Les grandes rafles de Juifs en France

Judenrazzia in Paris
Corps 1
Die Verhaftungen von Juden im Jahr 1940 richten sich gegen Einzelne, vor allem Männer, Ausländer oder Staatenlose. Sie werden infolgedessen weder einstimmig missbilligt noch angeprangert. Sobald die Verhaftungen aber kollektiv durchgeführt werden und auch die französischen Juden und Frauen und Kinder nicht verschont bleiben , ändert sich die Meinung. Die Entwicklung ist zunächst langsam, beschleunigt sich aber mit der Razzia des Vél d'Hiv (Winterradrennbahn) und den großen Razzien im Sommer 1942 in der "freien Zone". Man kann sogar sagen, dass diese Razzien eine Umkehr der öffentlichen Meinung zugunsten der Geächteten bewirken. Sie stehen auch am Anfang einer Abkehr von dem Regime in Vichy.
Corps 2

Die Radikalisierung der antijüdischen Politik



In der Tat hält man Vichy im Anschluss an diese Razzien für absolut abhängig von der Besatzungsmacht, sogar viele der Antisemiten und die Verfechter einer weitgehenden politischen Kollaboration sind dieser Meinung. Abgesehen von der Anpassung Frankreichs an das nationalsozialistische Deutschland zeigen die großen Razzien vom Sommer 1942 eine deutliche Radikalisierung der antijüdischen Politik. Es ist tatsächlich das erste Mal, dass Razzien in Frankreich ein solches Ausmaß annehmen und dass sie sich in gleicher Weise auf Männer und Frauen, alte Menschen und kleine Kinder beziehen. Ab dem Sommer 1942 sind alle Juden in Frankreich, ohne Unterschied in Bezug auf Geschlecht, Alter oder Nationalität, bedroht. Und die Bedrohung ist sehr ernst, denn in den meisten Fällen führen die Verhaftungen zur Deportation an ein unbekanntes Ziel außerhalb des nationalen Territoriums. Die öffentliche Meinung ist beunruhigt in Anbetracht dieser Radikalisierung und missbilligt sie. Wie ist es denn auch möglich, die Schreckensszenen zu akzeptieren, die mit den Razzien einhergehen, vor allem die Schreie und das Weinen von kleinen Kindern, die ihren Eltern entrissen werden? Mehr als die Verhaftungen selbst sind es diese Szenen, die als traumatisch erlebt und abgelehnt werden, sowohl in Frankreich als auch im Ausland. Die Reaktionen sind so zahlreich und so negativ, dass das Vichy - Regime in seinen Grundfesten erschüttert wird. Ein Jahr vorher hatten die Judenrazzien keine so starken Gefühle geweckt.

Die Razzien von 1941



Die erste Razzia, die im Frühling 1941 in Paris durchgeführt wurde, gelangte nicht an die Öffentlichkeit, wurde praktisch geheim gehalten. 6 494 Männer im Alter von 18 bis 60 Jahren waren betroffen, ausschließlich ausländische Juden, die ein paar Monate nach der Volkszählung Ende 1940 einen simplen "grünen Brief" ins Haus geschickt bekamen. Hierin wurden sie lakonisch aufgefordert, am 14. Mai 1941 zur "Untersuchung der Lage" in Begleitung eines Verwandten oder Freundes in bestimmten Zentren in Paris zu erscheinen. Dieser Aufruf erweist sich als Falle, und die "Untersuchung" wandelt sich für 3 747 Männer zur Verhaftung um. Sie werden interniert und in die Lager Pithiviers und Beaune-la-Rolande im Loiret weiter transportiert, wo die meisten von ihnen einige Monate bleiben, bis die ersten Deportationen beginnen. Am 20. - 21. August 1941 findet in Paris eine zweite kollektive Verhaftung von ausländischen und Französisch Juden statt. Sie wird kurz nach dem Beginn der deutschen Offensive gegen die UDSSR durchgeführt und wird in der Propaganda als "Operation zur Unterdrückung kommunistischer Agitation" dargestellt. Dies ist ein fadenscheiniger Vorwand, der vor allem das Vorgehen der französischen Polizei rechtfertigen soll, die bei dieser Gelegenheit den deutschen Militärs unterstellt war. Während der Razzia werden 4 232 Männer verhaftet, die meisten in den Straßen des 11. Arrondissements. Wenig später finden sie sich in den Pariser Außenbezirken, in Drancy wieder, in einem Lager, das gerade eröffnet wurde, das aber noch nicht zur Drehscheibe für die Deportationen von Juden aus Frankreich geworden war.

