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75. Jahrestag der Landung in der Normandie

Chapeau

Seit 1944 erinnert sich die Normandie jedes Jahr an die alliierten Soldaten, die an den Stränden der Normandie gelandet sind, um die Befreiung Frankreichs und Europas einzuleiten. Dem 6. Juni 2019 und 75. Jahrestag der Landung kommt eine besondere symbolische Bedeutung zu.

Die Flamme am Strand von Ouistreham.
Texte

Obwohl er alle fünf Jahre gefeiert wird, reiht sich dieser 75. Jahrestag natürlich in die großen vorangegangenen Veranstaltungen ein: 1984, 1994, 2004 und 2014 nahmen außergewöhnlich viele Staats- und Regierungschefs daran teil. Immer mehr internationale, binationale und nationale Feierlichkeiten sorgen dafür, dass dieser 6. Juni der längste Tag in der Normandie bleibt!

Eine letzte Ehrung der Veteranen

Das Jahr 2019 umfasst noch eine weitere Dimension, denn die Zeit schreitet unerbittlich fort und es ist - aufgrund des Alters der Akteure dieses Heldenepos - unvermeidlicherweise die letzte große Zusammenkunft von Veteranen der teilnehmenden Nationen bei diesem „Gedenken mit leibhaftigen Akteuren“, zu dem die ganze Welt kommt, um sie, szenografisch verstärkt und medial verbreitet, alle fünf oder zehn Jahre rituell zu begrüßen und zu ehren.

Diesbezüglich ist es ein unvergesslicher Augenblick der Emotionen, des Austauschs, der Hommage und der Weitergabe. Wie bei den vorhergehenden zehnjährigen Jubiläumsfeiern und angesichts der Besonderheit dieses Jahres 2019 gibt es eine große Anzahl an Veranstaltungen, bei denen viele verschiedene Staaten vertreten sind. Wie viele offizielle Vertreter auch anwesend sein mögen, sind es jedoch die Veteranen, die im Mittelpunkt dieser Feiern und der gesamten Aufmerksamkeit stehen; sie sind so gesehen die echten „VIPs“ an diesem so besonderen 6. Juni. Die Jüngsten unter ihnen sind 95 Jahre alt und manche Staaten oder Veteranenverbände kündigen sogar die Anwesenheit von bereits hundertjährigen Personen an. Daher wurde dem gesundheitlichen Aspekt dieser Feierlichkeiten von den öffentlichen Stellen und Organisatoren besondere Beachtung geschenkt. Auch sind die Bewegungsradien zwangsläufig beschränkt, um zu große Anstrengungen für die betagten Teilnehmer zu vermeiden. Die Organisatoren der Veranstaltungen müssen diese Erfordernisse daher berücksichtigen und dürfen die Veteranen keiner zu ehrgeizigen Gedenktour unterziehen.

Die Gedenkfeiern vom 6. Juni 2019 sind von einer nüchternen Form und einer echten Verbundenheit rund um die letzten Vertreter dieser „großen Generation“ geprägt, wie sie von den Amerikanern zu Recht genannt werden.

Eine öffentlich zugängliche Jubiläumssaison

Zu einem weiteren Aspekt gibt es ebenso zahlreiche und vielleicht zeitlich umfangreichere Projekte der Zivilgesellschaft als in den Vorjahren: Sie reichen vom 12. April bis zum 25. August 2019. Interessant ist dabei, dass einige von ihnen weit über den engen, traditionellen Gedenkrahmen hinausgehen und in weniger erwarteten Bereichen stattfinden, die dadurch jedoch ermöglichen, unterschiedlichstes Publikum rund um die Ehrungen zu versammeln: Musik - Kino - Sport - Friedenskultur - Flugschauen - massive Fallschirmabwürfe - simultane Feuerwerke an der Landungsküste - Kurzzeitradios - Messen für historische Bücher - verschiedene Ausstellungen, von denen sich eine große „Rockwell, Roosevelt et les quatre Libertés“ widmet; es gibt jede Menge Beispiele und sie versprechen eine neuartige Auflage, die sich an die gesamte Bevölkerung richtet. Diese Projekte können mit einem Label gekennzeichnet und auf nationaler Ebene beleuchtet werden, insbesondere über einen eigenen Bereich auf den Internetseiten des Verteidigungsministeriums.

