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Chefarzt Luc Aigle

Chapeau

Wunden heilen und Leben retten. Das tat Chefarzt Luc Aigle bei zahlreichen Auslandsoperationen, an denen er teilgenommen hat. Heute trägt er als Studienleiter der militärmedizinischen Hochschule Lyon zur Ausbildung der nächsten Generation des medizinischen Personals der Streitkräfte bei.

Texte

Was war der Grund für Ihr Engagement und insbesondere die Wahl dieses Berufes?

Mein Großvater und mein Vater waren Militärärzte. Im Laufe meiner beiden letzten Jahre am Militärgymnasium von Saint-Cyr l’École sah ich meine Zukunft auch als solcher und wollte nichts anderes werden. Meinem Land und anderen zu dienen sind die Werte, die mir mein Vater vermittelt hat und die ich an meinen Sohn weitergeben sollte, da er gerade das zweite Jahr an der militärmedizinischen Hochschule in Lyon beginnt. Somit wird dieser Beruf in der Familie in vierter Generation ausgeübt.

Sie haben zahlreiche Auslandsoperationen vorzuweisen. In welchen Ländern waren Sie im Einsatz?

Ich habe fast zwanzig Auslandseinsätze absolviert. Während meines Studiums konnte ich in den Senegal, nach Vietnam und in den Tschad gehen. Anschließend kehrte ich zwei Mal in den Tschad zurück und ging drei Mal nach Zentralafrika, drei Mal an die Elfenbeinküste, nach Mazedonien, in das ehemalige Jugoslawien, nach Haiti, nach Libyen, zwei Mal nach Afghanistan, zwei Mal nach Mali, nach Mauretanien und nach Burkina Faso. Ich lebte auch zwei Jahre in Dschibuti und führte einige Operationen durch. Ich hatte letztendlich das Glück, an fast allen großen französischen Einsätzen der letzten zwanzig Jahre teilzunehmen, außer jenem im Libanon.

Was waren ihre wichtigsten Aufgaben bei diesen verschiedenen Auslandseinsätzen? 

Ich war im ersten Abschnitt meiner Karriere Arzt der Kampfkompanie, anders gesagt Allgemeinarzt in unmittelbarer Nähe der Soldaten. Als solcher bestanden meine Hauptaufgaben darin, die Soldaten zu behandeln, die Militäroperationen zu untestützen und Prävention zu betreiben (Hygiene der Soldaten, des Wassers, der Nahrung, des Lagers usw.). 2014 wurde ich zum medizinischen Leiter der Operation Sangaris in Zentralafrika ernannt. Ich war damit Chefarzt der gesamten Gesundheitskette. 2015 war ich Chefarzt eines Gefechtsverbandes mit verbundenen Waffen im Tschad (2. Fallschirmjäger-Fremdenregiment, REP) sowie 2018 Chefarzt des Wüsten-Gefechtsverbandes... ebenfalls für das 2. REP. Ich komme aus Mali zurück, wo ich den Posten des stellvertretenden ärztlichen Direktors des Einsatzgebietes innehatte, das heißt ich kümmerte mich gemeinsam mit dem ärztlichen Direktor des Einsatzgebietes um die Koordination der Teams, das Umwelt- und Gesundheitsmanagement und die Beratung des Kommandos.

Welche Behandlungen mussten Sie am häufigsten durchführen? 

Obwohl der Krieg, den man heute führt, nicht so intensiv ist, gibt es je nach Operationen und Konfrontationen mit dem Feind unterschiedliche Mengen an Verwundeten. Derzeit werden die meisten Verletzungen durch Minenexplosionen und IED (auf Deutsch improvisierte Sprengvorrichtungen) verursacht. Regelmäßig gibt es auch Verwundete durch leichte Waffen nach Nahkämpfen. Aber das ist glücklicherweise weder der Alltag der Soldaten noch der Ärzte. Wir haben einen großen Anteil der ärztlichen Tätigkeiten aus der Allgemeinmedizin, der Allgemeinmedizin in tropischer Umgebung sowie der Tropen- und Notfallmedizin, die von Nierenkoliken über schwere Infektionen bis zu Hitzeschlägen usw. reichen. Wir haben auch Arbeitsunfälle. Einer der am schwersten Verletzten, den wir diesen Frühling in Mali behandeln mussten, wurde von einem Metallbügel am Kopf getroffen, nachdem zufällig ein Reifen geplatzt war.

