Zeitschrift September/Oktober 2018 n°264 Zeitschrift September/Oktober 2018 n°264

Das Dossier

Junge Reporter des Gedenkens

Henri Borlant ist das einzige jüdische Kind unter 16 Jahren, das Auschwitz nach seiner Festnahme 1942 überlebt. Nach der Deportation im Juli überlebt er drei Jahre im Todeslager. Nach seiner Rückkehr wird er Arzt. Als ihm die Redaktion vorschlägt, Schüler des Gymnasiums für Kommunikation in Metz zu treffen, antwortet er: „Das ist meine Aufgabe“.

Die Gymnasiasten aus Metz vor dem Buch der Namen in Auschwitz, Februar 2018
Die Gymnasiasten aus Metz vor dem Buch der Namen in Auschwitz, Februar 2018 - © Lucie Missler

Zusammenfassung

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    Ich erzähle Ihnen nun meine Geschichte. Ich wurde am 5. Juni 1927 in Paris geboren. Ich bin das vierte von 9 Geschwistern. Meine Eltern waren russische Juden, die vor dem Ersten Weltkrieg im Jahre 1912 nach Frankreich gekommen waren, weil sie von der Demokratie träumten. Zu Ende des Schuljahres 1939 kommen Kriegsgerüchte auf. Die Behörden im 13. Arrondissement von Paris befürchten Bombardierungen. Wie in anderen Stadtteilen mit vielen Kindern wird deren Abreise organisiert. Man setzt meine Mutter, meine Geschwister und mich also in einen Zug, der uns in ein kleines Dorf südlich von Angers bringt. In der Nacht bringt meine Mutter meine jüngste Schwester zur Welt. Am nächsten Tag, dem 1. September, wird die Generalmobilmachung durch Aushang bekanntgegeben. Ich werde in der Schule eingeschrieben und erhalte vom unterrichtenden Priester eine katholische Erziehung. Bald schon werde ich getauft, mache meine Erstkommunion, dann die Firmung und werde sehr gläubig. Mit 14 Jahren komme ich aus der Schule und finde eine Stelle in der Werkstatt nebenan. Wir waren glücklich, weil wir zusammen waren und die schönen Seiten am Land entdeckten, während es in Paris viele Einschränkungen gab.

     

    Mitten in dieser Ruhe holen uns am 15. Juli 1942 deutsche Soldaten ab. Sie haben unsere Namen und unsere Adresse. Mein Vater war nicht auf der Liste. Ich war 15 Jahre alt, war auf der Liste, genauso wie mein Bruder Bernard und meine Schwester Denise. Ich dachte, Deutschland würde Arbeitskräfte brauchen und ich solle dort arbeiten. Aber meine Mutter stand auch darauf. Ich war auf so etwas nicht vorbereitet. Sie konnte nicht arbeiten. Ich verstand das nicht. Wir sind auf das Lastauto gestiegen und es fuhr los. Unterwegs nehmen sie weitere Familien fest. Nach der Ankunft im Seminar von Angers werde ich von meiner Mutter und meiner Schwester getrennt. Am nächsten Tag kommt mein Vater zu mir und meine Mutter wird in das Dorf zurückgeschickt. Wir sind fünf Tage im Seminar geblieben.

     

    Eines Morgens werden wir in Tierwaggons geladen, die weder Fenster noch Sitze haben und in denen wir uns nicht ausstrecken können. Ich werde meine Schwester, die von uns getrennt wurde, nicht mehr wiedersehen. Der Zug bleibt vor seiner Abfahrt stundenlang stehen. Die Leute beginnen kurze Nachrichten zu schreiben, die sie durch die kleine Luke werfen. Auch ich mache das: „Mama, scheinbar fahren wir in die Ukraine, um bei der Ernte zu helfen.“ Später erfahre ich, dass meine Mutter die Nachricht von einem Eisenbahner erhalten hat.

     

    Die Fahrt dauert 3 Tage und 3 Nächte, ohne Essen und Trinken. Der Zug bleibt schließlich mitten auf einem Feld stehen. Man hört Schreie, Männer, Hunde. Beim Aussteigen werden wir aufgefordert, unser Gepäck zurückzulassen und wir müssen laufen. Man lässt uns in 5er-Reihen aufstellen und wir gehen ca. 2 Kilometer, bis wir zum Lager Birkenau kommen, das mit Stacheldraht umgeben ist, der unter Strom steht, wie wir sehr schnell erfahren. Wir werden zu einer großen Baracke geführt, bevor man uns Befehle erteilt: zuerst „Zieht euch ganz aus“. Vor aller Augen? Ja. Ich war sehr schamhaft. Es setzt erste Stockschläge. Ein weiterer Trupp kommt, der uns schert und rasiert. Ich sehe meinen nackten Vater mit kahl geschorenem Kopf. Dann bekommen wir eine Tätowierung. Diese Nummer ist unser Name, unsere Identität. Ich werde zur 51.055. Im Lager gibt es Franzosen, zumeist Widerstandskämpfer und Kommunisten, die neben ihrer Nummer ein rotes Dreieck tragen. Ein Buchstabe zeigt die Nationalität an. Die Grausamsten tragen grüne Dreiecke, ehemalige Verbrecher. Sie sind oft Chefs von Kommandos.

     

    Wir bekommen Kleidung, die bereits von kranken Menschen oder von solchen getragen worden war, die darin zweifelsohne gestorben sind. Die Schuhe sehen aus wie Holzsandalen. Mit ihnen zu laufen ist sehr schwierig. Bald schon haben wir alle Blasen an den Füßen. Wir werden angeschrien, geschlagen, können nicht trinken und verhungern fast. Jeden Tag kommen Züge mit neuen Deportierten. Sie sagen uns: „Ihr seid hier in einem Vernichtungslager. Außer über den Schornstein des Krematoriums kommt ihr von hier nicht weg.“ Es herrscht Panik. Ja, so hat das angefangen.

     

    WAS WAR DAS EINSCHNEIDENSTE EREIGNIS WÄHREND IHRER DEPORTATION?

     

    Ich glaube, das war der Hunger. Wenn man fast verhungert, ist man kein wirklicher Mensch mehr. Der Kopf ist nicht frei, man nimmt ab, man strengt sich über die Maßen an. Ich kenne den Hunger, den jene erlebt haben, die man heute auf den Archivdokumenten sieht, wie Skelette, die nur noch die Haut auf den Knochen haben. Ich kenne diejenigen, die daran gestorben sind. Das Wort Hunger, das ihr verwendet, wenn ihr das Mittagessen weglasst, bedeutet nicht das gleiche. Wir haben etwas erlebt, was man nicht mit Worten beschreiben kann. Wenn man solchen Hunger hatte wie ich, gibt es keinen Traum mehr, gar nichts mehr. Der Hunger lässt einen nicht los.

     

    KONNTEN SIE MIT IHRER FAMILIE ZUSAMMENBLEIBEN?

     

    Nach der ersten Woche in derselben Baracke mit meinem Vater wurden wir getrennt. Ich sah ihn manchmal am Abend. Nach einem Monat sagte er zu mir: „Ich bin 54 Jahre alt, ich werde es nicht mehr lange schaffen. Du musst durchhalten, denn deine Mutter braucht dich.“ Nach sechs Wochen habe ich ihn nicht mehr gesehen. Zwei Monate später wurde ich nach Auschwitz I geschickt und von meinem Bruder getrennt, den ich nicht mehr wiedersah. Ich blieb ein Jahr in Block 7, der von einem Barackenaufseher mit grünem Dreieck geleitet wurde, einem völlig Wahnsinnigen. Nach einem Jahr werde ich nach Birkenau zurückgeschickt. Es war zu einem riesigen Lager geworden. Ich suche meinen Bruder, finde ihn aber nicht.

     

    WAR ES IN EINEM LAGER MÖGLICH FREUNDSCHAFTEN ZU SCHLIESSEN?

     

    Das war nicht nur möglich, sondern unbedingt notwendig, um zu überleben. Es gab niemanden, der ohne gegenseitige Hilfe überleben konnte. Es gibt einen Moment, in dem man ganz allein nicht mehr kann. Es gibt einen Moment, in dem man 40 Grad Fieber hat und den man nicht überlebt, wenn man nicht von beiden Seiten gestützt wird, um beim Appell nicht zusammenzubrechen. Es gab auch moralische Unterstützung: Menschen, die mit mir sprachen, die mir Mut machten und mir sagten, dass sie da sind. An anderen Tagen sollte ich für sie da sein. Menschen derselben Sprache versuchten sich in Gruppen zusammenzutun. Als wir dann mehrere waren, sahen wir die Gefahr von allen Seiten kommen, wir warnten einander, was zum Überlebenskodex gehörte.

     

    Alle, die ich im Lager kennengelernt habe, sah ich später regelmäßig wieder. Es waren die einzigen, mit denen ich über das Leben in den Lagern sprechen konnte. Den Arzt Désiré Hafner, der mir später riet Arzt zu werden, kannte ich bis zu seinem Tod. Ich habe seinen Bericht protokolliert und wir haben eine DVD für die Stiftung zur Erinnerung an die Deportation gemacht... Ich habe ein gutes Dutzend Kollegen angerufen, die ich interviewete, wunderbare Menschen, die all das durchgemacht hatten. Wissende Leute, denn sie haben dasselbe erlebt. Niemand konnte uns so gut verstehen wie diejenigen, die denselben Weg gegangen waren.

     

    WIE ERKLÄREN SIE ES, DASS SIE DREI JAHRE NACH DER DEPORTATION NOCH AM LEBEN WAREN?

