Benjamin Fondane

1898-1944
Benjamin Fondane im Jahr 1938. Quelle: www.fondane.org

(Jassy, Rumänien, 14. November 1898 - Auschwitz, 2. oder 3. Oktober 1944)

Benjamin Wechsler (oder auch Vecsler) nimmt für seine Literaturkarriere den Namen B. Fundoianu an. In seinen frühen Jahren als Schriftsteller verfasst er ein beachtliches Werk in rumänischer Sprache. Fondane zählt zu den rumänischen Schriftstellern, die von der Ausstrahlung der französischen Literatur begeistert sind und sich von ihr verzaubern lassen. 1923 führt ihn sein Weg unter dem Namen Fundoianu nach Paris, wo er sich dann Benjamin Fondane nennt. Trotz der in ihn gesetzten Hoffnung konnte Fondane dem Surrealismus nichts abgewinnen. 1928 schließt er sich der Gruppe „Discontinuité“ an und entdeckt seine Liebe für das „Große Spiel“ von René Daumal.

Allerdings ist es dann das Zusammentreffen mit Léon Ghestov, das das Leben und die Werke von Fondane maßgeblich bestimmen wird. Ab diesem Zeitpunkt verfasst er seine Werke in französischer Sprache. Im Jahr 1933 erscheinen gleichzeitig sein Gedicht Ulysse und sein Essay Rimbaud le voyou, die sehr beachtlich sind: Die existentielle Lesung von Rimbaud richtet sich eindeutig gegen die Interpretation von Breton und den Surrealisten. Mit Faux traité d'esthétique (1938) hingegen verfasst er ein kritisches Werk über den Surrealismus in existentieller Dichtkunst.

Die Gedichte von Fondane, wie z. B. Ulysse (1933) und Titanic (1938) sind herb, prophetisch und fast schon weinerisch. Seine gesammelten Gedichte sind erschienen unter dem Titel Le mal des fantômes. Sie bilden eine Art existentielle Odyssee, in der die Figur des umherirrenden Dichters dominiert, leibhaftiger Mensch, Dichter und Jude. Im Jahr 1936 erscheint sein erstes philosophisches Buch La conscience malheureuse, und es enthält Essays, die Ghestov, Kierkegaard, Husserl, Heidegger und weiteren Künstlern gewidmet sind. Fondane ist zeitlebens fasziniert vom Theater und er schreibt mehrere Bühnenstücke: Dramatische Gedichte, metaphysische Dramen (Le festin de Balthazar, Philoctète). Er kooperiert mit Cahiers du Sud, wo er die Rubrik „Philosophie vivante“ schreibt.

Nachdem er 1938 die französische Staatsbürgerschaft erhalten hat, wird Fondane 1940 zum Militärdienst einberufen. Er wird gefangen genommen, es gelingt ihm aber die Flucht. Als er wieder aufgegriffen wird, wird er aus gesundheitlichen Gründen wieder freigelassen. Im Winter 1942 verfasst er Baudelaire und die Erfahrungen am Abgrund. Gleichzeitig arbeitet er an dem Werk L'Être et la connaissance, Essays über Lévy-Bruhl, Ghestov und Lupasco. Sein letzter Essay Le lundi existentiel et le dimanche de l'histoire gleicht einem philosophischen Testament. Er beschreibt seine Philosophie von Freiheit, des Möglichen, dem bahnbrechenden Sieg über die Geschichte als Notwendigkeit.

Im März 1944 wird er gefangen genommen. Er wird zunächst in Drancy interniert, bevor er dann nach Auschwitz deportiert wird und am 2. (oder 3.) Oktober 1944 in einer Gaskammer stirbt.

In der 6 rue Rollin in Paris, seinem Wohnort vom 15. April 1932 bis 7. März 1944, wird zu seinem Gedächtnis eine Tafel angebracht.

Im Mémorial de la Shoah ist er unter dem Namen Benjamin Vecsler eingraviert.

 

Bibliografie:
Rimbaud le voyou (1933) , Le lundi existentiel, Baudelaire et l'expérience du gouffre, Le Mal des fantômes, Le Voyageur n'a pas fini de voyager, Faux-traité d'esthétique, Essai sur Lupasco.