Die Schlacht von Saint-Privat

Bataillon Nr. 9, die Jäger von Lauenburg, in Gravelotte, Ernst Zimmer (1864-1924), 1910. Quelle: Kreismuseum Ratzeburg
Corps 1

Der Deutsch-Französische Krieg 1870-1871

 

Im Juli 1870 wird die Krone des spanischen Throns einem preußischen Prinzen angeboten, Leopold von Hohenzollern. Frankreich fürchtet das Wiedererstehen des Reiches von Karl V. Nach einem Monat intensiver Diplomatie verfasst Kanzler Bismarck die Emser Depesche, welche die französische Regierung empört. Sie erklärt Preußen am 19. Juli den Krieg. Die Armeen starten sogleich den Angriff. Die französische Armee, die völlig improvisiert ist, erleidet Niederlage über Niederlage: am 6. August in Forbach und Fröschweiler, von 14. bis 18. August in der Region von Metz, am 1. September in Sedan. Nach einem Monat ist die kaiserliche Armee zerstört, Kaiser Napoleon III. wird gefangen genommen.

 

soeurs de la Miséricorde, Gravelotte

Die Barmherzigen Schwestern helfen Verletzten der Schlacht von Gravelotte Quelle: Library of Congress

 

Am 4. September wird in Paris die Republik ausgerufen. Das gesamte Staatsgebiet wurde überlaufen, Paris ist belagert. Marschall Bazaine kapituliert am 27. Oktober in Metz. Er gibt 173.000 Soldaten, 3 Marschälle, 50 Generäle, 53 Fahnen und 1.400 Kanonen auf. Gambetta verlässt Paris im Ballon. Er organisiert die nationale Verteidigung in der Provinz. Verdun, Belfort und Straßburg sind belagert. Es werden Schlachten im Norden, in Beauce, dem Loire-Gebiet, der Bourgogne und im Jura geschlagen. Am 18. Januar 1871 wird Wilhelm I. in Versailles zum deutschen Kaiser ausgerufen. Am 28. Januar unterzeichnet Frankreich den Waffenstillstand und am 10. Mai den Friedensvertrag. Frankreich verliert Elsass-Lothringen. Es zahlt 5 Milliarden Goldfranken. Erst im August und September 1873 werden die noch besetzten vier Departements im Osten geräumt und Verdun wird an Frankreich zurückgegeben.

 

Bazaine

François Achille Bazaine (1811 - 1888), André Disdéri. Quelle: Französische Nationalbibliothek

 

Die Schlacht vom 18. August 1870

 

Die unterhalb von Metz versammelte Rheinarmee von Marschall Bazaine bereitet sich auf den Zusammenschluss mit den Streitkräften von Marschall Mac-Mahon vor, um der Invasion im Nordosten Frankreichs entgegenzutreten. Die preußischen Streitkräfte durchkreuzen dieses Manöver jedoch, indem sie mehrere Schlachten hintereinander schlagen, um die Straße nach Verdun zu schließen. Vor den Toren von Metz werden die Franzosen am 14. August in Borny und am 16. in Rezonville besiegt.

 

Am 18. August 1870 prallen die Armee von Marschall Bazaine und jene von Prinz Friedrich Karl von Preußen in Gravelotte in einem blutigen Gemetzel aufeinander. 125.000 Franzosen stehen 285.000 Deutschen gegenüber. Die Schlacht findet auf dem Hügel Saint-Privat statt, der vom 6. Korps von Marschall Canrobert verteidigt wird.

 

Am späten Nachmittag befiehlt Prinz August von Württemberg, der Kommandant der preußischen Garde, den Vormarsch auf das Dorf, um einen Keil in den rechten Flügel der Franzosen zu treiben.

 

Um 17 Uhr greift die königliche preußische Garde mit gehissten Fahnen, schlagenden Trommeln und den Offizieren an der Spitze an. Die Franzosen eröffnen das Feuer und die Garde verliert in einer halbe Stunde am Abhang von Saint-Privat 240 Offiziere und 6.500 Soldaten.

 

Gegen 19 Uhr versuchen die Infanteristen des 12. Sächsischen Korps vergeblich einen Angriff, den das 75. und 91. Linieninfanterieregiment zurückdrängen kann.

 

Der finale Angriff erfolgt am Abend. Die Artillerie vernichtet das Dorf. Feuer wütet. Die preußische Garde und die Sachsen stürzen sich in den Kampf. Die Überlebenden des 28. Linieninfanterieregiments machen ihnen den Friedhof und jedes Haus beharrlich streitig. Der sächsische General von Craushaar wird getötet. Die Verteidiger sind zahlenmäßig unterlegen.

 

Am Ende der Schlacht liegen etwa 12.000 Franzosen und 20.000 Deutsche tot oder verwundet auf dem Schlachtfeld.

 

bataille de Saint-Privat

Schlacht von Saint-Privat (18. August 1870),  Alphonse de Neuville (1881). (Vorentwurf für das endgültige Gemälde)

 

Das Schlachtfeld

 

Am Tag nach den Kämpfen, dem 19. August, reitet König Wilhelm I. von Preußen über das noch mit Toten und Verletzten vom Vortag bedeckte Schlachtfeld. Schon graben Fronarbeiter breite Gräben, in denen die Toten begraben werden. Nach dem Brauch jener Zeit werden die Körper der toten Soldaten schnell in mehrere Beinhäuser zusammengetragen, um Epidemien zu verhindern. Der Einfachheit halber wird den Leichen nicht einmal die Ausrüstung abgenommen. Bei den Exhumierungsarbeiten wurden zahlreiche Ausrüstungsgegenstände - Knöpfe, Gürtelschnallen, Leder - am Abhang von Saint-Privat gefunden.

 

Der beeindruckte König von Preußen nennt diesen Ort ergriffen „das Grab seiner Garde“. Später, als wieder Frieden eingekehrt ist, äußert er den Wunsch, die beiden Gemeinden Saint-Privat und Sainte-Marie-aux-Chênes, die der am 10. Mai 1871 unterzeichnete Vertrag von Frankfurt an Frankreich abgetreten hat, im deutschen Reich zu behalten. Ihre Wiederabtretung ist mit einer Grenzbereinigung in der Region Belfort verknüpft.

 

Sowohl von den Franzosen als auch von den Deutschen werden zwischen 1871 und 1900 Gedenkstätten errichtet. Von da an werden die Toten regelmäßig an jedem Jahrestag der Schlacht geehrt.