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Widerstand in Europa

Carte de l’Europe
Europakarte „La lutte contre le Reich“ (Der Kampf gegen das Reich) - © Carte publiée dans L’Histoire n°431, janvier 2017/légendes cartographie

Zusammenfassung

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    Musées et mémoriaux en Europe
    Musées et mémoriaux en Europe
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    Le découpage de la France après l'armistice du 22 juin 1940
    Les maquis en France

    Zusammenfassung

    DATUM: 1939-1945

    ORT: Europa

    BETREFF: Widerstand im Dritten Reich

    Mehr als 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wirft der Widerstand immer noch zahlreiche Fragen für Fachleute auf. Er wird häufig anhand regionaler und nationaler Geschichten untersucht und verstanden. Seit einigen Jahren vollzieht sich ein beträchtlicher Wandel bei dem Versuch, die Geschichte des Widerstandes in Europa zu beleuchten.

    Durch seine Siege an allen Fronten zwischen 1939 und 1941 konnte Nazi-Deutschland seine Vorherrschaft auf dem gesamten europäischen Kontinent durchsetzen. Die daraus hervorgehenden Besatzungen führten überall zu einem Phänomen des Widerstands, bei dem sich patriotische (Befreiung eines besetzten Landes) und stärker ideologisch geprägte Motivationen (Kampf gegen den Nationalsozialismus, Wiederherstellung der Demokratie oder Nutzung der Niederlage zur Einführung des Kommunismus) vermischten.

    Dieser europäische Widerstand war je nach Art der Besatzung durch den Eroberer, die zuvor herrschende politische Lage des jeweiligen Landes und die zu den Alliierten aufgebauten Beziehungen äußerst unterschiedlich. Es soll hier nicht um den deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus gehen, der nicht im Zusammenhang der Besatzung stattfand und daher anderen Gesetzen folgt.

    Mehr oder minder spontaner Widerstand

    In den besetzten Ländern entsteht der Widerstand je nach Art der Besatzung durch das Reich mehr oder minder spontan. Dort, wo die deutsche Besatzung mit einer völligen Beseitigung des Nationalstaates einherging und eine politische Leere schuf, konnte sich der Widerstand praktisch sofort entwickeln. In Polen kam der nationalsozialistische Plan der Kolonialisierung und ethnischen Säuberung gleich bei der Militäraktion im September 1939 zum Vorschein und es wurde sogar noch vor der Kapitulation Warschaus eine Untergrundregierung gebildet. In der vom Reich aufgeteilten Tschechoslowakei vereinte sich der nicht-kommunistische Widerstand ab dem Frühling 1940 und gründete eine Zentraldirektion des Widerstands. In Griechenland oder in Jugoslawien erklärt sich die sofortige Bildung von Widerstandsgruppen ebenfalls durch die Härte des Besatzungsregimes, das im Frühjahr 1941 eingeführt wurde. Diese versuchten den Kampf trotz der Niederlage der regulären Armeen fortzuführen. Die Tatsache, dass in vielen Ländern die legitime Regierung ins Exil nach London gegangen war, um dort den Kampf fortzusetzen, erleichterte die Entstehung eines inneren Widerstands und verlieh ihm eine hohe Legitimation. Dies trifft auf die Regierungen von Belgien, Luxemburg und den Niederlanden zu, die gleich nach der Niederlage ihrer Länder zu zentralen Bezugspunkten außerhalb des Staatsgebiets wurden.

