Die Daguet-Division

September 1990-Mai 1991

Ab August 1990 setzt die französische Marine im Rahmen der UNO-Mission mehr als dreißig Schiffe ein – Flugzeugträger, Kreuzer, Hubschrauberträger, fast 7.000 Marinesoldaten und drei Marinekommandos. Sie haben die Aufgabe, das Embargo durchzusetzen und Truppen sowie Material zu transportieren.

Historischer Hintergrund

 

1980 ist der Irak von Saddam Hussein im Nahen und Mittleren Osten eine bedeutende regionale Militärmacht. Der Konflikt, den er in diesem Jahr gegen den Iran vom Zaun bricht, wird zu einem Stellungskrieg, der den Irak durch die Verringerung seiner Erdöleinnahmen verarmen lässt, seine Wirtschaft in Mitleidenschaft zieht und zum Tod hunderttausender Soldaten führt. Auf Drängen der UNO wird am 20. August 1990 ein Friedensvertrag zwischen den beiden kriegführenden Parteien unterzeichnet.

 

In der Zwischenzeit führte Saddam Hussein, der die Unterzeichnung dieser Vereinbarung nicht abwartete, am 2. August eine neue Invasion durch, diesmal gegen Kuwait, das er annektieren wollte, um sich seines Erdölreichtums zu bemächtigen und sich einen größeren Meereszugang zum arabisch-persischen Golf zu sichern.

 

Die Gegenwehr der kuwaitische Armee ist schwach, sodass die irakischen Truppen das Land schnell einnehmen. Die UNO verurteilt die Invasion und der Sicherheitsrat nimmt einstimmig die Resolution 660 an, die den „sofortigen, bedingungslosen Rückzug“ des Irak aus Kuwait fordert. Am 29. November beschließt er mit der Resolution 678, einer internationalen Militärkoalition das Mandat zu erteilen, um diesen Rückzug nötigenfalls mit Gewalt durchzusetzen. Saddam Hussein wird ein Ultimatum mit 15. Januar 1991 gestellt. Letzterer leistet diesem nicht Folge und nimmt die in Kuwait befindlichen westlichen Bürger als „Geiseln und Schutzschilde“.

 

Landung der schweren Kampfpanzer AMX 30 B 2 des 4. Dragoner-Regiments aus „Saint Romain“, Yanbu, Saudi-Arabien, Februar 1991. ECPAD/Didier Charre

 

Zahlreiche Länder machen gegen den Irak mobil, sodass gemäß der UNO-Resolution am 17. Januar 1991 um 1 Uhr morgens die Operation Desert Storm (Wüstensturm) gestartet wird. Sie beginnt mit strategischen Bombenangriffen gegen den Irak, die dessen Luftwaffe sowie seine nuklearen, chemischen und elektrischen Anlagen sowie zahlreiche Straßen zerstören.

 

Dann greifen die Verbündeten die irakische Armee, die nun keine Luftunterstützung mehr hat, massiv am Boden an.  

 

 

Am 26. Januar 1991 wird Kuwait von den britischen Truppen befreit, während die amerikanischen und französischen Streitkräfte bis 300 Kilometer vor Bagdad vorgerückt sind. Der Rest der irakischen Armee zieht sich hinter die Grenze zurück.

 

Die Luft-Boden-Schlacht gegen den Irak findet von 24. bis 28. Februar 1991 statt. An diesem Datum verkündet der Irak, dass seine Streitkräfte den Waffenstillstandsbefehl erhalten haben.

 

Der Waffenplatz des KP der Daguet-Division in Miramar, Saudi-Arabien, Dezember 1990. Ein Schutzwall umgibt das Lager. ECPAD/ Yann Le Jamtel

 

Französische Beteiligung am Golfkrieg

 

 Ab August 1990 setzt die französische Marine im Rahmen der UNO-Mission mehr als dreißig Schiffe ein – Flugzeugträger, Kreuzer, Hubschrauberträger, fast 7.000 Marinesoldaten und drei Marinekommandos. Sie haben die Aufgabe, das Embargo durchzusetzen und Truppen sowie Material zu transportieren.

 

Am 14. September 1990 plündert die irakische Armee die französische Botschaft in Kuwait-Stadt. Als Reaktion darauf beschließt der Präsident der Republik, François Mitterrand, am 15. September 1990 die Teilnahme der französischen Streitkräfte an der Operation „Wüstenschild“. Die französische Verlegung umfasst die Entsendung von Flugzeugen und/oder Soldaten der Luftstreitkräfte nach Saudi-Arabien (Operation Daguet) sowie nach Katar (Operation Méteil) und in die Vereinigten Arabischen Emirate (Operation Busiris).