Nur wenige behandelte Soldaten sterben an ihren Verletzungen. Das lässt sich durch mehrere Faktoren erklären: ein besserer Schutz der Soldaten, die vorhandene medizinische Hilfe vor Ort, die ein Handeln unmittelbar nach der Verwundung gewährleistet (sowohl vor Ort als auch anschließend in der chirurgischen Einrichtung), und eine frühzeitige Evakuierungskette.

Welche Eigenschaften muss ein Militärarzt Ihrer Meinung nach unbedingt mitbringen?

Er muss gut vorbereitet sein, sowohl in medizinischer als auch in körperlicher Hinsicht. Fachlich lernt man im Studium viel. Die Studenten sind daher in der Lage, erstklassige Medizin unter schlechten Bedingungen und mit wenigen Mitteln zu praktizieren. Je besser man außerdem körperlich in Form und trainiert ist, umso besser hält man die Entfernung, die Müdigkeit, den körperlichen Verschleiß, den Stress usw. aus. Man braucht eine große Anpassungsfähigkeit und muss in Zwangslagen schnell reagieren können.

Welche Mittel könnten Ihrer Meinung nach heute zu einer besseren Betreuung der Kriegsverwundeten führen?

Der Gesundheitsdienst der Streitkräfte ist bereits sehr leistungsfähig und beweist eine große Schnelligkeit in der Betreuung, auch wenn wir uns schwer tun, wesentlich weiter zu gehen. Ein Verwundeter ist heute innerhalb von 24 Stunden in Frankreich. Wenige Armeen sind dazu in der Lage. Die wenigen Verbesserungsmöglichkeiten betreffen vor allem die Bluttransfusion an der Front. Das Stoppen einer (äußeren) Blutung, das Atemwegsmanagement usw. sind Dinge, die wir beherrschen. Bei einer Verletzung im Bauch- oder Brustbereich ist der Einsatz eines Chirurgen entscheidend. Allerdings wäre durch Blutgaben zum Ausgleich des Verlustes eine bessere Hilfe für das Opfer möglich. Dazu wäre vor allem Vollblut erstklassiger Qualität wichtig. Die Bekämpfung von Unterkühlungen, die zu Koagulationsstörungen führen, ist ebenfalls eine Herausforderung.

Können Sie uns abschließend eine besonders markante Anekdote erzählen? 

2006 war ich in Afrika an einer Kampfhandlung mit Kommandos beteiligt. Ein Mann wurde schwer verletzt. Als ich zu ihm kam, wurde überall geschossen. Seine Beine bluteten stark und ich musste zwei Druckverbände legen. Um die Verletzungen besser sehen zu können, habe ich seinen Kampfanzug mit einer Schere zerschnitten. Wir befanden uns in hohem Elefantengras. Nachdem ich das erste Hosenbein abgeschnitten hatte, war die Schere im Gras verschwunden. Ein Kamerad gab mir sein Messer, damit ich das zweite abschneiden konnte. Schließlich gelang es uns, ihn für die Evakuierung mit dem Hubschrauber und anschließend mit dem Flugzeug zu stabilisieren. Aus dem entlegensten Winkel, wo er um 17 Uhr verwundet wurde, gelangte er bis 22 Uhr auf den Operationstisch in N’Djamena im Tschad. Am nächsten Morgen riefen mich die Chirurgen an und teilten mir mit, dass sie neben den Verletzungen an den Beinen eine weitere unterklärliche am Bauch gefunden hätten. Sie hatten einige Untersuchungen gemacht, aber nichts gefunden. Ich hatte keine Erklärung dafür, denn ich hatte diese Verletzung nicht gesehen. Als der Verwundete erwachte, verriet er mir, dass ich ihm das Messer beim Abschneiden seiner Hose in den Bauch gestochen hatte. Denn in der Hitze des Gefechts war die lange Klinge weiter vorgedrungen, glücklicherweise ohne schwere Folgen. Nur er allein wusste am Ende, dass ich ihn fast erstochen hätte, als ich ihn zu retten versuchte.


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