    Zwei Länder erleben eine ganz besondere Situation aufgrund eines anderen Besatzungssystems. Frankreich ist nicht vollständig besetzt. Auch wenn sich eine deutsche Militärverwaltung in der besetzten Zone niederlässt, wird das südliche Gebiet von der französischen Regierung kontrolliert, die sich in Vichy einrichtet und eine Form der staatlichen Kontinuität verkörpert, obwohl mit dem republikanischen Regime vollkommen gebrochen wird. Die Persönlichkeit Pétains beruhigt die Bevölkerung. Gegenüber dem „Helden von Verdun“ kam de Gaulle, der ins Exil nach London gegangen war und die Franzosen ab dem 18. Juni aufforderte, sich gegen die Niederlage zu wehren, nicht viel Gewicht zu. Die Anfänge des Freien Frankreichs sind schwierig und es kommt im Sommer und Herbst 1940 nur zu wenigen Treffen. Vor diesem Hintergrund und im Gegensatz zu den Geschehnissen in anderen besetzten Ländern ist ein Widerstand 1940 in Frankreich keineswegs selbstverständlich. Denn dieser bedingt, gegen Anweisungen zu verstoßen, mit einem Staat zu brechen, der bestehen bleibt, und Marschall Pétain nicht zu gehorchen, dessen Ansehen enorm ist. Auch wenn gleich nach der Niederlage vereinzelte kleine Maßnahmen entstehen, müssen jene, die „etwas tun wollen“, gleichzeitig einen Widerstand ersinnen und erfinden, den es nicht gibt.

    Es sollte bis Ende 1940 und Anfang 1941 dauern, bis in Frankreich die ersten Formen eines organisierten Widerstandes auftauchen. Für bestimmte Gruppen, insbesondere jene, die ihren Eid auf Pétain geleistet hatten (Soldaten, Beamte), sollte ein Umschwenken ins Dissidententum erst nach dem November 1942 möglich werden, als die vollständige Besetzung des Staatsgebietes die letzten Illusionen über Vichy beendet. Im deutschen Europa weist nur Dänemark eine mit Frankreich vergleichbare Situation auf, denn die Deutschen erhalten dort die Institutionen aufrecht (den König, die Regierung und sogar die Armee). Jene, die sich im Sinne des Widerstands engagieren wollen, müssen wie in Frankreich mit der Regierung ihres eigenen Landes brechen und dadurch riskieren, als Verräter ihrer Heimat dazustehen. Diese Situation hält bis zum Sommer 1943 an, als der Besatzer den Ausnahmezustand verhängt.

    Politischer Widerstand gegen die Besetzung durch die Nazis

    Im Gegensatz zu dem Bild, das sich am Ende des Krieges ergibt, als sich bewaffnete Widerstandskämpfer an der Befreiung ihres Landes in Verbindung mit den alliierten Truppen beteiligen, war der Widerstand anfangs zumeist eine politische Aktion, die aus verschiedenen Formen von Handlungen bestand, um einen Befehl der deutschen Siegermacht zu verweigern. In Polen tauchen die meisten politischen Parteien in den Untergrund ab und sind in einem Untergrundparlament, dem im November 1939 gegründeten Nationalen Verteidigungsrat, vertreten. Um sich gegen die vom Reich geplante Germanisierung zu wehren, wird der polnische Widerstand mit der Einrichtung paralleler Schulstrukturen sowie dem Aufschwung einer starken Untergrundpresse (1500 Zeitungen) zu einer wichtigen kulturellen Größe. Eine Untergrundgesellschaft entwickelt sich in allen Bereichen, an der Universität, in den Fabriken sowie am Land.

    Polen ist jedoch ein Sonderfall, da das Land über eine lange Tradition des politischen Untergrundkampfes aufgrund der Tatsache verfügt, dass es im Laufe der Geschichte immer wieder besetzt wurde. In den meisten besetzten Ländern brechen die herkömmlichen politischen Strukturen durch die Niederlage zusammen und werden nicht sofort im Untergrund wieder aufgebaut, um den Widerstand zu verkörpern. Daher muss der Widerstand aus nicht vorhandenen Strukturen erdacht und erfunden werden. Nur die kommunistischen Parteien führen ab 1940 einen Untergrundkampf, der jedoch bis zum Frühjahr 1941 aufgrund des Neutralitätspakts zwischen der UdSSR und Deutschland einer besonderen Logik folgt. Auch wenn die Kommunisten während dieser Zeit in allen Ländern Europas ihre Untergrundpresse weiter verbreiten und versuchen, die Massen durch verschiedene Demonstrationen und Streiks zu mobilisieren, geht es vor allem darum, einen „imperialistischen Krieg“ anzuprangern, deren erste Opfer die Arbeiterklassen wären, als darum, den Weg für einen Widerstand gegen das Reich zu ebnen.