 

 Es handelt sich um die größte französische Militäroperation seit dem Algerienkrieg.

 

Luftansicht der zerstörten befestigten Stellungen und Panzer T-55 in Rochambeau, Saudi-Arabien, Februar 1991. ECPAD/Michel Riehl

 

 Die Ankunft der französischen Landstreitkräfte erfolgt in drei Phasen:

  • Im September 1990 sind die Kampfhubschraubereinheiten in Saudi-Arabien.

  • Im Januar 1991 beteiligt sich die französische Luftwaffe an den strategischen Bombenangriffen.

  • Im Februar 1991 zählt die Daguet-Division 12.000 Mann, Legionäre, Fallschirmjäger, Marineinfanteristen, Marineartilleristen und Soldaten der Infanterie.

 

Dazu kommen 1.160 Soldaten der Luftwaffe und 2.400 Mann der Marine, die in den Golf entsandt wurden, sowie 3.400 französische Reservesoldaten in Dschibuti. Damit ist die Daguet-Division eine Mini-Armee, die mit der modernsten Technologie ausgestattet ist. Auch wenn ihr nur eine begrenzte Anzahl von Soldaten angehört, stellt sie dennoch die französische Militärelite dar.

 

Die Rolle der Daguet-Division ist im Rahmen der Bodenoffensive wichtig: die im Westen des alliierten Einsatzes positionierten französischen Regimenter sollen den irakischen Flugplatz As Salman 150 Kilometer im Inneren des feindlichen Gebietes einnehmen und die Kontrolle über einen Verkehrsknotenpunkt in der Nähe sicherstellen.

 

Die Marineinfanteristen des 3. RIMa (Infanterieregiments der Marine) besetzen die Stadt Al Salman: einige sind als liegende Schützen positioniert und mit Famas bewaffnet, andere rücken vor und überwinden ein Drahtgitter, Irak, Februar 1991. ECPAD/Michel Riehl und Yann Le Jamtel

 

Die Entsendung der Soldaten nach Kuwait-Stadt nach Ende der Feindseligkeiten bildet die letzte Phase des Einsatzes der Daguet-Einheit. Ab 26. Februar 1991 hat eine Pioniereinheit Position in der französischen Botschaft in Kuwait bezogen. In der Folge wird Verstärkung nach Kuwait-Stadt entsandt, um die Missionen „Minenräumung“ (da sich in der Umgebung der französischen Botschaft andere Botschaften, die angrenzenden Strände und der Hafen von Kuwait-Stadt befinden), „Entgiftung“ und „Wiederherstellung der öffentlichen Einrichtungen“ bis 15. Mai 1991 sicherzustellen.

 

Zusammensetzung der Daguet-Division

 

Die Daguet-Division setzt sich aus folgenden Regimentern zusammen: dem 2. Marine-Infanterieregiment (2. RIMa), dem 3. Marine-Infanterieregiment (3. RIMa), dem 4. Dragoner-Regiment (4. RD), dem 1. Fallschirm-Husarenregiment (1. RHP), dem 1. Fallschirmjägerregiment der Marineinfanterie (1. RPIMa), dem 13. Dragoner-Fallschirmjägerregiment (13. RDP), dem 6. Pionierregiment der Fremdenlegion (6. REG), dem 11. Marine-Artillerieregiment (11. RAMa), dem 2. Infanterieregiment der Fremdenlegion (2. REI), dem 1. Spahiregiment (1. RS), dem 1. Kavallerieregiment der Fremdenlegion (1. REC), dem 1. und 3. Kampfhubschrauberregiment (1. und 3. RHC) und dem 6. Stabs- und Versorgungsregiment (6. RCS).

 

Irakische Gefangene in Rochambeau ergeben sich, Saudi-Arabien, Februar 1991. ECPAD/Yann Le Jamtel

 

Bilanz der Intervention der Daguet-Division

 

Durch das Eingreifen der Daguet-Division war die Zerstörung oder Wiedererlangung von 18 Panzern, 18 leichten Panzerfahrzeugen, 73 Artilleriewaffen, 59 verschiedenen Fahrzeugen, 18 Bunkern sowie die völlige Zerstörung der Luftwaffenbasis Al Salman möglich. Sie hat außerdem 3.000 irakische Soldaten gefangen genommen. Ihre eigenen Verluste belaufen sich auf 2 Tote und etwa dreißig Verletzte, zumal sie vor allem bei den ersten Bodenoffensiven oft an der Front war.  

 

 Siehe auch auf Educadef Die Auslandsoperationen

 

Verteidigungsministerium/SGA/DMPA