Von Lagern ohne Gedenken zu einem Gedenken ohne Lager

Internierungslager für französische und ausländische Juden in Pithiviers bei Orléans (Loiret), 1941. © Ullstein Bild / Roger-Viollet

Es ist weder albern noch deplatziert, wenn man über Landschaften spricht, um an die Internierungslager zu erinnern. Denn es hatte etwas mit ihrer Umgebung zu tun, dass sich zwischen 1939 und 1946 nicht weniger als 200 Lager räumlich und geschichtlich verankert haben. Aber kann man von Spuren in der Landschaft über diesen Zeitraum hinaus sprechen?

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Die Internierung in Frankreich war im Zweiten Weltkrieg ein wichtiges Phänomen, denn nicht weniger als 600.000 Personen wurden nicht wegen eines Delikts oder Verbrechens eingesperrt, das sie begangen hatten, sondern wegen der potenziellen Gefahr, die sie in den Augen des Staates darstellten. Damit lässt man sich auf einen Verwaltungsprozess ein und nicht auf das übliche Protokoll, das Polizei und Justiz verbindet. Dies bleibt nicht ohne Konsequenz für die erhobene Frage, zumal die Maßnahme - und daher die Bauten - zumeist improvisiert und die Behörden überzeugt waren, dass sie nicht langfristig bestehen würden. Die Erinnerung beweist auf eine gewisse Art diese doppelte Eigenheit.

 

DIE BEDEUTUNG DER IMPROVISATION

 

A priori gibt es nichts Vergänglicheres als die Zeltlager. Das war der Fall bei den ersten Lagern für die spanischen Flüchtlinge und die Freiwilligen der internationalen Brigaden nach ihrer Überquerung des Col du Perthus im Februar 1939. Der Großteil der Beherbergten an den Stränden von Roussillon, in Argelès oder Saint-Cyprien schlief zuerst sogar auf dem Boden. Man muss sich den Umfang des Phänomens vorstellen, denn mehr als 450.000 Personen überquerten die Grenze vor den Franco-Truppen und mehr als 100.000 befanden sich daher direkt auf dem Sand. Per Definition bleibt keine Spur davon, wenn nicht auf Fotos, noch eine Spur der vorübergehenden massiven Bauten, die schnell folgten. Es waren übrigens die Spanier selbst, die für den Bau der Baracken angefordert wurden. Diese überlebten kaum die überraschenden Überschwemmungen vom Sommer 1940.

 

Auf der Tagesordnung stand immer noch die Improvisation, um große Lager zu bauen, als man begriff, dass es keine baldige Rückkehr geben würde. Nehmen wir nur den Fall von Gurs (Pyrénées-Atlantiques, damals Inférieures genannt), das unter der Aufsicht von Ponts-et-Chaussées errichtet wurde. Der Bau von 428 Baracken, davon 382 für die Flüchtlinge, dauerte nur 42 Tage. Die am 15. März 1939 begonnene Baustelle wurde am 25. April beendet und besaß eine Aufnahmekapazität von 18.000 Personen. Auch hier muss man sich die Auswirkungen auf die lokale Landschaft vorstellen. Mit dieser Aufnahmekapazität war das Lager Gurs die drittgrößte Stadt im Département.

 

Camp d’internement pour les Juifs étrangers et français, créé à Drancy (Seine-Saint-Denis), en 1941.

Internierungslager für ausländische und französische Juden, eingerichtet in Drancy (Seine-Saint-Denis), im Jahr 1941.

Von den Deutschen im Dezember 1942 aufgenommenes Foto. © Roger-Viollet

 

Aber die Improvisation gilt auch für ein noch bekannteres massives Lager, denn es handelt sich um das Lager Drancy. Dort ging es, wie so oft, nicht um den Bau aus dem Nichts, sondern um die Veränderung eines bestehenden Gebäudes, das eine andere Funktion hatte. In diesem östlichen Vorort von Paris hatten zwei bekannte Architekten in der Zwischenkriegszeit mit dem Bau eines Komplexes (Türme und niedrige Gebäude) begonnen, um die stark wachsende Bevölkerung unterzubringen, die unter sehr einfachen Bedingungen hauste Die Architekten, die stark vom amerikanischen Vorbild beeinflusst waren, wollten dort französische Wolkenkratzer errichten, aber mitten im Nirgendwo. Wie dem auch sei, sie sollten für die arme Bevölkerung sein und daher nannte man sie billigen Wohnraum (HBM = Habitations Bon Marché, später HLM), mit dessen Errichtung man damals begann. Die Auswirkungen auf die halb ländliche halb städtische Landschaft dieses Vorortes waren unumstritten. Aber als unerwartet der Krieg eintrat, wozu die Krise der 1930er-Jahre beitrug, war der Bau nicht fertiggestellt und man erhielt die Konstruktionen, um dort ein Lager einzurichten, zuerst für französische Kriegsgefangene, später für Staatsangehörige von feindlichen Mächten des Reichs und schließlich für Juden, wofür es am bekanntesten ist. Tausende Juden wurden dort ab August 1941 interniert, bevor dieses Lager zum Durchgangszentrum der deportierten Juden Frankreichs wurde. Man kann sich kaum vorstellen, wie sehr dieses Lager, von dem aus mehr als 65.000 Juden in die Vernichtungslager, vor allem Auschwitz-Birkenau, geschickt wurden, die lokale Landschaft beeinflusste.

