Die Befreiung von Straßburg

 Nach Abschluss der Zusammenlegung der FFI (Französische Streitkräfte im Inneren) mit dem 15. amerikanischen Armeekorps (3., dann 7. US-Armee) wird der 2. Pz.Div. Epinal als Ziel zugeteilt. Ab 12. September stellt ein Verband der Division die Verbindung zu Bestandteilen der 1. DMI (ehemals DFL) her. Leclerc rückt bis Vittel, Contrexéville und Dompaire vor. Mit Hilfe der Widerstandsgruppen gelingt am 30. Oktober die Befreiung von Baccarat. Es folgt die Befreiung von Badonviller am 17. November.

Leclerc bereitet die Überquerung der Vogesen durch die Schneise von Saverne vor, um die Ebene des Elsass und Straßburg zu erreichen. Leclerc erhält vom amerikanischen General Haislip die Genehmigung, weiter nach Straßburg vorzudringen, um die noch intakte Brücke in Kehl einzunehmen. Am 22. November erteilt General Leclerc den Befehl, Straßburg und wenn möglich auch Kehl auf der anderen Rheinseite einzunehmen. Gleichzeitig sollte weiterhin die Schneise von Saverne beobachtet und die Reaktion des Feindes auf südlicher Seite abgewartet werden. Der Verband von Guillebon soll von Süden kommend in Richtung Straßburg vorrücken, während sich der Verband von Langlade, der insbesondere aus dem 12. Jägerregiment aus Afrika besteht, der Stadt vom Norden her nähern soll. Die Dio-Gruppe sollte die Säuberung der Schneise von Saverne durchführen und die Flanken im Norden der Division sichern. Die Truppen setzen sich am 23. November um 6.45 Uhr in Bewegung. Um 10 Uhr dringen die ersten Truppen der Untergruppe von Rouvillois, dem Kommandanten des 12. Panzerregiments, in die elsässische Hauptstadt vor. Am frühen Nachmittag erreicht auch die Untergruppe von Massu die Stadt. Die Trikolore wird auf der Spitze der Kathedrale von Straßburg gehisst.

In seiner Rede versichert Leclerc den Straßburgern, dass ihm die Befreiung der elsässischen Hauptstadt bereits seit drei Jahren, seit dem berühmten Eid von Kufra am 2. März 1941, ein wichtiges Anliegen war.
In seinen Kriegsmemoiren schreibt General de Gaulle: „Eine Nachricht von General Leclerc setzt mich gleich nach dem Einzug der Truppen in Straßburg darüber in Kenntnis. Am Beginn der an diesem Tag abgehaltenen Sitzung der beratenden Versammlung habe ich die Neuigkeit verkündet. Ein Schauer durchläuft die Zuhörerschaft, die plötzlich insgesamt eine Debatte beginnt. Waffen besitzen manchmal die Tugend, französische Einigkeit zu bewirken.

Aber Leclerc gelingt es nicht, weiter in den Süden vorzudringen, wo de Lattre Mühlhausens befreien konnte. Außerdem will Deutschland seine Ansprüche um jeden Preis verteidigen, wurde doch das Gebiet als Teil des Reiches, des „Vaterlandes“ betrachtet. Sie bereiten einen Gegenangriff vor, der die Alliierten weit hinter die deutschen Grenzen zurückdrängt. Am 16. Dezember starten sie eine Großoffensive in den Ardennen. Die Amerikaner geraten ins Wanken. Am 31. Dezember erfolgt zwischen Bitche und Saverne ein weiterer deutscher Angriff auf das Elsass. Straßburg wird am 5. Januar durch einen von den Deutschen in Gambsheim errichteten Brückenkopf bedroht. General de Gaulle erreicht bei den Amerikanern, dass die 3. algerische Division die Verteidigung der Stadt übernimmt, während die amerikanischen Truppen sich auf der Linie Hagenau-Wingen neu formieren. Am 9. Januar folgt weitere Unterstützung durch die aus der FFI gegründete 10. DI.

Zwischen Ill und dem Rhein-Rhone-Kanal kommt es am 7. Januar zu einem erneuten Angriff Deutschlands, in Folge dessen sich die 1. DMI zurückziehen muss und schwere Verluste erleidet. Im Norden zwingen deutsche Panzer die Amerikaner zum Rückzug bis zur Moder. Am 22. Januar gelingt es jedoch durch das energische Eingreifen der 2. Panzerdivision (unter dem Kommando der 1. französischen Armee), die Front auf einer Länge von 15 km von der elsässischen Hauptstadt entfernt zu stabilisieren, die noch immer von den deutschen Truppen bedroht wird. Um den Druck von Straßburg und dem Nordelsass zu nehmen, entscheidet sich General de Lattre de Tassigny Anfang Februar 1945 zu einem Angriff auf Colmar und den Verteidigungskessel der Deutschen.

Insgesamt werden 12.000 deutsche Soldaten gefangen genommen, darunter 3 Generäle, Brühn, Freiher (89. AK) und von Vaterrodt, Militärgouverneur von Straßburg; 2000 Deutsche wurden getötet, 850 Panzer und 166 Artilleriewaffen zerstört. Auf französischer Seite zählt man 120 Tote und Verletzte sowie 80 zerstörte Fahrzeuge, davon 10 Panzer.
Nach Paris erreicht Leclerc mit der Befreiung von Straßburg, der Hauptstadt des ans Reich annektierten Elsass, das politische Ziel, das ihm General de Gaulle aufgetragen hat. Dennoch gelang es de Lattre nicht, Colmar einzunehmen. Elsass ist daher noch nicht vollständig befreit. Es sind noch erbitterte Kämpfe und schwere Verluste von Dezember 1944 bis Februar 1945 nötig, um dieses Ziel zu erreichen.

  • Die Kathedrale Notre-Dame in Straßburg, 13. - 19. Dezember 1944. Copyright ECPAD. Fotograf Jacques Belin. Quelle: TERRE 382-L9085

  • Die Soldaten der 2. Pz.Div. errichten bei der Befreiung Straßburgs eine Panzersperre in der Rue du port du Petit-Rhin. Copyright ECPAD. Fotograf Jacques Belin oder Roland Lennad. Quelle: TERRE 339-L8049

  • Die 2. Pz.Div. in Straßburg am 23. November 1944. Copyright ECPAD. Fotograf Jacques Belin oder Roland Lennad. Quelle: TERRE 339-L8067

  • Deutsche Kriegsgefangene in der Stirn-Kaserne in Straßburg, bewacht von Soldaten der 2. Pz.Div. Copyright ECPAD. Fotograf Jacques Belin oder Roland Lennad. Quelle: TERRE 339-L8157

  • No man’s land between Strasbourg and Kehl, 16 January 1945. Copyright ECPAD. Photo Henri Malin. Ref.: TERRE 10087-G15Niemandsland zwischen Strasbourg und Kehl, 16. Januar 1945. Copyright ECPAD. Fotograf Henri Malin. Quelle: TERRE 10087-G15