     

    Ich kann es nicht erklären. Ich war 15 Jahre alt und sehr zerbrechlich. Ich hätte wirklich nicht auf mich gesetzt. Dennoch habe ich den Typhus, die Tuberkulose usw. überlebt. Und die Lust zu leben ist etwas, das es wirklich gibt. Manche sagten sicht: „Es lohnt sich nicht zu leiden um zu sterben“ und sie ergriffen den elektrischen Stacheldraht. Es gab so manchen Selbstmord. Aber die meisten sagten sich, man müsse selbst unter diesen Bedingungen versuchen zu überleben, einen weiteren Tag und noch einen und noch einen. Wenn ich Ihnen das erzähle, möchte ich einen Satz hinzufügen, der nicht von mir stammt sondern von La Fontaine, im Märchen „Der Tod und der Holzfäller“: „Lieber leiden als sterben. So lautet die Devise des Menschen.“ Man leidet, man ist unglücklich, aber man klammert sich ans Leben.

     

    WIE IST IHRE BEFREIUNG ABGELAUFEN?

     

    Im Oktober 1944, als die Russen näher kamen, wurden mehrere von uns in die Lager bei Berlin evakuiert. Jeden Tag flogen die alliierten Flugzeuge über uns hinweg. Ich wurde schließlich nach Ohrdruf geschickt, ein kleines Nebenlager von Buchenwald. Ich werde ein Neuling, das heißt, dass man mich die schlimmsten Arbeiten machen lässt. Eines Tages werde ich in einen Fleischerladen in der Stadt geschickt, um Essen für die SS zu holen. Während wir den Lastwagen be- und entladen, nähert sich ein Kriegsgefangener und sagt zu mir (er war Franzose): „Halte durch, es dauert nicht mehr lange, die Amerikaner sind nicht mehr weit weg und wenn du dich retten kannst, werden dich meine gefangenen Kameraden und ich verstecken. Der Fleischer hier ist ein Nazigegner. Du kannst dich ihm anvertrauen.“ Eines Tages, in der Nacht vom 3. auf den 4. April 1945, als wir wussten, dass die Amerikaner kommen, sind ein Kamerad und ich geflohen, da wir die Zwangsräumung, diese Todesmärsche, vermeiden wollten. Wir sind zu dem Fleischer, der uns Gefangenenkleidung gab. Am nächsten Tag kommen die Amerikaner. Ich bin frei. In ihrem Jeep fahren sie uns ins Lager Ohrdruf. Wir hatten das dringende Bedürfnis zu erzählen und zu zeigen, was geschehen war. Am 13. April bin ich im Repatriierungszentrum. Am 16. komme ich in Montigny-Lès-Metz an. Dort ist die Kontrolle der Papiere sehr streng. Ich habe keine. Ich gehöre in keine Kategorie: Gefangene, Unerwünschte, Arbeiter. Deportierte kennen sie nicht. Einer meiner Kameraden, dem man mitteilt, dass ihn seine Frau am Ostbahnhof erwartet, nimmt mich mit. Im Süden von Paris angekommen, essen wir das erste Mal in Frankreich. Das Telefon klingelt und man sagt mir „wir haben deine Mutter gefunden, sie wartet in ihrer Pariser Wohnung mit deinen Geschwistern auf dich.“ Ich hätte nicht geglaubt, sie wiederzusehen. Ich hatte mir immer gesagt, sie wäre zweifelsohne in einem der vielen Konvois nach Auschwitz gekommen. Ich fahre zu ihr. Sie hat mir keine Fragen gestellt und ich habe ihr nie etwas erzählt.

     

    WAS WAR NACH IHRER RÜCKKEHR AM SCHWIERIGSTEN?

     

    Es war nicht schwer, als ich zurückgekommen bin! Ich war in Paris, 17 Jahre alt, ich hatte die Zukunft vor mir und glaubte, nichts wäre mehr schwierig, nachdem ich das erlebt hatte. Vor allem habe ich meine Mutter wieder gefunden, ich konnte sie in meine Arme schließen und ihr sagen, wie sehr ich sie liebte. Dieses Glück hatten nicht alle. Zwei Jahre nach meiner Rückkehr inskribierte ich an der medizinischen Universität, da ich vor der Deportation keinen Abschluss gemacht hatte. Innerhalb von zwei Jahren bestand ich meine mittlere Reife und mein Abitur. Ich habe nie abgerüstet. Ich wurde Arzt, ein Beruf, den ich gerne ausübte. Ich hatte eine Praxis am Boulevard Richard Lenoir in Paris. Eines Tages behandelte ich eine deutsche Patientin, die mir ein Freund geschickt hatte. Sie hatte ihre Eltern verlassen, nachdem sie das Drama der Shoah entdeckt hatte. Sie kam einige Zeit später zurück und ich habe sie eingestellt. Wir verliebten uns, heirateten und bekamen drei wunderbare Töchter. Sie wartet zu Hause auf mich.

     

    Es gab weitere zufriedene und glückliche Momente, wie jenen, als mir der Präsident der Republik einen Orden im Elysée anheftete und eine kurze Ansprache hielt. Zu diesen glücklichen Augenblicken zählt auch das, was ich mit euch mache, das heißt, gegen den Nationalsozialismus zu kämpfen, das ist wichtig. Vor allem bin ich mir bewusst, dass es nicht allen immer gegeben ist, glücklich zu sein, etwas zu essen zu haben, wenn man Hunger hat, mit der Frau zusammen zu sein, für die man sich entschieden hat, das ist Glück. Wenn man das überlebt hat, was ich überlebt habe, ist es dumm, sein Leben zu vergeuden.

     

    WENN MAN ETWAS ERZÄHLT, ERLEBT MAN ES AUF EINE GEWISSE WEISE WIEDER. IST ES FÜR SIE DAHER SCHWIERIG, IMMER WIEDER ZU ERZÄHLEN?

     

    Nein, nein... Ich hatte beschlossen, nie mehr nach Auschwitz zurückzukehren. Ich wurde oft gebeten, Schüler und Studenten dorthin zu begleiten. 1995 wurde ich von einer Professorin für Geschichte kontaktiert, deren Studenten eine Arbeit und Ausstellung zum Thema „Die Befreiung der Lager und die Rückkehr der Deportierten“ machten. Ich gab ihnen daher die Kassetten mit den Berichten, um zu ihren Überlegungen beizutragen. Sie bitten mich, Serge Klarsfeld zu kontaktieren, damit er bei der Eröffnung der Ausstellung anwesend sei. Ich kannte ihn nicht persönlich. Aber ich rief ihn trotzdem an und sagte ihm, dass ich das Buch, das er über die Deportation der Kinder geschrieben hatte, gelesen und ein Foto meines Bruders gesehen habe. Er sagt zu mir: „Ah, wie heißen Sie?“, ich sage ihm meinen Namen und er sieht in seinen Listen nach. Er sagt: „Ich habe Sie nicht als Überlebenden vermerkt, sind Sie nicht über das Hotel Lutétia zurückgekehrt?“; „Nein, ich bin früher heimgekommen.“ Er hat mich zu den Überlebenden hinzugefügt und akzeptierte dann zu kommen... Damals bat er mich, Schüler der Abschlussklasse der Region Rhône-Alpes, die gleich alt waren wie ich zum Zeitpunkt meiner Deportation, mit ihm zusammen nach Auschwitz zu begleiten. Ich sagte zu, weil ich mich nicht traute nein zu sagen und als ich auflegte, sagte meine Frau zu mir: „Aber du bist krank, du weißt, dass du bei der Vorstellung, dorthin zu fahren, vor Angst zitterst.“ Als die Jugendlichen mit ihrem Lehrer zum Flughafen Lyon kamen, sagte er zu ihnen: „Das ist Henri Borlant... er war im Juli 1942, als er verhaftet wurde, 15 Jahre alt, so wie ihr jetzt. Es gab 6.000 Kinder unter 16 Jahren, die 1942 verhaftet wurden und von den 6.000 ist er der einzige Überlebende.“ Das versetzte mir einen schweren Schock. Seither sage ich mir, dass ich mich nicht weigern darf zu berichten, da ich weiß, dass ich der einzige Überlebende einer so großen Zahl von Kindern bin, die ermordet wurden.

     

    SIE HABEN „MERCI D’AVOIR SURVÉCU“ (DANKE, DASS ICH ÜBERLEBT HABE) VERÖFFENTLICHT. WANN SIND SIE AUF DIE IDEE GEKOMMEN, IHRE ERLEBNISSE AUF PAPIER ZU BRINGEN?

     

    Es gab einen Moment, als ich mir sagte: „Wenn du es nicht jetzt tust, wirst du es nie mehr tun.“ Dieser schriftliche Bericht fehlte mir. Ich bin kein Schriftsteller, daher habe ich meine Geschichte Leuten erzählt, die es hören wollten, aufnehmen usw. Ich versuchte es zwei Mal und war nicht zufrieden. Daher sagte ich mir: „Ich muss es selbst machen.“ Also begann ich zu schreiben. Als das Buch herauskam, fand es einen größeren Widerhall als alle meine Filmberichte. Ein Journalist fragte mich: „Warum haben Sie das nicht früher geschrieben?“, ich antwortete: „Weil ich kein Schriftsteller bin.“ Ich beantworte lieber eure Fragen, denn ich sehe euch und ich weiß, auf welche Wissbegierde ich antworte, das ist etwas ganz anderes, und ich mache das mit Freude. Ich erinnere mich, dass man mich vor langer Zeit einmal fragte: „Haben Sie sich schon einmal geschämt, Jude zu sein?“ Damals antworte ich: „Geschämt, Jude zu sein? Nein, nein, ich habe mich nie geschämt... Ich hatte zu einem bestimmten Zeitpunkt Angst...“. Ich dachte tagelang darüber nach, das ging mir nicht mehr aus dem Kopf... Dann kamen mir Antworten, die für mich zufriedenstellend waren. Ich habe mich nicht geschämt, Jude zu sein, ich habe mich geschämt, Angst zu haben und habe diese Angst überwunden. Diese Angst behielt ich dennoch eine gewisse Zeit, dann ist sie eines Tages verschwunden.