 

Klassischer war es jedoch im Lager Pithiviers im Département Loiret, wo die gewöhnlichen Funktionen nicht verändert werden mussten. Dort wurden die im Mai 1941 verhafteten Juden interniert, später, nach der Zeit der Deportationen, politisch Verdächtige, vor allem Kommunisten. Dort nutzte man die Gebäude eines Kriegsgefangenenlagers, das in starkem Kontrast zur weitgehend ländlichen Umgebung stand, in der es sich befand.

 

„SIE SOLLTEN NUR EINE ZEIT BESTEHEN“

 

In allen Fällen hatte der sogenannte vorübergehende Charakter der Lager eine Auswirkung auf die Art, wie sich die Spuren in der Landschaft niederschlugen. Kehren wir zum Fall von Gurs zurück. Als es im Frühling 1939 errichtet wurde, sollte es in den Augen der Behörden nur eine kurze Station vor der Rückkehr nach Spanien oder der Integration in den freien Arbeitsmarkt bilden. Ein einziger asphaltierter Weg in einer Region, die für ihre Herbstregen bekannt ist? Das war nicht wichtig, denn das Lager sollte nur wenige Monate bestehen. Die Baracken waren kaum beleuchtet, da die seitlichen Holzplatten als Fenster dienten und morgens hoch- und abends heruntergeklappt wurden. Solange schönes Wetter angesagt war, wo lag das Problem? Probleme gab es ab dem Zeitpunkt, als das Lager im Herbst immer noch da war. Die Internierten hatten also die Wahl, entweder im Halbdunkel zu leben (nur zwei oder drei Glühbirnen erhellten diese sehr langen Baracken) oder die Platten zu öffnen und Kälte sowie Regen zu ertragen. Auch wenn es im Laufe der Zeit einige Umgestaltungen gab, war dieses Lager, das im Sommer 1939 geschlossen werden sollte, bis 31. Dezember ... 1945 in Betrieb!

 

Stèle commémorative dans le cimetière des déportés juifs allemands de la guerre 1939-1945

Gedenkstein am Friedhof der deportierten deutschen Juden des Krieges 1939-1945, Gurs (Pyrénées-Atlantiques), Juli 1972.

© M-A. Lapadu/Roger-Viollet

 

 

Der Fall ist begrenzt, aber er zeigt gut, worauf alle Internierungssysteme abzielten: die Errichtung aus dem Nichts oder die Umgestaltung bestehender Gebäude sollte nur eine Zeitlang dauern. Ob die für die Baracken verwendeten Materialien oder die Auffassung, dass man HBM, Kasernen, verlassene Gefängnisse oder Kriegsgefangenenlager verwenden konnten, all das galt eine Zeit lang. Schnell war klar, dass die Dauer viel länger als ursprünglich geplant war, aber der Zeithorizont war immer noch begrenzt.

 

Es lässt sich daher sagen, dass die Auswirkungen auf die lokale Landschaft groß waren, aber dass es all diesen Umstände gemein war, dass sie nicht über die Zeit des Krieges und die Zeit des Ausnahmezustands hinausgehen sollten.

 

Das galt auch für den Fall von Voves im Département Eure-et-Loir, wo eine Inspektionsreise im Dezember 1941 auf die Eröffnung eines großen Lagers für Politiker hindeutete, da der Innenminister einen solchen Ort für die politischen Internierten im Norden suchte. Dabei ist man weit von Improvisation entfernt. Zahlreiche Argumente sprachen für eine solche Wahl: die Persönlichkeit eines eher rechten Bürgermeisters, der über die Mittel verfügte, das Lager zu versorgen, das lange Bestehen eines Lagers, das 1918 mit Baracken aus Mauerwerk oder Holz errichtet, 1939 für die Luftwaffe eingerichtet, dann für die Luftabwehr und 1940-1941 für die Unterbringung französischer Kriegsgefangener verwendet worden war. Es verfügte über einen idealen Außenzaun mit 12 Buschreihen von 3 m Höhe und 4 m tief, die innen mit kreisförmig dehnbaren Stacheldrahtrollen verstärkt waren. Dies war der Fall ab 1942, was die Landschaft der Region völlig veränderte. Aber auch wenn keine Improvisation eingesetzt wurde, ging es nicht darum, dieses Lager dauerhaft anzulegen.