Am 12. Dezember 1941 beginnt die dritte Operation gegen die Juden aus Paris und Umgebung. Sie wird direkt durch die Besatzer ausgeführt (mit Männern des Sicherheitsdienstes - SD - und der Feldgendarmerie), unterstützt von französischen Polizisten. Dies ist eine weniger umfangreiche Aktion als die beiden vorhergegangenen, denn an diesem Tag werden nur 743 Juden verhaftet. Aber diese Operation ist umso wichtiger als es sich zum ersten Mal um "Prominente" handelt, die fast alle die französische Staatsangehörigkeit besitzen. Diese Männer, die "zur Strafe für eine Reihe von antideutschen Attentaten" verhaftet wurden, werden in das Lager Compiègne überführt (nördlich von Paris). Einige von ihnen, Leiter von Unternehmen, Geschäftsleute, Ingenieure, Ärzte, Anwälte oder Universitätsprofessoren werden in den folgenden Wochen wieder entlassen, aber die meisten bleiben im Gefängnis und werden später in den Konvois deportiert. Der erste dieser Konvois besteht aus 1 112 Männern und verlässt Frankreich am 27. März 1942. Im Juni 1942 fahren vier weitere Konvois derselben Größe von Compiègne, Drancy, Pithiviers und Beaune-la-Rolande ab, mit dem Ziel Auschwitz.

Die Razzia des Vél' d'Hiv



Die Razzia vom 16. - 17. Juli 1942 findet also nach den ersten Deportationen von Juden aus Frankreich statt, als die Nazis die polnischen Ghettos leeren und auch in Belgien, den Niederlanden und in Dänemark mit den Deportationen begonnen wird. Diese große Razzia hat eine andere Qualität als die vorherigen Razzien in Frankreich: in weniger als achtundvierzig Stunden (von morgens um vier Uhr am 16. Juli bis dreizehn Uhr am folgenden Tag, dem 17. Juli) hat die Polizei 12 884 Juden in Paris und den Pariser Vororten verhaftet. Das ist eine Premiere, auch wenn wegen der "Fluchten" die Zahl der Verhaftungen unter dem Vorhergesehenen bleibt. Während der Razzia des Vél d'Hiv haben die Polizeibehörden nicht nur Männer im besten Alter verhaftet. Dieses Mal haben sie auch Männer von über 60 Jahren festgenommen, Kranke, Frauen (5 802) und sogar Kinder im Alter von unter 16 Jahren (4 051). Die Fiktion einer "Verschickung von Einwohnern zur Arbeit in den Osten" platzt damit wie eine Seifenblase. Eine so umfangreiche Operation muss lange und sorgfältig geplant worden sein. Bestimmte Zahlen belegen dies auch eindeutig. In dem Zusammenhang muss man vor allem darauf hinweisen, dass 9 000 französische Beamte (und darunter 4 000 Polizisten) für diese Razzia mobilisiert wurden, die nicht ohne Ironie als "Operation Frühlingswind" bezeichnet wurde. Bei dieser Gelegenheit hat man nicht weniger als 27 000 Karteikarten von Juden (die in Anwendung der Vichy - Gesetze bei der Volkszählung gezählt worden waren) aus einer Kartei der Polizeipräfektur (die Kartei "Tulard") entnommen, um sie vor Ort an die Polizeitrupps zu verteilen, die mit den Verhaftungen beauftragt waren. Diese in der Geschichte der französischen Polizei beispiellose Operation ist zwar auf Initiative der Besatzer organisiert worden, aber sie wird ganz und gar auf Befehl von Pétain, Laval, Bousquet, Leguay und der Verwaltung und Polizei des französischen Staates durchgeführt. Abgesehen von der großen Zahl von französischen Beamten, die an dieser Razzia beteiligt waren, muss man auch an die über sechzig Busse der Polizei und der Pariser Verkehrsgesellschaft TCRP (der Vorgängerin der RATP) denken, die für den Transport der verhafteten Juden nach Drancy und in den Vélodrome d'Hiver (im 15. Arrondissement) zur Verfügung gestellt wurden. Außerdem muss man darauf hinweisen, dass dieser Pariser Komplex, der vor allem für große Sportveranstaltungen gedacht war, nicht geeignet war, eine heterogene Menge von Einwohnern aufzunehmen, unter denen sich, wie wir schon erwähnt haben, viele kleine Kinder befanden. Im Übrigen war so gut wie nichts für einen länger andauernden Zwangsaufenthalt einer so großen Menschenmenge vorgesehen worden. Die 8 000 vom 16. bis zum 22. Juli in diesem Komplex abgestellten Personen hatten infolgedessen unter Wassermangel, unerträglichen hygienischen Zuständen und dauerndem Lärm zu leiden. In diesem Durcheinander gibt es deshalb ernste gesundheitliche Probleme und viele Selbstmorde oder versuchte Selbstmorde. Die Lage normalisiert sich nur langsam, als sich das Vél d'Hiv allmählich leert, weil die Internierten nach Drancy, Pithiviers und Beaune-la-Rolande überstellt werden. In diesen Lagern war das Chaos der Improvisation sicherlich weniger groß. Die Atempause war allerdings nur eine Illusion von kurzer Dauer für die im Vél d'Hiv Internierten, denn die meisten von ihnen wurden danach deportiert. Ihre Namen tauchen in den 38 Konvois auf, die nach Auschwitz gehen und Frankreich zwischen dem 17. Juli und dem 11. November 1942 verlassen haben.

