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Der Widerstand in den Niederlanden

Chapeau

Das Widerstandsmuseum (Verzetsmuseum) in Amsterdam bietet einen Blick auf die Geschichte der deutschen Besatzung und des Nazi-Regimes in den Niederlanden. Den Jüngsten wird der niederländische Widerstand seit 2013 durch die Eröffnung eines Junior-Museums für Kinder ab 9 Jahren nähergebracht.

Ausstellungsraum des niederländische Widerstandsmuseums Junior.
Texte

Das niederländische Widerstandsmuseum, das 1984 von ehemaligen Widerstandskämpfern gegründet wurde, öffnet im Jahr darauf seine Pforten und lässt sich dann 1999 im östlichen Stadtzentrum von Amsterdam nieder. Ab diesem Zeitpunkt steigen die Besucherzahlen des Museums regelmäßig, mit 106.000 Besuchern im Jahr 2018, darunter 23.000 Schüler und mehr als 60.000 ausländische Besucher.  Das Museum bietet kostenlose Besichtigungen mit Audio-Guide in sieben Sprachen, darunter in Französisch. Der Großteil der Touristen hebt nach dem Besuch die Qualität der Einrichtung hervor, die zum Nachdenken anregt.

Um den niederländischen Widerstand zu verstehen, sei daran erinnert, dass die Niederlande während des Ersten Weltkriegs neutral waren. In der Bevölkerung kannte niemand den Krieg, auch nicht die vorangegangenen Generationen, Eltern oder Großeltern. Als die Deutschen 1940 das Land überfallen, steht die Bevölkerung unter Schock. Nach fünftägigen Kämpfen ist die niederländische Armee ausgelöscht, die Königin und die Regierung gehen nach England ins Exil. Von da an sollten die Nazis ein strenges Besatzungsregime einrichten. Anfangs verhält sich der Besatzer gegenüber der Bevölkerung korrekt, um die nationalsozialistische Bewegung (NSB) in den Niederlanden in die „Deutsche Bruderschaft“ einzubinden. In diesem Zusammenhang entsteht die Widerstandsbewegung, die immer größer werden sollte.

Die Dauerausstellung des Museums zeichnet daher die Entwicklung der Widerstandsbewegung in all diesen Jahren nach, wobei der Schwerpunkt auf den Konfliktsituationen liegt, in denen sich die Bevölkerung befindet. „Soll man sich anpassen oder kooperieren? Oder im Gegenteil kämpfen, boykottieren? Denunzieren? Helfen?“, als der Einfluss auf die Gesellschaft zu stark wird. Alle diese Fragen sind in einer Szenografie aufbereitet, in der sich Porträts und persönliche Wege je nach gewählten Optionen abwechseln. 2005 sollte eine weitere Ausstellung den Museumsrundgang mit Porträts von Widerstandskämpfern bereichern. Diese widmet sich den Erlebnissen der Bevölkerung in den ehemaligen niederländischen Kolonien, insbesondere in Niederländisch-Indien (heute Indonesien), das damals von Japan besetzt wurde.

Die Erweiterung des Museums im Oktober 2013 ermöglicht die Präsentation einer neuen Dauerausstellung für Kinder ab neun Jahren: das niederländische Widerstandsmuseum Junior, das zahlreiche Preise erhielt. Es zeichnet die wahre Geschichte von Eva, einem kleinen jüdischen Mädchen, und von Jan nach, dessen Eltern im Widerstand waren, sowie von Nelly, deren Eltern zur NSB gehörten und von Henk, dessen Familie die Ereignisse erduldet und sich an die Umstände des Krieges angepasst hat.

Wenn der Besucher einen altmodischen Aufzug betritt, der sich als Zeitmaschine erweist, wird er in die Niederlande der Vierzigerjahre zurückversetzt. Beim Aussteigen gelangt er auf einen öffentlichen Platz, der von einem Geschäft, einer Schule und vier Häusern umgeben ist, von denen jedes durch eine kurze Animation eine der vier Personen beleuchtet. Jede von ihnen spricht mit einer Kinderstimme in der ersten Person, wodurch sich die Jugendlichen besser mit ihnen identifizieren können. Das junge Publikum wird anschließend eingeladen, in die Häuser einzutreten, wo sie weitere Elemente der Geschichte durch Tonarchive oder Betätigung verschiedener Objekte – Schubladen, Augenmuscheln – entdecken, die in eine interaktive Vorrichtung integriert sind. In jedem Szenario werden Spiele angeboten. Am Ende des Rundgangs sind Eva, Jan, Nelly und Henk alte Leute, wie sie es heute sind. Auf einem interaktiven Bildschirm erzählen sie, auf welche Weise der Krieg immer noch eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielt und erklären, was die Kinder von heute aus ihren Kriegserfahrungen lernen können.


Auteur
Liesbeth Van der Horst - Directrice Verzetsmuseum

Mehr kennen

www.verzetsmuseum.org

Täglich geöffnet, werktags von 10 bis 17 Uhr und am Wochenende von 11 bis 17 Uhr

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