     

    MACHT ES IHNEN HEUTE NOCH ETWAS AUS, IMMER NOCH IHRE TÄTOWIERUNG AUF IHREM ARM ZU SEHEN?

     

    Ja, es macht mir etwas aus. Es ist nicht einfach eine Tätowierung, eine Nummer. Es ist genau die 51.055. Diese Nummer, das heißt, es ist der 23. Juli 1942, als ich 15 Jahre, einen Monat und 10 Tage alt war, dass ich in dieses Vernichtungslager gebracht wurde, dass ich fast drei Jahre lang überlebt habe und mich gegen den Plan der Nationalsozialisten wehrte, uns in Asche und Rauch zu verwandeln. Das ist etwas, auf das ich stolz bin. Die Nationalsozialisten verbrannten uns, um uns verschwinden zu lassen, damit niemand etwas erfährt, und ich bin heute da und zeige euch diese Tätowierung. Es gibt Leute, die an Olympischen Spielen teilnehmen und eine Goldmedaille heimbringen. Diese Tätowierung ist meine Goldmedaille. Sie bedeutet, dass nur sehr wenige diesen Weg geschafft haben, dass ich ihn mit Krankheiten, Schlägen und Hunger ausgehalten habe. Ich bin da, leibhaftig, und prangere heute alle diese Sachen immer noch an. Ich wollte diese Tätowierung nie entfernen lassen. Anfangs habe ich sie versteckt, weil ich fürchtete, dass mir die Antisemiten Böses antun würden. Aber heute zeige ich sie euch, ich brauche sie nicht zu verstecken. Mit dieser Tätowierung kämpfe ich gegen Rassismus, gegen Antisemitismus und ich kämpfe auch für die Verteidigung der Demokratie.

     

    Es gibt etwas, auf dem ich bestehen muss. Ich gehöre zu denjenigen, die diese Zeit erlebt haben, die vier lange Jahre gedauert hat, als Frankreich von Marschall Pétain, Pierre Laval usw. geführt wurde. Sie haben mit den Nationalsozialisten zusammengearbeitet, sie haben unschuldige Menschen verhaftet. In diesen vier Jahren wurden mein Papa, mein Bruder, meine Schwester, meine Großeltern getötet, es wurden unzählige Kinder und Babys getötet, das ging jahrelang so und dann haben die Nazi verloren und ich konnte heim, ich konnte mein Land wieder mit einer demokratischen Führung vorfinden. Es gibt viele Länder auf der Welt, und Abermillionen von Menschen, denen eine solche Demokratie vorenthalten wird und die uns beneiden. Diese Demokratie haben wir geerbt, wir haben sie erhalten. Es gab Menschen, die haben ihr Blut dafür vergossen, sich von der Alleinherrschaft zu befreien. Wir haben das Wahlrecht und erfreuen uns daran, wir können gehen und kommen, wir können reden, für oder gegen etwas sein, das ist Glück. Wenn man dieses Recht wie ich verloren hat und es wiedererlangt, kennt man den Wert. Die Demokratie kann verloren gehen, wenn sich die Menschen nicht dafür interessieren, wenn sie nichts wissen wollen. Bei den Wahlen zeigt sich, dass es einen hohen Prozentsatz von Menschen gibt, die nicht wählen gehen. Ihr seid junge, gebildete Leute. Ihr müsst suchen, nachdenken, eure Wahl treffen und lernen, verantwortungsvolle Bürger zu sein.

     

    WELCHE GEFÜHLE HABEN SIE NACH DEM KRIEG GEGENÜBER DEN DEUTSCHEN?

     

    Ich bedanke mich für diese Frage, denn sie ist sehr wichtig. Es sind nicht die Deutschen, es sind die Nazi, die ich hasse, ob sie nun Franzosen oder Deutsche sind. In dem Lager, in dem ich war, gab es Deutsche, die Nazigegner waren. Ich kann nicht vergessen, dass sie im Kampf gegen die Nationalsozialisten ihr Leben riskierten. Ich habe euch die Geschichte, als ich ein junges, hübsches Mädchen kennenlernte, deshalb erzählt, weil sie Deutsche war und ich sie geheiratet habe. Ihr Vater war im Krieg Soldat und als seine Tochter ihn nach Erklärungen fragte, sagte er: „Das ist vorbei und wir sprechen nicht mehr darüber.“ Das war der Punkt, an dem sie beschloss, nach Frankreich zu gehen. Ich bin nicht dagegen, dass man über Menschen, die Verbrechen begangen haben, richtet und sie ihrer Straftat entsprechend verurteilt. Die Gesellschaft braucht Gerechtigkeit, sie braucht keine Vergebung. Es dürfen nur die Opfer vergeben und niemand anderer.

    Pierre-Mickaël Carniel, Jeanne Zeihen et Léa Caïd

    Mehr wissen

    Bibliographie

    Merci d’avoir survécu, Henri Borlant, éditions du Seuil, 2011.

     

    Online-Artikel

    1945, die Entdeckung des Grauens

     

    Videos

    Unterricht über die Deportation. Interakademische Tagung Paris-Créteil-Versailles. Auditorium der Shoah-Gedenkstätte, 19. November 2014

    Besuch des Lagers Ohrdruf durch eine Delegation amerikanischer Generäle

    Artikeln der Zeitschrift

    Das Ereignis

    Der Akteur

    Das Gespräch

    Andere Artikeln

    Gebiete des Gedenkens zu entdecken

    Zusammenfassung

    DATUM: Juli 1942

    ORT: Frankreich

    HERAUSGEGEBEN: Verhaftung von Henri Borlant, 15 Jahre, und Deportation nach Auschwitz-Birkenau

    Henri Borlant écolier

    Henri Borlant écolier

    © Collection Henri Borlant
    Lettre rédigée par le cheminot pour accompagner le mot adressé par Henri Borlant à sa mère et jeté à travers la lucarne du train avant de partir pour Auschwitz

    Lettre rédigée par le cheminot pour accompagner le mot adressé par Henri Borlant à sa mère et jeté à travers la lucarne du train avant de partir pour Auschwitz

    © Collection Henri Borlant
    Le général Eisenhower et ses hommes découvrent des prisonniers exécutés par les nazis au camp d’Ohrdruf, le 5 avril 1945

    Le général Eisenhower et ses hommes découvrent des prisonniers exécutés par les nazis au camp d’Ohrdruf, le 5 avril 1945

    © Keystone-France
    Henri Borlant à son retour des camps, 1945

    Henri Borlant à son retour des camps, 1945

    © Collection Henri Borlant
    Henri Borlant témoigne devant les lycéens de Metz, 29 mars 2018

    Henri Borlant témoigne devant les lycéens de Metz, 29 mars 2018

    © Vaea Héritier
    Portraits de déportés dans le bâtiment couramment appelé

    Portraits de déportés dans le bâtiment couramment appelé "Sauna" à Auschwitz-Birkenau

    © DR

    Cartes

     Carte des camps
    Carte des camps - © MINARM/SGA/DPMA/Joëlle Rosello
     Carte des principaux camps et kommandos
    Carte des principaux camps et kommandos - © MINARM/SGA/DPMA/Joëlle Rosello
     Carte des camps  Carte des principaux camps et kommandos

    Galeries photos

    Le mémorial des martyrs de la Déportation
    Le mémorial des martyrs de la Déportation - © SGA/COM
    Le mémorial des martyrs de la Déportation, lieu du souvenir des victimes de la Déportation
    Le mémorial des martyrs de la Déportation, lieu du souvenir des victimes de la Déportation - © SGA/COM
    Le mémorial des martyrs de la Déportation, parcours de visite, offre pédagogique
    Le mémorial des martyrs de la Déportation, parcours de visite, offre pédagogique - © SGA/COM
    Le mémorial des martyrs de la Déportation, venir au mémorial
    Le mémorial des martyrs de la Déportation, venir au mémorial - © SGA/COM
    Autour du mémorial
    Autour du mémorial - © SGA/COM
    Le mémorial des martyrs de la Déportation Le mémorial des martyrs de la Déportation, lieu du souvenir des victimes de la Déportation Le mémorial des martyrs de la Déportation, parcours de visite, offre pédagogique Le mémorial des martyrs de la Déportation, venir au mémorial Autour du mémorial

    Denis Peschanski

    Der Forschungsdirektor des CNRS und Experte für Geschichte und Gedenken des Zweiten Weltkriegs, Denis Peschanski, sprach auf einer Konferenz am Gymnasium Metz insbesondere über die Mechanismen der Bildung eines kollektiven Gedenkens.

    Denis Peschanski
    Denis Peschanski - © Brigitte Maupetit

    Können Sie uns kurz die Mechanismen der Bildung des Gedenkens erklären?

