Edmond Michelet

1899-1970
Foto von Edmond Michelet. Foto délégation régionale du Limousin

 

Edmond Charles Octave Michelet wurde am 8. Oktober 1899 im 19. Arrondissement in Paris geboren. Mit 18 Jahren meldet er sich freiwillig und ist während des ganzen Krieges Soldat. Als Angehöriger des 126. Infanterieregiments von Brive entdeckt er die Corrèze und heiratet dort. Er ist aktives Mitglied der ACJF (Action catholique de la jeunesse française - katholische Tat der französischen Jugend), deren Präsident er im Béarn und in der Corrèze wird. 1932 entwickelt er die sozialen Teams weiter, die 1919 von Robert Garric gegründet worden waren und deren Ziel es war, die berufliche, intellektuelle und moralische Entwicklung aller benachteiligten Mitglieder zu fördern. Angesichts des immer stärker werdenden Nazismus gründet er den Cercle Duguet, eine Gruppe des Nachdenkens, die unter anderen Aktivitäten eine Vortragsreihe mit dem Titel "die Gefahren, die unsere Zivilisation bedrohen" ins Leben ruft. Als Familienvater wird er 1939 nicht eingezogen und organisiert stattdessen die nationale Hilfsorganisation zur Unterstützung der vielen Flüchtlinge.

Seine Widerstandstätigkeit beginnt 1940, als er mit Freunden in Brive ein Flugblatt mit einem Text von Péguy verteilt: "wer sich nicht ergibt hat Recht, wer sich ergibt hat Unrecht". 1942 wird er regionaler Leiter und übernimmt schließlich die Führung der Region 5 der vereinigten Widerstandsbewegungen MUR. Michelet wird wegen seiner Aktivitäten im Widerstand am 25. Februar 1943 von der deutschen Polizei festgenommen. Zunächst sitzt er in Fresnes 6 Monate in strenger Isolationshaft und wird am 15. September 1943 nach Dachau deportiert. Bei der Befreiung des Lagers am 29. April 1945 vertritt er Frankreich im internationalen Häftlingskomitee und kümmert sich um die Rückführung aller internierten Franzosen und Spanier. Am 27. Mai 1945 kehrt er nach Frankreich zurück.

Im Juli 1945 wird er von der nationalen Befreiungsbewegung MLN zum Mitglied der vorläufigen beratenden Versammlung berufen. Am 21. Oktober 1945 wird er für die Partei MRP (Mouvement Républicain Populaire) zum Abgeordneten der Corrèze in der ersten verfassungsgebenden Versammlung aufgestellt. Im November 1945 wird er Staatsminister für die Streitkräfte in der Regierung De Gaulle. Im Juni 1946 wird er zum Abgeordneten der zweiten verfassungsgebenden Versammlung gewählt, und im November 1946 zum Abgeordneten der ersten gesetzgebenden Versammlung. Nach seiner Niederlage bei den Parlamentswahlen am 17. Juni 1951 in der Corrèze wird er im Mai 1952 zum Rat der Republik gewählt und wird 1958 Vizepräsident des Senats. 1954 leitet er die französische Delegation in der UNO. Im Juni 1958 wird Michelet Minister für die Kriegsteilnehmer. Im Februar 1962 wird er Mitglied des Verfassungsrates. Am 12. März 1967 wird er zum Abgeordneten des ersten Bezirks im Finistère, Quimper, gewählt. Einen Monat später kehrt Edmond Michelet als Minister für den Öffentlichen Dienst in die Regierung zurück.

Nach dem Mai 1968 ist er Staatsminister ohne Geschäftsbereich. Im Anschluss an die Wahlen vom 23. und 30. Juni 1968 wird er in der Regierung Couve de Murville wieder Abgeordneter des Finistère in der Nationalversammlung. Er gibt diesen Sitz am 22. Juni 1969 auf, um Kultusminister in der Regierung Chaban-Delmas und Nachfolger von André Malraux zu werden. Diesen Posten hat er inne, bis er am 9. Oktober 1970 in Marcillac in der Nähe von Brive stirbt. Edmond Michelet ist 1959 mit dem Literaturpreis der Résistance und 1960 mit dem Großen Preis der französisch-belgischen Literatur für sein Erinnerungswerk Rue de la Liberté (Straße der Freiheit) ausgezeichnet worden. Er war Präsident des Freundeskreises der ehemaligen Häftlinge von Dachau, den er trotz des kalten Krieges zusammen halten konnte, und Gründungspräsident der Vereinigung Frankreich - Algerien im Jahr 1963.