    Die Operation Barbarossa im Juni 1941 beendet diese Strategie und ermöglicht den europäischen Kommunisten, wieder an den Antifaschismus anzuknüpfen, der sie vor dem Krieg ausgezeichnet hatte, und zu einem erbitterten Kampf gegen Nazi-Deutschland umzuschwenken.

    Aufgrund der Leere, die der Zusammenbruch der klassischen Strukturen (politische Parteien, Gewerkschaften), die als Organisationen Widerstand hätten leisten können, hinterlässt, bilden sich aus den beruflichen, religiösen, freundschaftlichen oder familiären Netzwerken heraus kleine Widerstandsgruppen. Sie versuchen Gegenpropaganda- und Informationsmaßnahmen gegenüber der Meinung zu entwickeln, um nicht dem offiziellen Diskurs der Deutschen und ihrer Gehilfen das Feld zu überlassen. Die Maßnahmen bestehen aus dem Verfassen von Flugblättern oder, als die Mittel mehr werden, von Untergrundzeitungen. Da die Gründung einer Zeitung Mitarbeiter benötigt, die sich um ihre Redaktion kümmern, sowie Zwischenstationen für ihre Verbreitung, führt sie häufig zur Entwicklung einer „Bewegung“, die zur ersten Form einer Widerstandsorganisation in den nord- und westeuropäischen Ländern wird. Die ersten Untergrundzeitungen in Belgien, wo die Erinnerungen an die Besatzung von 1914-1918 noch lebendig sind, greifen die Titel ihrer Vorfahren nach dem Vorbild von La Libre Belgique auf. In den Niederlanden ist ein Tapezierer aus Utrecht, der im Mai 1940 Flugblätter herstellte und verbreitete, eines der ersten Opfer der deutschen Repression. 1941 erreicht die Zahl der geheimen Publikationen in diesem Land ca. 120 Zeitungen, mit einer Gesamtauflage von mehr als 50.000 Exemplaren. Im Dezember 1943 wird die Auflage der holländischen Untergrundpresse auf 450.000 geschätzt. Die norwegische Untergrundpresse zählt mehr als 300 Zeitungen. In Dänemark wird die Geheimpropaganda, die sich ab 1943, als der Ausnahmezustand über das Land verhängt wird, verstärkt, von 538 Untergrundzeitungen verbreitet - ein europäischer Rekord - und mit einer Auflage von 11 Millionen Exemplaren. In Frankreich erscheinen die ersten Untergrundzeitungen Ende 1940 und 1941 in der besetzten Zone (Résistance, Libération-Nord, Défense de la France) bzw. in der Südzone (Liberté, Libération Sud, Franc-Tireur). Alle Bewegungen, die 1943 dem französischen Widerstand eine Struktur aber auch die Einigung im Rahmen der MUR (Vereinigte Résistance-Bewegungen) ermöglichen, sind an eine zumeist gleichnamige Zeitung angelehnt.