     

    Nehmen wir zwei Beispiele aus dem Zweiten Weltkrieg: die Flucht im Mai-Juni 1940 und die Bombardierungen der Normandie durch die Alliierten 1944. Keines dieser Ereignisse, obwohl sie wichtig waren, wurde in das kollektive Gedenken aufgenommen, denn sie machten in der Gesellschaft keinen Sinn. Was sollte man im Fall der Flucht von 1940 mit der Angst anfangen, die fast acht Millionen Franzosen auf die Straße trieb, als sie vor dem blitzschnellen Vormarsch der Deutschen flohen? Das ganze Land war Zeuge, aber das Ereignis wird mit negativen Elementen wie der Schande, der Flucht und Plünderungen verbunden. Welchen Sinn sollte man im Fall der Bombardierungen durch die Alliierten den Bomben geben, die von jenen abgeworfen wurden, die euch befreiten, wenn auch zum Preis von massiven Zerstörungen, in Asche gelegten Städten und tausenden Opfern? Das Gedenken ist selektiv und bewahrt nur Fakten, die am Aufbau der Identität beteiligt sind und daher einen gesellschaftlichen Nutzen haben. Die Voraussetzungen für eine Geschichte der Erinnerung sind daher nicht erfüllt.

     

    Um ein aktuelles Beispiel zu nehmen, haben meine Kollegen vom CNRS und ich eine Studie über die Attentate vom 13. November 2015 durchgeführt, die zunehmend zu den Attentaten „des Bataclan“ werden: die Terrassen des X. Arrondissement und das Stade de France scheinen bereits aus dem kollektiven Gedächtnis zu verschwinden. Wir stellen daher fest, dass es eine sehr selektive Darstellung der Vergangenheit gibt.

     

    Welche Voraussetzungen müssen also gegeben sein, damit ein Gedenken kollektiv wird?

     

    Wir erleben heute große Diskussionen um Worte wie individuelles, gemeinsames, kulturelles, kollektives Gedächtnis usw. Das sind äußerst sensible Themen. Das kollektive Gedenken ist ein gemeinsames Gedenken mehrerer Personen, die zur selben Gruppe gehören. Im Gegensatz zur Geschichte, die auf der tatsächlichen Bedeutung eines Ereignisses zum Zeitpunkt seines Geschehens beruht, stützt es sich auf das Gefühl des Nutzens des Ereignisses für den Identitätsaufbau dieser Gruppe.

     

    Damit ein Ereignis im kollektiven Gedenken berücksichtigt wird, muss es einen Sinn haben: positive wie negative Aspekte der Vergangenheit - wie die Kollaboration und das Regime von Vichy, welche die negative Figur bilden, die jener des Widerstandskämpfers gegenübersteht - müssen daher einen gesellschaftlichen Nutzen haben. Daher ist es nicht die Aufgabe des Gedenkens, zu verhindern, dass sich dieselben Ereignisse wiederholen, was leider zum Scheitern verurteilt ist, sondern ein Gefühl der Identität, der sozialen Bindung zu schaffen, damit eine Bevölkerung kollektiv bestehen kann.

     

    Aber das Gedenken ist nicht festgefahren, es entwickelt sich und wirkt in der Geschichte: nehmen wir das Beispiel von Jean Moulin, der in dieses kollektive Gedenken erst seit Dezember 1964 als Held des Widerstands aufgenommen ist, als er in die Ruhmeshalle des Panthéon verlegt wurde und die berühmte Rede von Malraux stattfand. Es ist die Symbolik hinter der Persönlichkeit, die diese als Helden in unserem kollektiven Gedenken bestätigt.

     

    Wie soll man bestimmte Gedenkstätten als Orte der Vernichtung begreifen? Welche Vorgehensweise ist zu bevorzugen?

     

    Orte mit einem großen Bedeutung für das Gedenken werden von den Touristen überrannt. Jedoch sind diese Orte, an denen die Geschichte so tragisch war, schwer zu erfassen. Zum Beispiel verzeichnet Auschwitz immer mehr Besucher; Gedenktouristen aus der ganzen Welt kommen zu Tausenden, um sich an diesem symbolischen Ort des Dramas der Shoah zu versammeln. Es gibt daher einen gewissen Bedarf an Respekt und Einkehr, der die Bedeutung dieses kollektiven Gedenkens ausdrückt. Jedoch ist es wichtig, für den jeweiligen Ort und das jeweilige Ereignis ein Gleichgewicht zwischen der Geste und dem Ziel des Gedenkens zu finden. Das Gedenken findet vor allem in uns selbst statt, durch unsere Gefühle, in unserem Innersten und durch unser Nachdenken über die vergangenen Ereignisse.

     

    Der Besuch eines Ortes wie Auschwitz ist eine Herausforderung: er verlangt unumgängliche Anstrengungen von jedem, um sich mit dem Unaussprechlichen auseinanderzusetzen und erfordert auch viel Zeit, das Gesehene zu begreifen. Das war im Vorgehen Ihrer Lehrer maßgebend und ich gratuliere diesen dazu.

    Amandine HARTZ

    Artikeln der Zeitschrift

    Das Dossier

    Das Ereignis

    Der Akteur

    Das Fort de Queuleu

    Im Zuge ihrer weiteren Gedenkreise nach Osteuropa besuchten die Gymnasiasten aus Metz das ehemalige Internierungs- und Durchgangslager Queuleu. Dabei konnten sie die europäische Geschichte mit jener ihrer Region und den Widerstandskämpfern, die dort gefangen waren, in Einklang bringen.

    Einzelzellen des Nazi-Sonderlagers im Fort de Queuleu
    Einzelzellen des Nazi-Sonderlagers im Fort de Queuleu - © © Gérard Coing / DRAC Alsace-Champagne- Ardenne-Lorraine

    Das Fort de Queuleu, ein zwischen 1868 und 1870 errichtetes militärisches Bauwerk des inneren Befestigungsrings von Metz, wurde von der Gestapo während des Zweiten Weltkriegs als Internierungs- und Durchgangslager verwendet. Wir besuchen es im April. Die Besichtigung wird von einer Reiseleiterin geführt, die Mitglied der Vereinigung der Feste Goeben (Fort de Metz-Queuleu) zur Erinnerung der Internierten und Deportierten sowie zum Erhalt der Gedenkstätte ist. Sie beginnt ihre Ausführungen mit der Erinnerung daran, dass 1500 bis 1800 Gefangene zwischen 1943 und 1944 hier befragt und interniert wurden, bevor sie in die Konzentrations- bzw. Erziehungslager oder Gefängnisse geschickt wurden. Im Sonderlager von Fort de Queuleu werden Widerstandskämpfer, Saboteure, Schlepper, Fahnenflüchtige, Geiseln und russische Gefangene interniert.

     

    Im Juni 1941 entsteht die Widerstandsgruppe „Mario“ im Departement Moselle, das von Deutschland annektiert worden war. Sie wurde von Jean Burger gebildet und besteht aus etwa dreitausend Widerstandskämpfern. Sie wird für die in der Region anwesenden Nationalsozialisten zur Bedrohung, als sie ab 1943 Sabotageaktionen und Waffendiebstähle durchführt. Die verhafteten Widerstandskämpfer werden im Fort de Queuleu eingesperrt und von etwa zwanzig Jugendlichen aus der Hitlerjugend bewacht.

     

    Am Beginn unseres Besuches steigen wir die große Treppe hinab, wobei unsere Augen offen sind, im Gegensatz zu jenen der Gefangenen, die verbunden waren. Wir kommen in einen großen, kalten und düsteren Korridor, der uns zu einem Raum bringt, in dem die Ankunft der Gefangenen mit Plastikpuppen in der damaligen Kleidung mit erhobenen Armen und verbundenen Augen nachgestellt ist. Wenn die Widerstandskämpfer nicht in dieser Haltung blieben, wurden sie von der SS geschlagen. Anschließend wurden sie in einem kleinen Raum von der Gestapo befragt. Wenn sie redeten und Informationen über ihre Gruppe und ihre Kameraden preisgaben, wurden sie direkt in das Konzentrationslager geschickt, da sie als unnütz betrachtet wurden, andernfalls wurden sie gefoltert, bis sie gestanden. Die durch den Besuch hervorgerufene Stimmung ist gedrückt.

     

    Es folgt die Besichtigung des rekonstruierten Büros von Georg Hempem, dem SS-Leiter des Lagers. Dann sehen wir die Einzelzellen für die Anführer der Widerstandsbewegung sowie die Gemeinschaftszellen, wo die Gefangenen zusammengepfercht wurden. Die Haftbedingungen waren unmenschlich: den ganzen Tag zusammengebundene Hände und Füße sowie verbundene Augen, die Internierten wurden nur mit Suppe oder Kaffee ernährt und es wurden lediglich etwa zehn Schüsseln ausgeteilt, sodass nur die zehn Gefangenen, die der Tür am nächsten waren, die Nahrung schlürfen konnten. Vor der Zelle von Jean Burger, dem Anführer der Gruppe „Mario“, versuchen wir ihn uns vorzustellen, wie er tausend Schritte machte, um nicht wahnsinnig zu werden.

     

    Bei ihrer Ankunft im Lager werden die Gefangenen ihrer Identität beraubt und erhalten eine Nummer, die sie erkennen müssen, wenn sie in Deutsch ausgesprochen wird. Octave Lang, ein im Oktober 1943 verhafteter Lehrer aus Saint-Avold, erzählt: „Wir wurden einzeln in eine Art Büro geworfen, in dem uns ein Feldwebel der Gestapo nach unseren persönlichen Daten fragte. ‚Schau, ein Lehrer... Bringen wir ihm die Methoden der SS-Schule bei!‘ Er drehte sich zu mir um und schrie mich an: ‚Vergiss vor allem nicht, dass du nicht mehr Hr. Lang bist, sondern dass du ab heute Nummer 124 heißt!‘“. Dieses Internierungslager wird im August 1944 geräumt und die Gefangenen werden in Konzentrationslager geschickt.