 

Es gab im Übrigen nur selten Lager, die auf Dauer angelegt werden sollten. In vielerlei Hinsicht war das beim Lager Rivesaltes in den Pyrénées-Orientales der Fall. Lange hatte man geplant, auf dieser 600 ha großen Fläche eine Militäreinrichtung nach Art einer großen Garnison zu bauen. Mit dem Krieg beschloss man, daraus ein massives Lager zu machen. Massiv ist nicht wirklich das richtige Wort, denn die Baracken waren schwach. Dieses Lager beherbergte jedoch ab dem 14. Januar 1941 Juden, Spanier und Zigeuner, zumeist Familien, dann war es zwischen August und November 1942 ein Durchgangszentrum für die von Vichy an die Deutschen ausgelieferten Juden, zuerst für die Region, später für die ganze Südzone. Als die Deutschen im November 1942 in der Südzone einmarschierten, beschlossen sie, daraus eine Garnison zu machen. Mit der deutschen Niederlage wurde der Ort wieder ein Internierungslager für verdächtige Kollaborateure, bevor es ein bedeutendes Lager für deutsche Kriegsgefangene war. Es erhielt dann wieder seine militärische Funktion, die Armee nutzte es für ihre Truppen und zwischen 1962 und 1964 für etwa 22.000 Harki, die Ersatztruppen der französischen Armee in Algerien. Es ist daher kein Zufall, wenn man in diesen halb zerstörten Barackenkomplexen, in deren Mitte sich ein 2015 eingeweihtes Mahnmal erhebt, auch heute noch einen der seltenen Fälle findet, in denen die Spuren der Internierung weiter bestehen oder wo einem zumindest bewusst wird, durch die Integration in die Landschaft und ohne dass man die Geschichte des Ortes genau kennt, was diese Internierung gewesen sein könnte.

 

Ancien camp de Rivesaltes. © K. Dolmaire

Ehemaliges Lager Rivesaltes. © K. Dolmaire

 

DAS GEDENKEN IST ZU SPÄT GEKOMMEN

 

Der Fall von Rivesaltes erlaubt uns die Frage nach dem Gedenken zu stellen. Wir wissen, wie sehr die immer noch vorhandenen Anlagen in Buchenwald, Mauthausen oder Auschwitz die Landschaft geprägt haben, sodass sie im Zentrum des Gedenkaufbaus in Europa stehen. Dasselbe lässt sich schwerlich für Frankreich sagen, auch wenn, wie wir festgestellt haben, dieses Phänomen der Internierung massiv war und jahrelang im lokalen und sogar regionalen Raum vorherrschte. Was hat sich tatsächlich getan? Eine Formulierung fasst die Situation zusammen: wir sind von Lagern ohne Gedenken zu einem Gedenken ohne Lager übergegangen.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren, mit wenigen Ausnahmen, die französischen Internierungslager keine Orte der Erinnerung. Der Großteil war bereits verlassen, die oft einfachen Baracken, haben wir gesehen, wurden zerstört, aber vor allem waren sie keine Orte, die sich im kollektiven Gedächtnis verankerten, von Ausnahmen abgesehen, aber dann waren die Bauten, wie in Châteaubriant, zu dürftig, um fortzubestehen.

 

Die meiste Zeit wurden die Lager, nachdem sie für die Internierung von verdächtigen Kollaborateuren oder Schwarzmarkthändlern, oder auch für die Internierung von Kriegsgefangenen weiterverwendet wurden, zerstört, wie in Beaune-la-Rolande oder Gurs, oder erhielten ihre ursprünglich geplanten Funktionen zurück. Beispielsweise stellte man in Drancy einen Komplex mit Sozialwohnungen fertig (bevor man die Wolkenkratzer zerstörte); man gab die Zitadelle von Sisteron an die Gefängnisverwaltung zurück; die Ziegelei von Milles, in der Nähe von Aix, erlangte ihre industrielle Funktion wieder.

 

Als die Namen der Lager schließlich ihren Platz im kollektiven Gedächtnis fanden, oder zumindest ein Thema im Kampf um das Gedenken waren, war es meistens zu spät, um noch markante Spuren in der lokalen Landschaft zu finden. Ende der 1970er-Jahre, als man diesen Lagern mehrere Forschungsarbeiten widmete, gab es sie noch, zumeist auf Ortsbezeichnungen reduziert, aber die Bauten waren aus der Landschaft fast oder ganz verschwunden. Es ist daher Zeit für die Verhandlung zwischen dem geforderten, weitgehend übereinstimmenden Gedenken und der Feststellung der zeitlichen Abnutzung. Die Landschaft der Internierung ist im Wesentlichen zu einer Darstellung geworden.