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Die Schlacht von Chasselay

Sous-titre
19. - 20. Juni 1940

Senegalesische Infanteriekolonne, April 1940. © ECPAD
Gefangene 1940. Quelle: Deutsches Bundesarchiv

 

Frankreich und England traten am 3. September 1939 in den Krieg gegen Nazideutschland ein. Nach einer Zeit des Wartens und sporadischer Kämpfe, die „Sitzkrieg“ genannt wurde, beginnt am 10. Mai 1940 die feindliche Offensive von den Ardennen her, die sich unerbittlich ausdehnen sollte, um am 22. Juni in der Unterzeichnung des Waffenstillstands zu enden.

Während dieser Ereignisse ist die Verteidigung der Region Lyon untrennbar mit jener der Alpenfront verbunden, die von den Italienern bedroht wird, die sich seit 10. Juni im Krieg gegen Frankreich befinden. Es handelt sich außerdem um einen strategischen Verkehrsknotenpunkt an der von den Deutschen Richtung Süden befahrenen Straße.

Corps 1

 

Mitte Juni 1940 drängen die deutschen Truppen gegen das Rhônetal vor. Der dem befehlshabenden General der 14. Region unterstehende und von General Mesmay befehligte Verband wird zur Verteidigung des Gebiets nördlich von Lyon entlang der Nationalstraßen 6 und 7 zugeteilt.

Dieser Verband besteht insbesondere aus dem Marschbataillon der Fremdenlegion, zwei regionalen Regimentern, zwei regionalen Panzerabteilungen usw. Das 25. Regiment der Tirailleurs sénégalais (RTS, Senegalschützen), eine Einheit mit 3 Bataillonen unter dem Befehl von Oberst Bouriand, wurde ihm am 16. Juni ebenfalls angegliedert.

Am 17. Juni sind Legionäre, Senegalschützen und Artilleristen vor Ort. Das 1. Bataillon des 25. RTS (Kommandant Alaury) bezieht entlang einer Linie zwischen Saint-Germain-au-Mont-d'Or und Lissieu Stellung, während das 2. Bataillon (Hauptmann Clément) das Gebiet zwischen Fleurieux und Lentilly abdeckt.

Auf Antrag des Vizebürgermeisters und Präsidenten der Abgeordnetenkammer, Edouard Herriot, und des Präfekten des Departements Rhône, Emile Bollaert, wird Lyon am 18. Juni 1940 zur „offenen Stadt“ erklärt: die französischen Streitkräfte müssen sich zurückziehen und es dürfen keine Widerstandshandlungen bei Begegnungen mit den feindlichen Truppen stattfinden.

In dem damals herrschenden Durcheinander betrachtet General Olry die Verteidigung dieses Abschnitts jedoch als wesentlich für den Schutz der Alpenarmee, die den Italienern die Stirn bieten muss. General Mesnay befiehlt daher seinen Truppen ausdrücklich, „mit allen Mitteln“ standzuhalten.

 

colonne Sénégalais

Senegalesische Infanteriekolonne, April 1940. © ECPAD

 

Auf der Nationalstraße 7 stößt die SS-Division Totenkopf in der Gegend von Arbresle, Eveux und Lentilly auf Infanteristen und Legionäre, die nach einem heroischen Widerstand schließlich überwältigt werden. Die überlebenden Weißen werden gefangen genommen und nach Tarare gebracht, die Schwarzen werden auf dem Schlachtfeld hingerichtet.

Im Gebiet von Chasselay kommen Teile des Infanterieregiments Großdeutschland am 19. Juni mit der 1. Kompanie des 25. RTS in Berührung. Die deutsche Vorhut wird von einem Kugelhagel empfangen und muss zurückweichen. Um 11 Uhr beginnt ein heftiger Beschuss der französischen Stellungen, und um 14 Uhr wird der Angriff eingeleitet. Der Feind rückt langsam unter französischem Beschuss aus Batterien vom Typ 75 vor.