     

    Dieser Ort ganz in unserer Nähe erinnerte uns an das, was wir einige Wochen zuvor in Polen sehen konnten. Die Wirklichkeit der Repression und der Deportation hat viele Gesichter. Sie findet in verschiedenen Gebieten statt, in Europa und inmitten unserer Stadt.

    Emma Schiavonne, Emma Grotz et Maëlys Almayrac

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    Auf den Spuren der Deportation

    Im Februar haben sich fünfzig Schüler der obersten Schulstufe des Gymnasiums für Kommunikation in Metz auf eine Reise nach Nürnberg, Prag, Krakau und Auschwitz begeben. Fünf von ihnen erzählen hier von ihrer Reise auf den Gedenkwegen der Deportation.

    Platz der Ghettohelden, Krakau, Februar 2018
    Platz der Ghettohelden, Krakau, Februar 2018 - © © DR

    Wir haben alle Filme gesehen, Bücher gelesen und haben uns das Grauen vorgestellt, den die Deportierten im Zweiten Weltkrieg erleben mussten; diese Orte aber mit unseren eigenen Augen als Jugendliche zu sehen, ist ein anderes Gefühl, viel stärker und tiefgreifender. Die meisten von uns wollten an der Reise teilnehmen, um das Lager Auschwitz besuchen zu können. Um zu sehen, zu erfahren, zu verstehen und die Opfer zu würdigen.

     

    Die Reise als Gruppe war auch eine unserer Motivationen. Auf die Frage: „Könntet ihr das Lager Auschwitz in den Ferien mit der Familie besuchen?“ haben alle Schüler mit „Nein“ geantwortet. Warum? Auschwitz ist kein Touristenziel. Dieses Lager ist vor allem eine Gedächtnisstätte und ein Ort der Einkehr. Wir brauchten die Lehrer an unserer Seite, damit sie uns die notwendigen Erklärungen gaben. Die Reise als Gruppe bot schließlich auch die Möglichkeit, einander unsere verschiedenen Eindrücke mitzuteilen.

     

    DIE RESTE DES JÜDISCHEN LEBENS IN MITTELEUROPA

     

    Nach einem ersten Besuch des Komplexes, der für die Nazi-Kongresse in Nürnberg bestimmt war, fuhren wir nach Prag in die tschechische Republik, um das jüdische Viertel und dessen zahlreiche Synagogen zu entdecken, die ganz unterschiedlich sind. Eine hat uns mehr angesprochen als die anderen. Die Wände in der Synagoge Pinkas waren mit 77.297 Namen jüdischer Tschechen bedeckt, die im Laufe des Zweiten Weltkriegs ermordet worden waren. Im oberen Stock wurden Zeichnungen von Kindern gezeigt, die in den Jahren 1942-1944 nach Teresin deportiert worden waren. Es war erschütternd, in einer Zeichnung, die das Grauen des Krieges zeigt, die Unschuld eines Kindes zu sehen.

     

    Am nächsten Tag besuchten wir das jüdische Ghetto von Krakau. Die jüdische Gemeinde lebte hier seit Ende des 15. Jahrhunderts. Als die Deutschen Polen besetzten, beschlossen sie im März 1941, die Bewohner in ein anderes Ghetto umzusiedeln, das von Mauern umgeben war und in dem die Lebensbedingungen schwierig waren. Dort wurde zwischen zwei Arten von Personen unterschieden, den Arbeitsunfähigen, die als erste hingerichtet wurden, und den Arbeitsfähigen, die einen Passierschein erhielten.

     

    Als wir in das ehemalige Ghetto kamen, dieses „Gefängnis“ mit natürlichen Grenzen aus Wasserläufen und Felsen, waren wir von den Umfassungsmauern beeindruckt, die von den Nazi in Form von Grabsteinen errichtet worden waren. Damit sollte den Bewohnern signalisiert werden, dass sie dort nicht lebend herauskamen. Wir erfuhren, dass sich manche durch ihren Mut und ihre Menschlichkeit nach dem Vorbild des Apothekers Pankiewicz auszeichneten. Er war kein Jude, aber blieb im Ghetto, um Leben zu retten. Er hatte insbesondere mehrere Kinder in seinem Arbeitszimmer versteckt.

    Heute befindet sich auf dem „Platz der Ghettohelden“ ein Denkmal zu Ehren der Opfer, das sich aus 68 leeren Stühlen zusammensetzt, welche für die 68.000 Juden stehen, die aus dem Ghetto verschwunden sind.

     

    „EIN GESCHICHTSTRÄCHTIGER BODEN“

     

    Der letzte Tag unserer Schulfahrt durch Mitteleuropa sollte uns nach Auschwitz I und Auschwitz II (Birkenau) bringen. Seit der Grundschule wird uns von diesem Ort erzählt, was ihn in den Augen unserer Generation möglicherweise zum Mythos macht. Wir verlassen Krakau früh am Morgen, um an diese Stätten zu fahren. Eine Stunde im Bus gibt uns Zeit, diesen Moment zu erfassen. Manche fürchten sich vor ihrer Reaktion, andere können es kaum erwarten, ihre Neugierde zu stillen. Die Lektüre der letzten Seiten des Berichts von Primo Levi bereitet manche von uns auf das 65 Kilometer entfernte Ziel vor.

     

    Gleich bei unserer Ankunft am Parkplatz des Ortes verstehen wir beim Verlassen des Busses, dass wir einen geschichtsträchtigen Boden betreten. Die Stimmung ist genauso frostig wie die Temperatur. Wir gehen hinein und bekommen Kopfhörer, um die Kommentare des Reiseführers zu hören. Seine sanfte Stimme schien das Grauen zu mildern, von dem uns erzählt wurde. Wir gehen unter der Aufschrift „Arbeit macht frei“ hindurch und betreten das Lager.

     

    Unsere Begleiterin zeigt uns den Ort, Block für Block. In einem davon ist das Zitat Winston Churchills zu lesen: „Wer seine Vergangenheit vergisst, ist dazu verdammt, sie wieder zu erleben“, was an solchen Orten seine volle Bedeutung erhält. Als wir von Gebäude zu Gebäude gehen und die Töpfe, Koffer, Kleidung, Porträts, Brillen, Kämme und Haare sehen, bekommen wir das Ausmaß des Genozids vor Augen geführt. In einem der Räume ist ein Stapel aus Schachteln mit Zyklon B ausgestellt, der auf Zyanid basierenden Chemikalie, die der Vernichtung in den Gaskammern diente. Etwas weiter sind in einem riesigen Buch alle Toten der Shoah verzeichnet, vierzig Millionen Identifzierte von insgesamt zirka sechs Millionen Opfern. Manche von uns lassen sich gehen und blättern durch die Seiten dieses Monsters aus Papier auf der Suche eines Verwandten oder eines bekannten Namens.

     

    DIE UNERMESSLICHKEIT VON BIRKENAU

     

    Auschwitz I erschien uns riesig. Das war, bevor wir das zweite Lager (Auschwitz II oder Birkenau) entdeckten, das etwa 30 Mal so groß wie das erste war. Im Gegensatz zu Auschwitz I wurde Birkenau zur Gänze während des Krieges errichtet, hauptsächlich von den Deportierten selbst. Der traurigerweise berühmte Turm am Lagereingang wurde erst 1944 gebaut. Bei Eintreten ist man zuerst von den Ausmaßen des Geländes überrascht. Man sieht nicht bis zum Ende. Die Ziegelbaracken links wurden den Frauen zugewiesen und jene aus Holz auf der rechten Seite den Männern. Durch die rekonstruierten Betten und Latrinen kann man sich die verabscheuungswürdigen Lebensbedingungen der Deportierten vorstellen. Während dieser Besichtigung sind wir viel gegangen. Aber verständlicherweise ist es nicht angebracht zu jammern, denn vor 70 Jahren wurde dieser Boden nicht von Studenten betreten, die wie wir nach Wissen strebten, sondern von hungrigen, müden, entmenschlichten Deportierten. Inmitten des Lagers kehrt sich die Perspektive um. Wir sehen den Wachturm nicht mehr. In der Nähe des Waldes können wir die verfallenen Gaskammern und Krematorien betrachten. Das ehemalige Desinfektionsgebäude etwas weiter entfernt steht noch. Hier sind etwa hundert persönliche Fotos jüdischer Opfer ausgestellt. An einem von ihnen wurde eine weiße, frische Blume angebracht, bestimmt von Nachkommen.

     

    Am Ende des Besuches bleiben wir vor einem Denkmal für die Toten stehen, unter dem Asche zusammengetragen wurde. Spontan halten wir eine Schweigeminute ab. Zu diesem Zeitpunkt sind die Emotionen so stark, dass wir die Kälte vergessen. Wir gehen weiter: die unvollendete Erweiterung des Lagers zu unserer Linken ist ein Beweis für die düsteren Absichten der Nazi-Ideologie. Am Ende dieses Tages herrscht drückende Stille und tausende Gedanken schwirren in unseren Köpfen umher.

    Emma Oesch-Limbach, Amandine Hartz, Pierre-Mickaël Carniel, Arthur Deredel, Romain Clément

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    www.auschwitz.org.pl

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    Zeitschrift Juni/Juli 2018 n°263 Zeitschrift Juni/Juli 2018 n°263

    Das Dossier

    Der Gedächtnis-tourismus in der Region Auvergne-Rhône-Alpes

    Die durch die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs stark in ihren Landschaften geprägte Region Auvergne-Rhône-Alpes erzählt heute ihre Geschichte anhand von Museen, Gedenkstätten und Geschichtszentren. So viele Gedächtnisstätten, dass der Verein Mémorha sich im gesamten Gebiet zusammentut, um ein zusammenhängendes Kultur- und Gedenkangebots zu bieten.