Die Razzien in der Provinz und die "Überstellung" der ausländischen Juden an die Deutschen



Im Juli 1942 erfassen die Razzien auch die Juden, die in Städte der besetzten Zone geflüchtet waren, vor allem in Bordeaux, Tours und Dijon. Außerdem liefert der freie französische Staat, in Anwendung von französisch - deutschen Vereinbarungen, über 10 000 ausländische Juden, die in den Lagern der südlichen Zone interniert waren, an die Besatzungsmacht aus. Um diese "Zustellung" abzuschließen, werden die Razzien gegen die ausländischen Juden in anderen Gebieten verstärkt, insbesondere am 26., 27. und 28. August 1942, in der Gegend von Limoges, Clermont-Ferrand, Lyon, Grenoble, Toulouse, Montpellier, Marseille und Nizza. Männer, Frauen und Kinder, die in diesen Tagen verhaftet werden, werden nach Drancy transportiert und nach Auschwitz deportiert. 1943 und 1944 gehen Verhaftungen, Razzien und Deportationen weiter, sowohl in Paris als auch in der besetzten und in der südlichen Zone. Insgesamt werden von März 1942 bis August 1944 75 000 Juden aus Frankreich deportiert. Die Mehrzahl sind ausländische Juden, aber etwa ein Drittel dieser Männer, Frauen und Kinder sind französische Juden. Dazu muss man sagen, dass die deutschen Behörden keinerlei Unterschied zwischen französischen und ausländischen Juden machten. Für das nationalsozialistische Deutschland waren alle Juden, ohne Unterschied in Bezug auf Alter und Nationalität, für die Deportation und Vernichtung vorgesehen. Natürlich verfolgte das Regime von Vichy nicht die gleichen Ziele. Es hatte vor allem die Absicht, die ausländischen Juden aus dem nationalen Gebiet zu "evakuieren". Nolens volens hat seine Beteiligung an den Razzien und Deportationen eine entscheidende Rolle bei der Anwendung der "Endlösung der Judenfrage" in Frankreich gespielt.