Das hoch über der Straße gelegene Kloster der Schwestern von Nevers wird zum Stützpunkt umfunktioniert: einige Geschütze werden dort als Batterie aufgebaut, die von einer Handvoll Infanteristen unter dem Befehl von Leutnant Montalivet betreut werden. Von diesem Widerstand einen Moment lang überrascht, starten die Deutschen den Angriff. Ein ungleicher Kampf entwickelt sich. Im Kloster pflegen die Schwestern die Verwundeten. Nach und nach ist die Munition aufgebraucht, die Geschütze sind zerstört, die Männer fallen. Die wenigen kampffähigen Soldaten können nicht verhindern, dass der Feind die Stellungen einnimmt. Die Verwundeten werden mit Bajonettstößen getötet. Die bedrohten Schwestern werden schließlich inmitten der Toten in den Ruinen ihres Klosters zurückgelassen.

Die überlebenden Verteidiger werden nach Les Chères gebracht und mit Ausnahme von Leutnant Pangaud getötet.

Am Ende des Nachmittags werden die Verteidiger des Hügels 272 bei Lissieu nach Zerstörung ihrer beiden Artilleriewaffen überlaufen und eingekesselt. Unter den Gefangen befinden sich 19 Offiziere und Soldaten Kontinentalfrankreichs sowie 19 afrikanische Soldaten, die hingerichtet werden.

Bei einem Bauernhof in Montfort gelingt es einem Dutzend Franzosen, ihre Angreifer bis am Abend in Schach zu halten, bevor sie unter feindlichem Maschinengewehrfeuer sterben.

Am selben Nachmittag hat eine deutsche Kolonne die französischen Widerstandspunkte umgangen und ist nach Lyon vorgedrungen. Oberst Bouriand wird der Befehl zum Rückzug seiner Truppen übermittelt. Einige von ihnen sind jedoch abgeschnitten und können nicht erreicht werden. Daher kämpfen sie bis am nächsten Abend weiter. Einem Teil des Regiments gelingt es, nach Rives-de-Gier zu gelangen.

Am Nachmittag des 19. hat Hauptmann Gouzy seine Truppen auf den Anhöhen von Chasselay in der Nähe von Schloss Plantin versammelt.

Am 20. Juni wird gegen 10 Uhr eine deutsche Aufklärungsgruppe zurückgedrängt. Gegen 13 Uhr marschiert der Feind in das verlassene Chasselay ein. Seine Artillerie beschießt in der Folge den Bereich des Schlosses, bevor der Angriff gegen 15 Uhr startet. Der Kampf ist intensiv. Bald schon werden etwa fünfzig erschöpfte Überlebende, die keine Munition mehr haben, überwältigt.

Angesichts der Rohheit, die gegenüber den senegalesischen Gefangenen ausgeübt wird, greift Hauptmann Gouzy ein: er wird von einer Kugel getroffen und muss evakuiert werden. Die in zwei Gruppen getrennten Gefangenen, 51 Schwarze und 7 Weiße, werden nach Les Chères gebracht. Im kleinen Ort „Vide-Sac“ erhalten die Senegalesen den Befehl, sich in den Feldern zu verteilen: von der Straße aus mähen die Maschinengewehre 48 von ihnen nieder, deren Körper anschließend von zwei Panzern überfahren werden.

Diese Massenhinrichtungen von schwarzen Gefangenen erfolgen systematisch: 18 werden in Lentilly exekutiert, 13 in Eveux; im Lyoner Vorort Vaise werden 27 Senegalschützen an einer Mauer aufgestellt, erschossen und 2 Stunden lang den Blicken der Passanten ausgesetzt.

Um die Härte der Kämpfe und die Gewalt der Repression zum Ausdruck zu bringen, braucht man sich nur vor Augen zu führen, dass die Verluste des 25. RTS auf 1384 bei einer Truppenstärke von fast 1800 Mann geschätzt werden.