    Die Gedächtnisstätte in Le Chambon-sur-Lignon.
    Die Gedächtnisstätte in Le Chambon-sur-Lignon. - © © Office de tourisme du Haut-Lignon

    Zusammenfassung

      Fotogalerie

      Die erst kürzlich gegründete Verwaltung der Region Auvergne-Rhône-Alpes ist weiterhin auf der Suche nach einer geografisch-historische Einheit. Ihre vielfältigen Landschaften erstrecken sich in einem Mosaik von Gegenden vom Zentralmassiv bis zu den höchsten Gipfeln des Alpenbogens, vom Loire- bis zum Rhône-Becken. Während sich die Auvergne im Herzen Frankreichs befindet, nimmt das Gebiet Rhône-Alpes die östlichen Ränder ein, die sich bis zur Angliederung Savoyens an Frankreich im Jahr 1860 immer weiter ausgedehnt haben.

       

      Auf Grund seiner Lage an der Grenze zur Schweiz und zu Italien, seinem Zugang zum Mittelmeerraum über den Rhone-Korridor (Hauptverkehrsweg seit der Antike), seiner besonders dynamischen Industriestruktur (Kohlenbergwerke, Eisen- und Metall-, Chemie-, Gummiwaren-, Textil-, Papier- und Elektronikindustrie) und wichtiger urbaner Zentren bildet diese Region historisch gesehen ein Durchzugsgebiet, in dem sich Zuwanderer niederlassen und Kulturen vermischen. In den aktuellen Darstellungen nehmen die „Zufluchtsorte in den Bergen“ dieses großen Gebietes über die Jahrhunderte eine Schutzfunktion für die Menschen ein: dies galt für die Protestanten nach der Aufhebung des Edikts von Nantes in ihren „Wüsten“ des Vivarais und der Dauphiné gleichermaßen wie für die Fahnenflüchtigen während des Zweiten Weltkriegs in der Widerstandsgruppen des Beaujolais, Jura oder der Margeride. Dieser in der Region Auvergne-Rhône-Alpes besonders gut illustrierten Zeit widmen wir unsere Aufmerksamkeit im Rahmen eines Spaziergangs durch die „Landschaftsgeschichte“, um mit den Worten von Julien Gracq zu sprechen. Dabei entdecken wir heute Orte, die im kollektiven Gedächtnis fest verankert sind, aber auch solche, die weniger bekannt sind.

       

      EINZIGARTIGES ERBE DES ZWEITEN WELTKRIEGS

       

      Denn ähnlich der Normandie oder der Provence besitzt die Region Auvergne-Rhône-Alpes ein einzigartiges Erbe des Zweiten Weltkriegs. Zahlreiche Gedenkeinrichtungen sowie unzählige ausgesuchte Orte erwarten den Besucher. Sie bezeugen sowohl die Schattenseiten der Zeit der „turbulenten Jahre“ (Kollaboration, Internierung, Repression oder die Verfolgung, Zerstörung und Massaker an der Zivilbevölkerung) als auch die Lichtblicke durch verschiedene Formen des Widerstands (bewaffnet, zivil, intellektuell, spirituell, in Städten oder am Land) und der Solidarität. Seit den Jahren 1920-30 hielten sich hier Armenier, Spanier, Deutsche und Italiener auf, die vor Verfolgung, Diktatur oder Bürgerkrieg geflohen waren. Nach der Errichtung des französischen Staates wurden sie in Minderheiten zusammengefasst, die der Willkür der Rassengesetze unterstanden. So fanden zahlreiche ausländische Juden Zuflucht in Dieulefit (Drôme), Megève (Savoie), Villard-de-Lans (Isère), Vic-sur-Cère (Cantal) oder Chambon-sur-Lignon (Haute-Loire). Diese Ferienorte besaßen eine florierende Hotellerie sowie soziale und medizinische Einrichtungen. Diese Aufnahme verwandelte sich dank humanitärer Vereinigungen in Rettungsaktionen (Organisation der Ausreise in die Schweiz), als die antisemitische Politik der Regierung von Vichy umgesetzt wurde.

      Die Region Auvergne-Rhône-Alpes war bald schon Schauplatz großer Widerstandsaktionen, die sich nach der Stationierung deutscher Truppen noch verstärkten; eine Unmenge heldenhafter oder tragischer Aktionen, wie der Aufstand der Maquis (Partisanen, Untergrundkämpfer) von Mont-Mouchet und im Vercors gegen die deutsche Besatzungsarmee, oder die vorübergehende Wiederherstellung der Republik von Annonay (Ardèche) im Sommer 1944. Große Persönlichkeiten, die sich im Widerstand engagierten, waren in verschiedenem Ausmaß in der Region nach dem Vorbild von Jean Moulin tätig: Lucie und Raymond Aubrac, der Journalist Yves Farge, der Schriftsteller Jean Prévost, Oberst Henri Romans-Petit oder auch der Abt Alexandre Glasberg.

       

      Wir möchten an einzelne Gebiete und Zeugnisstätten erinnern, die für die Zeit repräsentativ sind: die Thermalstadt Vichy, als als Hauptstadt des französischen Staates ausgewählt wurde; das Haus von Izieu (Ain) als Gedenkstätte für jüdische Kinder, die nach ihrer Verhaftung am 6. April 1944 vernichtet wurden; die Stabsakademie in Uriage (Isère), die als ideologisches Labor der nationalen Revolution diente; der Bauernhof Ambel (Vercors-Drôme), der als eines der ersten Widerstandsnester Frankreichs gilt; Fort-Barraux (Isère), wo jüdische Ausländer und Zigeuner interniert waren; das Nationale Gedenkstätte Montluc (Lyon), welches als Militärgefängnis des Regimes von Vichy diente und vom Besatzer requiriert wurde; die Gedenkstätte der Deportierten von Murat (Cantal) zu Ehren der 120 als Vergeltung für die Ereignisse des Juni 1944 deportierten Personen.

       

      Die Erschließung dieser Orte und historischen Figuren, die mit ihnen verbunden sind, wirft die Frage auf, wie politische Entscheidungen über Gedächtnisstätten gestern und heute getroffen wurden und werden. Sie tragen dazu bei, bestimmte, besonders aufschlussreiche Orte hervorzuheben, manchmal zulasten anderer, die im Schatten der bekannteren Gedächtnisstätten bleiben. Gleichzeitig setzen sich Mitglieder von Vereinen aus der Welt der Forschung und dem künstlerischen Umfeld für die öffentliche Anerkennung (in Bauwerken, Ausstellungen, Filmen, Denkmälern) von unterbewerteten oder vorenthaltenen Themen ein.

       

      In der Region Auvergne-Rhône-Alpes entsteht 2011 ein vom Staat und der Region unterstütztes Netzwerk. Das Réseau Mémorha, das sich aus Vereinen, Forschern und Gedenkeinrichtungen zusammensetzt, führt zu einem Nachdenken über die Umschichtung des Gedenkens an den Zweiten Weltkrieg auf Gebietsebene, indem Partnerschaften durch die Einrichtung von Projekten zur kulturellen und wissenschaftlichen Erschließung gefördert werden.

       

      VON DER SOUVENIRWALLFAHRT ZUR PATRIMONIALISIERUNG

       

      Seit Ende der Feindseligkeiten werden bestimmte Orte von den Behörden als besonders typisch anerkannt und sie organisieren daher dort Gedenkfeierlichkeiten in Anwesenheit der staatlichen Würdenträger. Sie werden auch zu Wallfahrtsorten. So geht es auch dem Friedhof der Widerstandsgruppe von Glières (Morette, Haute-Savoie), der ein bevorzugtes Ziel der Familien ist, die hier am Grab eines Angehörigen zusammenkommen. Der Vercors ist auch Anziehungspunkt für zahlreiche „Gedenkwallfahrer“, insbesondere Vassieux (Drôme), ein Ort wilder Repression und systematischer Zerstörung. Den Besucher überkommen starke Emotionen, wenn er dieses Märtyrerdorf sieht: rekonstruierte Häuser, Trikolore-Fahnen, monumentale Skulpturen, Wracks von deutschen Flugzeugen und zahlreiche Stelen, die wie eine Anhäufung von Erinnerungen sind.

       

      In diesen „Gedenkgebieten“ wurden im Laufe der Jahre 1960-1970 die ersten privat organisierten Museen gegründet, 1966 in Grenoble (Isère), 1974 in Romans (Drôme), 1979 in Bonneville (Haute-Savoie), dann im folgenden Jahrzehnt 1982 in Frugières-le-Pin (Haute-Loire), 1985 in Nantua (Ain); die „Hot Spots“ des Gedenkens an den Widerstand, um mit den Worten von Serge Barcellini zu sprechen, dem Präsidenten von Souvenir français. Dort nehmen die ehemaligen Widerstandskämpfer einen wichtigen Platz ein, der mit Erinnerungen, Sammlungen, Reliquien und einer Erzählung der Ereignisse rund um die Geschichte des Kampfes zum Ausdruck gebracht wird.

       

      Da es seit den 1990er-Jahren immer weniger Zeitzeugen gibt, ergreifen einige Gemeinschaften Maßnahmen hinsichtlich der Führung des lokalen Gedenkens. So wird eine freiwillige Gedenkpolitik eingerichtet, die von Kulturvermittlern verkörpert wird. Es handelt sich um ein staatsbürgerliches und politisches Thema für die Institutionen, die sich als Erben der Werte des Widerstands sehen und Bewegungen aufhalten möchten, die den Holocaust und andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnen. Es ist für manche Gebietskörperschaften, die sich auf die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs stützen, um sich abzuheben, auch eine Identitätsfrage, wie für Lyon und Grenoble, die den Titel der „Hauptstadt der Résistance“ beanspruchen.

