber und die Araber an den Grenzen Senegals (1854), Vokabular von ungefähr 1500 französischen Wörtern mit ihren Entsprechungen im Wolof von Saint-Louis, im Pular (Toucouleur) von Fouta, im Soninke (Sarakole) von Bakel, Saint-Louis (1860), ein Kapitel über die Geographie von Nordwestafrika für die Schulen von Senegambia (1865), eine vollständige Sammlung der numidischen (libyschen) lnschriften mit kurzen ethnographischen Darstellungen über die Numider (1870), Phönizische Epigraphik (1871), Feldzug der Nordarmee 1870-1871 (1871), eine zusätzliche Anmerkung an die Adresse der Untersuchungskommission über die Operationen der Nordarmee (1873), Der französische Sudan. Eisenbahn von Medina zum Niger (1881-1885), Senegalesische Sprachen: Wolof, der arabische Dialekt Hassania, Soninke, Severisch (1887); Beiträge und Gespräche im Echo du Nord und Mémorial.


Bibliographische Quellen
COURSIER (Alain), Faidherbe vom Senegal zur Nordarmee, Paris, Tallandier, 1989. Gambetta - Faidherbe. 125. Jahrestag der Ausrufung der 3. Republik: der Feldzug in der Picardie 1870-1871, Archäologische und historische Gesellschaft von Boulogne-Conchy-Hainvillers und Umgebung, 1995. MOURRE (Michel), Dictionnaire encyclopédique d'histoire, D-H, Paris, Bordas, 1996, p. 2086. PONS (Grégori), "Faidherbe, der stille Eroberer), Histoire magazine 9 (1980), p. 16-19. RIOUX (Jean-Pierre), Dir., Dictionnaire de la France coloniale, Paris, Flammarion, 2007.