Angesichts der zahlreichen Herausforderungen nach dem 75. Jahrestag und der Zukunft dieser Gedenkfeiern ohne das gewisse Etwas durch die Teilnahme von Veteranen bleibt die Normandie nicht untätig und lässt sich Mittel einfallen, um in Zukunft die Vermittlung ihrer Erinnerungen gegenüber einer Öffentlichkeit sicherzustellen, die stets begierig ist, sich diese Geschichte zu eigen zu machen, und gegenüber der jungen Generation auf der Suche nach Werten, Vorbildern und Sinn. Denn der Geist und die Werte, die von den Kämpfern der Operation „Overlord“ vermittelt werden, sollen uns weiterhin betroffen machen. Die „steinerne Erinnerung“, welche der historische Raum der Schlacht der Normandie bildet, bietet uns diesbezüglich tolle Mittel, um diesem Ideal über die Überlebenden hinaus näherzukommen.

Schützenswerte „heilige Erde“

Im Sinne der Veteranen, die regelmäßig zu ihrer Gedenkwallfahrt zurückkamen, ist dieses Land der Normandie selbst heilig. Es ist vor allem heilig, weil es 28 Soldatenfriedhöfe gibt, die dieses gesamte historische Gebiet kennzeichnen; die Nekropolen bilden zweifelsohne die besten Voraussetzungen, um gegen das Vergessen und die Gleichgültigkeit zu kämpfen, denn die fast 110.000 Soldaten, die hier ruhen, hören nicht auf, uns zu prüfen. Denn an diesen so besonderen Gedächtnisstätten hat das unermessliche Trauma eine Ausdrucksform gefunden, die in die Ewigkeit reicht und sich an die Lebenden richtet. Hier ist die Zeit stehengeblieben und jene, die seit 75 Jahren hier ruhen, sind zwanzig Jahre alt und werden es immer sein.

Die Landungsstrände setzen sich aus den fünf Abschnitten von Utah bis Sword zusammen und bilden zusammen mit dem besonderen Gebiet der Pointe du Hoc auch ein wichtiges Element der Vermittlung. Denn abgesehen von ihrem Gedenkaspekt, an den die zahlreichen Gedenkstätten erinnern, bergen sie eine Resonanz und einen außergewöhnlichen universellen Wert. Im Laufe der Jahre und der großen Gedenkfeiern wurden die Landungsstrände zu echten Stränden der Freiheit und des Friedens. In diesem Sinne ist auch die Bewerbung der Landungsstrände für die Aufnahme in das Weltkulturerbe der UNESCO zu verstehen, die von der französischen Regierung im Januar 2018 eingereicht wurde.

So wollen die zahlreichen Museen in der Gedenkregion der Schlacht der Normandie (33 an der Zahl) nun ein einheitliches Gefüge bilden, indem sie auf die territoriale Einheit eines Netzwerks, der gegenseitigen Ergänzung und geschichtlichen Authentizität setzen. Einige von ihnen, wie die Gedenkstätte von Caen, das Landungsmuseum Arromanches oder auch die D-Day Experience von Saint-Côme-du-Mont, führen Erweiterungs- oder Restaurierungsarbeiten durch, um ihr kulturelles Angebot anzupassen und auszubauen. Die sogenannten immersiven Praktiken finden auch zunehmend Verbreitung, damit jugendlichen Besuchern ein von der angelsächsischen Methode inspiriertes „Erlebnis“ geboten werden kann. Die Formen der Vermittlung entwickeln sich weiter, aber der geschichtliche Inhalt ist derselbe und die Museen bleiben Orte des Verständnisses und des Austauschs.

Im Vorfeld des letzten großen 6. Juni kann man zufrieden feststellen, dass die Normandie wirklich bereit ist, seine Helden besonders emotional zu empfangen und ihr moralisches Erbe zu schützen.


Auteur
Franck Leconte - Leiter der Dienststelle des ONACVG (Nationalen Büros der Kriegsveteranen und Kriegsopfer) des Départements Calvados

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