    Unterstützung der alliierten Kriegsbemühungen

    Der Widerstand in Europa ist einerseits in einen nationalen Rahmen eingebettet, steht aber auch im Zusammenhang mit einem Weltkrieg. Widerstand zu leisten bedeutet daher, die alliierten Kriegsbemühungen zu unterstützen. Bald schon entstehen Verbindungen zwischen England, dem einzigen Land, das den Kampf gegen das Reich in den Jahren 1940-1941 fortsetzt, und den nationalen Widerstandsgruppen. Diese Beziehungen werden dadurch begünstigt, dass sich in London Exilregierungen befinden oder eine Persönlichkeit wie de Gaulle, der versucht, das kämpfende Frankreich zu verkörpern, während sich die französische Regierung für die Kollaboration entschieden hat. Die nationalen Widerstandsbewegungen können nicht ohne Hilfe von außen existieren und sich weiterentwickeln. Die Briten ihrerseits brauchen die Hilfe der Widerstandskämpfer auf dem Kontinent in ihrem Kampf gegen das Reich. Im Juli 1940 wird eine Sondereinsatztruppe, die SOE (Special Operations Executive) eingerichtet, um - wie sich Churchill ausdrückte - „Europa in Brand zu stecken“. Deren Agenten wurden in alle besetzten Länder geschickt, um Kontakte mit den nationalen Widerstandsbewegungen zu knüpfen. Zu den Großtaten der SOE zählen die Exekution von Heydrich am 27. Mai 1942 in Prag durch zwei tschechoslowakische Agenten, die in ihrem Herkunftsland mit Fallschirmen abgesetzt wurden, nachdem sie in Großbritannien ausgebildet worden waren.

    Die ersten „Netzwerke“, die auf dem europäischen Kontinent auftauchen, tragen der Notwendigkeit Rechnung, Großbritannien zu helfen. Britische Soldaten, die nicht aus Dünkirchen heimgeholt werden konnten, sitzen auf französischem Boden fest. Die Flieger der RAF, die abstürzten, als sie Nordfrankreich, Belgien oder die Niederlande überflogen, kommen zu jenen Soldaten hinzu, die wieder nach England gelangen wollen und dazu die Wege nach Südfrankreich nutzen, um anschließend nach Spanien und Gibraltar zu gelangen. Mit Hilfe des britischen Geheimdienstes werden im Sommer 1940 spezielle Netzwerke zur Unterstützung der alliierten Soldaten gegründet. Da sie von den Gebieten in Nordeuropa bis nach Südfrankreich tätig sind, bilden sie die einzige länderübergreifende Widerstandsorganisation. Eine der wichtigsten wird vom schottischen Offizier Ian Garrow gegründet. Er richtet eine Fluchtkette ein, die von Belgien bis Marseille und Perpignan reicht. Als Ian Garrow im Juli 1941 verhaftet wird, übernimmt ein belgischer Arzt, Albert Guérisse (Pat O’Leary), seine Aufgabe. Bis zum Ende des Krieges gelingt es dem Pat O’Leary Netzwerk 600 alliierte Flieger und Soldaten zu evakuieren. Ein weiteres Beispiel für ein länderübergreifendes Netzwerk ist das Réseau Comète (Netzwerk Komet). Komet wurde im Frühjahr 1941 in Brüssel gegründet und kümmerte sich um fast 700 alliierte Soldaten, von denen es 288 nach Spanien bringen konnte.

    Die „Netzwerke“ sind auch auf Aufklärungsaktionen spezialisiert, um London strategische Informationen über die militärischen Absichten der Deutschen, die Truppenbewegungen der Wehrmacht und die in den besetzten Gebieten errichteten militärischen Infrastrukturen (Flugplätze, Marine- und U-Boot-Stützpunkte) liefern zu können. Einige dieser Aufklärungsnetzwerke arbeiten direkt für den britischen Geheimdienst, wie die Alliance in Frankreich. Andere stehen mit den Geheimdiensten der Exilregierungen in London in Verbindung. Die Netzwerke arbeiten auch für den sowjetischen Geheimdienst, nach dem Vorbild der berühmten Roten Kapelle, die Verzweigungen in ganz Europa hatte.