       

      Die Interessen der Politik treffen also auf den Kampf der Vereinswelt, die vor allem finanziell bei der Schaffung neuer Orte unterstützt wird: davon zeugen das 1992 eröffnete Museum von Le Teil (Ardèche) und das Gedenkstätte von Saint-Étienne (Loire) seit 1999.

       

      Diese lokale Patrimonialisierung, dieser Übergang des Gedenkbereichs in jenen der „Professionalisierung oder Aufwertung des Kulturerbes“ knüpft an einen nationalen Trend an, in dem die staatsbürgerlichen und pädagogischen Bestrebungen seit Ende der 1990er-Jahre klar festgelegt wurden.

       

      Zu Beginn der 2000er-Jahre erhält die Unterstützung seitens des Staates für Gedenkeinrichtungen ein neues Gesicht und einige privat betriebene Orte werden zu festen Einrichtungen. Durch die Vermächtnisse ihrer Sammlungen an die Gebietskörperschaften übernehmen privat organisierte Museen, wie das Museum vom Mont-Mouchet (Allier) oder vor kurzem das Museum des Widerstands, der Internierung und der Deportation von Chamalières (Puy-de-Dôme), Denkmaldienste von Gemeinden, Kommunalverbänden oder auch vom Regionalrat Auvergne-Rhône-Alpes. Diese Dynamik verstärkt die Patrimonialisierung der Gedächtnisorte und -stätten der Region.

       

      NEUE FORMEN DES WANDERNS UND DES GEDENKTOURISMUS

       

      Heutzutage werden der Öffentlichkeit, manchmal auf deren Initiative, neue Formen des Gedenk-Wanderns angeboten. Dies sind Rundgänge oder thematische „Gedenk-Touren“, mit denen sich museale Einrichtungen und Gedenkstätten mit weniger oder gar nicht beachteten Orten verbinden lassen: Lager einer Einheit der Chantiers de la jeunesse (Pflichtarbeitsdienst Jugendlicher), Almscheune, die ein Lager für Flüchtige des STO (Zwangsarbeitsdienstes) beherbergte, Planung des Wiederaufbaus... Aus diesen verschiedenen Erfahrungen lässt sich der Wunsch nach direktem Kontakt mit dem ablesen, was man für die unverfälschte Wahrheit hält, die manche unserer Zeitgenossen auf die Gedenkwege führt.

       

      Im Zuge diese neuen Formen der Pilgermärsche ist es - über rein wissenschaftliche Informationen, die von den Führern vermittelt werden, und andere Apps für Mobiltelefone hinaus - auch möglich, sich vom Überraschungseffekt berühren zu lassen, wie der Schriftsteller Antoine Choplin (À contre-courant, éditions Paulsen, 2018), dem es bei einer Wanderung zur Isère-Quelle auf den Höhen von Bourg-Saint-Maurice durch ein seltsames Gebäude ergeht: „Nach einer Biegung stoße ich auf eine kleine Festung aus Stein, die aus dem Zweiten Weltkrieg stammt. Auf einem alten Holzschild an einer Mauerseite ist zu lesen: Fortin du Châtelet - 6e BCM. Ligne Maginot des Alpes 1940. Zwei einfache Zeichnungen von stehenden Maschinengewehren umrahmen die Jahreszahl. Ich stelle wieder einmal fest, wie sehr uns die Geschichte selbst an den entlegensten Orten begleitet. Wirklich egal, wo man ist, ihr Glanz und ihr übler Geruch bleiben. Wenn sie wiederauflebt, breitet sich eine erfinderische und pluralistische Formenpalette aus. Ihre Triebkräfte sind oft durch die Vermittlung der Berichte oder Gedenkstätten klar, manchmal aber eher rätselhaft.“

       

      Diese spontanen oder geleiteten physischen Touren stehen, in Verbindung mit virtuellen Touren (die über digitale Mittel aus der Ferne zugänglich sind), mit den neuen touristischen Methoden des französischen und ausländischen Publikums in Einklang. Die Touristen nehmen auch an den neuen Formen des „Gedenktourismus“ teil, die vor allem von den Ministerien für Verteidigung und Wirtschaft entwickelt wurden. Im Rahmen einer gemeinsamen Projektausschreibung im Jahr 2016, mit der sie die Schaffung digitaler, innovativer Gedenk-Tools für den Gedenktourismus in Frankreich fördern will, und mit Unterstützung der DRAC und der Region, hat das Réseau Mémorha das digitale Portal Mémospace konzipiert. Dieses erste digitale Tool der Ressourcen und zur Erfassung von Gedächtnisstätten des Zweiten Weltkriegs auf regionaler Ebene stützt sich auf eine interaktive Karte, die das Kernstück der Einrichtung ist. Diese erleichtert die Vorbereitung von Tourismus- und Bildungsaufenthalten, wie die Schaffung von thematischen Besuchstouren. Unter Einbindung von Forschern, des Lehrkörpers, Gästeführern, Gedenkvereinen und Museumseinrichtungen soll eine Plattform zur Weiterentwicklung, Vermittlung und Aufwertung der Kenntnisse entstehen.

       

       

       

      Das Museum vom Mont-Mouchet

      Museum vom Mont-Mouchet. © Philippe Mesnard

       

      Diese in der Gemeinde Auvers an der Grenze der Départements Cantal und Lozère gelegene Hochburg des Widerstands in der Auvergne steht Besuchern von 1. Mai bis 30. September offen. Es wurde 2009 neu gestaltet und zeichnet die Höhepunkte des Widerstands in der Auvergne und insbesondere in der Margeride nach. Diese Ereignisse werden im nationalen und internationalen Kontext dieser Zeit dargestellt und für die Jüngsten in einem Comic-Rundgang präsentiert.

       


       

      Das Senegalesische Tata

       

      Nationalfriedhof Senegalesisches Tata © A. Karaghezian/ECPAD/Verteidigung

       

      Dieser in der Gemeinde Chasselay gelegene Friedhof, der im November 1942 eingeweiht wurde, umfasst 198 Gräber von senegalesischen Infanteristen, die für Frankreich gestorben sind. Er befindet an dem Ort, an dem die Kämpfe vom 19. und 20. Juni 1940 und das Massaker durch die deutschen Streitkräfte an 51 senegalesischen Infanteristen stattfanden. Jedes Jahr kommen am 11. November die Bewohner des Dorfes und die afrikanische Diaspora von Lyon an diesem einzigartigen, durch die sudanesische Architektur inspirierten Ort in Frankreich zu einer Feier zusammen.

       


       

      Das Museum des Widerstands und der Deportation des Isère

       

      Das Museum des Widerstands und der Deportation des Isère. © Office de tourisme Grenoble Alpes métropole

       

      Dieses Museum wurde in den 1960er-Jahren auf Initiative von Lehrern, Widerstandskämpfern und Deportierten errichtet. Als Pionier zeichnet es die Geschichte des Zweiten Weltkriegs anhand der örtlichen Gegebenheiten und Werdegänge von Widerstandskämpfern nach. Auf der Höhe der Zeit hebt es die Werte des Widerstands und jene der Menschenrechte mit seinem Programm und seiner pädagogischen Arbeit hervor. Das Museum ist täglich geöffnet (Eintritt frei).

      Réseau Mémorha

      Mehr wissen

      Website

      http://reseaumemorha.org

       

      Online-Bibliographie

      Der Gedächtnistourismus, eine nationale Frage, Laure Bougon, Les Chemins de la mémoire  253./März-April 2016

      Die Begegnungen des Gedächtnistourismus 2015, Guillaume Pichard, Les Chemins de la mémoire  253./März-April 2016

      Der Gedächtnistourismus im Elsass, Alsace Destination Tourisme, Les Chemins de la mémoire  259./Juni-Juli 2017

       

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      Zusammenfassung

      DATUM: 2. Dezember 2011

       

      ORT: Lyon

       

      HERAUSGEGEBEN: Offizielle Stiftung der Vereinigung „Réseau Mémhora“

       

      BETREFF: Die Vereinigung ist ein Netzwerk der Region Rhône-Alpes, das Museen über die Geschichte des Zweiten Weltkriegs, Standorte, Institutionen, Kulturvereine und Forscher zusammenfasst, die sich mit Gedenkthemen beschäftigen.

       

      Gedenkstätte des Widerstands und der Deportation des Dep. Loire.

      Gedenkstätte des Widerstands und der Deportation des Dep. Loire.

      © Gedenkstätte des Widerstands und der Deportation im Dep. Loire

      Galeries photos

      Gérard Métral

      Er ist der Sohn von Alphonse Métral, einem der Gründer des Vereins der Überlebenden der Glières. Nach seinem Kunststudium in Paris ist er Assistent des Bildhauers Émile Gilioli, der das nationale Denkmal für den Widerstand der Glières geschaffen hat, und hat heute den Vorsitz des Glières-Verbandes inne.

       

      Gérard Métral
      Gérard Métral - © DR

      Können Sie uns Ihren Vater Alphonse Métral vorstellen?

      Mein Vater, der 1921 in einer einfachen Familie geboren wurde, beginnt sein Arbeitsleben mit 16 Jahren als Dreher und Einrichter. Ende der Dreißigerjahre beginnt er sich in der CAJ (Christlichen Arbeiterjugend) zu engagieren. Dort nimmt er zuerst Führungsverantwortung im Département wahr, dann in den zwei Teilen von Savoyen und schließlich bis in die Départements Isère, Drôme und Hautes-Alpes.