    Bewaffneter Widerstand

    In den ost- und südeuropäischen Ländern kristallisiert sich der Widerstand gegen die Besatzung schon bald als bewaffneter Kampf heraus. In Polen wird ab August 1939 eine Geheimarmee, die AK, eingerichtet. In Jugoslawien bilden sich gleich nach der Kapitulation der regulären Armee Widerstandsnester aus Teilen des Heeres, die sich in die Berge flüchten. General Mihailović erreicht im April 1941 mit einer Soldatengruppe die serbische Gebirgsregion Ravna Gora und gründet die Tschetnik-Bewegung. Diese führt Guerilla-Aktionen gegen die deutschen und italienischen Besatzer durch. Er muss jedoch einem anderen auftauchenden „Kriegsherren“ die Stirn bieten. Der Kommunist Josip Broz (Tito) startet am 4. Juli von den Bergen Montonegros aus einen bewaffneten Aufstand. In Griechenland bilden sich die ersten Andartengruppen (Guerilleros) aus Teilen des Militärs, die in die Berge geflohen sind. Sie tauchen ab dem Herbst 1940 in Makedonien auf, während die kommunistische Partei Griechenlands (KKE) im September 1941 die Nationale Befreiungsfront (EAM) gründet, die bald von einem bewaffneten Arm, der ELAS, ergänzt wird. Diese vervielfacht die Angriffe während des gesamten Jahres 1942 und kontrolliert ganze Regionen des Landes.

    Dieselbe Identifikation zwischen dem bewaffneten Kampf und dem Widerstand gegen den Besatzer findet sich in den Gebieten der Sowjetunion wieder, die in den Monaten nach Beginn der Operation Barbarossa unter deutsche Kontrolle geraten sind. Ganze Einheiten der Roten Armee werden durch den Vormarsch der Wehrmacht Richtung Leningrad im Norden, Moskau in der Mitte und Kaukasus im Süden eingekreist. Einige dieser in die Falle gegangenen Einheiten wehren sich gegen die Gefangenschaft und bilden Partisanenbanden, die zwischen 1941 und 1944 einen intensiven Guerillakrieg hinter den deutschen Linien führen und bis zu 500.000 Kämpfer mobilisieren, vor allem auf ukrainischem und weißrussischem Gebiet.

    In Westeuropa gibt es vor dem letzten Kriegsjahr nichts, was mit diesem „Partisanenkrieg“ vergleichbar wäre. In Frankreich entwickelt sich ab dem Frühling 1943 das Phänomen der Maquis, als die Requirierung von Arbeitskräften für Deutschland zur Entstehung von Lagern Flüchtiger führt, um die sich die Résistance kümmert, damit sie zu Kampfeinheiten werden. Jedoch abgesehen von einigen Versuchen, in den Alpen oder im Zentralmassiv „Rückzugsstellungen“ zu bilden, bleibt das Phänomen im Vergleich zu den Partisanenerfahrungen am Balkan begrenzt, wo ganze Regionen in den Händen von „Banden“ waren, die Guerilla-Aktionen durchführten, während sie die von ihnen kontrollierten Gebiete verwalteten.

    Das französische Phänomen ist in dieser Hinsicht jenem Italiens ähnlicher, wo 1943-1944 die Partigiani Widerstandsgruppen im Norden des Landes bilden. Der Sturz Mussolinis und die Unterzeichnung eines Waffenstillstands durch die Regierung Badoglio im September 1943 veranlassen die Deutschen, die nördlichen Provinzen der Halbinsel unter ihre Kontrolle zu bringen und dabei in Salò den Duce an der Spitze einer sogenannten „sozialen“ Republik wieder einzusetzen. Das Land stürzt in einen Bürgerkrieg. Wie in Frankreich haben die Widerstandsgruppen der italienischen Partisanen vor der Ankunft der Alliierten keine entscheidenden Siege gegen die Deutschen erzielt. Die von ihnen kontrollierten Gebiete waren nie größer als ein Tal, eine Hochebene oder ein Landkreis.

    Engagement in den Befreiungskämpfen

    Die Entwicklung des europäischen Widerstands richtet sich nicht nur nach bestimmten internen Faktoren im Zusammenhang mit nationalen Ereignissen, sondern ist auch im weltweiten militärischen Kontext zu sehen. Der Herbst 1942 und Jahresbeginn 1943 markieren eine Wende für alle Widerstandsbewegungen in Europa: die ersten großen Niederlagen des Reichs (El Alamein, Stalingrad) zeigen, dass sich der Kriegsverlauf zugunsten der Alliierten ändert. Dank dieser Wende können die Widerstandsgruppen beginnen, sich auf die kommenden Kämpfe vorzubereiten, auch wenn die deutsche Repression überall verstärkt wird. Als sich im Westen mit der Organisation mehrerer Landungen auf dem europäischen Kontinent und im Osten mit der Offensive der Roten Armee gegen Deutschland die Zeit des Endkampfs ankündigt, machen die nationalen Widerstandsbewegungen mobil und setzen zuweilen richtige Aufstände in Gang. Um die Widerstandsaktionen zu koordinieren, werden alliierte Kommandos (Jedburgh Teams, SAS) mit Fallschirmen hinter den feindlichen Linien in Frankreich, Belgien oder Holland abgesetzt. Die Guerilla-Aktionen auf europäischem Boden finden überall vermehrt statt, damit die deutschen Transporte lahmgelegt werden. Die griechischen und jugoslawischen Partisanen sowie, in geringerem Maße, die französischen und italienischen Widerstandsgruppen gehen in die Offensive. In den Städten, wie in Warschau oder Paris, kommt es zu Aufständen. Die nationalen Widerstandsgruppen hätten ihr Land nicht alleine von der Besatzung befreien können. Dennoch haben sie diesen Befreiungsprozess beschleunigt, indem sie die Alliierten erheblich unterstützten und durch ihre Aktionen die ansehnlichen deutschen Truppen zum Stehen brachten.

    Jedoch sind die Umstände, unter denen diese Befreiung stattfindet, auch folgenschwer. In Westeuropa war es den Widerstandskämpfern gelungen, sich zusammenzuschließen und die Schrecken eines Bürgerkriegs zu vermeiden. Die geostrategische Lage und die Befreiung durch die Amerikaner erklären ebenfalls, dass Moskau die kommunistische Partei Frankreichs nicht ermutigte, die im Kampf gegen den Besatzer gebildete Einheit zu zerstören. Im Gegensatz dazu werden in Osteuropa, das von der Roten Armee „befreit“ wurde, die nationalistischen Organisationen systematisch eliminiert, um die Machtübernahme durch die Kommunisten vorzubereiten. So lässt Stalin den Aufstand von Warschau im August 1944 von den Deutschen niederschlagen, um den nicht kommunistischen polnischen Widerstand auszuschalten. Die Mitglieder des Untergrundparlaments werden verhaftet und in Moskau verurteilt. Am Balkan gelang es den Nationalisten und Kommunisten, die sich über die Art des nach der Befreiung einzurichtenden Regimes völlig uneinig waren, zu keinem Zeitpunkt, sich im Kampf gegen den Besatzer zusammenzuschließen. Sobald die Deutschen weg waren, stürzten Griechenland und Jugoslawien in einen bürgerkriegsähnlichen Zustand.

    Diese Zusammenhänge erklären das unterschiedliche Erbe der europäischen Widerstandsbewegungen nach dem Krieg. Während sich in den Ländern des Ostens die Kommunisten mit Hilfe Moskaus die Macht aneigneten, ermöglichte die Einheit der Widerstandskämpfer im Westen die Wiederherstellung der demokratischen Einrichtungen und die Erzielung von Einvernehmen über Reformen zur Errichtung eines Wohlfahrtsstaates, um der Bevölkerung neue Perspektiven nach den Jahren der Unterdrückung zu bieten. Die Tatsache, dass sie an einem über den ganzen Kontinent reichenden gemeinsamen Kampf teilgenommen hatten, auch wenn sich dies nicht in der Einrichtung länderübergreifender Untergrundinstitutionen niedergeschlagen hatte, verstärkte bei vielen Widerstandskämpfern auch die proeuropäischen Gefühle nach 1945.

    Autor

    Fabrice Grenard - Fondation de la Résistance

    Mehr kennen

    Une histoire de la Résistance en Europe occidentale, Olivier Wieviorka, éditions Perrin, 2017.

    Sans armes face à Hitler : 1939-1945, La Résistance civile en Europe, Jacques Semelin, éditions Payot et Rivages, 1989.

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