      Anfang 1943 beschließt er, sich dem STO zu entziehen und gründet ein Lager für „Flüchtige“ wie ihn, die sich weigern für Deutschland zu arbeiten. Dort entstehen außergewöhnliche Verbindungen zwischen der Widerstandsgruppe und einer armen, aber großzügigen Bevölkerung, für die Brüderlichkeit kein leeres Wort ist. Das Leben dieser Widerstandsgruppe im perfekten Zusammenspiel mit den Bewohnern bildet den Nährboden dessen, was man „Geist der Glières“ nennt. Am 31. Januar 1944 reagiert die Widerstandsgruppe von Manigod als erste auf den Aufruf von Tom Morel (dessen Stellvertreter mein Vater am Kommandoposten werden sollte), sich auf das Plateau der Glières zu begeben.

       

      Wie hat er Ihnen seine Geschichte und die Erinnerung an den Widerstand vermittelt?

      Die Geschichte der Glières blieb lange allein die Angelegenheit der Überlebenden (obwohl 1946 ein Buch erschien, das ihren Kampf für die Freiheit belegte). Mein Vater hat daher erst später das Bedürfnis zur Vermittlung verspürt, nicht nur in der Familie, sondern auch über den Verband, deren Präsident er damals war, da er dachte, dass man im Laufe der Jahre den Fortbestand dieser Erinnerungen sicherstellen müsse.

      Das Museum und die spätere Errichtung des nationalen Denkmals für den Widerstand auf dem Plateau der Glières sind wichtige Momente dieser sich lösenden Worte. Ich nahm an dieser Öffnung auf ganz natürliche Weise teil und denke rückblickend, dass es sein Wunsch war, ohne dass er ihn jemals offen ausgesprochen hat, dass ich den „Geist der Glières“ weiterführe. Die Errichtung des Denkmals war auf Grund meines Berufs der Beginn meines Engagements.

       

      Welche Schritte führten zum Projekt für die Errichtung dieses Denkmals?

      Anfang der 1970er-Jahre wurde eine Straße eröffnet, die auf das Plateau der Glières führte, aber es gab keine Anzeichen der Anwesenheit dieser Widerstandsgruppe mehr. Der Verband beschloss daher die Errichtung eines Denkmals, das den nächsten Generationen davon erzählen kann. Eine landesweite Jury aus kompetenten Persönlichkeiten der Kunstwelt wurde eingerichtet und eine Projektausschreibung zur Auswahl des Künstlers gestartet.

      Von den 85 eingereichten Projekten wurden zuerst 5 in Betracht gezogen. In einem zweiten Schritt wurde der Bildhauer Émile Gilioli für die Errichtung dieser architektonischen Skulptur ausgewählt, die fernab der herkömmlichen Schemata, die üblicherweise für Gedenkstätten verwendet werden, durch ihre reduzierte Formensprache und den Elan, den sie ausstrahlt, eine Hymne an die Freiheit ist. André Malraux pries in seiner Rede anlässlich ihrer Einweihung am 2. September 1973 die Vorbildlichkeit dieser Widerstandsgruppe und machte sie international bekannt.

       

      Welche Maßnahmen führt der Verband der Glières heute durch, um dieses Gedenken aufzuwerten?

      Gemeinsam mit dem Rat des Departements Haute-Savoie wurden zwei Einrichtungen eröffnet, an denen Schul- und Besuchergruppen empfangen werden: eine am Nationalfriedhof von Morette, die andere am Plateau der Glières.

      Abgesehen von diesen Jubiläen, die immer viele Menschen anziehen, nehmen die Maßnahmen des Verbandes ganz unterschiedliche Formen an: die Schaffung einer „Gedenkstraße“, auf der die Touristen in jeder Gemeinde ringsum Säulen mit Erklärungen finden können; die jährliche Organisation einer Wanderung für 2.000 Grundschüler über die von den Partisanen verwendeten Wege; die Herausgabe einer jährlichen Themenzeitschrift und von Büchern über die Geschichte dieser Widerstandsgruppe; die Ausarbeitung einer Website.

       

      Die Redaktion

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      Das Museum von Nantua

      Auf einem zugänglichen Rundgang und mit einer neuen Szenografie zeigt das Museum des Widerstands und der Deportation von Ain eine aktualisierte Interpretation der Ereignisse des Zweiten Weltkriegs anhand der Erfahrungen der Bewohner von Ain und der strategischen Herausforderungen dieses Départements.

       

      Poster of the exhibition Les Jours Sans (Days Without), held at the Nantua Museum. Plakat der im Museum von Nantua gezeigten Ausstellung „Les Jours Sans“.
      Poster of the exhibition Les Jours Sans (Days Without), held at the Nantua Museum. Plakat der im Museum von Nantua gezeigten Ausstellung „Les Jours Sans“. - © Yannick Bailly / Item

      Das Museum des Widerstands und der Deportation von Ain befindet sich im ehemaligen Gefängnis von Nantua mitten im Haut-Bugey, einer wichtigen Gedenkstätte des Widerstands. Es wurde 1985 vom Verein der Museumsfreunde gegründet, der aus ehemaligen Widerstandskämpfern und Deportierten besteht. Das am 18. Oktober 1986 eingeweihte Museum ging 1990 in Gemeindebesitz über und wird seit 2004 vom Département geführt, wo es der Museumsdirektion untergeordnet ist. Seine reichhaltige Sammlung (Filme, Fotos, Plakate, Uniformen, militärische Ausrüstung, aus der Deportation mitgebrachte Gegenstände...), die vorwiegend aus Spenden der Bevölkerung von Ain stammt, führte 1992 zur Einstufung als „geprüftes Museum“ und 2003 zur Auszeichnung Musée de France.

       

      Die im September 2017 fertiggestellte Renovierung des Museums wurde von der DPMA im Rahmen der territorialen Zusammenarbeit unterstützt. Die Hauptziele waren die Verbesserung der Zugänglichkeit, die Aktualisierung der Sichtweise nach den neuesten Ansätzen der Geschichtsschreibung und die Aufwertung der Sammlungen. Besichtigungen anhand verschiedener Unterlagen und multimedialer Mittel mit Touchfunktion sind für ein breites Publikum zugänglich, einschließlich Personen mit Behinderungen. Der Rundgang, der anhand der Erlebnisse der Bewohner von Ain zwischen 1939 und 1945 errichtet wurde, zeigt die strategischen Herausforderungen dieses zwischen Lyon und Genf gelegenen Gebietes und seine Besonderheiten (durch den Krieg geteilt, Hochburg der Widerstandsgruppen, 1944 durch drei deutsche Gegenangriffe und brutale Repression schwer getroffen). Repräsentative Lebenswege für die Einsätze zwischen 1940 und 1944 verleihen der Besichtigung einen besonderen Akzent. Außerdem befasste man sich mit der Frage, wie sich die Geschichte und das Gedenken an diesem vom Geist der Gründer geprägten Ort vereinbaren lassen, untersuchte aber auch den Aufbau des Gedenkens und seiner Bräuche seit 1945.

       

      Eine von den Gründern 1993 angefertigte Nachstellung über „das Leben in der Widerstandsgruppe“ wurde beibehalten. Als Bestandteil der Geschichte des Museums machen dieser Räume des Gedenkens deutlich, wie die Akteure selbst ihren Widerstand sahen. An fünf Multimediasäulen kann man Auszüge der Berichte anhören. Eine animierte Karte stellt Ain 1939 und die folgenden Besatzungsphasen im Juni 1940 durch die Deutschen und im November 1942 durch die Deutschen und Italiener in einen Zusammenhang. Eigene Bereiche untersuchen das Leben im Gebiet von Gex. Ein Gasgenerator, ein Fahrrad mit Federn usw. stehen für die Anpassung an die Einschränkungen und sind Gegenstand von Animationen. Drei Bereiche befassen sich mit dem ersten Widerstand, der Entstehung der Bewegungen, der Rolle der Netzwerke, der geheimen Armee und der Vereinigung des Widerstands. Eine zweite animierte Karte zeigt die Lager der Widerstandsgruppen, die Stellen der Fallschirmabwürfe und die Sabotageorte. Verschiedene Räume vermitteln die Organisation der Widerstandsgruppen und die Hilfe der Alliierten durch Sende-Empfangsstation (MCR1, UHF-Funk...). Ein vertiefender Bereich widmet sich den Fallschirmabwürfen und Sabotageaktionen.

       

      Zwei Dokumentarfilme untersuchen die Bilder des Films „Ceux du maquis“, dessen Szenen in den Lagern Cize und Granges gedreht wurden, sowie jene der Parade der Widerstandskämpfer in Oyonnax am 11. November 1943. Ein eigener Raum befasst sich mit der Repression, der Verfolgung und Rettung von Juden. Anschließend werden die Befreiungskämpfe, das Kriegsende, die Rückkehr der Deportierten, die Entdeckung des Universums der Konzentrationslager und die Bilanz der Deportationen erwähnt.

       

      Der Aufbau des Gedenkens seit 1945 durch Denkmäler, die Geschichte der Verbände, Auszeichnungen, die Gerechten unter den Nationen, die Entwicklung von Gedenkfeiern und die Rolle des Widerstandsmuseum heute sollen den Besuch ergänzen. Von Juli bis November wird darüber hinaus die Ausstellung „Les Jours Sans“ gezeigt, die vom Zentrum des Widerstands und der Deportation in Lyon gestaltet wurde.

       

      Florence Saint Cyr Gherardi - Leiterin des Museums

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      Website

      www.patrimoines.ain.fr

       

      Gedächtnisstätten

      Museum des Widerstands und der Deportation von Ain

      Das Zentrum der Geschichte des Widerstands und der Deportation in Lyon

       

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